KünstlerInnen

Eröffnungsveranstaltung

Sonntag, 30. September 2007

Beginn: 17.11 Uhr

„We shall overcome“
Musikalisch-lyrische Annäherung an ein Lied, das Gerechtigkeit, Würde und Solidarität Ausdruck verleiht - mit einer 24-köpfigen Brass-Marching-Band, dem Ensemble „Concerto“ und den Solisten Richard Wester, Helene Blum und George Nussbaumer sowie einer deutschen Textbearbeitung  von Manfred Maurenbrecher.

(Starker Beifall)

Frank Bsirske und Margrit Wendt
Margrit Wendt, Vorsitzende des Gewerkschaftsrats

Herzlich willkommen in Leipzig.

Frank Bsirske, ver.di-Vorsitzender
Herzlich willkommen zum zweiten Bundeskongress von ver.di, liebe Kolleginnen und Kollegen. (Beifall)

Margrit Wendt
„We shall overcome“, wir werden es schaffen. Eine, wie wir finden, schwungvolle und passende Eröffnung für unseren Kongress und für diese Stadt. Ein herzliches Dankeschön schon jetzt an die Künstler, die uns so passend eingestimmt haben. (Beifall)
Frank, wir sind in Leipzig. Was verbindest Du eigentlich mit dieser Stadt?

Frank Bsirske
Ich denke, ganz viele Menschen verbinden mit Leipzig zunächst einmal die Messe. Leipzig ist seit vielen, vielen Jahren Handelszentrum und die Messe steht für die Stadt, und die Stadt steht für die Messe.
Und dann verbinde ich als Fußballfan mit Leipzig natürlich auch noch den Gründungsort des Deutschen Fußballbundes. Und das an einem solchen Tag wie heute zu sagen, geht natürlich nicht, ohne darauf hinzuweisen, dass die Frauen des Deutschen Fußballbundes heute Furore gemacht haben. (Starker Beifall - Bravo-Rufe)
Was mal wieder zeigt: Frauen können überhaupt alles. (Bravo-Rufe - Beifall)
Und zu Null ein ganzes Turnier durchzustehen, das hat überhaupt noch keine Männermannschaft geschafft. Glückwunsch nach China, liebe Kolleginnen und Kollegen. (Beifall)
Und was, Maggi, verbindest Du mit Leipzig?

Margrit Wendt
Also nach dem Auftakt ganz besonders Musik. Aber ich verbinde wirklich Musik schon immer mit Leipzig. Das Gewandhaus-Orchester, der Thomaner-Chor, man singt hier Arbeiterlieder, Freiheitslieder.
Aber Leipzig hat auch schon immer eine große Rolle in der Geschichte gespielt. Damit meine ich nicht nur die Völkerschlacht bei Leipzig im Zuge der sogenannten Befreiungskriege.

Frank Bsirske
Stimmt. Das gilt ja bis heute. Wir alle erinnern uns an die Montagsdemonstrationen 1989, die hier von der Nikolaikirche ihren Ausgang nahmen. Keine Gewalt - das war die Forderung der Leipziger. (Starker Beifall)
Und das war ein großer, ein starker Impuls für Demokratie in diesem Lande. Ich erinnere mich, dass ich vor drei, vier Jahren hier zum 1. Mai in Leipzig war und wir hier nach der Kundgebung zusammen mit ganz, ganz vielen Jugendlichen losgezogen sind und demonstriert haben gegen Rechts. Das war ermutigend. (Beifall)

Margrit Wendt
Diese Wachsamkeit der Jugend gab es schon immer in Leipzig, denn auch diese Stadt hat eine braune Vergangenheit. Auch hier wurden zwölf der dreizehn Synagogen in der sogenannten Reichskristallnacht und damit das ganze jüdische Leben dieser Stadt zerstört. Das darf und das wird sich nicht wiederholen. Dafür steht ver.di, dafür wollen wir unseren Beitrag leisten. Die Weichen dürfen nie wieder in so eine Richtung gestellt werden. (Beifall)
Somit, liebe Kolleginnen und Kollegen, ist Leipzig ein toller Ort für unseren, für diesen Kongress.

Frank Bsirske
In der Tat ein guter, ein toller Ort, um Weichen zu stellen. Das ist das, was Ihr Euch hier für diese Woche vorgenommen habt, nämlich die Position zu bestimmen, die Programme festzulegen, das festzulegen, was wir an Schwerpunkten uns für unsere Arbeit der nächsten Jahre vornehmen wollen, damit ver.di weiter eine starke Kraft bleibt in diesem Lande für die Vertretung und für die Durchsetzung von Interessen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. (Beifall)

Margrit Wendt
Deshalb „We shall overcome“. Wir werden es überwinden. Dieses Lied wurde 1946 von den Arbeiterinnen der American Tobacco Company aus Protest gegen ihre Arbeitsbedingungen gesungen und in den siebziger Jahren durch Pete Seeger und Joan Baez zur Hymne der Gewerkschafts- und Friedensbewegung und nicht zuletzt vor allem auch für die schwarze Bürgerrechtsbewegung. Man kann es kaum glauben, dass dieses Lied bis heute nichts an Aktualität verloren hat.

Frank Bsirske
Ja, und in gewisser Weise ist es noch aktueller geworden. Die Entwicklung der letzten Jahre, die Rückkehr der Unsicherheit, der zunehmende Leistungsdruck in den Betrieben, die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich in diesem Lande machen deutlich, wie notwendig gewerkschaftliches Engagement auch in Zukunft ist. Und wir wollen uns einsetzen für die Überwindung von ungerechter Verteilung des gesellschaftlichen Reichtums, wollen uns einsetzen gegen Rechtsextremismus und Gewalt, wollen uns einsetzen für eine sozial gestaltete menschliche Gesellschaft, für Frieden, Gerechtigkeit und für Freiheit in diesem Lande. (Beifall)

Margrit Wendt
Wie die amerikanischen Tabakarbeiterinnen kämpfen wir für bessere Arbeits- und Lebensbedingungen. Wir kämpfen für mehr soziale Sicherheit in Deutschland. Wir kämpfen für die Einführung des gesetzlichen Mindestlohns. Arbeit darf die Menschen nicht arm machen. (Beifall)
Arbeit darf die Menschen nicht entwürdigen, und deshalb steht unser Kongress auch unter dem Motto „Gerechtigkeit, Würde, Solidarität“.

Frank Bsirske
ver.di kämpft für eine gerechte Gesellschaft. Eine Gesellschaft, in der niemand ausgegrenzt wird. Eine Gesellschaft, in der der Reichtum so verteilt wird, dass jeder sein Auskommen hat. Und wenn ich jeder sage, dann meine ich auch jede und jeden. Es kann doch nicht wahr sein, dass die Kinderarmut in diesem Lande zugenommen hat. Das ist ein Punkt, gegen den es anzugehen, den es zu überwinden gilt. „We shall overcome“, und damit begrüßen wir Euch, die mehr als 1.000 Delegierten dieses Bundeskongresses von ver.di. (Starker Beifall)

Ihr werdet mit Euren Beiträgen, mit Eurer Stimme den Kurs von ver.di in den nächsten vier Jahren bestimmen.

Margrit Wendt
Dass wir solidarisch und gemeinsam eine Menge bewegen können, das haben auch schon die vielen Ehrenamtlichen empfunden, die in zahlreichen Konferenzen die Vorarbeiten zu diesem Kongress geleistet haben. An sie alle geht von hier aus ein herzlicher Gruß. (Beifall)
ver.di lebt davon, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, dass die Hauptamtlichen und die Ehrenamtlichen gut zusammenarbeiten. Dies geschieht sowohl auf der Bundes-, Landes- als auch Bezirks- und Betriebsebene, aber auch in den einzelnen Fachbereichen. Deshalb aus Leipzig ein herzlicher Gruß und ein großes Dankeschön an alle Beschäftigten der ver.di für die Unterstützung und viele Arbeit, die Ihr mit der Vorbereitung des Kongresses bereits geleistet habt. (Beifall)
Herzlich willkommen heißen dürfen wir auch die betriebliche Interessenvertretung mit ihrem Gesamtbetriebsratsvorsitzenden Günther Anderer. (Beifall)
„We shall overcome“ - Wir werden die Welt verändern, da wir in ver.di miteinander verbunden und organisiert sind. Dies geschieht durch die stimmberechtigte Teilnahme des Bundesvorstandes an den Gewerkschaftsratssitzungen ebenso wie durch die Zusammenarbeit mit dem Beirat auf der Bundesebene ebenso wie in den Bezirken. Ich freue mich deshalb besonders, hier alle Mitglieder des Bundesvorstands, des Beirats sowie die stellvertretenden Landesbezirksleiterinnen und -leiter und die Bezirksgeschäftsführerinnen und Bezirksgeschäftsführer herzlichen willkommen zu heißen. (Beifall)

Frank Bsirske
Das Motto unseres Kongresses „Gerechtigkeit - Würde - Solidarität“ stellt Werte heraus, die von fundamentaler moralischer Bedeutung sind für jede Gesellschaft, die bedeutsam sind für die Menschen in unserem Lande. Dafür, dass wir diese Werte mit Leben füllen, dafür, dass wir ihnen im Alltag faktisch Geltung verschaffen, dafür brauchen wir Gewerkschafter Bündnispartner, auch und vor allem Bündnispartner in der Politik. Ganz herzlich begrüßen wir stellvertretend für die Bundesregierung den Vizekanzler und Bundesarbeitsminister Franz Müntefering. (Beifall)
Lieber Franz, Du hast unsere Forderung nach einem gesetzlichen Mindestlohn aufgenommen, Du hast Dich klar und deutlich in den letzten Wochen für die Allgemeinverbindlichkeit des tariflichen Mindestlohns in der Postbranche positioniert und dazu klar Stellung genommen. (Beifall) Das ist gut und da hast Du uns an Deiner Seite. Wir freuen uns, Franz, auf Dein Grußwort. (Leichter Beifall)

Margrit Wendt
Liebe Kolleginnen und Kollegen, Leipzig bietet ein historisch und kulturell optimales Umfeld für diesen Kongress. Hier tauschen schon seit tausend Jahren Händler ihre Waren aus allen Himmelsrichtungen aus. Und schon damals taten sich Menschen zusammen, um sich zu schützen. Hier wurde die Burg Lipzi zum Schutz der weit gereisten Händler gebaut. Heute bedarf es Organisationen wie ver.di, um Menschen an ihrem Arbeitsplatz vor inhumanen Arbeitsbedingungen zu schützen.
Leipzig steht auch für Austausch und Völkerverständigung. Die Leipziger Messe war letztendlich auch in Zeiten des Kalten Krieges und der Entspannungspolitik ab den Siebziger Jahren eine wichtige Brücke zur Anbahnung wirtschaftlicher und persönlicher Kontakte zwischen Ost und West.
Leipzig steht aber auch vor allem für den gewaltlosen Widerstand gegen das Parteiregime der ehemaligen DDR. Die allmontäglichen Demonstrationen, ausgehend von der Nikolaikirche, haben wesentlich zum Umsturz der SED-Führung beigetragen.
Wir freuen uns, die Gastfreundschaft dieser Stadt genießen zu dürfen. Als Vertreter der Stadt Leipzig begrüßen wir deshalb recht herzlich den Oberbürgermeister Burkhard Jung. Wir freuen uns, dass er uns in seinem Grußwort sicherlich noch einen Eindruck dieser Stadt vermitteln wird. (Beifall)

Frank Bsirske
Liebe Kolleginnen und Kollegen, dass nicht nur wir uns auf Leipzig freuen, das zeigt schon die Tatsache, dass auch unsere Mitstreiterin im DGB, die IG Metall, in wenigen Wochen ihren Bundeskongress hier in Leipzig abhalten wird. Zusammen mit allen Gewerkschaften des Deutschen Gewerkschaftsbundes bilden wir eine Einheit zur Durchsetzung der Interessen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Zusammen stehen wir für die Sicherung, die Weiterentwicklung, die Verwirklichung einer demokratischen und sozialen Grundordnung. Unsere gemeinsame Stärke, das ist die Stärke jeder Einzelgewerkschaft und des Bundes gemeinsam. Deswegen gilt unumstößlich, dass ver.di zu der Mitgliedschaft im Deutschen Gewerkschaftsbund steht. (Beifall)
Wir begrüßen ganz herzlich den Vorsitzenden des Deutschen Gewerkschaftsbundes, unseren Kollegen Michael Sommer. (Beifall) Wieder zurück, Michael, an alter Wirkungsstätte, sei uns herzlich willkommen; wir freuen uns auf Deinen Beitrag.
Begrüßen können wir auch die Vorsitzenden der Einzelgewerkschaften des DGB, den Kollegen Jürgen Peters von der IG Metall, (Beifall) den Kollegen Hubertus Schmoldt von der IG BCE, (Beifall - vereinzelt Pfiffe), Franz-Josef Möllenberg von der NGG, mit dem zusammen wir die Mindestlohnkampagne auf den Weg gebracht haben, (Beifall) und die Vorsitzenden unserer Schwestergewerkschaften im öffentlichen Dienst, Konrad Freyberg von der GdP und Ulrich Thöne von der GEW. (Beifall) Herzlich willkommen!
Und wir begrüßen Peter Heesen, den Vorsitzenden des Deutschen Beamtenbundes. Peter, Du bist, das erste Mal auf einem ver.di-Kongress. Wir freuen uns darüber. Sei uns herzlich willkommen. (Beifall)

Margrit Wendt
Der Fortfall beziehungsweise die Ablösung mehrerer Übergangsbestimmungen der ver.di-Satzung, hier vor allem die Aufhebung der Gewerkschaftsquotierung in Gremien und Organen, macht deutlich: ver.di hat nach intensiver Aufbauarbeit die erste ordentliche Amtsperiode und damit die Gründungsphase abgeschlossen.
Getragen von einem vorhandenen und stets wachsenden Wir-Gefühl, haben wir die organisationsweite Konsolidierung vorangetrieben. Die fünf Kulturen der Gründungsgewerkschaften haben sich zu einer neuen ver.di-Kultur verschmolzen. Gemeinsam haben wir viel von dem erreicht, was wir uns bei der Gründung unserer Multibranchengewerkschaft vor sechs Jahren vorgenommen haben.
Das hat sich auch in der Öffentlichkeit bemerkbar gemacht. Als tarif- und gesellschaftspolitische Kraft hat sich ver.di mehr als deutlich etabliert. Großen Einfluss auf die Gründung von ver.di haben natürlich alle ehren- und hauptamtlichen Gründungsmütter und Gründungsväter gehabt. Stellvertretend für sie alle, für die, die das Zusammengehen von ÖTV, DPG, HBV, IG Medien und DAG in unserer ver.di und die dort Bahnbrechendes bewirkt haben, begrüßen wir ganz herzlich die ehemaligen Vorsitzenden der Gründungsgewerkschaften: Roland Issen, Detlef Hensche und Herbert Mai. (Lebhafter Beifall)
Ein genauso herzliches Willkommen geht an den ehemaligen Vorsitzenden des DGB, unseren Kollegen Ernst Breit. Ernst, es ist sehr schön, dass Du wieder da bist; wir freuen uns darüber. (Lebhafter Beifall)

Frank Bsirske
Gerechtigkeit, Würde, Solidarität: Das sind nicht nur Werte von Bedeutung im nationalen Zusammenhang, sondern es sind Werte, die über die nationalen Grenzen hinaus Geltung haben. Und so freuen wir uns, dass wir viele internationale Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter hier bei uns haben.
Stellvertretend für viele weit Angereiste möchte ich begrüßen: die Generalsekretärin von UNI Europa, Bernadette Ségol. (Lebhafter Beifall)
Und ein ebenso herzliches Willkommen gilt der Generalsekretärin der europäischen Gewerkschaften des öffentlichen Dienstes, Carola Fischbach-Pyttel. Auch ihr ein herzliches Willkommen. (Lebhafter Beifall)
Gerechtigkeit, Würde, Solidarität: Das muss für alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens bedeutsam sein und gelten. Deshalb suchen wir den Kontakt zu Politik und Wirtschaft, zur Judikative, um unsere Vorstellungen und unsere Überzeugungen zu vermitteln und voranzubringen.
Wir begrüßen unter uns Gäste aus Politik, Verbänden und Behörden, Arbeitsdirektoren sowie Präsidenten der Bundesgerichte. Wir freuen uns über Ihr Kommen.
Und ein besonderer Gruß gilt auch den Kolleginnen und Kollegen von Presse, Funk und Fernsehen, auf deren Berichterstattung wir natürlich gespannt sind. Ein herzliches Willkommen auch Ihnen. (Lebhafter Beifall)

Margrit Wendt
Und natürlich geht unser Gruß auch aus dieser Kongresshalle heraus: dorthin, wo Menschen in sozialen Auseinandersetzungen stehen, an die Arbeitslosen und Erwerbstätigen, an die Jungen und Alten, an die Gesunden und Kranken, an die Frauen, Männer und Kinder, an die Familien und Alleinerziehenden, an die Deutschen und die hier mit uns lebenden Migrantinnen und Migranten; also an alle die, die an die Werte Gerechtigkeit, Würde und Solidarität glauben, glauben wollen, sie erleben wollen. We shall overcome: Wir werden es schaffen; wir werden siegen. (Lebhafter Beifall)

Frank Bsirske
We shall overcome: Wir gehen Hand in Hand. Wir wollen die Welt verändern, und wir können sie verändern, liebe Kolleginnen und Kollegen. Deshalb haben wir uns zu einer starken Gewerkschaft zusammengeschlossen. ver.di - das ist gelebte Solidarität der Starken und der Schwachen, der Frauen und der Männer, der Jungen und der Älteren, der Arbeiter, Angestellten, Beamten und Erwerbslosen, Ehrenamtlichen wie Hauptamtlichen. Sie alle, wir alle haben gemeinsame Ziele und setzen uns ein für soziale Gerechtigkeit, für die Würde des Menschen, für die Solidarität der Menschen untereinander. Gerechtigkeit, Würde, Solidarität: Das ist das Motto unseres zweiten Bundeskongresses. (Lebhafter Beifall)
Und wir freuen uns jetzt gemeinsam mit Euch auf das weitere Programm und zunächst auf die Grußworte des Oberbürgermeisters, von Burkhard Jung, und dann unseres DGB-Vorsitzenden, Michael Sommer, und später von Franz Müntefering. (Lebhafter Beifall)

Burkhard Jung, Oberbürgermeister der Stadt Leipzig
Ganz, ganz herzlichen Dank für dieses freundliche Begrüßen und für dieses Lob Leipzigs. Was gibt es denn Schöneres, als von anderen gelobt zu werden. Dann kann man sich doch zurücklehnen und ganz freudig zuhören. Ganz, ganz herzlichen, lieben Dank!

Lieber Franz Müntefering, lieber Herr Bsirske, sehr geehrter Herr Sommer, sehr geehrter Herr Breit, meine sehr verehrten Damen und Herren, ganz herzlich willkommen hier im Kongresszentrum auf der Neuen Messe in Leipzig. Sie haben in der Tat den Ort vorzüglich gewählt. (Heiterkeit)

Ich freue mich über jeden Kongress, der hier stattfindet. Sie wissen, Kongresse sind gut fürs Geschäft, sind gut für die Wirtschaft. Aber über diesen Kongress freue ich mich in der Tat noch mehr, weil er von den Inhalten her anknüpft an eine ganz wichtige, wesentliche Tradition dieser Stadt - und die ist eben genannt worden -: an das Thema Demokratie, an das Thema Gerechtigkeit, Freiheit und Frieden - und nicht zuletzt an die Themen Gerechtigkeit, Würde und Solidarität. Herzlich willkommen!

Ich darf sagen: Leipzig ist ein guter Ort für Gewerkschaftskongresse. Ich darf Sie erinnern: Sie haben im Jahr 2000 wegweisend hier wichtige Weichenstellungen für die Fusion gestellt. Hier wurde auch der letzte Vorsitzende der ÖTV gewählt, der dann zum ersten Vorsitzenden von ver.di wurde. Insofern könnte auch in dieser Woche etwas ausgehen von dieser Stadt. Ich würde es mir von Herzen wünschen. Das wäre ein gutes Zeichen. (Lebhafter Beifall)

Herr Peters, es ist kein Zufall: In vier Wochen werden wir die IG Metall hier begrüßen. Ich freue mich ebenso darauf, auch von da ein wichtiges Signal zu hören.

Meine Damen und Herren, ver.di ist dabei, seine Arbeitsstruktur neu zu ordnen - ich weiß das -, so wie wir das in der öffentlichen Verwaltung auch tun. Insofern sitzen wir sehr oft vor ähnlichen Problemen, vor ähnlichen Strukturveränderungen, vor Reformarbeit. Das ist eine Aufgabe, der sich niemand in der politischen Arena entziehen kann. Um so wichtiger ist das Gelingen der Kooperation zwischen öffentlichen Arbeitgebern und starken Gewerkschaften. Ich bin so selbstbewusst zu sagen, dass wir hier vor Ort - um auch lokal etwas zur Zusammenarbeit zu sagen - eine gute Zusammenarbeit mit ver.di seit langer Zeit pflegen, geprägt von Anerkennung und Respekt. Wir erleben ver.di in Funktion in unserer Stadtverwaltung, indem gewerkschaftliche Vertretungsansprüche sehr bewusst und sehr selbstbewusst wahrgenommen werden.

So ist es zum Beispiel zur Selbstverständlichkeit geworden, in der Personalversammlung nicht nur die Stellungnahme des Oberbürgermeisters oder der Personalvertretung zu hören, sondern eben auch die Ausführungen der ver.di-Vertretung.

Diese Woche war Frank Bsirske bei uns. Überraschend tauchte er in meiner Personalversammlung auf. (Heiterkeit) Aber es war gut so. Wir sind zwar nicht immer einer Meinung gewesen, und es gab auch Kritisches zu hören. Aber das muss so sein, und das ist gut. Wir brauchen diese ganz klare, an der Sache orientierte Auseinandersetzung, um das Beste zu suchen für die Beschäftigten, aber auch für das Wohl der Stadt.

Ich will etwas Zweites erwähnen, das eben am Anfang Frank Bsirske und Margrit Wendt auch schon hervorgehoben haben. Meine Damen und Herren, die Stadt Leipzig ist jahrelang heimgesucht worden von ewig gestrigen braunen Horden. Ein Mann namens Worch war tatsächlich nicht müde und wollte bis zum 3. Oktober 2013 jeweils zum 1. Mai und 3. Oktober eine braune neofaschistische Demonstration hier durchführen und hatte sie angemeldet. Jedesmal sind Vereine, Verbände, Kirchen, Gewerkschaften und hier insbesondere ver.di zusammen mit der Stadtverwaltung auf die Straße gegangen und haben sich der Sache entgegengestellt. (Beifall) Vielleicht, lieber Frank Bsirske, weißt Du das Schönste noch gar nicht. Ich kann heute sagen: Worch hat nach der Erfahrung mit dem 1. Mai 2007 seine Restveranstaltungen abgesagt. Er kommt nicht mehr. (Starker Beifall) Der Kampf hat sich also gelohnt. Ganz herzlichen Dank, dass wir hier alle in dem Verein „Gemeinsam gegen rechts“ Courage gezeigt haben und so aktiv waren. Einen solchen Einsatz brauchen wir auch in Zukunft; denn - täuschen wir uns nicht - die Braunen sind nicht einfach verschwunden. Sie sind da und bedienen sich vielfältiger Aktivitäten im öffentlichen Raum bis hin zur bürgerlichen Existenzform, um uns und damit der Demokratie zu schaden. Bitte, kämpfen Sie miteinander und mit uns weiter, damit wir nie wieder eine solche Geschichte erleben.

Meine Damen und Herren, ein Weiteres möchte ich wenigstens kurz zur Sprache bringen. ver.di hat etwas vorgemacht. Ich will jetzt keinem zu nahe treten, aber politisch darf ich den Zusammenschluss von ver.di-Mitteldeutschland würdigen. (Vereinzelt Beifall) Ich will auch erklären, warum. Ich halte perspektivisch die Kleinstaaterei von Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen für überhaupt nicht mehr zeitgemäß. (Leichter Beifall) Sie machen vor, was wir in der Politik vollziehen müssten. Ich kann Ihnen nur sagen: Leipzig wäre in diesem Mitteldeutschland die zentrale Stelle, (Beifall - Heiterkeit) an der wir uns weiterentwickeln.

Meine Damen und Herren, lassen Sie mich einige Sätze sagen zu Ihrem Motto „Gerechtigkeit - Würde - Solidarität“. Diese alten Forderungen der Arbeiterbewegung haben bei einigen offensichtlich in ihrer Überzeugungskraft nachgelassen und viel von ihrer Strahlkraft verloren. Ich glaube dennoch, dass sie unglaublich aktuell und wichtig sind; denn es versteht sich heute eben nicht mehr von selbst, was das ist: Gerechtigkeit, Würde und Solidarität. Ich finde es gut, dass Sie es miteinander durchbuchstabieren wollen. Eine wichtige Aufgabe der Gewerkschaften liegt auch darin, über diese drängenden Fragen der Krise in der Arbeitsgesellschaft diese Werte in die öffentliche Diskussion und die politische Öffentlichkeit hinein zu tragen.

Wie sollen die Strukturen eines postindustriellen Arbeitsmarktes und einer Zivilgesellschaft des 21. Jahrhunderts aussehen? Hier muss eine Diskussion belebt werden, die auf die alten Fragen von Mündigkeit, Selbstbestimmung und Demokratie neue Antworten findet. Und um nicht um den heißen Brei herumzureden: Natürlich brauchen wir im Zeitalter globaler Wirtschaftsunternehmen neue Formen der gewerkschaftlichen Mitbestimmung, natürlich müssen auch weiterhin diejenigen geschützt werden, die den Wechselwirkungen der Konjunktur hilflos ausgesetzt sind, und natürlich bedarf es auch weiterhin einer politischen Kultur des Kompromisses, um Lösungen zu finden. Ein Gemeinwesen lebt in seinem Zusammenhalt davon, die Bedingungen zu gewährleisten, die den Menschen ein Leben und Arbeiten in Würde und Freiheit ermöglichen, und in einer Arbeitsgesellschaft bleibt die wichtigste Voraussetzung dafür die Erwerbstätigkeit.

Ich habe mit Freude gesehen, dass das Thema Mindestlohn im Programm Ihres Kongresses steht. Gestatten Sie mir, von der kommunalen Ebene aus noch einmal die Dringlichkeit gerade für uns hier in Ostdeutschland zu vermitteln. Meine Damen und Herren, in dieser Stadt, die ich beispielhaft nenne, leben 9.000 bis 12.000 Menschen - wir streiten noch über die genauen Zahlen -, die voll beschäftigt sind und bei mir im Rathaus ihr Geld für die Kosten der Unterkunft abholen. Ich finde, das ist ein unerträglicher, unmenschlicher Zustand. Das ist unwürdig. (Starker Beifall) Zum einen ist es schamvoll, voll zu arbeiten und dennoch aufs Amt gehen und letztlich Sozialhilfe beantragen zu müssen, und zum anderen ist es der Arbeitsleistung einfach nicht angemessen. (Beifall)
Völlig unverständlich fand ich die Diskussion um den Kombilohn, weil diejenigen, die dagegen waren, nicht zur Kenntnis nehmen wollten, dass wir zurzeit einen kommunal finanzierten Kombilohn haben. Wir finanzieren für viele Menschen die Kosten der Unterkunft, obwohl sie voll arbeiten. Ich bitte Sie darum: Es könnte von diesem Bundeskongress ein Fanal ausgehen, indem hier noch einmal massiv und offensiv Franz Müntefering unterstützt wird, damit der Mindestlohn kommt. Wir brauchen ihn, gerade hier. (Beifall)

Meine Damen und Herren, ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Kongress. Beim Ringen um die richtigen Lösungen muss die Sache im Vordergrund stehen; das Ringen um die Antworten muss an der Sache und an den Menschen orientiert sein. Sie sind an einem guten Ort. Wir stellen uns den Traditionen der Demokratisierung von Gesellschaft, wir nehmen die Menschen ernst in ihrer Würde und in ihrem Bedürfnis zu gestalten. Glückauf für Leipzig, Glückauf für den Kongress. Kommen Sie jederzeit wieder. - Danke. (Beifall)

„Wir sind der Kongress“
Pantomimisch-komödiantische Luftballon-Choreografie zum Mitmachen

Michael Sommer, Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes
Liebe Kolleginnen und Kollegen, schön, wie der Frank gesagt hat, wieder zu Hause zu sein. Ich habe eben dort gesessen und so bei mir gedacht, als ich früher so in manchem Lenkungsausschuss saß - 1997, 1998, 1999, 2000 –: Mann, wie lange ist das hin bis 2000! Wir hatten uns damals ja fest vorgenommen: Dann ist ver.di-Normalzustand. Jetzt kommen wir in den Normalzustand, und Normalität ist nicht einfach. Das wissen wir alle. Aber wir haben das erreicht, was wir damals wollten, und ich glaube, darauf können alle, die daran mitgewirkt haben, überaus stolz sein, ich sage das ganz bewusst, bei allen Schwierigkeiten. (Beifall)

Kolleginnen und Kollegen, die Würde des Menschen ist unantastbar. An dieses Grundprinzip unserer Verfassung knüpfen wir an, wenn wir für gute Arbeit, für eine gerechte Gesellschaft, für Solidarität der Starken mit den Schwachen, für eine menschliche Gesellschaft kämpfen. Ein menschenwürdiges Leben, das heißt für uns Freiheit von Not und Armut, aber es heißt auch Anerkennung und Respekt. Jeder und jede muss von dieser beziehungsweise seiner Arbeit leben können. (Starker Beifall) Arbeit darf nicht arm machen. Deswegen kämpfen wir für eine untere Einkommensgrenze, die auf gar keinen Fall unterschritten werden darf. Denn von Dumpinglöhnen kann man nicht leben - würdig schon gar nicht, liebe Kolleginnen und Kollegen. (Beifall)

Was wir brauchen, ist ein einheitlicher gesetzlicher Mindestlohn von mindestens 7,50 Euro in der Stunde. (Beifall) Darauf haben wir uns im DGB mit großer Mehrheit verständigt, und daran wird auch nicht gerüttelt. Deswegen wollen wir morgen im DGB-Bundesvorstand beschließen, dass der DGB und seine Mitgliedsgewerkschaften bis zur Bundestagswahl im Jahr 2009 die Mindestlohnkampagne mit ganzer Kraft fortsetzen werden. (Lebhafter Beifall) Denn wir wollen uns nicht damit abfinden, dass Menschen von ihrer Arbeit nicht leben können, zwei oder drei Jobs brauchen, um über die Runden zu kommen, oder in die Schwarzarbeit gedrängt werden.

Da helfen übrigens auch Kombilöhne nicht weiter; der Oberbürgermeister hat völlig recht. Sie sind ein völlig untaugliches Element, um Gerechtigkeit zu erreichen. Letztlich sind sie nichts anderes als eine staatliche Lohnkostensubvention für Arbeitgeber. (Beifall) Wenn heute, im September 2007, in Deutschland rund 650.000 Menschen ergänzendes Hartz IV brauchen, obwohl sie vollzeit arbeiten, dann ist das ein dreifacher Skandal:

  • Erstens für die Betroffenen selbst, weil es ja nicht gerade menschenwürdig ist, dass man trotz Arbeit auf staatliche Fürsorge angewiesen ist, Kolleginnen und Kollegen. Das ist unmenschlich! (Lebhafter Beifall)

  • Zweitens können Arbeitgeber in diesem Land offenbar jeden Armutslohn jederzeit für jede Dauer diktieren, denn der Staat sorgt ja über Hartz IV für den Ausgleich. (Beifall)

  • Und drittens beweist es einmal mehr: Hartz IV ist nicht nur ungerecht für die Arbeitslosen, sondern zugleich auch ein Schmiermittel für Altersarmut und prekäre Beschäftigung. (Starker Beifall)

Deswegen wir mit dieser Ungerechtigkeit unseren Frieden nicht machen. Das gilt übrigens auch für Ein-Euro-Jobs. (Beifall)

Aktuell erleben wir die Auseinandersetzung um Mindestlöhne übrigens hautnah in der Postbranche. Da ich hier unter Kundigen bin, kann ich mir Einzelheiten ersparen. Aber es ist schon ein Stück aus dem Tollhaus, dass man anständige Mindestlöhne für die Konkurrenz der Post verhindern will, weil sie dann angeblich nicht mehr wettbewerbsfähig wären. Ihre Wettbewerb entsteht nach dieser Logik ergo nur auf Grundlage mieser Arbeitsbedingungen und mieser Bezahlung. (Beifall) Und die soll dann der Staat im Zweifelsfall wieder ausgleichen - siehe Hartz IV.

Kolleginnen und Kollegen, ich stelle fest: Das hat mit sozialer Marktwirtschaft nichts zu tun. Das ist perverser Kapitalismus. (Lebhafter Beifall) Auf dieses Spielchen dürfen wir uns gar nicht einlassen. Wir brauchen die Ausweitung des Entsendegesetzes auf die gesamte Postbranche und die uneingeschränkte Anwendung des von ver.di mit dem zuständigen Arbeitgeberverband beschlossenen Mindestlohntarifvertrages - sonst nichts! (Beifall)

Ich erwarte - das sage ich auch den hier anwesenden Vertretern der großen Koalition -, dass dieser Mindestlohntarifvertrag schnellstmöglich nach den Regularien des bestehenden Entsendegesetzes für allgemeinverbindlich erklärt wird, Kolleginnen und Kollegen. (Lebhafter Beifall)

Übrigens gestatte ich mir die Anmerkung, dass wir für diese Positionen kaum Beifall in der Presse erwarten können; denn es sind ja schließlich vor allem auch Zeitungsverleger, die über Dumpinglöhne ihr Schnäppchen beim Brief machen wollen. (Beifall) Die gleichen Zeitungsverleger machen auch nicht halt vor den Arbeits- und Lohnbedingungen ihrer Redakteurinnen und Redakteure. (Beifall)
Dass Lohndumping und Leiharbeit, Arbeitsplatzvernichtung und die Schließung ganzer Redaktionen mittlerweile auch zum Alltag in deutschen Medienkonzernen geworden sind, sollte auch denen zu denken geben, die gegen gesetzliche Mindestlöhne anschreiben, Kolleginnen und Kollegen. (Beifall)

Aber keine Stimmungsmache wird uns daran hindern, dass wir Kurs halten. Wir werden Kurs halten: heute in der Postbranche und generell für den gesetzlichen Mindestlohn.

Der Vollständigkeit halber füge ich an: Tarifautonomie und gesetzlicher Mindestlohn schließen einander nicht aus. (Beifall) Tarifliche Gestaltung, allgemeinverbindliche Tarifverträge und ein gesetzlicher Mindestlohn gehören für uns zusammen.

Kolleginnen und Kollegen, es ist uns gemeinsam in den vergangenen Jahren gelungen, die öffentliche Meinung zum Komplex Niedriglohnsektor zu drehen und unsere Gesellschaft von der Notwendigkeit eines gesetzlichen Mindestlohns zu überzeugen. Das gibt uns Anlass zur Gewissheit: Sicher, wir brauchen einen langen Atem, aber wir werden durchkommen, Kolleginnen und Kollegen! (Beifall)

Ein weiteres Thema, das diesen Kongress mit Sicherheit beschäftigen wird, ist der Missbrauch von Leiharbeit in vielen Unternehmen und Betrieben. Systematisch wird versucht, die Beschäftigten in Rand- und Kernbelegschaften zu teilen und vielfach 20, 30, 40 Prozent der Belegschaften durch Leiharbeiter zu ersetzen - übrigens auch hier in Leipzig, Herr Oberbürgermeister. (Beifall) Dieser Versuch, Leiharbeit massiv in den Betrieben einzusetzen, zielt eindeutig auf die Untertunnelung unserer Tarife, auf die Schwächung der betrieblichen Interessenvertretungen und bedeutet für die betroffenen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, dass man sie heuern und feuern können will, gerade wie es dem Leiharbeitgeber gefällt. Das ist der Hintergrund, warum die Entleiharbeit so zunimmt.

In dieser Situation hilft meines Erachtens nur eines: Wir müssen den Grundsatz durchsetzen, dass gleiche Arbeits- und Lohnbedingungen in den Betrieben gleichermaßen für Stammbeschäftigte und Zeitarbeiter gelten, und zwar vom ersten Tag an, Kolleginnen und Kollegen! (Starker Beifall)
Im Übrigen brauchen wir wesentlich bessere Schutzregelungen im Arbeitnehmerüberlassungsgesetz. Dazu gehört auch eine Ausweitung der Mitbestimmungsrechte. (Beifall)

Generell hat die deutsche Gewerkschaftsbewegung die Aufgabe, sich in den nächsten Jahren verstärkt der Zunahme sogenannter prekärer Beschäftigung in allen ihren Formen energisch entgegenzustellen. Das werden wir tarifpolitisch tun, aber wir brauchen auch gesetzlichen Flankenschutz. Wir können nicht hinnehmen, dass Praktikanten für ihre Arbeit nicht bezahlt werden. (Beifall) Wir können nicht hinnehmen, dass immer mehr Selbstständige sich als Arbeitnehmer ohne sozialen Schutz verdingen müssen. Wir können nicht hinnehmen, dass Scheinselbstständigkeit immer noch nicht vollständig beseitigt ist. Und wir wollen nicht hinnehmen, dass Leiharbeit zu Lohndumping missbraucht wird oder dass die EU unter dem Stichwort Flexicurity Arbeitnehmerschutzrechte schleifen will. (Beifall)

Wir werden nicht widerstandslos hinnehmen, dass sich einige immer noch nicht von dem Gedanken verabschiedet haben, den Kündigungsschutz verschlechtern zu wollen. (Beifall)

Liebe Kolleginnen und Kollegen, all diesen Konzepten stellen wir unser Leitbild von guter Arbeit entgegen. Wir wollen, dass Menschen menschenwürdig leben und arbeiten können, dass die Ausbildungsnot beseitigt wird und die Zahl der Arbeitslosen weiter sinkt.

Kolleginnen und Kollegen, ein Grußwort ist sicher nicht die passende Gelegenheit für einen DGB-Vorsitzenden, alle Themen anzusprechen, die mir, die uns, die Euch am Herzen liegen. Viel gäbe es zu sagen, zum Beispiel von der Notwendigkeit, die internationalen Finanzmärkte wesentlich stärker zu regulieren und den Heuschrecken in unserem Land das Handwerk zu legen, (Beifall) statt sie mit Steuervorteilen auch noch weiter hochzupäppeln, Kolleginnen und Kollegen. (Beifall)

Ich bin sicher, dieser Kongress wird deutliche Zeichen setzen im Kampf gegen Altersarmut, im Kampf gegen eine ungerechte Steuerpolitik und gegen soziale Ausgrenzung. Ihr, liebe Delegierte, werdet keinen Zweifel daran lassen, dass es uns ernst ist mit der Gleichstellung von Männern und Frauen in Beruf und Gesellschaft. (Beifall)

Nicht zuletzt werdet Ihr den gesellschaftspolitischen Anspruch der Gewerkschaften unterstreichen. Ja, wir haben einen politischen Anspruch, und wir werden weiter auf Parteien, Parlamente und Regierungen einwirken, um die Lage der arbeitenden Menschen und der sozial Schwachen in diesem Lande zu verbessern. Wir tun dies als parteiunabhängige Interessenvertretung. Wir sind nur einem verpflichtet: dem Willen unserer Mitglieder. Wir streiten für das Wohl der arbeitenden Menschen. (Beifall)

Ihr, liebe Kolleginnen und Kollegen aus den Bezirken, Landesbezirken und Fachbereichen der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft, habt in diesen Tagen die Gelegenheit und die Aufgabe, Bilanz zu ziehen und Ziele zu setzen. Ich bin gespannt auf Eure Beratungen und wünsche Euch einen erfolgreichen Kongress. - Herzlichen Dank. (Beifall)

„Vereint“
Artistische Performance, die eine künstlerische Vielfalt unterschiedlichster Akteure - vom Tuchkünstler bis zum Breakdancer - zu einem großen Ganzen verbindet, als Sinnbild für die Kraft des freien Einzelnen in einer solidarischen Gemeinschaft.
(Wiederholter stürmischer Beifall)

Franz Müntefering, Vizekanzler
Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich bedanke mich zuerst dafür herzlich, dass ich jetzt auftreten kann und nicht eben dabei sein musste. (Heiterkeit - Beifall)
Ich begrüße Euch alle ganz herzlich lieber Frank Bsirske, liebe Maggi Wendt, lieber Michael Sommer, lieber Ernst Breit, den Oberbürgermeister, lieber Burkhard Jung, liebe Kolleginnen und Kollegen von allen Gewerkschaften, lieber Herr Heesen, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Ich bedanke mich für die Möglichkeit, hier zu sein, ein Grußwort zu sprechen, dies zu tun für die Bundesregierung - den Gruß bringe ich Euch hiermit - und ein paar Anmerkungen zu machen zu den Themen, die uns gemeinsam interessieren, zu den Aufgaben, vor denen wir miteinander stehen.

Das wichtigste Thema sicher auch auf diesem Kongress, lieber Frank, wird das Thema Arbeit sein, und zwar die Frage: Wie können wir mehr Arbeit schaffen für die Menschen? Alles andere ist auch wichtig. Dazu werde ich auch ein paar Anmerkungen machen.

Aber beginnen tut es mit der Frage: Was können wir tun gegen Arbeitslosigkeit? Manche im Land, manche in der Welt überhaupt sagen, Vollbeschäftigung wird es nicht mehr geben. Das ist falsch! Wir, die Sozialdemokraten, die Christdemokraten, die Christsozialen aus der Bundesregierung, die Gewerkschaften müssen miteinander streiten und dafür kämpfen, dass alle Menschen in diesem Land Arbeit haben. Das ist unser Ziel, für das wir unverdrossen streiten.

Wir haben in diesen beiden Jahren unserer Regierung einiges erreicht. Darauf sind wir stolz. Den Weg wollen wir auch weitergehen. Wir haben seit zwei Jahren etwa eine Million Arbeitslose weniger, seit dem letzten Jahr 694.000, 200.000 Ältere über 50 weniger sind arbeitslos als vor zwei Jahren. Das ist noch nicht das Ziel, das wir uns gestellt haben in dieser Regierung, aber das ist etwas, auf das wir miteinander stolz sein können. Eine Million Menschen mehr haben Arbeit als vor zwei Jahren, Kolleginnen und Kollegen. Das ist ein stolzes Ergebnis, an dem auch Politik ihren Anteil hat. (Beifall)

Diesen Weg wollen wir weitergehen, indem wir als Bundesregierung dazu beitragen, dass die Unternehmen in Deutschland wettbewerbsfähig sind, aber auch dadurch, dass wir öffentliche Investitionen und private Investitionen anreizen und ihnen eine Chance geben. Wir haben das 25-Milliarden-Programm der Bundesregierung geschaffen, damit am Binnenmarkt mehr Konjunktur entsteht, damit es mehr Arbeitsplätze gibt. Das ist uns gelungen.
Wir haben im Bereich der energetischen Gebäudesanierung, der Restaurierung überhaupt in der Arbeit an den Häusern, an den Gebäuden gute Entwicklungen, beim Handwerk neue Arbeitsplätze geschaffen. Im Jahr 2004 war beim Wachstum der Binnenmarkt mit 0,0 Prozent dabei. Im vergangenen Jahr war der Binnenmarkt mit 1,6 Prozent dabei. Das heißt, wir haben am Binnenmarkt Dinge in Bewegung gesetzt. Darauf sind wir stolz. Diesen Weg wollen wir auch weitergehen.

Die Frage ist, liebe Kolleginnen und Kollegen: Gibt es eigentlich mehr Arbeit, als wir heute in Deutschland haben, und was können wir tun, damit dies auch realisiert wird, damit diese Arbeit auch aktiviert und umgesetzt werden kann? Ich sage: Ja, es gibt mehr Arbeit. Das hat etwas zu tun mit einer Gesellschaft, die demografisch so ist wie diese Gesellschaft ist. Sie wird mehr soziale Netzwerke brauchen. Sie wird mehr Haushalte haben, die als Auftraggeber Menschen brauchen, mit denen sie zusammenarbeiten im Dienstleistungsbereich. Dies wird eine Gesellschaft sein, die viel Arbeit geben kann von der, die es heute noch nicht gibt.

Deshalb vorweg und ganz klar: Wir wollen in dieser Regierung dazu beitragen, dass es mehr Arbeit gibt. Deshalb die Vereinbarung in der Bundesregierung von Anfang an: Wir machen keinen totalen Sparkurs, sondern wir nehmen zwei Drittel dessen, was wir mehr einnehmen, zum Abbau der Neuverschuldung, und wir nehmen ein Drittel für Investitionen in die Gegenwart und in die Zukunft. Das ist eine gute Relation. Der Finanzminister hat einen hohen Anteil daran, dass wir diesen Weg vernünftig gehen konnten. Wir werden ihn auch weitergehen, investieren in Arbeit, in Vollbeschäftigung.

Zu der Frage der Arbeit gehört auch, wie die Unternehmerschaft, wie das Kapital sich aufstellen. Wir sehen mit großer Sorge, dass die internationale Finanzindustrie zu einem Problem, zu einer großen Gefahr für die Wirtschaft geworden ist. Kein unternehmerisches Denken steckt dahinter, das sich noch Sorge macht um die Beschäftigten, das auch stolz darauf ist, wenn eine Stadt oder ein Land stolz auf ein Unternehmen sind. Da geht es auch nicht um die Frage der Produkte, ob wir preiswert sind, ob wir sie in die Welt liefern können, sondern da geht es einzig und allein um die Frage der Kapitalrendite. Wie man also sehr schnell in wenigen Monaten 20, 25, 30 Prozent Kapitalrendite erzielen kann.

Wir haben uns in der Bundesregierung vorgenommen, was wir tun können beizutragen, damit hier Transparenz entsteht, damit die anständigen Unternehmer eine Chance haben zu bestehen an diesem Markt. Damit diejenigen, die mit finanzindustriellen Interessen in Deutschland und in Europa unterwegs sind, gestoppt werden.

All denen, die uns sagen, dagegen könne man nichts machen, Geld regiere die Welt, sage ich: Nein, das kann nicht sein. Damit finden wir uns nicht ab. Wir wollen nicht, dass Geld die Welt regiert, wir wollen, dass es den politischen Primat gibt, der darüber entscheidet, dass in Deutschland, in Europa und in der ganzen Welt soziale Gesichtspunkte den Arbeitsmarkt bestimmen. Dafür wollen wir auch in dieser Bundesregierung streiten. (Beifall)

Bei all dem, was es auch an Diskussionen bei uns gibt und wo wir unterschiedlicher Meinung sind - einige demonstrieren das ja hier auch; das ist in Ordnung -, müssen wir darauf achten, dass diejenigen, die die politische Verantwortung haben, die in den Gewerkschaften Verantwortung haben, die in den Arbeitgeberverbänden Verantwortung haben, an dieser Stelle, was die internationale Finanzindustrie angeht, den richtigen Weg finden. Das ist nicht nur eine Gefahr für Unternehmen in Deutschland, sondern das ist auch eine Gefahr für die Demokratie. Wenn die Menschen registrieren, dass irgendwo anonym von irgendwoher entschieden wird, 3.000, 5.000, 10.000 Arbeitsplätze weg, dann sagen die Menschen mit Recht: Macht was dagegen. Da kann kein Politiker, kein Gewerkschafter, kein Arbeitgebervertreter sagen, dagegen könne man nichts machen. Wir müssen Wege finden, in einer so sehr globalisierten Welt die sozialen Interessen der Menschen zu festigen. Und wir müssen an alte Traditionen der Internationalität, des Internationalismus aller Arbeiter anknüpfen, die sozial denken; all das muss auch in dieser Welt seine Wirkung haben. Lasst uns da zusammenstehen. Das ist die größte Herausforderung, vor der wir miteinander stehen, liebe Kolleginnen und Kollegen. (Beifall)

Arbeit zu haben ist gut, aber es muss gute Arbeit sein. Insoweit ist in diesem Land vieles aufzuholen. Das erste Thema zur guten Arbeit ist bereits angesprochen worden; das ist der Mindestlohn, fairer Lohn für die Menschen, die arbeiten. Das ist kein sozialer Tick, das muss man denen sagen, die sagen, das sei irgendeine Romantik. Nein, es ist ordnungspolitisch völlig korrekt, das wir sagen, derjenige, der arbeitet, muss davon auch leben können. Es kann nicht sein, dass die Menschen, die arbeiten, anschließend zum Arbeitsminister kommen und sagen: Gebt mir den Rest des Lohnes dazu, weil mir mein Arbeitgeber den Lohn so gekürzt hat, wie er es getan hat. Das ist nicht normal. Deshalb müssen wir versuchen, Mindestlöhne zu schaffen, die dieses für die Zukunft in Deutschland ausschließen, liebe Kolleginnen und Kollegen. (Beifall)

Das wirkt in doppelter Weise. Das ist entwürdigend für die Menschen, aber es zerstört auch die Wettbewerbsfähigkeit zwischen den Unternehmen. Es sind doch nicht nur die Gewerkschaften, die zu mir kommen, sondern auch die Arbeitgebervertreter. Sie sagen: Nehmt uns in den Mindestlohn, nehmt uns in das Arbeitnehmerentsendegesetz. Das sind auch die Leiharbeiter, Arbeitgeber und Arbeitnehmer, das sind auch die Wachdienste, Arbeitgeber und Arbeitnehmer, und andere auch; die alle möchten da hinein. Ich sage Euch, liebe Kolleginnen und Kollegen, bei normalem Verlauf der Dinge wird das im Jahr 2008 alles möglich sein. Wir haben jetzt die Sache mit der Post und im nächsten Jahr geht es würdig und energisch weiter; darauf könnt Ihr Euch verlassen. (Beifall)

Wir haben uns in der Koalition nicht verständigen können auf einen flächendeckenden gesetzlichen Mindestlohn. Aber wir haben uns darauf verständigen können, dass wir mit einer Novelle zum Arbeitnehmerentsendegesetz mehr Branchen eine Chance geben, einen Mindestlohn zu vereinbaren, und zwar einen Mindestlohn, den Arbeitnehmer und Arbeitgeber vereinbaren, den ver.di zusammen mit dem Arbeitgeberverband Postdienste vereinbart hat. Daran habe ich nicht herumgefummelt und keiner in der Politik. Deshalb bitte ich alle in der Politik: Lasst die Finger davon. Das ist Sache der Tarifparteien, das haben die doch alle gefordert, lasst die doch machen. Ich will das nur in eine Verordnung gießen und dafür sorgen, dass das dann allgemeinverbindlich ist. Das ist die Linie, die wir wollen. (Starker Beifall)

Das ist auch wichtig für die Unternehmer. Wenn der ehrliche Unternehmer, der einen ordentlichen Lohn zahlt, der Dumme ist, dann muss man sich nicht wundern, wenn im unteren Lohnbereich einiges durcheinander kommt. Wir haben in den vergangenen Jahren viel dazugelernt. Ich kann mich an die Zeit vor vier, fünf oder sechs Jahren erinnern. Natürlich werdet Ihr aus der Zeit von damals Reden von mir finden können, in denen ich gegen Mindestlohn war. Einige der hier Anwesenden in der ersten Reihe waren das damals auch. Der Erste, der mich darauf angesprochen hat, war Franz-Josef Möllenberg. Der sagte, bei ihm funktioniere das nicht mehr. Vielleicht, hat er gesagt, funktioniert das ja bei Deiner Gewerkschaft, bei meiner aber nicht mehr. Ich habe zwanzig Prozent zum Teil Tarifgebundene. Was soll ich denn eigentlich machen? Deshalb sage ich, liebe Kolleginnen und Kollegen, das ist keine Frage von Sozialromantik. In einer Gesellschaft, die so diversifiziert ist, die solche Niedriglohnbereiche oder Dienstleistungsbereiche hat, wie wir sie haben, gehört ein fester Mindestlohn dazu. Es muss unten ein Deckel sein. Es kann nicht sein, dass die Leute losgeschickt werden, anschließend bei mir ankommen und sich dann noch andere darüber beschweren, dass wir so viel Geld ausgeben für passive Leistungen, Arbeitslosengeld II. Eine zehnstellige Zahl - ich werde das in diesem Jahr noch deutlich machen - gebe ich aus, weil andere so niedrig - - (Lachen) Ja, das ist der Übermut des Ministers; leben wir einen Augenblick damit. (Heiterkeit) Eine zehnstellige Zahl gebe ich dafür aus - bei mir wird das angerechnet, weil ich das ausgebe; ich werde dafür kritisiert, dass ich so viel Geld ausgebe -, das es Arbeitgeber gibt, die so niedrige Löhne zahlen. Das hängt an einer Mentalität, die wir in diesem Land brechen müssen; die heißt „Geiz ist geil“. (Beifall)

Niedrige Verbraucherpreise sind gut, liebe Kolleginnen und Kollegen. Aber wenn die Löhne von irgendwelchen Postdiensten so niedrig sind, dass sie anschließend mit ihren Steuern den Rest der eigenen Löhne bezahlen, wird die Sache absurd. Genau an der Stelle sind wir. Deshalb müssen wir dort auch etwas verändern, liebe Kolleginnen und Kollegen. (Beifall)

Wir haben das Gesetz also einstimmig im Kabinett eingebracht, um das noch einmal festzuhalten. Ich gehe davon aus, dass bis zum 30. November im Bundestag und im Bundesrat die nötigen Beschlüsse gefasst werden. Ich gehe auch davon aus, dass im Dezember Zeit sein wird, die Verordnung auf den Weg zu bringen und vor dem 1. Januar des nächsten Jahres die Mindestlohnpost in Fahrt zu setzen. Das ist so vereinbart, das so soll sein und dafür stehen wir ein und dafür sorgen wir in den kommenden Wochen und Monaten, liebe Kolleginnen und Kollegen. (Beifall)

Zur guten Arbeit gehört die Humanisierung der Arbeitswelt. Dazu will ich Anfang nächsten Jahres ein Konzept für die Bundesregierung vorlegen und deutlich machen, was wir uns zu tun vorstellen. Dieses ist, liebe Kolleginnen und Kollegen, ein Thema, das dringend aufgefrischt werden muss. Ich kann mich an den größten Kongress unter Otto Brenner über die Humanisierung der Arbeitswelt erinnern - lang, lang ist es her -; die Zahl der schweren Unfälle ist geringer geworden, aber es gibt neue Krankheitsbilder, die schwierig sind und denen man schlechter begegnen kann als manchen schweren Unfällen, die man durch geschickte Anweisungen und durch ordentliche Maschinen verhindern konnte.
Die 27 EU-Länder haben beschlossen, sie wollten bis zum Jahre 2012 die schweren Unfälle um 25 Prozent reduzieren. Deutschland wird gut mit dabei sein. Aber was machen wir mit den Augen? Was machen wir mit dem Rücken? Was machen wir mit der Psyche? 30 Prozent der Erwerbsminderungsrentner des letzten Jahres waren Leute mit psychischen Belastungen. Das kann man nicht dadurch verhindern, dass man Maschinen anders baut, sondern dies ist eine Frage, die an die Gesellschaft insgesamt geht.

Wir haben keine Illusionen. Arbeit bleibt anstrengend. Arbeit wird immer auch zu Verschleiß führen. Aber es gibt schon Unterschiede, wie man es macht. Arbeit soll so sein, dass sie den Menschen anstrengen, aber nicht kaputtmachen darf. Dazu wollen wir in dieser Regierung einen Beitrag leisten, liebe Kolleginnen und Kollegen. (Lebhafter Beifall)

Zu guter Arbeit gehört Bildung und Ausbildung sowie Qualifizierung. Ich knüpfe an die Facharbeiterdebatte der letzten Monate an, bei der plötzlich welche kamen und sagten: Es fehlen uns 30.000 Ingenieure - und da fehlen welche, und dort fehlen welche. Wir hatten aber 60.000 arbeitslose Ingenieure auf dem Arbeitsmarkt, jetzt nur noch 30.000. Wir versuchen weiterhin zu vermitteln.
Ich muss hier das Thema nicht ganz aufmachen; das wäre eine lange Geschichte auch über versäumte Notwendigkeiten. Darüber müsst Ihr auch sprechen. Die Weiterbildung ist in Deutschland eine völlig unterrepräsentierte politische Idee im Vergleich zu anderen Ländern.

Michael Sommer war vor wenigen Tagen in Schweden. Ich war in den letzten Tagen auch dort; deshalb weiß ich das. Wir sind hinter ihm hergefahren. Manchmal mache ich das. Wir haben gemerkt: Es gibt eine andere Tradition in diesen Dingen. Ich will heute zu der ganzen Facharbeiterschaft nur so viel sagen, liebe Kolleginnen und Kollegen: Die eigenen Potenziale in diesem Land ausbilden und qualifizieren - das ist entscheidend. Wir müssen die Arbeit, die es in Deutschland gibt, mit den Menschen tun können, die legal in Deutschland sind. Das ist keine Frage der Hautfarbe oder des Passes oder der Religion. Die, die hier im Lande sind, müssen Ausbildung, Bildung und Qualifizierung erfahren, und sie müssen die Arbeit machen können, die es in diesem Lande gibt. Die Welt ist kein Arbeitskräftereservoir, wo man sich mal eben ein paar 10.000 holt, wenn einem plötzlich etwas fehlt, sondern wir müssen die eigenen Leute von vornan in der Schule ausbilden und danach hinreichend qualifizieren. Dort gibt es in den nächsten Jahren genug zu tun, liebe Kolleginnen und Kollegen. (Lebhafter Beifall)

Zu guter Arbeit gehört, dass wir eine familienfreundliche Organisation der Arbeitszeiten haben. Von den Arbeitslosengeld-II-Empfängern mit Kindern sind etwa die Hälfte Alleinerziehende - 95 Prozent Frauen. Das ist völlig disproportional zu den Realitäten. Das zeigt aber, dass an der Stelle etwas in Deutschland fehlt. Bis vor vielen Jahren hätten wir - das ist 15, 16, 17 Jahre her - etwas dazulernen können, nämlich, dass wir in der Zeit vor der Schule mehr und gute Betreuungsbereiche bräuchten, dass wir den Kindern Krippenplätze und Kindertagesstättenplätze hätten anbieten sollen.

Damals war es noch in den vielen Ländern der Bundesrepublik West so, dass alle gesagt haben: Krippen hätten etwas mit Weihnachten zu tun. Mehr wussten sie nicht davon. Inzwischen ist es klarer geworden, um was es geht. Es gehört mit zur Familienpolitik, dass wir dieser jungen Generation Frauen eine echte Chance bieten. Diese junge Generation von Frauen denkt über das, was Beruf, Familie und Kinder angeht, anders, als unsere Mütter es getan haben. Das war damals eine andere Zeit. Diese sollen aber jetzt, ohne dass wir ihnen irgendetwas vorschreiben wollen, die Chance haben, wenn sie wollen, Familie, Beruf und Kinder miteinander zu verbinden. Sie sollen nicht nur auf Kongressen etwas über Quote hören; sie sollen im praktischen Leben ihre beruflichen Chancen haben, so wie die jungen Männer auch. Dafür müssen wir miteinander streiten. Das wollen wir als Bundesregierung auch. (Lebhafter Beifall)

Dieser Teil hat übrigens auch etwas mit der Bekämpfung von Armut zu tun, von Kinderarmut in ganz besonderer Weise. Wir diskutieren zurzeit in der Koalition über die Frage des Erwerbstätigenzuschusses, verbunden mit dem Kinderzuschlag, um zu versuchen, einige 100.000 Bedarfsgemeinschaften, Familien, Kinder außerhalb von Arbeitslosengeld II zu halten und sie zu stabilisieren. Das werden wir in den nächsten Wochen und Monaten präzisieren. Ich glaube, dass wir das hinbekommen können.

Wir werden aber im November auch über die Entwicklung der Verbraucherpreise in diesem Monat berichten. Es gibt ja Zeitungsberichte darüber. Etwas Genaues weiß man nicht; man kann es nur einschätzen. Ich habe das dem Statistischen Bundesamt gegeben. Es wird uns darüber berichten. Wir werden im November wissen, was zu tun ist und an welcher Stelle wir ansetzen können.

Ich wiederhole hier etwas, was ich im Bundestag gesagt habe und was dort auch missverstanden worden ist - aber dies ist hier eine politische Versammlung. (Heiterkeit)

Ich habe gesagt, wenn wir im November zu dem Ergebnis kommen sollten, dass die Eckregelsätze für die Kinder unter 15 - das sind 208 Euro - fünf Prozent zu niedrig seien und sie zehn Euro mehr haben müssten, wäre das etwa eine halbe Milliarde im Jahr. Meine Frage, die ich im Bundestag gestellt habe, war: Wäre das eigentlich vernünftig, die zehn Euro zu zahlen? Oder wäre es nicht vernünftiger, im Interesse der Kinder dieses Geld dafür einzusetzen, dass sie die Möglichkeit haben, in vernünftige Vorschuleinrichtungen zu gehen oder dass sie ein anständiges Mittagessen in den Kindertagesstätten und in den Schulen bekommen? Wäre eine solch konkrete Hilfe nicht besser, als wenn man das Geld irgendwo verstreute? (Lebhafter Beifall)

Das ist keine ganz einfache Frage, weil natürlich die anderen Familien sich davon betroffen fühlen könnten. Aber wir müssen das Ganze von den Kindern her denken. Das Recht auf Bildung und das Recht auf Ausbildung ist ein Menschenrecht. Das fängt ganz vorne an. (Beifall) Das ist die große Tradition bei den Gewerkschaften immer gewesen. Bildung ist die Voraussetzung dafür, seine eigenen Rechte wahrnehmen zu können, Bescheid zu wissen, nicht untergebuttert zu werden, mitreden zu können, in der Demokratie mitwirken zu können.
Und deshalb bei allem, was man zu den Ansprüchen, die Familien haben, sagen kann: Jedes Kind muss die Chance haben, vor der Schule, in der Schule und danach eine ordentliche Bildung und Ausbildung zu erfahren und menschenwürdig leben zu können. Dafür müssen wir miteinander streiten, so gut das nur geht, liebe Kolleginnen und Kollegen. (Lebhafter Beifall)

Und zu guter Arbeit gehören Arbeitnehmerrechte - in Deutschland, in Europa und weltweit. Wir haben uns in der Bundesregierung vorgenommen, einen neuen Anlauf zu nehmen - zusammen mit der ILO, mit der Internationalen Arbeitsorganisation; mit anderen auch -, darüber zu sprechen, was wir eigentlich in Europa und in der Welt tun können, um die schlimmsten Missstände auszuräumen und ihnen zu begegnen. Das ist nicht leicht, und ich will nicht so tun, als hätten wir dafür den Stein des Weisen, um das mal eben machen zu können.

Gegen Sklavenhandel und Kinderarbeit sind wir alle - darin sind wir uns einig -, aber es gibt sie. Und es gibt soziale Standards in der Welt, in anderen Ländern in Europa, die wir für völlig undenkbar und für unakzeptabel halten. Ich will uns damit nicht belobigen und nicht sagen, dass bei uns alles gut ist. Ich sage nur: Die Idee des Internationalismus, des Zusammenhalts auf der Ebene derer, die soziale Politik wollen, ist gefragt. Gerade wenn man ein Gegengewicht zu der großen Finanzindustrie stellen will, die international unterwegs ist, wird das nur gehen, wenn alle, die auf Demokratie setzen, politisch in den Arbeitgeber- und in den Arbeitnehmerverbänden, in den Gewerkschaften -, wenn alle die beieinanderstehen und sagen: Wir wollen gemeinsam dafür streiten, dass diese globalisierte Welt eine Welt ist, die sozialen Ansprüchen genügt.
Wir können nicht zufrieden sein mit dem, was bei uns im Land passiert. Wir müssen über den eigenen Tellerrand hinaus gucken. Wir wollen die soziale Dimension Europas. Wir wollen, dass dieses Europa in sozialstaatlichem und sozialpartnerschaftlichem Handeln als soziale Marktwirtschaft funktioniert, und wir müssen diese Idee auch in die Welt hinein rufen. Die Kunst, um die es in der Politik geht, ist: Wie bekommen wir es hin, dass ein Europa mit 27 souveränen Staaten es schafft, sich abzustimmen - ohne eine große Regierung oben drüber, ohne dass ein Staatenbund oder ein Bundesstaat entsteht -, und wie es Formen der Zusammenarbeit findet, die dazu führen, dass die ökonomischen, die ökologischen und die sozialen Interessen aufeinander abgestimmt zu einer vernünftigen, kohärenten Politik führen. Das ist die Aufgabe für die nächsten Jahrzehnte; denn das wird man nicht mehr allein im eigenen Land organisieren können.

Ich freue mich, dass die Gewerkschaften auf europäischer Ebene so intensiv und ausführlich mit dabei sind. Im letzten halben Jahr während unserer Präsidentschaft war es besonders intensiv. Ich glaube, ich habe Michael Sommer im letzten halben Jahr häufiger in Brüssel oder irgendwo unterwegs gesehen als hier in Deutschland. Aber das ist auch gut, und es ist wichtig, dass man immer mit am Tisch setzt und über das redet, was man miteinander für Deutschland und für Europa tun kann.

Es ist manchmal schwer mit Euch, liebe Kolleginnen und Kollegen (Heiterkeit) - mit mir aber auch; ich weiß das. Da steht es eins zu eins. Trotzdem sage ich Euch hier aus vollem Herzen: Der Streit um den richtigen Weg ist für Demokraten keine Schande. Keiner hat von Anfang an die Wahrheit auf seiner Seite. Es ist immer gut, dem anderen noch einmal zuzuhören; denn es könnte ja sein, dass er doch ein bisschen recht hat. Dieses Harmoniebedürfnis in Deutschland - „Ihr wollt doch alle was Gutes; vertragt Euch doch!“ - ist Quatsch. (Vereinzelt Beifall) Wir müssen über den richtigen Weg streiten. Ich sage Euch: Man muss als Politiker, zumal in einer solchen Regierung, immer so tun, als wüsste man genau, wie alles geht. Man weiß es nicht, aber Ihr wisst es auch nicht. Deshalb müssen wir miteinander darüber streiten, wie man es richtig machen kann. (Vereinzelt Pfiffe) - Ertragt das mal einen Augenblick. So ist das.
Wir müssen miteinander streiten, und dazu gehören starke Gewerkschaften. Wo immer es Reibungsflächen zwischen uns gibt, Ihr könnt ganz sicher sein, sowohl bei mir als auch bei der gesamten Regierung: Wir wissen, dass wir in diesem Land starke Gewerkschaften brauchen, die was im Kreuz haben. Diese Gesellschaft, diese Wohlstandsgesellschaft, diese soziale Marktwirtschaft hat funktioniert, weil wir bei Arbeitgebern und Arbeitnehmern Leute hatten, die etwas vereinbaren konnten, und wer ein bisschen von dem ganzen Spiel versteht, der weiß, dass es in der großen Tarifkommission manchmal schwieriger war als bei den Verhandlungen am Tisch, als man über die Tarifverträge gesprochen hat; denn in der großen Kommission hatte man oft ganz andere Erwartungen. Aber wir brauchen auch in Zukunft starke Gewerkschaften, die die Interessen der Arbeitnehmer erstreiten und wenn es nötig ist, hoffentlich selten, auch erstreiken können. Das ist ein Stück Demokratie. Das soll nicht verschwinden; das muss auch in Zukunft als eine große soziale Komponente in diesem Deutschland vorhanden sein. In diesem Sinne: Gute Zusammenarbeit, liebe Kolleginnen und Kollegen. (Beifall)

Aus Eurem und aus unserem Bereich - jetzt rede ich einen Augenblick nicht in der Rolle des Regierungsmitglieds - gab es Karl Richter aus Berlin. Frank Bsirske und ich haben ihn geehrt. Er war ein Gewerkschafter aus dem Bereich der Drucker. Das waren damals bei Euch die Intellektuellen, jedenfalls hat er immer so gesprochen. Er war bei unserem Besuch zu seinem 100. Geburtstag sehr gut drauf. Er war ein kleiner, aber gleichzeitig ein großer Mann, so wie wir viele gekannt haben in unseren Parteien und in den Gewerkschaften, von denen man lernen konnte. Ich habe ihn gefragt, als wir ihn zum 100. Geburtstag gratulierten: „Karl, was ist das Resümee Deines Lebens? Auf was kommt es an?“ Er hat gesagt: „Du musst das Leben nehmen, wie es ist; aber Du darfst es nicht so lassen.“ (Beifall)

Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich fand das genial; denn das ist die Botschaft: Man darf nicht auf Wolke sieben unterwegs sein. Man muss wissen, was Sache ist. Man muss auch wissen, wo die Haken und die Ösen sind, was geht und was nicht geht. Aber man darf sich nicht damit zufrieden geben. Wenn wir in die Position kommen, dass wir sagen: „Das ist alles so, wie es ist; da kann man halt nichts machen“, dann ist es zu spät. Wir müssen den Fortschritt wollen. Gewerkschaften haben das gewollt, andere Parteien haben es auch gewollt. Wir müssen antreten, um den Fortschritt zu entwickeln, und wenn die Philosophen kommen und sagen: „Es gibt keinen Fortschritt“, dann sagt ihnen: „Das ist egal; ich will ihn trotzdem.“ Wir müssen im Großen und im Kleinen dafür kämpfen, dass es besser wird. Dafür gibt es genug zu tun. Und seid sicher: Wir werden in Deutschland, wenn wir miteinander streiten - Gerechtigkeit, Würde und Solidarität vorne an -, in den nächsten Jahren bei aller Anstrengung, die nötig ist, eine gute Zeit haben können - zwar nicht ohne Sorgen, aber wir können unseren Kindern und Kindeskindern sagen: Ja, das Land ist stark. Wir wollen miteinander erreichen, dass es ein demokratisches Land wird, ist und bleibt, dass es ein soziales Land wird, ist und bleibt. Diese Idee müssen wir in Deutschland hochhalten und weiter vorantragen. Dann bin ich nicht bange vor dem, was die Zukunft uns bringt. - Vielen Dank und ein herzliches Glückauf. (Beifall)

Frank Bsirske, ver.di-Vorsitzender 
Wir möchten uns bedanken, liebe Kolleginnen und Kollegen - bei Burkhard Jung, bei Michael Sommer und auch bei Franz Müntefering. Franz hat in seinem Redebeitrag deutlich gemacht, dass er für eine Konfliktpartnerschaft plädiert. Franz, wir sagen Dir zu: Diese Konfliktpartnerschaft nehmen wir an. (Beifall)
Franz hat zum Schluss seiner Rede ganz deutlich noch einmal unterstrichen: Es gibt Alternativen. Lasst uns darüber reden, wo die Alternativen liegen und was für Alternativen spricht. - Das ist eine andere Botschaft als die, die wir jahrelang gehört haben, als es hieß: Es gibt keine Alternative. Basta. (Beifall) Wir nehmen diese Botschaft an, Franz. Wir wollen miteinander streiten um den Weg, der einzuschlagen ist, um diese Gesellschaft insgesamt nach vorne zu bringen und die Interessen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer dabei mitzunehmen und ihnen das Gewicht zu geben, das sie verdienen. (Beifall)
Wer Gelegenheit hatte, vor vier Jahren den Auftritt des Vertreters der Bundesregierung, meines Parteifreundes Joschka Fischer, zu erleben, erinnert sich: Wir sind anderthalb Stunden lang beschimpft worden. Wenn man das vergleicht mit dem, was Franz Müntefering heute als Vertreter der Bundesregierung gesagt hat, dann ist klar: Da sind mittlerweile auch andere Töne zu hören, und das hat etwas mit uns zu tun, das hat etwas mit Euch zu tun, und das ist im Prinzip eine gute Botschaft, weil wir diesen Weg gemeinsam gehen wollen - für den gesetzlichen Mindestlohn, für tarifliche Mindestlöhne, für die Gleichbehandlung von Stammarbeitern und Leiharbeitern, für bessere Qualifizierung, für mehr Kitaplätze. Da sind wir einer Meinung, Franz. Lasst uns diesen Weg gemeinsam gehen und darüber reden, wie wir das konkretisieren können. (Starker Beifall)
Da, wo es Differenzen gibt, werden wir uns über die Differenzen unterhalten. Das mit dem Erwerbstätigenzuschuss - ich greife nur dieses Beispiel heraus - überzeugt doch nicht wirklich. (Vereinzelt Beifall) Wir haben den für allgemeinverbindlich erklärten Mindestlohn ja noch nicht, aber wenn die Armutslöhne von 800 Euro im Monat bei PIN dadurch subventioniert werden, dass die Sozialversicherungsbeiträge erlassen werden, werden doch die ausfallenden Sozialversicherungsleistungen von den Sozialversicherten gezahlt werden. Das bedeutet nichts anderes, als dass die Sozialversicherten bei der Post AG mit ihren Sozialversicherungsbeiträgen dazu beitragen, die Armutslöhne bei PIN zu finanzieren, um sie anschließend vorgehalten zu bekommen als Argument im Wettbewerb gegen die Löhne bei der Post. (Starker Beifall)
Hier plädieren wir für Konsequenz, dafür, dass auf das A auch das B folgen muss, denn das gehört zusammen. Lass uns gemeinsam, Franz, für den gesetzlichen Mindestlohn streiten und dafür, dass die Tariflöhne, die jetzt ausgehandelt worden sind, so, wie Du es sagst, für allgemeinverbindlich erklärt werden, dann sind wir ein Stück vorangekommen auf dem Weg zum gesetzlichen Mindestlohn, und dahin, Kolleginnen und Kollegen, wollen wir - und nach dem, was ich heute gehört habe, Franz, gemeinsam, und das ist gut so. (Lebhafter anhaltender Beifall)

Margrit Wendt, Vorsitzende des Gewerkschaftsrats
Den Schwung von Frank, den Schwung der Künstler, diesen Schwung wollen wir mitnehmen in unseren Kongress. Deshalb wünsche ich uns allen einen schwungvollen, einen kraftvollen, einen erfolgreichen Kongress.
Wir danken allen, die zur Eröffnung beigetragen haben. Wir hoffen, dass die Künstlerinnen und Künstler jetzt mit viel Lautstärke noch mal auf die Bühne kommen. Wir wollen damit gemeinsam auch unseren Schwung mitnehmen, um dann nachher in der „Glashalle“ einen gemeinsamen Abend zu verbringen. Wir würden uns freuen, wenn unsere Gäste und unsere Redner mitmachen und den Schwung auch in die „Glashalle“ tragen.
Vor uns liegt ein toller Kongress mit guten Ergebnissen; da bin ich mir ganz sicher. „We Shall Overcome“. Gemeinsam werden wir die Welt verändern. Der 2. Ordentliche ver.di-Bundeskongress ist eröffnet.
Und jetzt, hoffe ich, sind die Künstler da, um Lärm zu machen.

Finale mit allen Künstlern
(Lebhafter Beifall)

Ende der Eröffnungsveranstaltung: 19.15 Uhr