Uwe Foullong: "Frau Merkel, mehr Transparenz reicht nicht
aus!"
"Radikal verändert" haben sich in den letzten fünf bis zehn
Jahren die Finanzmärkte. So Uwe Foullong, Mitglied des
ver.di-Bundesvorstands und Leiter des Bundesfachbereichs
Finanzdienstleistungen: Das Volumen von "Hedgefonds" und
"Private-Equity-Fonds" sei weltweit drastisch gestiegen. Vor allem die
Private-Equity-Fonds kauften Unternehmen auf, um aus ihnen kürzester
Frist möglichst viel Rendite herauszuholen.
Diese Unternehmen würden dann brutal umstrukturiert oder ganz
zerschlagen, ihr Personal drastisch abgebaut – eine "Politik der
Renditemaximierung um jeden Preis ohne Rücksicht auf die
Beschäftigten".
Deshalb sei es dringend geboten, die Finanzmärkte national und
international zu regulieren. Vor allem national könne gehandelt werden.
Feindliche Übernahmen müssten per Gesetz erschwert werden. Zu verbieten
sei die Methode, mit Krediten den Kauf von Unternehmen zu finanzieren.
Vielmehr sollten die Fonds ihre Käufe "zu hundert Prozent selber
finanzieren".
Die Aktionärsstimmrechte der Eigentümer sollten verdoppelt werden. Denn
deren langfristig angelegte Strategien wirkten einer kurzfristigen
Renditepolitik entgegen.
Zu stärken sei auch die Position der Gewerkschaftsvetreter/innen in den
Aufsichtsräten gegenüber den Fonds und den Analysten, die in ihren
Konferenzen mehr Informationen erhielten als die Aufsichtsräte.
Inzwischen schädigten die Private-Equity- und Hedge-Fonds bereits die
gesamte Volkswirtschaft. Ein Beleg dafür sei die "Immobilienkrise" in
den USA, die sich bereits auf das deutsche Bankensystem ausgewirkt
habe: Hochriskante Kredite mit "irrem Volumen" seien dabei über
Hedgefonds auf die weltweite Reise geschickt worden.
Nach dem Platzen dieser Spekulationsblase seien deutsche Banken bereits
in die Schieflage geraten – auch weil privatwirtschaftliche
Rating-Agenturen diesen hochriskanten Risiken ihr Gütesiegel verliehen
und damit den Anschein erweckt hätten, so lasse sich sehr leicht ein
Profit erzielen.
"Um solche Risiken künftig auszuschließen", fordert Uwe Foullong "eine
öffentliche Rating-Agentur". Zudem müssten diese Risiken stärker mit
Eigenkapital unterlegt werden – Stichwort "Basel III": "Wenn ich mehr
riskante Geschäfte mache, muss ich auch mehr Eigenkapital hinterlegen,
um das abzudecken, um Spekulationsblasen und negative Auswirkungen zu
vermeiden."
Notwendig sei vor allem "eine echte Kontrolle der Aktivitäten dieser
Fonds". In Deutschland und Europa sei zwar "jede kleine Sparkasse und
jede kleine Genossenschaftsbank" einer starken und scharfen Aufsicht
unterworfen. Doch solche global agierenden Fonds könnten "ohne
Kontrolle völlig unreguliert arbeiten". Vor allem die Bundesregierung
sei gefordert, "mit klaren Regulierungen zukünftig die Risiken
auszuschließen".
Der Fachbereichsleiter appelliert: "Liebe Frau Merkel, mehr Transparenz
reicht nicht aus! Es bringt nichts, wenn wir mit mehr Transparenz in
die nächste Krise schlittern. Wir brauchen klare Gesetze, klare
Regulierungen, um diese Risiken zukünftig auszuschließen."