Margrit Wendt

Margrit Wendt, Vorsitzende des Gewerkschaftsrates

Liebe Kolleginnen und Kollegen, als ich vor vier Jahren zusammen mit Frank den ersten ver.di-Bundeskongress eröffnet habe, sprachen wir von dem ver.di-Baum, von seinen Wurzeln, seinen Verästelungen und seinem Wachstum. Vier Jahre sind vergangen, und ver.di steht fest verwurzelt und kraftvoll für die Arbeitnehmerrechte in diesem Land. ver.di hat zahlreichen Stürmen widerstanden und seinen Mitgliedern stets und immer Schutz, Halt und Orientierung geboten.

Was in den letzten vier Jahren geschah, sollen unsere Geschäftsberichte aufzeigen. Sie sollen vor allem darauf hinweisen, welche Spuren wir gelegt haben, aber auch welche Wege noch vor uns liegen, um unsere gemeinsamen Ziele zu erreichen. Nicht die Leistung des oder der Einzelnen ist darzustellen, sondern das gemeinsame Ringen um Lösungen, Entscheidungen, Hindernisbewältigung und Erfolge.
Aber, liebe Kolleginnen und Kollegen, nicht alle, die mit uns gestritten, gekämpft, gelacht und gesiegt haben, können heute noch an unserer Seite sein. Deshalb bitte ich Euch, Euch von Euren Plätzen zu erheben. (Die Delegierten erheben sich von ihren Plätzen)

Stellvertretend für sie alle möchte ich Heinz Kluncker nennen, der am 21. April 2005 nach langer, schwerer Krankheit kurz nach seinem 80. Geburtstag verstorben ist. Mit Heinz haben ver.di, die deutsche und die internationale Gewerkschaftsbewegung eine Persönlichkeit verloren, die unser Streben nach mehr Gerechtigkeit wie kaum eine andere verkörperte. Mit seiner erfolgreichen Arbeit als Vorsitzender der Gewerkschaft ÖTV von 1964 bis 1982 hat Heinz weit über seine Amtszeit hinaus Maßstäbe gesetzt. Er war eine feste politische Größe in der Bundesrepublik Deutschland, ob als Wegbereiter der Aussöhnung mit dem Osten, als Tarifpolitiker oder als Reformer des Sozialstaates. Seine Geradlinigkeit, Ehrlichkeit und Verlässlichkeit hat er immer in den Dienst der Interessen seiner Kolleginnen und Kollegen gestellt. Für uns ist sein Tod ein großer Verlust.

Erinnern wir uns stellvertretend an Ursula Konitzer. Am 2. April 2004 ist die ehemalige stellvertretende Vorsitzende der DAG nach langer, schwerer Krankheit verstorben. Ursula war bei der DAG zuständig für die Wirtschaftspolitik. Ihre Arbeit war geprägt von hohem Sachverstand, von Engagement und großer sozialer Kompetenz. Nach ihrem Ausscheiden aus dem DAG-Bundesvorstand wurde Ursula Mitglied des Kuratoriums der Ruhegehaltskasse. Neben ihrem fachlichen Ansehen genoss Ursula wegen ihrer Fairness und ihrer Geradlinigkeit ein hohes Ansehen und hohe Wertschätzung weit über ihre gewerkschaftliche Tätigkeit hinaus. Mit ihr haben wir ein großes Vorbild verloren.

ver.di und die internationale Gewerkschaftsbewegung trauern um eine bedeutende Persönlichkeit, einen großen Gewerkschafter: Kurt van Haaren. Kurt war als langjähriger Vorsitzender der Deutschen Postgewerkschaft einer der ver.di-Gründungsväter. Er war eine feste Größe in der deutschen Wirtschaft und in der deutschen Politik. Er stand maßgeblich für den sozialverträglichen Umbau der drei Bundespost-Nachfolgeunternehmen Postbank, Post AG und Telekom. „Niemals nachlassen“ war sein Leitmotiv. In diesem Sinne stellte er seine Arbeit in den Dienst der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, national wie international. Seine Ehrlichkeit, Verlässlichkeit und Beharrlichkeit machen ihn unvergessen. Kurt starb am 14. Juli 2005 kurz vor seinem 67. Geburtstag.

Erinnern wir uns stellvertretend für viele an Günter Volkmar. Am 22. Februar 2006 verstarb der ehemalige Vorsitzende der HBV kurz vor seinem 83. Geburtstag nach langer, schwerer Krankheit. Sein außergewöhnliches Engagement richtete sich vor allem gegen Sozialdumping, für ein sozial-fortschrittliches Europa und für gewerkschaftliche Solidarität. Seine Persönlichkeit zeichnete sich durch seinen Gestaltungswillen und seine Umsetzungsstärke aus. Seine Arbeit lebte von seiner wachen und lebendigen Phantasie, aus der er richtungsweisende Ideen schöpfte. Sein Wirken war allgegenwärtig, und er prägte damit maßgeblich die HBV. Günter Volkmar wird allen, die ihn kannten, in eindrucksvoller Erinnerung bleiben.

Erinnern wir uns stellvertretend für viele an Manfred Bartsch. Manfred war bis zu seinem plötzlichen unerwarteten Tod am 13. April dieses Jahres Landesbezirks-Fachbereichsleiter Gesundheit, soziale Dienste, Wohlfahrt und Kirchen in Sachsen-Anhalt und gehörte seit 2001 der Landesbezirksleitung an. Er widmete sich seiner verantwortungsvollen Tätigkeit mit viel Engagement und Elan. Er war für seine hohe Kompetenz bekannt. Wir verlieren mit Manfred Bartsch einen Gewerkschafter, dessen prägende Merkmale Beharrlichkeit und Nachhaltigkeit waren.

Und, liebe Kolleginnen und Kollegen, erinnern wir uns, stellvertretend für viele, an Anton Reuer. Unser Kollege und langjähriger Sekretär des ver.di-Gewerkschaftsrats hat am 4. August seinen Kampf gegen den Krebs verloren. Alle, die Anton kannten und ihn hier bei seinem Einsatz für seinen Gewerkschaftsrat, für ver.di erlebt haben, wissen: Anton war die gemeinsame Sache stets wichtiger als die eigene Person. Er hat uns bis zum Schluss mit Rat und Tat zur Seite gestanden. Deshalb hinterlässt er einen großen Auftrag: unseren Einsatz für die Menschen, für Gerechtigkeit, für Respekt und Anerkennung, für ein menschenwürdiges Leben für alle. Dankbar für die vielen Stunden, die wir mit ihm teilen durften, lebt er für uns als der erste Sekretär des ver.di-Gewerkschaftsrats in unseren Gedanken weiter.

Abschied nehmen tut weh, besonders wenn es für immer ist. Aber das Votum unserer Verstorbenen ist uns Ansporn und Auftrag. Ich danke Euch, dass Ihr Euch von Euren Plätzen erhoben habt. (Die Teilnehmer nehmen wieder ihre Plätze ein)

Liebe Kolleginnen und Kollegen, ver.di lebt durch seine Ehrenamtlichen, in jedem Ort und jedem Betrieb im Organisationsbereich, durch die Arbeit der vielen Tausend Ehrenamtlichen, die sich neben ihrer stressigen beruflichen Tätigkeit für ver.di einsetzen, die Verantwortung übernehmen und Entscheidungen treffen. Ihr Einsatz und Engagement machen ver.di zur gelebten politischen Kraft in unserer Gesellschaft. Denn die Geschichte der Arbeiterbewegung lehrt, dass unsere Kraft umso stärker ist, je mehr Menschen sich ihr anschließen. Diese Arbeit gilt es zu würdigen und anzuerkennen. Deswegen richte ich bereits an dieser Stelle einen herzlichen Dank an alle, die ver.di in der Vergangenheit und in der Zukunft stark machen. - Ihr könnt ruhig einmal für Euch selber klatschen. (Beifall)

Liebe Kolleginnen und Kollegen, deshalb freue ich mich, hier den Geschäftsbericht des ver.di-Gewerkschaftsrats abzugeben. Das Ehrenamtsprinzip in ver.di ist eine tragende Säule unseres gewerkschaftlichen Selbstverständnisses. Das werdet nicht zuletzt Ihr, liebe Delegierte, durch Eure Diskussionen und Entscheidungen während dieses Kongresses belegen.

Aufgabe des Gewerkschaftsrats ist es, die Umsetzung der Beschlüsse zu begleiten, sie voran zu treiben, manchmal ihre Nachhaltigkeit einzufordern und selbstverständlich eigene Initiativen zur politischen Gestaltung der ver.di auf den Weg zu bringen. Auftrag und Ziel unserer gemeinsamen Arbeit ist es, über die politischen Inhalte zu den Menschen zu kommen und mit ihnen identifiziert zu werden - hier auf dem Kongress und in unserer täglichen Arbeit im Betrieb.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, „Gerechtigkeit, Würde und Solidarität“ ist das Motto dieses Kongresses. Um diese Werte ging es auch bei unserer Arbeit im Gewerkschaftsrat in den vergangenen vier Jahren.
Gerechtigkeit war für uns das Leitmotiv, um uns deutlich gegen den sozialen Kahlschlag der Agenda 2010 zu positionieren und zu Protesten aufzurufen. Wir machen uns seither besonders stark für verbesserte Leistungen für Erwerbslose und fordern die Einführung einer bedarfsorientierten Grundsicherung. (Beifall) Gerechtigkeit heißt für uns, dass es keinen Absturz Erwerbsloser in Armut und keinen Zwang zur Aufnahme untarifierter und nicht sozialversicherter Arbeit geben darf. (Beifall)

Würde war für ver.di die zwingende Notwendigkeit, die erfolgreiche Kampagne für die Einführung eines Mindestlohns zu beschließen, um damit zu verhindern, dass Arbeit im Hochlohnland Deutschland arm macht - arm und würdelos. Was in vielen europäischen Nachbarstaaten längst umgesetzt wurde, kann bei uns doch nicht schlecht geredet werden. ver.di fordert daher eine Stundenlohn in Höhe von mindestens 7,50 Euro, der dann in den kommenden Jahren schrittweise auf 9 Euro angehoben werden soll. (Starker Beifall) In der Mitte von Europa braucht dieses Land den Mindestlohn, die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in diesem Land brauchen ihn. (Beifall)

Solidarität - ich sehe es hier gerade -: Die Rente mit 67 ist zutiefst unsolidarisch. (Starker Beifall) Die Verlängerung der Lebensarbeitszeit löst keine Arbeitsmarktprobleme. Im Gegenteil: Sie ist ein verkapptes Rentenkürzungsprogramm. Deshalb lehnen wir sie konsequent ab. Basta! (Starker Beifall)

Liebe Kolleginnen und Kollegen, Gerechtigkeit, Würde und Solidarität sind daher viel mehr als das Motto dieses Kongresses. Sie sind das Motto für unsere tägliche Arbeit. So haben wir uns im Gewerkschaftsrat auf viele zentrale gewerkschaftspolitische Grundpositionen gemeinsam verständigt. Diese Leitlinien der ver.di-Politik sind in dem Euch vorliegenden schriftlichen Geschäftsbericht beschrieben. Dieser wurde erneut gemeinsam von Gewerkschaftsrat und Bundesvorstand entwickelt und ausgearbeitet. Frank wird in seinen Erörterungen noch einige herausragende gewerkschaftspolitische Initiativen aufgreifen.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, ein Kongress muss Raum geben für einen kritischen, ehrlichen Blick zurück, aber er muss vor allem Orientierung für die Zukunft geben - nach innen wie nach außen. Dabei dürfen wir nie unseren Auftrag aus den Augen verlieren, den uns unsere Mitglieder mitgegeben haben: eine bestmögliche Vertretung ihrer Interessen, den Schutz einer starken solidarischen Gemeinschaft und die Bereitschaft zu einem ehrlichen konstruktiv-kritischen Austausch.

In den vier Jahren haben wir gemeinsam viel geschafft: ver.di ist lebendig, streitbar, stark, durchsetzungsfähig und gesund. In weiten Teilen leben wir eine gemeinsame Kultur, ohne aber dabei unsere Wurzeln zu vergessen. Wir sind zusammengewachsen und lösen uns von den Übergangsregelungen. Die Mitgliederorientierung und Mitgliedergewinnung sind Richtschnur unseres Handelns - jetzt und in Zukunft.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, Mitgliederorientierung und Mitgliedergewinnung waren Schwerpunkte der strategischen Ausrichtung des Gewerkschaftsrats. Uns allen aber war dabei klar: Mitglieder können nicht durch Beschlüsse gewonnen werden. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer müssen an ihrem Arbeitsplatz, in den Betrieben und in den Dienststellen gezielt angesprochen und überzeugt werden, bei uns mitzumachen.

So war der Gewerkschaftsrat hier vor allem Impulsgeber bei der Suche nach einem erfolgversprechenden Weg. Erfahrungen aus Mitgliederprojekten und praktizierter Mitgliederwerbung wurden von den Mitgliedern des Gewerkschaftsrats zusammengetragen. Es wurden politische Anforderungen an den Bundesvorstand erarbeitet, die richtungsweisend für das weitere Vorgehen sind.

Mit dem Aufbau der Abteilung Mitgliederwerbung in der ver.di-Bundesver-waltung und der bundesweiten Vernetzung der Schulung von Werberinnen und Werbern sind Grundsteine gelegt, um zukünftig Mitgliederwerbung, Mitgliedergewinnung, aber auch das Halten von schon bestehenden Mitgliedschaften zu systematisieren und erfolgreich nach vorn zu treiben.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, zwischen den Kongressen habt Ihr dem Gewerkschaftsrat den Auftrag gegeben, Beschlüsse umzusetzen, Impulsgeber und Kontrolleur zu sein. Gewerkschaftsrat, Präsidium, Haushalts- und Finanzausschuss und der Personalausschuss sowie zeitlich begrenzt eingerichtete Arbeitsgruppen haben nicht alles erreicht, was uns der letzte Bundeskongress mitgegeben hat oder was wir uns selber vorgenommen haben. Aber ich denke, die Bilanz unserer Arbeit kann sich sehen lassen. Viele Entscheidungen waren Kompromisse, viele Entscheidungen haben schmerzhafte Prozesse ausgelöst. Aber wir können gemeinsam stolz darauf sein, dass wir trotzdem nicht nachgelassen haben. So bin ich mir ganz sicher, dass wir auch noch Ziele erreichen, wo wir heute erst Teilerfolge verzeichnen können.

Ein an vielen Stellen schmerzhafter Prozess, aber letztendlich von allen konsequent verfolgt, war der Satzungsauftrag, die Frauenquote bis zu den Organisationswahlen 2006/2007 umzusetzen. Dabei blieb es nicht aus, dass motiviert, informiert und aufgeklärt werden musste, dass rechtliche Unklarheiten durch ein vom Bundesvorstand beauftragtes Gutachten beseitigt werden mussten, dass Wahlverfahren neu gestaltet werden mussten und dass Regelungen gefunden werden mussten, um mit den Betroffenen wertschätzend umzugehen.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, Ihr alle habt dazu beigetragen, dass ver.di heute beispielgebend für unsere Mitglieder, für die Öffentlichkeit und für andere Organisationen ist, dass Gleichberechtigung bei uns gelebt wird. Darin dürfen und werden wir nicht nachlassen. (Beifall)
Heute setzen sich alle - bis auf eine - Landesbezirksleitungen aus einem Kollegen und zwei Kolleginnen zusammen. In den Bezirksgeschäftsführungen ist der Frauenanteil gestiegen, und in allen ehrenamtlichen Gremien wurde der Satzungsauftrag umgesetzt.
Mit großer Bereitschaft auf allen Seiten wurde für die Kolleginnen und Kollegen, die diesen Prozess mitgestaltet haben, indem sie nicht wieder kandidiert haben, eine einvernehmliche Lösung gefunden. Das war wichtig und zukunftsweisend. Hiermit konnten die Kompetenz und die Erfahrung der Betroffenen für die Organisation, für unsere Mitglieder, gesichert werden.

ver.di hat sich seit ihrer Gründung klar dazu bekannt, gesellschaftliche Veränderungen durch eine gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern zu erreichen. Wir haben den Weg konsequent beschritten und werden nicht nachlassen. Dazu gehört auch die Erhöhung des Frauenanteils in Leitungsfunktionen als wesentlicher Akzent im Bereich der Hauptamtlichen. Auch hier können wir natürlich Verbesserungen erreichen. Hier sind vor allen Dingen die Anstrengungen im Bereich des ver.di-Mentoringprogramms fortzusetzen. Das ist dringend erforderlich. Ich weiß, dass wir das gemeinsam schaffen und tun werden. (Beifall)
Als einen weiteren wichtigen Weg, um demokratischere Verhältnisse zwischen Frauen und Männern in ver.di herzustellen und um mitgliedernahe Gewerkschaftsarbeit zu betreiben, betrachten wir den Satzungsauftrag, die Strategie des Gender Mainstreaming anzuwenden. ver.di vollzieht den Perspektivwechsel „durch Berücksichtigung der Kategorie Geschlecht bei der Lösung aller wirtschaftlichen, politischen und sozialen Fragen“. Das war unser Beschluss des Kongresses in 2003. Inzwischen hat ver.di in der Öffentlichkeit eine hohe Reputation in Sachen Geschlechterpolitik erreicht. Die Verankerung von Gender Mainstreaming in den Köpfen und dem praktischen Arbeitshandeln der Kolleginnen und Kollegen in ver.di - und damit in den Betrieben und Verwaltungen - muss jedoch verstärkt und nachhaltiger gestaltet werden.

Nun will ich nicht behaupten, dass das „mal so eben nebenbei“ geht. Aber ähnlich wie bei den Fragen nach der Umweltverträglichkeit können wir diese Frage nach der differenzierten Ansprache der vielfältigen Interessen unserer Mitglieder quasi als eine Folie über unser Tun legen. Dann müsste es mit einiger Übung eine selbstverständliche Aufgabe für uns alle werden. Zeit zum Üben hatten wir ja schon; jetzt setzen wir es weiter um.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, nicht einfach und auch noch nicht beendet ist die Umsetzung der Kongressbeschlüsse des 1. Ordentlichen Bundeskongresses zur Verkleinerung des Bundesvorstands - der sogenannte A1 - und zur Strukturreform in ver.di, der sogenannte A5. Obwohl es erklärtes Ziel aller war, zeigten sich in der Praxis Widerstände, Satzungsschranken und Ängste vor Identitätsverlusten. Um die Fusionen der Fachbereiche umzusetzen, hat der Gewerkschaftsrat auf die Freiwilligkeit der Fachbereiche gesetzt; denn es entspricht unserem Selbstverständnis, dass wir gemeinsam an Veränderungen arbeiten, sie gemeinsam entwickeln.
Es gab eine große Bereitschaft zu Kooperationen, jedoch zum jetzigen Zeitpunkt keine Fusionen. Sechs Fachbereiche kooperieren inzwischen miteinander. Sie haben sich auf einen gemeinsamen Vorschlag für ein Bundesvorstandsmitglied verständigt. Dafür sagen wir allen ausdrücklich Danke. (Beifall)

Auch bei der Arbeitsverteilung im Bundesvorstand, mehr Fachbereichsaufgaben mit Querschnittstätigkeiten zu verknüpfen, sind wir weitergekommen. Dieser Weg muss weiter beschritten werden, satzungskonform und zukunftsorientiert. Wir werden sicher Gelegenheit haben, bei den Satzungsanträgen darüber zu diskutieren.
Nur wer sich ändert, bleibt sich langfristig selbst treu. Deshalb können wir feststellen, dass der Umsetzungsgrad des Kongressbeschlusses A5, der Strukturreform in ver.di, nach intensiver Arbeit der Strukturkommission als sehr hoch eingestuft werden kann. Nach wie vor besteht aber Verbesserungs- und Umsetzungsbedarf in der Aufbau- und Ablauforganisation von ver.di. Der Gewerkschaftsrat hat auf Vorschlag der Strukturkommission eine Reihe von weichenstellenden Satzungs- und Richtlinienänderungen auf den Weg gebracht. Die Weiterentwicklung der komplexen Organisationsstruktur hat aber ein für ver.di wichtiges Ergebnis hervorgebracht: Das Zusammenspiel von Ebenen und Fachbereichen in der sogenannten Matrix hat sich trotz aller Abstimmungsprobleme und aufgrund des Reformwillens von allen grundsätzlich bewährt. Darauf können wir stolz sein. (Beifall)
Vor allem ist aber an dieser Stelle einmal Gelegenheit, allen Mitgliedern der Strukturkommission für ihre intensive Arbeit ganz herzlich zu danken. (Beifall)

Liebe Kolleginnen und Kollegen, mit der Neufassung der Budgetierungsrichtlinie durch den Gewerkschaftsrat und unter maßgeblicher Beteiligung und Vorbereitung durch den Haushalts- und Finanzausschuss wurde ein Auftrag des 1. Ordentlichen Bundeskongresses umgesetzt und damit mehr Verteilungsgerechtigkeit in unserer Organisation erreicht. Immer mehr gelingt es, Unterschiedliches auf den gemeinsamen ver.di-Weg zu bringen.

Ein ganz wesentlicher Schritt ist jetzt mit dem Abschluss von Allgemeinen Arbeitsbedingungen und einem neuen Vergütungssystem für alle ver.di-Beschäftigten gelungen. Herzlichen Glückwunsch. Darauf können wir aufbauen, und es wird dem Gewerkschaftsrat jetzt auch gelingen, einheitliche Bedingungen für alle Wahlangestellten zu schaffen.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, ein Auftrag aus der Satzung war auch die Umsetzung der Start-Ziel-Modelle einiger Landesbezirke und Bezirke gemäß der Übergangsbestimmungen. Das hat uns in dieser Amtszeit intensiv beschäftigt.

Die erfolgreiche Zusammenführung der Landesbezirke Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen war ein Meilenstein in der Organisationsentwicklung. Der Gewerkschaftsrat hat in seinen Beschlüssen diese Entwicklung unterstützt, die mit breiter Mehrheit in den fusionierenden Landesbezirken getragen wurden. Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich finde, Ihr habt das prima gemacht, und ganz, wie diese Organisation es braucht und will. Vielen Dank. (Leichter Beifall)

Unsere Anerkennung gilt auch den Landesbezirken Nordrhein-Westfalen, Bayern und Berlin-Brandenburg, die ihre Satzungsvorgaben für die Verkleinerung ihrer Bezirksstrukturen umgesetzt haben. (Leichter Beifall)
Der Landesbezirk Niedersachsen-Bremen hat dies ebenfalls aus freien Stücken mit Bravour umgesetzt. Das ist toll und uneingeschränkt zu begrüßen. (Leichter Beifall)

Die Landesbezirke Hamburg und Nord sowie Rheinland-Pfalz und Saar haben sich als Alternative zum Zusammenschluss zu einer engen Kooperation entschlossen. Alle vier Landesbezirke haben ihre getroffenen Absprachen in ihren Landesbezirksvorständen mit großer Mehrheit beschlossen und dann dem Gewerkschaftsrat präsentiert. Nach intensiven Beratungen ist der Gewerkschaftsrat dem Vorhaben gefolgt. Dazu wurden Rahmenbedingungen verabredet, die gemeinsam überprüft werden auf die Zukunftsfähigkeit dieser durchaus sehr ehrgeizigen Kooperationsmodelle, und gegebenenfalls wird nachgesteuert. Auch dort ist ein guter, gemeinsamer Weg gefunden worden. Herzlichen Dank. (Leichter Beifall)

Liebe Kolleginnen und Kollegen, die Neufassung der Rechtsschutzrichtlinie kann mit Fug und Recht als gelungen bezeichnet werden. Durch eine vorgeschobene Projektphase mit ehrenamtlicher Beteiligung haben sich alle Verantwortlichen über dieses Reformvorhaben verständigt. Damit konnten nach den bisherigen Erkenntnissen die Negativ-Erfahrungen, die wir auf dem letzten Kongress diskutiert haben, deutlich reduziert werden. Wir haben jetzt eine positive Entwicklung. Deshalb an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an die Projektgruppe, die das gemeinsam so toll gestaltet hat. Damit können wir bei den Mitgliedern werben. (Leichter Beifall)

Liebe Kolleginnen und Kollegen, erklärtes Ziel aller war es, 2007 einen ausgeglichenen Haushalt zu erreichen. Deshalb stand die Umsetzung und Überwachung der Haushalts- und Personalkostenkonsolidierung auf der Tagesordnung jeder Gewerkschaftsratssitzung. Alle Sach- und Personalkosten standen auf dem Prüfstand. Durch die konsequente Verfolgung und Aufbereitung aller Themen durch die zuständigen Ausschüsse für Haushalt und Personal konnte der Gewerkschaftsrat alle notwendigen Beschlüsse fassen.
Es wurden Lösungsansätze für die Probleme der Landesbezirke mit Personalüberhang, aber auch für die Landesbezirke mit Personalbedarf gefunden, um die Mobilitätsbereitschaft der Beschäftigten zu erhöhen. Eine deutliche Verbesserung der Planungssicherheit aller Personaleinheiten wurde durch die Beschlüsse des Gewerkschaftsrats zur Umwandlung von Sach- in Personalkosten, zu langfristigen Sollstellenplänen und deren Überprüfung, zur Rücklagenbildung für nicht ausgeschöpfte Personalmittel sowie zur Festlegung und zum Controlling der Personalverrechnungssätze geschaffen.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, das Ziel ist erreicht. Allen, die dazu beigetragen haben, gilt unser Dank. Vor allem aber den Beschäftigten von ver.di, die das im großen Umfang mitgetragen haben. (Beifall)

Wir dürfen jedoch nicht nachlassen im sparsamen Wirtschaften mit den Ressourcen unserer Organisation. Hierzu wird Gerd Herzberg in seinen mündlichen Ausführungen sicher näher eingehen.
Dazu beigetragen hat aber auch die intensive Arbeit einer Gruppe aus Ehren- und Hauptamtlichen, die sich um die technische Zukunftsfähigkeit unserer Organisation gekümmert hat. Durch sinnvolle Teilzentralisierungen konnten Einsparungen in Millionenhöhe umgesetzt werden.

Im Gleichklang mit unseren Zukunftsprojekten „Digitale ver.di“ und Aufbau eines Kommunikationsmanagements hat sich die Arbeitsgruppe Kommunikation des Gewerkschaftsrats mit der Konzeption des Inter- und Intranet-Auftritts des Gewerkschaftsrats beschäftigt. Es steht jetzt zum Austausch von wichtigen Informationen und als elektronisches Archiv zur Verfügung. Alle Funktionsträgerinnen und -träger werden künftig einen Zugang zum ver.di-Intranet bekommen. Damit, liebe Kolleginnen und Kollegen, wird die Arbeit unserer Gremien aktueller und transparenter. (Leichter Beifall)

Liebe Kolleginnen und Kollegen, vier Jahre intensiver Arbeit lassen sich nicht in wenigen Worten darstellen. Deshalb hier nur ein paar Schlagworte. Sozusagen im Trend lagen wir bei der Beschlussfassung und Überwachung der Reorganisation der ver.di-Bundesverwaltung und ausgewählter Landesbezirke. Hier konnten Doppelstrukturen aufgedeckt und behoben werden. Führungsstrukturen wurden in den Ebenenressorts 1, 3 und 6 neu sortiert und entlang der gestiegenen Anforderungen weiterentwickelt. Es konnte dadurch Geld gespart und Effizienz gewonnen werden.

Auch zur Sicherung der personellen Zukunft der Organisation haben Personalausschuss und Personalressort sich auf Eckpunkte zur Verjüngung der Beschäftigtenstruktur und ihrer Finanzierung verständigt. Jugendsekretärinnen und -sekretäre wurden eingestellt und Verwaltungsangestellte zu Gewerkschaftssekretärinnen und -sekretären qualifiziert.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, im Arbeitsalltag des Gewerkschaftsrats gilt es noch, einige Themen weiter zu verfolgen und zu verbessern. Wir müssen ein Beschlusscontrolling aufbauen zur nachvollziehbaren und transparenten Umsetzung der Beschlüsse des Gewerkschaftsrats und seiner Ausschüsse. Die Information zu allen ehrenamtlichen Führungsorganen muss verbessert und im ver.di-Intranet dargestellt werden. Die Arbeit der Ehrenamtlichen auf allen Ebenen und allen Bereichen von ver.di muss auch in der Außendarstellung mehr ihren Widerhall finden.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich bin mir sicher, dass sich der neue Gewerkschaftsrat dieser Themen annehmen wird. Ziel der gesamten Organisation sollte weiterhin die Stärkung der Ehrenamtlichkeit sein, ohne daraus eine Konkurrenzsituation zu den Hauptamtlichen abzuleiten. Es geht hier vielmehr um ein vernünftiges Miteinander, das von beiden Seiten aktiv ge-staltet werden muss, denn unsere Mitglieder stellen ein unerschöpfliches Reservoir an Erfahrungen zur Verfügung. Sie haben Einblick in die Vorgänge vor Ort. Sie sind in den Betrieben tagtäglich präsent. Dies gilt es zu nutzen und positiv zu begleiten. Dazu gehört zwangsläufig eine breite Beteiligung der ehrenamtlichen Gremien an den Entscheidungen unserer Organisation auf allen Ebenen und in allen Bereichen. Das trägt zur Motivation der Mitglieder bei, führt zur Entlastung der Hauptamtlichen und sichert uns allen den wichtigen Kontakt zur Basis. Dazu gehört aber auch, dass wir uns darauf verständigen, uns frühzeitig miteinander in Kontakt zu setzen und auszutauschen, damit gar nicht erst das Gefühl aufkommen kann, dass wir etwa Aufgaben- und Kompetenzschwierigkeiten hätten. Wir werden darüber sicherlich auch noch bei der Antragsberatung diskutieren.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, lasst uns diesen 2. Ordentlichen ver.di-Bundeskongress nutzen, durch unsere Beschlüsse und Diskussionen unsere politischen Inhalte nach vorne zu bringen, unsere Organisation noch attraktiver für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in diesem Land zu machen und Gerechtigkeit bei allen Themen in Politik und Gesellschaft einzufordern, ein für alle Menschen würdevolles Leben im sozialen und wirtschaftlichen Rahmen anzustreben und Solidarität dort auszuüben, wo andere unseren Schutz und unsere Hilfe brauchen. (Beifall)

Liebe Kolleginnen und Kollegen, und jetzt ein ganz persönliches Wort. Mit diesem Kongress höre ich auf, in ver.di Funktionen zu übernehmen. (Unruhe) Es werden tolle Kolleginnen und Kollegen folgen, die die Arbeit ganz genauso toll machen. Ich möchte Euch nur sagen, es hat mir wahnsinnig viel Spaß gemacht, ver.di mitzugestalten, ver.di groß werden zu sehen, ver.di stark werden zu sehen. Ich weiß, wir haben so viele tolle ehrenamtliche Kolleginnen und Kollegen, dass ich mir sicher bin: Ihr werdet nicht einen Zentimeter zurückweichen, sondern für unsere gemeinsamen Interessen weiter nach vorne gehen. Dafür wünsche ich Euch Kraft und viel Erfolg. Ich bedanke mich dafür, dass ich mit Euch zusammenarbeiten durfte. - Schönen Dank. (Starker, lang anhaltender Beifall - die Delegierten erheben sich von ihren Plätzen)