Annie Geron

Nach ihrer bewegenden Rede haben die Kongressteilnehmer/innen Annie Geron ins Herzu geschlossen.

Annie Geron, Generalsekretärin der philippinischen Gewerkschaft PSLINK

(Text der Übersetzung) Kollege und Präsident Frank Bsirske und Maggi, Schwestern und Brüder, meine wärmsten Solidaritätsgrüße und besten Wünsche an alle in dieser Gewerkschaft gehen an Euch, und zwar im Namen der Public Services Labor Independent Confederation PSLINK.

Ich möchte sagen, dass ich sehr geehrt bin, hier zum zweiten Bundeskongress eingeladen zu sein, wobei ich erkenne, dass ver.di eine sehr große, unabhängige und demokratische Gewerkschaft und einer der stärksten Pfeiler der IÖD (Internationale der Öffentlichen Dienste) ist.

Das Klima hier ist ein bisschen kalt für eine Person, die wie ich aus den tropischen Philippinen kommt, aber die generöse Gastfreundschaft und die Freundlichkeit wärmen mein Herz und meinen Geist. (Beifall)

Der Kollege hat ja schon erklärt, was sich in der Vergangenheit in meinem Leben und auf den Philippinen zugetragen hatte. Es ist eben leider so, dass auf den Philippinen die Gewerkschafter, die Sozialaktivisten, die Journalisten und die Studenten von reaktionären Kräften angegriffen und häufig auch umgebracht werden.

Im letzten Jahr im Oktober schickte ver.di eine Solidaritätsadresse, um mich und meine Gewerkschaft zu unterstützen, die wir alle unvorstellbaren Verfolgungs- und Einschüchterungskampagnen unterworfen gewesen waren, und zwar durch den Generaldirektor der Berufsförderungsbehörde, bei der ich seit 30 Jahren als Beamtin arbeite.

Diese Situation entstand, nachdem ich eine Korruptionsanklage gegen meinen Arbeitgeber lanciert hatte. ver.di und IÖD schickten eine Mission auf die Philippinen und erließen einen Aufruf, um uns zu unterstützen und diese schrecklichen Verletzungen gegen Gewerkschaften und Menschenrechte auf den Philippinen zu beenden. (Beifall)

Wir auf den Philippinen gehören zusammen mit den Volksorganisationen zu den progressiven und kämpferischen Gewerkschaften, die an der Spitze einer Bewegung stehen, die sich um soziale Reformen bemüht.

Ich möchte unseren tiefempfundenen Dank dafür zum Ausdruck bringen, dass ver.di uns so viel Unterstützung hat zukommen lassen - zu einer Zeit, in der wir sie am meisten brauchten.

Wenn ich mir die Vielfalt der Mitglieder von ver.di ansehe, wenn ich die vielen Fragestellungen in Betracht ziehe, denen sich ver.di widmet und für die sich ver.di einsetzt, muss ich sagen, dass die Unterstützungskampagne für die Arbeitnehmer in einem Land, das Tausende von Meilen weg von Deutschland liegt, für uns äußerst bemerkenswert war und uns viel Kraft gegeben hat. (Beifall)

Bis zum heutigen Tage ist es so, Kolleginnen und Kollegen, dass die Menschenrechte und die Rechte der Gewerkschaften weiterhin bedroht bleiben. Wir kämpfen weiterhin für die fundamentalsten Rechte auf Bildung, auf Gesundheit, auf Schutz, auf einen Arbeitsplatz, auf die Meinungsfreiheit und das Recht, uns als Gewerkschaften zu organisieren.

Aber gleichzeitig möchte ich Ihnen auch erzählen, was aus dieser ganzen Sache geworden ist. Das ist eine gute Nachricht, die aus der internationalen Solidarität, die uns durch ver.di bekundet wurde, entstand. Am 7. September dieses Jahres hat die philippinische Civil Service Commission unsere Gewerkschaft rehabilitiert, weil Beweise gefunden wurden, dass man versucht hatte, die Gewerkschaft auseinanderzubrechen, und dass für acht Mitarbeiter meiner Behörde eine Anweisung ausgesprochen worden war, uns alle in weit entfernte Orte zu versetzen. Das wurde widerrufen. (Beifall)

Die Kommission erklärte auch meine Entlassung für unrechtsmäßig und wies meinen Arbeitgeber an, mich sofort wieder in meine alte Position in meinem Büro einzusetzen.

Ich danke ver.di aus ganzem Herzen, dass ver.di sich dafür eingesetzt hat, und dafür, dass die Solidaritätsaktionen durchgeführt wurden. Ich danke für die Solidaritätsadresse, die geschickt wurde. Ich danke auch dafür, dass eine deutsche Journalistin, die in Manila lebt, mich interviewt hat und dass meine ganze Geschichte in ihrer Zeitschrift veröffentlicht wurde. (Beifall)

Indessen geht unser Kampf immer weiter. Wir kämpfen uns sozusagen Zoll für Zoll voran in Richtung auf eine Good Governance. Wir kämpfen für soziale Gerechtigkeit und Würde für die Arbeitnehmer in unserem Land. Dieser Sieg, den ich Ihnen gerade geschildert habe, hat natürlich dazu geführt, dass unser Selbstbewusstsein gestärkt wurde und dass wir entschiedener denn je für die Rechte der Arbeitnehmer kämpfen. Wir versuchen darzustellen, dass die Gewerkschaften Alliierte, also Verbündete, sind in den Bestrebungen, für unsere arbeitende Bevölkerung ein besseres Leben zu schaffen. (Beifall)

Ob es sich nun um Kolumbien, um Burma, um Südkorea, um China oder um Simbabwe handelt - die Philippinen sind Teil der internationalen Völkergemeinschaft, und wir sitzen sozusagen in einem virtuellen globalen Glashaus, durch das man hindurchsehen kann und wo man erkennt, was vor sich geht. Insofern danke ich noch einmal ganz herzlich dafür, dass ver.di seine Stimme erhoben hat, um Druck auf die Regierung in den Philippinen auszuüben, damit die Regierung transparenter und rechenschaftspflichtiger wird. (Beifall)

Bei dem Empfang am letzten Mittwoch gab es einen Künstler, der Seifenblasen machte. Irgendwie kam mir dabei der Gedanke, dass ich doch einen Vergleich anstellen könnte zu der neoliberalen Bubble Economy, wo ursprünglich einmal versprochen war, Prosperität für alle zu schaffen - eine Wirtschaft, die fragil ist, ohne Nachhaltigkeit und die, wie gesagt, dieses Versprechen, für alle Prosperität zu erbringen, nicht erfüllt hat. (Beifall)

Wenn ich an die Bubble Economy denke, dann kommt es mir vor wie ein Kasino, wo die Arbeitnehmer ihre Würde und ihre Zukunft sozusagen im Spiel verlieren und wo es nur um Profite und um sehr enge Interessen geht. Deswegen müssen wir unsere Bestrebungen zusammenlegen, müssen dieses Spiel verbieten und müssen sehen, dass wir durch die internationale Solidarität uns den Neoliberalen entgegenstellen und die Interessen unserer Arbeitnehmer vertreten können. (Beifall)

Ich komme jetzt zum Ende meiner kleinen Rede, und ich möchte an ver.di appellieren, mit diesen Unterstützungs- und Solidaritätsaktionen fortzufahren; denn man muss all denjenigen helfen, die der Hilfe bedürfen. Internationale Solidarität ist angesagt, und wir glauben daran. Wenn einem Arbeiter etwas Schlechtes widerfährt, wenn seine Würde verletzt wird, dann ist das eine Verletzung der Würde aller Arbeitnehmer. Oder wenn es eine Ungerechtigkeit für einen Arbeitnehmer gibt, dann gibt es Ungerechtigkeiten für alle Arbeitnehmer, und dagegen müssen wir kämpfen. (Beifall)

Frank, ich möchte für diese Gelegenheit danken, hierher kommen zu können, um die Diskussion verfolgen zu können und daraus zu lernen. Vielen Dank an Frank, vielen Dank an alle. (Starker, lang anhaltender Beifall - in rhythmisches Klatschen übergehend - die Delegierten erheben sich von ihren Plätzen - Frank Bsirske überreicht Annie Geron einen Blumenstrauß)