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(Fortsetzung des Kongresses: 16.26 Uhr) Hildegard Schwering, KongressleitungWir haben noch viel vor, deshalb starten wir jetzt. Zunächst etwas Erfreuliches: Ich darf im Namen aller ganz herzlich Heiko Maas, den SPD-Landesvorsitzenden aus dem Saarland, herzlich bei uns willkommen heißen. Dann möchte ich Euch noch einen Tipp geben: Ihr seht da drüben diesen riesigen roten Truck. Er steht nicht nur dort, damit man ihn anschauen kann, sondern Ihr könnt an diesem Wagen auch nähere Informationen erhalten, könnt auch neue Einsätze dieses Lkw dort planen. Also geht einfach mal dort hin, sprecht mit den Kolleginnen und Kollegen dort und plant vielleicht die nächste Tour bei Euch im Bezirk. Dann wird etwas gesucht, nämlich vier GR-Mitglieder. (Heiterkeit)
Sie sollen zu einem Termin kommen - sie wissen dann schon, wo das ist
-, und zwar zu einem Fototermin: Werner Ach, Kornelia Dubbel, Petra
Peter und Hans Kummetat. Ihr wisst also Bescheid. Bitte ganz schnell,
damit Ihr noch aufs Foto kommt. Ich hoffe, ich bringe Euch damit jetzt nicht durcheinander. Ich lasse Euch ein bisschen Zeit für den Ordnerwechsel. Bis Ihr Eure Ordner herausgeholt habe, kann ich schon mal Ute Quandt mit der Delegiertennummer 648 sagen, dass sie sich vorbereiten kann. Jetzt haben wir einen Geschäftsordnungsantrag. Volker Mörbe, 625Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich halte es nicht für okay, dass
wir jetzt ohne die Kolleginnen und Kollegen aus Nordrhein-Westfalen und
andere, die jetzt nicht hier sind, in Beratung sind und nicht hierher
kommen können, beraten, dass wir sie ausschließen aus der
Antragsberatung von Block D. Deswegen beantrage ich, dass wir warten,
bis die Kollegen wieder hier sind. (Lebhafter Beifall -
Widerspruch) Hildegard Schwering, KongressleitungWir haben eine Gegenrede. Thomas Koczelnik, 873Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir haben als Kongressleitung versprochen, deutlich zu machen, wenn wir als Delegierte sprechen. Ich spreche jetzt in meiner Eigenschaft als Delegierter mit der Delegiertennummer 873. Die Kolleginnen und Kollegen aus Nordrhein-Westfalen haben uns
ausdrücklich gebeten, dass wir nicht auf sie warten mögen. Ich selber
komme aus Nordrhein-Westfalen. Ich habe gerade kurz an der Beratung
teilgenommen. Wir wissen, dass das für sie ein Problem ist. Dass wir
die Satzungsanträge jetzt nicht aufrufen, ist das Entgegenkommen. So
ist das verabredet. Ich denke, dass wir so die Beratungen gemeinsam gut
fortsetzen können. (Beifall) Hildegard Schwering, KongressleitungDanke. - Ich lasse darüber abstimmen. Wer der Meinung ist, dass wir den Kongress unterbrechen und warten müssen, bis die Nordrhein-Westfalen hier sind, den bitte ich jetzt um das Kartenzeichen. - Einige wenige. Wer ist dagegen? - Das ist eindeutig. Dann fahren wir jetzt fort. Ihr bekommt jetzt gleich eine Übersicht auf der Videowand zu den Anträgen, die wir jetzt beraten, zu denen es Wortmeldungen gibt. Hier seht Ihr die Übersicht. Die rot dargestellten Anträge - das sind die Anträge D1, i10, D15 und D17 - werden jetzt einzeln aufgerufen, weil zu diesen Anträgen Wortmeldungen vorliegen. Zuerst rufe ich jetzt den Antrag D1 auf und hatte bereits die
Kollegin Ute Quandt gebeten, sich vorzubereiten. Sie kann jetzt ans
Mikro kommen. Danke. Ute Quandt, 678Liebe Kolleginnen und Kollegen, der Antrag D1 beinhaltet umfangreiche steuerliche Forderungen. Ihnen kann ich auch folgen. Aber unter Punkt 3 fordert man, den Spitzensteuersatz bei der Einkommensteuer für Einkommensteile oberhalb von 60.000 Euro wieder auf 50 Prozent anzuheben. An dieser Stelle möchte ich dazu auffordern, dem Antrag nicht zu folgen. Wie vielleicht einige wissen: Wenn man den oberen Teil der Steuerbelastungskurve anhebt, folgt in der Regel auch der untere Teil. So, wie es hier formuliert ist, wird nicht der Eindruck vermittelt, dass auch die unteren Einkommen stärker belastet werden. Dem kann ich also nicht zustimmen. Deshalb möchte ich dazu auffordern, diesen Teil zu ersetzen
beziehungsweise neu zu formulieren. Ich weiß nicht, was der
Antragsteller konkret gemeint hat. Es ist für mich nicht hinnehmbar,
dass auch die unteren Einkommensgruppen belastet werden. Ich meine, es
ist wichtiger, dass die Vergünstigungen bei der Körperschaftsteuer
zurückgenommen werden. Momentan gibt es sehr viel Bewegung bei den
Preisen. Vieles wird für uns teurer. Insofern ist meiner Meinung nach
eine Steuererhöhung für alle nicht hinnehmbar. - Danke schön.
(Vereinzelt Beifall) Hildegard Schwering, KongressleitungVielen Dank, liebe Kollegin Quandt. Die Antragskommission sollte
dazu kurz Stellung nehmen. Sie empfiehlt die Annahme des Antrags D1.
Ferner empfiehlt sie, dass dadurch die Anträge D2 und D3 als erledigt
betrachtet werden. Das habe ich vorhin zu erwähnen vergessen. Ich
möchte die Kollegin Brigitte Buciek bitten, für die Antragskommission
kurz eine Stellungnahme abzugeben. Sprecherin der Antragskommissionver.di meint nicht, dass Punkt 3 Auswirkungen in Richtung einer
erhöhten Belastung der unteren Einkommen hat. Deswegen bleiben wir bei
unserer Empfehlung. Hildegard Schwering, KongressleitungDanke. Es liegen mir jetzt keine weiteren Wortmeldungen vor. Deswegen lasse ich über die Empfehlung der Antragskommission abstimmen. Wer ihr folgen will, den bitte ich jetzt um das Kartenzeichen. - Die Gegenprobe! - Mehrere Gegenstimmen. Enthaltungen? - Einige Enthaltungen. Bei mehreren Gegenstimmen und einigen Enthaltungen ist der Empfehlung der Antragskommission gefolgt. Ich rufe jetzt den Initiativantrag 10 des Kollegen Jürgen Richter auf: Insolvenzverordnung zugunsten der Beschäftigten ändern! Hier empfiehlt die Antragskommission die Annahme. Wortmeldungen liegen uns nicht vor. Wer der Empfehlung folgen will, den bitte ich um das Kartenzeichen. - Die Gegenprobe bitte! - Ich sehe eine Gegenstimme. Enthaltungen? - Einige wenige Enthaltungen. Damit ist dem Initiativantrag so gefolgt. Ich rufe jetzt den Initiativantrag 11 des Kollegen Jürgen Hohmann auf: Novellierung der Insolvenzordnung. (Zurufe) - Er ist erledigt. Ihr habt völlig recht. Ich möchte aus der vorhin gezeigten Auflistung den Antrag D12
herausnehmen. Dieser Antrag wird erst behandelt, wenn wir das Thema
Hedgefonds behandeln. Er wird ausdrücklich herausgenommen, obwohl er,
wie Ihr seht, auf der Videowand aufgeführt ist. Wir behandeln ihn jetzt
nicht. Bernd Losch, 901Liebe Kolleginnen und Kollegen, das ist ein sehr interessanter Antrag. Ich gehe davon aus, dass sich alle mit ihm befasst haben und alle ihn auch verstanden haben. Ich bin gebeten worden, dazu ein paar Worte zu sagen, auch zu einer Thematik, die sich dahinter verbirgt und nicht in der Begründung steht. Wir haben aus verschiedenen wirtschaftlichen Gründen vor langer Zeit den Staat Liberia nach seiner Unabhängigkeit durch steuerliche Subventionen aus dieser Republik unterstützt. In der Zwischenzeit ist es so, dass Liberia ein Staat ist, in dem sozusagen die Kriegsherren das Sagen haben, wo Mord und Totschlag herrschen, bei dem wir froh sein können, dass sich das Regime von Taylor zwar nicht selbst aufgelöst hat, aber doch durch einen langen, langen Bürgerkrieg verschwunden ist. Die deutschen Reeder nutzen dieses Land, um ihre Schiffe da registrieren zu lassen. Der Hintergrund ist, dass es überhaupt keine Kontrolle gibt, keine staatliche Kontrolle für die Schiffe, überhaupt keinen Einfluss des Staates Liberia auf die Angelegenheiten, die diese Schiffe betreffen. Ich rede deswegen noch einmal zu dem Antrag, um auch dem neu
gewählten Vorsitzenden von unserem Fachbereich mitzugeben, dass er sich
überall da, wo Liberia und Doppelbesteuerungsabkommen ein Thema sind,
dafür einsetzt, dass dies geändert wird, weil die Gelder, die der Staat
Liberia über dieses Abkommen und über die Registrierungsgelder für die
Schiffe einnimmt, im wahrsten Sinne des Wortes Blutgeld sind. Das
dürfen wir nicht hinnehmen. Deswegen bitte ich, überall gegen dieses
Doppelbesteuerungsabkommen vorzugehen. - Danke schön. (Beifall) Hildegard Schwering, KongressleitungVielen Dank, Bernd. Ich lasse jetzt über die Empfehlung der Antragskommission abstimmen. Sie empfiehlt die Annahme. Wer dem folgen will, den bitte ich um das Kartenzeichen. - Danke. Wer ist dagegen? - Zwei Gegenstimmen. Enthaltungen? - Eine Enthaltung. Bei einer Enthaltung und zwei Gegenstimmen ist der Antrag so angenommen. Ich rufe jetzt auf Antrag D17, Bindung der Tonnagesteuer an die deutsche Flagge. Auch hier haben wir eine Wortmeldung. Die Antragskommission empfiehlt die Annahme. Bernd Losch hat sich auch zu diesem Antrag gemeldet. Bernd Losch, 901Auch ein Antrag aus der Seefahrt, auch eine Thematik zur Tonnagesteuer, die Euch sicherlich allen bekannt ist. Denjenigen, die nicht wissen, worum es da geht, versuche ich das ganz kurz zu erklären. Jedes Wirtschaftsunternehmen muss, wenn es Gewinne erzielt, diese versteuern. Die Reeder müssen dies nicht. Die Reeder zahlen einen Pauschalbetrag, der von der Größe des Schiffes abhängt. Sie zahlen für eine Bruttoregistertonne oder für eine BRZ-Tonne Cent-Beträge. Das heißt, die bundesdeutschen Reeder sind hoch subventioniert durch Nicht-Steuern, die dieser Staat erhebt, und trotzdem sind sie so dreist und bringen ihre Schiffe in Länder mit Billigflaggen und setzen auf diesen Schiffen in der Regel auch Personal ein, das zu Bedingungen fährt, die weit, weit unter den Standards liegen, die wir hier gerne festgeschrieben haben wollen. Ich hatte am Anfang des Kongresses schon registriert, dass wir dabei sind, diese Schiffe unter Tarifverträge zu bringen. Wir haben auch im Jahr 2000 ein sogenanntes maritimes Bündnis geknüpft, es heißt genau „Maritimes Bündnis für Beschäftigung und Ausbildung“. Wir stellen jetzt fest, dass die Seeschifffahrt boomt, dass wir 3000 Schiffe in Besitzerschaft deutscher Reeder haben, dass sie 800 weitere Schiffe bestellt haben. Es gibt keinen Reeder im Moment, der kein Geld hat und dem die Dollars nicht aus den Ohren sprießen. Nichtsdestotrotz gibt es einen Paragrafen 7 Flaggenrechtsgesetz. Dieser Paragraf ermöglicht es den Reedern, ihre Schiffe unter eine fremde Flagge zu bringen. Es heißt in diesem Paragrafen: „Wenn eine Reederei unter wirtschaftliche Not gerät, hat sie die Möglichkeit, ihr Schiff unter eine fremde Flagge zu bringen.“ Noch einmal: Ich kenne keine Reederei, die wirtschaftliche Not leidet. Das ist nicht bekannt. Selbst die Reeder jammern nicht mehr. Sie heuern Kapitäne an, deren Lohn sich bei etwa 6000 Euro einpendelt. Wer heute auf den Markt geht und sagt, ich bin Kapitän, dem zahlen sie 2000 Euro on top dazu, weil sie keinen Nachwuchs haben. Jetzt noch einmal an unseren neuen Kollegen Erhard Ott. Erhard: Wenn
Dich einer dazu anspricht und Dir sagen will, dass wir keine Kapitäne,
keine nautischen oder technischen Offiziere haben, dann ist das so
nicht richtig. Von den 1.600 Schiffen, die wir unter Vertrag haben -
jedes Schiff ist verpflichtet, beim Abschluss eines Vertrages eine
Crewing-Liste zu übergeben - gibt es minimum 800 Kapitäne, die zu
steuerlichen Vergünstigungen, sprich Doppelbesteuerungsabkommen
Liberia, auf diesen Schiffen zur See fahren. Ich weiß, das ist alles
etwas schwierig. Ich bitte darum, im Rahmen des maritimen Bündnisses
darauf hinzuwirken, dass die Tonnagesteuer als Forderung an die
deutsche Flagge gebunden wird. Das sind unsere Steuergelder, die wir da
hineinstecken. Das ist unsere Kohle. Es ist unerträglich, was da
passiert. (Beifall) Hildegard Schwering, KongressleitungVielen Dank, Bernd. Ich lasse über den Antrag D17 abstimmen. Wer dem zustimmt, den bitte ich um das Kartenzeichen. - Danke. Bitte die Gegenprobe. - Ich sehe keine Gegenstimme. Enthaltungen? - Bei einigen wenigen Enthaltungen ist der Empfehlung so gefolgt. Vielen Dank. Wir haben zu diesem Block keine weiteren Wortmeldungen. Deshalb lasse ich über alle anderen Anträge des Blocks D abstimmen. Ich lese noch einmal kurz vor, damit es keine Verwirrung gibt. Das sind die Anträge D4, D5, D6, D7, D8 bis 14 mit Ausnahme von D12, D16, D18 und D19. Wer dem folgen will, den bitte ich um das Kartenzeichen. - Danke schön. Die Gegenprobe. - Ich sehe keine Gegenstimmen. Enthaltungen? - Einige wenige Enthaltungen. Damit haben wir den Block D mit Ausnahme von Antrag D12 bereits bearbeitet. Vielen Dank. Wir kommen dann zu Block A Gewerkschafts- und Gesellschaftspolitik allgemein. Wir würden gerne mit Euch behandeln die Anträge zum Untersachgebiet Sozialstandards weltweit. Das sind die Anträge A48 bis A57 und der Initiativantrag 2. Diesen Block würden wir gern behandeln. Zu diesem Block liegt uns bei dem Antrag A49 eine Wortmeldung vor
von der Kollegin Helga Fritz, Delegiertennummer 927. Helga Fritz, 927Zur Bekräftigung von diesem Antrag aus dem Fachbereich Handel noch einmal kurz: Der Kampf um den Mindestlohn gegen Armut trotz Arbeit ist nicht getrennt zu sehen von der Auseinandersetzung gegen den Billigwahn. Beides gehört zusammen. Wir alle sind doch Kundinnen und Kunden. Wir sollten uns immer fragen, woher die Ware kommt, die wir kaufen, wer sie produziert, unter welchen Bedingungen. Billigpreise auf der einen Seite bedeuten Niedriglöhne auf der anderen Seite. Wir alle haben wohl schon oft gehört: Na ja, wenn man weniger
verdient, wenn man zu wenig verdient, ist man darauf angewiesen, dass
man Produkte und Waren kaufen kann, die zu Niedrigstpreisen angeboten
werden. Wir sollten dies aber niemals so stehen lassen. Es sind die
gleichen Konzerne, die Billigstpreise anbieten, weil sie ihre
Beschäftigten schlecht bezahlen, weil sie sie in die Armutslöhne
treiben. Es darf nicht sein, dass das auf dem Rücken der Beschäftigten
ausgetragen wird. Wir von ver.di, wir alle zusammen, sollten politisch
arbeiten, sollten auch in Diskussionen eingreifen und immer wieder
darauf aufmerksam machen, dass den Billigmarken in der Bundesrepublik
Deutschland ein Ende gemacht wird. - Vielen Dank. (Beifall) Hildegard Schwering, KongressleitungDanke, liebe Kollegin. Mir liegen keine weiteren Wortmeldungen zu diesem Antrag vor. Ich lasse deswegen über die Empfehlung der Antragskommission abstimmen. Wer ihr folgen will - sie empfiehlt die Annahme -, den bitte ich um das Kartenzeichen. - Ich danke Euch. Gegenprobe! - Ich sehe keine Gegenstimmen. Enthaltungen? - Einige wenige Enthaltungen. Damit ist der Antrag A49 angenommen. Ich rufe jetzt auf den Antrag i2: No logo. Wortmeldungen dazu liegen nicht vor. Wir stimmen deshalb über den Initiativantrag 2 - No logo - ab. Es wird „Annahme als Arbeitsmaterial zur Weiterleitung an den Bundesvorstand“ empfohlen. Wer dem so folgen will, den bitte ich um das Kartenzeichen. - Danke schön. Gegenprobe! - Zwei Gegenstimmen. Enthaltungen? - Einige wenige Enthaltungen. Damit ist auch diesem Initiativantrag so gefolgt. Ich danke Euch. Wir rufen jetzt noch einmal den gesamten Block und das Sachgebiet „Sozialstandards weltweit“ auf. Damit Ihr genau wisst, um welche Anträge es jetzt noch geht, lese ich diese noch einmal vor. A48 und A50 bis A57. Wer diesen Anträgen seine Zustimmung geben kann, den bitte ich jetzt um das Kartenzeichen. - Danke schön. Gegenprobe! - Eine Gegenstimme. Enthaltungen? - Keine Enthaltungen. Bei einer Gegenstimme und keiner Enthaltung haben wir diesen gesamten Block so angenommen. Ich danke Euch. (Ein Video mit dem Titel „Das große Fressen“ wird gezeigt) Dieses Video kam jetzt sehr plötzlich. Eigentlich wollte ich Euch noch vorwarnen. Aber dann überfielen uns die Heuschrecken schon so wie im wirklichen Leben auch. Ich rufe nun auf die Antragsberatung zu D12. Zuvor hat jedoch der
Kollege Uwe Foullong das Wort. Bevor er aber zu Euch spricht, möchte
ich nicht unerwähnt lassen, dass Herr Rasmussen, der eigentlich ein
Kurzreferat zum Thema „Hedgefonds“ halten sollte, sehr plötzlich
abgesagt hat. Deshalb hören wir nun das Kurzreferat von Uwe, auf das
wir uns sehr freuen. (Beifall) Uwe Foullong, BundesvorstandDas ist ein wenig der Ehre zuviel, Herrn Rasmussen zu ersetzen. Aber, liebe Kolleginnen und Kollegen, gestattet mir auch auf der Grundlage des Euch vorliegenden Antrags D12 einige Worte zu diesem immer wichtiger werdenden Thema. „Das große Fressen“ - wir haben es gerade bildlich gesehen - macht sehr deutlich, dass sich die Finanzmärkte in den letzten fünf bis zehn Jahren radikal verändert haben. Hedgefonds und so genannte Private-Equity-Fonds sind vom Volumen her weltweit drastisch angestiegen. Vor allem diese Private-Equity-Fonds kaufen im Wesentlichen Unternehmen auf, nicht jedoch um sie in ihrer wirtschaftlichen Substanz zu stärken, sondern um sie als reine Finanzanlage zu managen. Das heißt, sie kaufen sie auf, um in kürzester Frist möglichst viel Rendite herauszuholen. Wir kennen das, das läuft im Wesentlichen über brutale Restrukturierungen, über Zerschlagungen von Unternehmen und vor allem immer wieder über drastischen Personalabbau. Das, liebe Kolleginnen und Kollegen, erleben wir nun bereits seit vielen Jahren, das ist die Politik der Renditemaximierung um jeden Preis ohne Rücksicht auf die Beschäftigten. Wir können aufgrund dieser Erfahrungen eigentlich nur bilanzieren, dass dies der Weg in den Kapitalismus pur ist, den wir so nicht wollen und den wir so auch nicht zulassen wollen, liebe Kolleginnen und Kollegen. (Beifall) Deshalb brauchen wir dringend eine weitere Regulierung der
Finanzmärkte, national wie international, vor allem national kann man
da vorangehen. Unter anderem brauchen wir eine weitere gesetzlich
geregelte Erschwerung feindlicher Übernahmen. Wir brauchen vor allem
auch ein Verbot der Übertragung von Krediten zur Kaufpreisfinanzierung
dieser Unternehmen, das heißt, die Fonds sollten das dann, wenn sie
schon kaufen, zu hundert Prozent selber finanzieren. Und wir brauchen
zur Stärkung einer langfristig ausgerichteten Unternehmensstrategie,
eine Verstärkung, eine Verdoppelung der Aktionärsstimmrechte für die
Eigentümer, die langfristig orientiert sind, um dieser kurzfristigen
Renditepolitik entgegen zu wirken. Wir können nicht nur davon reden, dass die weltweit angestiegenen Aktivitäten der Private-Equity- und Hedge-Fonds möglicherweise die gesamte Volkswirtschaft schädigen. Nein, wir können das nicht nur annehmen, sondern es gibt bereits Belege dafür. Wir haben seit mehreren Monaten die sogenannte Immobilienkrise in den USA, die sich bereits auf das deutsche Bankensystem ausgewirkt hat. Dort sind hochriskante Kredite in einem irre hohen Volumen verbrieft und über Hedge-Fonds auf die weltweite Reise begeben worden. In der Zwischenzeit ist die Spekulationsblase - liebe Kolleginnen und Kollegen, wir konnten es lesen - geplatzt, und wir haben bereits deutsche Banken, die in Schieflagen geraten sind. Das, liebe Kolleginnen und Kollegen, unter anderem auch deshalb, weil es privatwirtschaftliche Ratingagenturen gibt, die solchen hochriskanten Risiken ein Gütesiegel verliehen und mit ihm den Anschein erweckt haben, das sei alles ein ziemlich lässiger und ohne große Risiken zu erhaltender Profit. Um solche Risiken zukünftig auszuschließen, brauchen wir eine
öffentliche Ratingagentur, die von irgendwelchen Kontrolleuren
unabhängig ist, die die privaten Ratingagenturen finanzieren. Wir
brauchen die Unabhängigkeit und deshalb eine öffentliche Ratingagentur,
um solchem Missmanagement und solchen falschen Einschätzungen
entgegenzuwirken. (Beifall) Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir brauchen vor allem eine echte Kontrolle der Aktivitäten dieser Fonds. Es kann nicht sein, dass in Deutschland und in Europa jede kleine Sparkasse und jede kleine Genossenschaftsbank einer starken und scharfen Aufsicht unterworfen ist - was ja gut ist -, aber solche global agierenden Fonds als Blackbox ohne Kontrolle völlig unreguliert arbeiten können. Das geht nicht an. Wir brauchen mehr Kontrolle und Aufsichtsreglungen, auch für die Hedge- und Private-Equity-Fonds. (Beifall) Liebe Kolleginnen und Kollegen, gerade diese aktuellen Ereignisse zeigen, dass die Finanzmärkte international, in Europa, aber auch in Deutschland anfällig sind. Und es zeigt sich, dass sie auch die gesamte Volkswirtschaft zu schädigen drohen. Genau das darf nicht passieren. Deshalb ist jetzt vor allem die Bundesregierung gefordert, mit klaren Regulierungen zukünftig die Risiken auszuschließen. Ich sage es noch einmal ganz deutlich, liebe Kolleginnen und
Kollegen, an die Bundesregierung gerichtet: Liebe Frau Merkel, mehr
Transparenz reicht nicht aus! Es bringt nichts, wenn wir mit mehr
Transparenz in die nächste Krise schlittern. Wir brauchen klare
Gesetze, klare Regulierungen, um diese Risiken zukünftig
auszuschließen. - Vielen Dank. (Starker Beifall) Hildegard Schwering, KongressleitungVielen Dank, Uwe. - Es liegen mir zum D12 keine weiteren Wortmeldungen vor. Ich kann deswegen zur Abstimmung aufrufen. Wer der Empfehlung der Antragskommission folgen und den Antrag annehmen will, den bitte ich um das Kartenzeichen. - Ich danke Euch. Die Gegenprobe! - Eine Gegenstimme. Enthaltungen? - Zwei Enthaltungen. Damit haben wir diesen Antrag D12 angenommen. Kolleginnen und Kollegen, wir stellen hier oben - ihr merkt das vielleicht - ständig um, weil wir immer schauen: Sind Sie schon wieder da und können wir noch unsere Fleißarbeit, nämlich unsere Satzungsanträge, beginnen. Deshalb herrscht hier manchmal ein bisschen Kuddelmuddel. Wir möchten Euch jetzt vorschlagen, dass wir wieder in die Beratung
des Antragsblockes A einsteigen und dort chronologisch vorgehend mit A1
beginnen, dem Untersachgebiet zu dem Sachgebiet A: Zukunft ver.di /
Zukunft der Gewerkschaften. Wir müssen nur kurz warten, weil die
Antragskommission wechselt. Sprecherin der AntragskommissionDie Antragskommission hat Nichtbefassung aus mehreren Gründen beschlossen. Ein Grund ist, dass es problematisch ist, wenn ein Bundeskongress beschließt, eine Mindestteilnehmerinnenzahl durch Fachbereiche stellen zu lassen. Es stellt sich die Frage, wie wir das controllen wollen, denn es muss ja auch geguckt werden, ob der Beschluss umgesetzt worden ist. Ein zweiter Punkt ist, dass wir sagen: Vom Inhalt her ist das eine Aufgabe, die man mit den Kolleginnen und Kollegen diskutieren müsste und nicht über Beschlussfassungen regeln kann. Der dritte Punkt war, dass das über Diskussionen und über das
Gespräch miteinander passieren muss und nicht über eine verpflichtende
Beschlussfassung Leute zu Veranstaltungen zu bringen sind. -
Danke. Hildegard Schwering, KongressleitungDanke, Marion. - Ich lasse über die Empfehlung abstimmen. Wer der Antragskommission folgen will, den bitte ich um das Kartenzeichen. - Danke. Gegenstimmen? - Einige wenige Gegenstimmen. - Enthaltungen? - Und mehrere Enthaltungen. Damit ist der Empfehlung gefolgt. Danke. Ich rufe den Antrag A4 auf. Hierzu empfiehlt die Antragskommission Annahme als Arbeitsmaterial zu Antrag A1. Uns liegt eine Wortmeldung vor. Das Wort hat der Kollege Thomas Liermann mit der Teilnehmernummer 182. (Zuruf: Das ist ein Kollege aus NRW!) - Ja, das befürchten wir jetzt auch. Gut, dann streichen wir diese Wortmeldung. Der Antrag A4 kommt dann einfach mit in die gleich zur Blockabstimmung empfohlenen Anträge. Ich rufe jetzt auf den Antrag A7. Auch zu diesem Antrag liegt uns
eine Wortmeldung vor. - Einen Augenblick, bitte. (Mehrere Delegierte
melden sich zur Geschäftsordnung) Einer nach dem anderen. Bitte zuerst
die Kollegin. Sie spricht zur Geschäftsordnung an Mikro 1. Sag‘ bitte
Deinen Namen und Deine Delegiertennummer. Wiebke Koerlin, 651Bei allem Unmut darüber, dass wir uns hier durch den Beratungsbedarf
der Kolleginnen und Kollegen aus NRW so sehr steuern lassen müssen,
denke ich: Das können wir nicht machen. Wir können nicht Delegierten
die Möglichkeit nehmen, sich zu äußern, weil der Landesbezirk meint, er
habe Beratungsbedarf. (Leichter Beifall) Wir können nur diese Anträge
zurückstellen. Ich bitte Euch, in die Beratung zu gehen, aber ich
finde, diesem Vorschlag kann man nicht folgen, weil wir damit vielen
Delegierten wirklich das demokratische Beteiligungsrecht nehmen.
(Leichter Beifall) Hildegard Schwering, KongressleitungDanke, liebe Kollegin. - Ich weiß nicht, ob wir die Gegenrede noch
brauchen. Ich glaube, die Kollegen aus Nordrhein-Westfalen kommen
gerade. Wir warten zwei Minuten. Bitte, sagt dem Kollegen Thomas
Liermann mit der Delegiertennummer 182, dass wir ihn gerne hören
wollen. - Da ist er, wunderbar. Du hast das Wort zu Antrag A4. - Damit
erübrigt sich die Gegenrede. Ist das auch in Eurem Sinne? (Zustimmung)
Bitte, Kollege. Thomas Liermann, 182Schönen guten Tag, Liebe Kolleginnen und Kollegen. Danke, dass Ihr ein bisschen auf uns gewartet habt. - Im Antrag A4 geht es um den 1. Mai. Es geht darum, dahin zu mobilisieren. Zu diesem Antrag ist, wenn ich es richtig im Kopf habe, nur Annahme als Material empfohlen. Ich bin dafür, gegen diese Empfehlung zu stimmen und den Antrag anzunehmen. Zum 1. Mai mobilisieren - ich denke, dieser Tag ist für uns als Gewerkschaften einfach ein ganz essenzieller Tag. - Entschuldigt, dass ich ein bisschen außer Puste bin. Ich musste gerade rennen, damit ich noch rechtzeitig herkomme. - Der 1. Mai ist 1889 als Kampftag beschlossen worden, hat also eine lange Tradition. Seitdem ist er ein Kampftag für die internationale Arbeiterbewegung und damit die älteste Demonstration und Willenskundgebung der Arbeiterbewegung. Dieser Tag ist schon wert, dass wir hier beschließen, als Organisation alle dorthin zu mobilisieren. Wir müssen klar machen, wofür dieser Tag eigentlich steht. Vielleicht noch ein Hinweis aus aktuellem Anlass: Wir hatten in NRW in diesem Jahr das Problem, dass am 1. Mai Faschisten und Rassisten in Dortmund demonstriert haben. Sie haben versucht, uns diesen Tag zu klauen. Schon allein deswegen macht es Sinn, dass wir uns diesen Tag wieder zurückholen, liebe Kolleginnen und Kollegen. (Beifall) Deshalb kann ich nur sagen: Bitte, stimmt gegen die Empfehlung der
Antragskommission und dafür, diesen Tag als Mobilisationstag für die
Gesamtorganisation zu beschließen. - Danke schön. (Beifall) Hildegard Schwering, KongressleitungEs liegen keine weitere Wortmeldungen zum Antrag A4 vor. Ich lasse jetzt über die Empfehlung abstimmen. Wer ihr folgt, den bitte ich um das Kartenzeichen. - Die Gegenprobe! - Enthaltungen, bitte! - Einen Moment bitte. (Die Mitglieder der Kongressleitung beraten sich) Ich möchte die Abstimmung gerne wiederholen und bitte noch einmal diejenigen, die der Antragskommission folgen, um ein deutliches Kartenzeichen. - Die Gegenprobe! - Das Erste war die Mehrheit. Bei zahlreichen Gegenstimmen wurde der Antragskommission gefolgt. Jetzt bitte noch die Enthaltungen. - Zwei. (Die Mitglieder der Kongressleitung beraten sich erneut) Es gab im Hintergrund Aufregung, weil Menschen der Scientology-Sekte
sich Eintritt verschafft und Material verteilt hatten. Sie sind
inzwischen des Saales verwiesen und nicht mehr anwesend. Das wollte ich
Euch mitteilen. (Beifall) Weil der Antrag einzeln aufgerufen ist, lasse ich jetzt auch einzeln darüber abstimmen. Wer der Antragskommission folgen will - Annahme als Arbeitsmaterial -, den bitte ich um das Kartenzeichen. - Die Gegenprobe! - Wenige Gegenstimmen. Enthaltungen? - Einige Enthaltungen. Damit ist der Antrag angenommen. Ich rufe jetzt auf den Antrag A9 - Kritischer Umgang mit der
Bertelsmann-Stiftung und der Bertelsmann-Tochter Arvato. Hierzu liegt
mir eine Wortmeldung des Kollegen Karsten Arendt mit der
Delegiertennummer 698 vor. Karsten Arendt, 698Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich komme aus dem Landesbezirk Hessen, und ich habe mich zu den Anträgen A9 und folgende zu Wort gemeldet. Diese Anträge fordern einen kritischen Umgang mit der Bertelsmann-Stiftung, dem Bertelsmann-Konzern und ihrer Tochterfirma Arvato. Ich bitte den Kongress in diesem Zusammenhang, der Empfehlung der Antragskommission zu Antrag A11 nicht zu folgen, sondern diesen Antrag handlungsleitend zu beschließen. Eigentlich geht mir der Antrag A9, der eine kritische Prüfung der
Zusammenarbeit mit Bertelsmann fordert, nicht weit genug. Gleichwohl
unterstütze ich diesen Antrag, weil ich mir beim besten Willen nicht
vorstellen kann, dass eine kritische Prüfung der Grundlagen einer
Zusammenarbeit mit der Bertelsmann-Stiftung und der von ihr gesteuerten
Unternehmen zu einem anderen Ergebnis führen kann als zum Abbruch der
Beziehungen und zur vollständigen Abgrenzung von den Zielen und der
Ideologie dieses Vorreiters und Strippenziehers neoliberaler
Privatisierungspolitik. (Leichter Beifall) Aus meiner Sicht handelt es
sich bei der Bertelsmann-Stiftung um so etwas wie die fette
Mutterspinne in einem unsere ganze Republik überspannenden Netzwerk
neoliberaler Lobbyorganisationen. (Vereinzelt Beifall) Arvato hat auch bei uns in Deutschland hochgesteckte Ziele. In Würzburg haben sie jetzt die Entwicklung eines elektronischen Portals für die gesamte Stadtverwaltung unter dem Stichwort „E-Government“ übernommen. Der Vertrag mit der Stadt Würzburg sieht über einen Zeitraum von zehn Jahren ein Einsparpotenzial von 250 Stellen oder 28 Millionen Euro vor. Aber dieses Projekt in Würzburg ist offenbar nur der Türöffner für viele weitere Städte und Gemeinden. Die Tür soll geöffnet werden für die flächendeckende Übernahme und Privatisierung der Kernbereiche staatlicher und kommunaler Verwaltung. Und es geht hier nicht nur um neoliberale Deutungsmuster, um unseren Kollegen Frank zu zitieren: Das ist knallharte Geschäftspolitik. Um es in einem Satz zusammenzufassen - meine Redezeit ist ja kurz -: Es geht um einen Prozess der umfassenden Unterwerfung öffentlicher Aufgaben unter das Primat kapitalistischer Verwertungsinteressen. Bei den uns vorliegenden Anträgen geht es mithin nicht um die Verteidigung von irgendwelchen vermeintlichen Privilegien von Beschäftigten in öffentlichen Verwaltungen, es geht um nicht mehr und nicht weniger als um die bertelsmannsche Vision eines grundlegenden Umbaus und die weitgehende Auflösung kommunaler Strukturen an sich. Es ist ein direkter Angriff auf unser öffentlich, demokratisch und rechtsstaatlich verfasstes System. Wenn man so will, geht es um die Abschaffung des verfassungsmäßigen Grundsatzes der kommunalen Selbstverwaltung. Spätestens seit Bertelsmann mit Arvato eine Firma mit eigenen wirtschaftlichen und Geschäftsinteressen auf dem Markt platziert hat, sind die Zeiten vorbei, in denen wir, aus welchen gewachsenen Beziehungen auch immer, zu Vertreterinnen und Vertretern von Bertelsmann in freundlicher Verbindung standen. Sei es auch noch so verführerisch, sich von Bertelsmann irgendwelche Kongresse oder Foren mitfinanzieren zu lassen: Wir sollten uns von Bertelsmann ganz offensichtlich abgrenzen. (Starker Beifall) Ich habe es an anderer Stelle schon mal gesagt: Es hört sich
vielleicht so ein bisschen markant an, aber wer sich abends mit dem
Teufel oder meinetwegen, um es zu gendern, auch seiner Großmutter ins
Bett legt, der sollte sich morgens nicht wundern, wenn es nach Schwefel
stinkt und er in der Hölle aufwacht. (Heiterkeit - Starker
Beifall) Hildegard Schwering, KongressleitungDanke, Kollege. - Das Wort hat jetzt der Kollege Frank
Werneke. Frank Werneke, Stellvertretender ver.di-VorsitzenderLiebe Kolleginnen und Kollegen, ich habe mich zu Wort gemeldet, weil ich dafür werben möchte, der ursprünglichen Empfehlung der Antragskommission zu folgen, weil sie ja davon ausgeht, dass es eine Annahme als Arbeitsmaterial gibt und dabei insbesondere das Projekt, das es offensichtlich gibt, oder der Forschungsschwerpunkt der Bertelsmann-Stiftung zum Thema Zukunft der Öffentlichen Dienste beleuchtet werden soll. Ich bin dafür, dass wir den Antrag als Arbeitsmaterial annehmen, und zwar auch in der Kombination, wie sie die Antragskommission vorschlägt. Denn der Antrag ist in sich relativ unklar. Ich sage das als das für den Medienbereich zuständige Bundesvorstandsmitglied. Die Bertelsmann-Stiftung ist erst einmal der Eigentümer des Bertelsmann-Konzerns. Der Bertelsmann-Konzern gehört der Bertelsmann-Stiftung. Außerdem ist die Bertelsmann-Stiftung auf verschiedenen Forschungsfeldern tätig, und zum Teil arbeiten wir - oder auch die Hans-Böckler-Stiftung - auf bestimmten Forschungsfeldern als Gewerkschaften mit der Bertelsmann-Stiftung zusammen. Ich bin dafür, dass wir, wie bei der Zusammenarbeit mit jeder anderen Stiftung, im Einzelfall prüfen: Was ist sinnvoll in der Zusammenarbeit und was nicht? Dabei kann überhaupt kein Zweifel daran sein, dass die Bertelsmann-Stiftung von ihrer Grundanlage her in einem neoliberalen Denkmuster agiert, was allerdings nicht dazu führen kann, dass es überhaupt keine Arbeitsbeziehungen mit einer solchen Stiftung geben kann - übrigens kritische Arbeitsbeziehungen, will ich ganz deutlich unterstreichen. Der zweite Teil, der in diesem Antrag angesprochen wird, nämlich die Zusammenarbeit mit Arvato, führt so ins Leere. Arvato ist erst einmal nichts anderes als die Technikholding des Bertelsmann-Konzerns. Das heißt, sämtliche Zeitungsdruckereien, Tiefdruckereien und Direct-Mailing-Aktivitäten des Bertelsmann-Konzerns sind in dieser Konzerntochter gebündelt. Es würde also dann beschlossen, dass es keinerlei Wirtschaftsbeziehungen zu Druckbetrieben des Bertelsmann-Konzerns geben sollte, wo wir übrigens eine Reihe von Mitgliedern haben. Es stellt sich aber die logische Frage: Warum sollen wir ausgerechnet zu diesen Druckbetrieben als Gewerkschaften oder im Besonderen als ver.di keinerlei Beziehungen haben, aber zu anderen Druckbetrieben sehr wohl, wo die tariflichen Strukturen oder das, was es an Beziehungen zwischen Betriebsräten, uns als Organisation und dem Management gibt, nicht besser und nicht schlechter ist als bei den Druckbetrieben des Bertelsmann-Konzerns? In diesem Sinne bitte ich, das in der vorgeschlagenen Form als
Arbeitsmaterial anzunehmen, um zu klären, was im Einzelnen tatsächlich
gemeint ist, und dieses Projekt, das dort beschrieben ist, genauer zu
beleuchten und daraus Schlussfolgerungen zu ziehen. - Vielen Dank.
(Beifall) Hildegard Schwering, KongressleitungDanke, Frank. - Ich frage jetzt noch mal die Antragskommission, ob sie bei ihrer Empfehlung bleibt. - Sie bleiben bei der Empfehlung. Dann stimmen wir über den Antrag A9 ab, dadurch erledigt Antrag A12.
- Nein, wir haben keine Wortmeldung mehr, Entschuldigung! - Es ist auf
dem Weg eine Wortmeldung verloren gegangen. Das macht nichts. Es geht
nichts wirklich verloren. Es hat das Wort eine Margarete mit der
Delegiertennummer 285. Margarete Wiemer, 285Entschuldigung, ich habe undeutlich geschrieben, weil es schnell gehen musste. Mein Name ist Margarete Wiemer, ich komme aus Hessen. Ich bin schockiert über das, was der Kollege gerade gesagt hat, (Beifall) weil bekannt ist und auch auf Foren, die ver.di mit unterstützt, ganz deutlich geworden ist, dass die Bertelsmann-Stiftung in die Bildung eingreift, für die Einführung der Studiengebühren steht. Man steht ganz radikal für die Privatisierung auch im Gesundheitswesen und in der Wasser- und Energieversorgung. (Beifall) Die Bertelsmann-Stiftung nimmt ganz klar Stellung zu innenpolitischen Fragen und berät da auch unsere Bundesregierung. Die Bertelsmann-Stiftung hat mit ihren Subunternehmen genau ausgerechnet, wie groß die Bundeswehr sein soll, um entsprechend viel „Menschenmaterial“ - in Anführungszeichen, ich benutze das Wort sonst nicht -, zu haben, umden Krieg in Afghanistan und im Irak unterstützen zu können. Die Liste ließe sich noch viel weiter führen. Ich möchte aber nur
den Kollegen noch mal unterstützen und sagen, dass die Zusammenarbeit
mit der Bertelsmann-Stiftung geprüft werden muss und dass man zu keinem
anderen Schluss kommen kann, als Verbindungen zu einem solchen Verein
aufzugeben. (Beifall) Hildegard Schwering, KongressleitungDanke, Kollegin. - Ich rufe jetzt erneut den Antrag A9 auf. Es ist Annahme empfohlen. Dadurch erledigt dann Antrag A12. Wer der Empfehlung so folgen will, denn bitte ich um das Kartenzeichen. - Die Gegenprobe! - Enthaltungen? - Bei zahlreichen Gegenstimmen und einigen Enthaltungen ist der Empfehlung so gefolgt. Ich rufe den Antrag A10 auf. Annahme als Arbeitsmaterial zu Antrag A9. Wer der Empfehlung so folgen will, den bitte ich um das Kartenzeichen. - Gegenstimmen? - Wenige Gegenstimmen. Enthaltungen? - Einige Enthaltungen. - Danke. Jetzt sind wir mit der Abstimmung fertig. Jetzt kannst Du Deinen
GO-Antrag stellen, Kollege. Helmut Rötzheim, 511Ich habe im Moment etwas Probleme, insgesamt dem Fortgang zu folgen,
weil wir in Nordrhein-Westfalen ja gerade eine Besprechung hatten. Nach
dem Ablauf der Antragsberatung weiß ich jetzt nicht: Haben wir den
Bereich S schon erledigt? Vielleicht könnte uns die Kongressleitung
eine kurze Übersicht geben, damit wir als Nordrhein-Westfalen dem
weiteren Verlauf folgen können. Das wäre sehr nett. - Danke
schön. Hildegard Schwering, KongressleitungDann erklären wir den Nordrhein-Westfalen mal kurz unseren Nachmittag. (Großer Heiterkeit - Beifall) Ihr habt uns gefehlt zur Antragsberatung Sachgebiet S, Satzung. Das haben wir jetzt erst einmal verlegt, haben es noch nicht bearbeitet. Wir haben das Sachgebiet Gewerkschafts- und Gesellschaftspolitik mit dem Untersachgebiet Sozialstandards weltweit bearbeitet. Das waren zehn Anträge, nämlich die Anträge A48 bis A57. Wir haben das Sachgebiet D Wirtschafts-, Finanz- und Steuerpolitik bearbeitet. Das waren die Anträge D1 bis D19 einschließlich des Antrags und des Referats von Uwe zu den Hedgefonds. Wir sind zurzeit beim Sachgebiet A. Wir haben gerade das erste
Unterkapitel dieses Blocks aufgerufen: Zukunft von ver.di/Zukunft der
Gewerkschaften. Das sind die Anträge A1 bis A14. Wir haben bereits alle
Einzelabstimmungen erledigt. Wir stimmen jetzt noch en bloc über die
Anträge ab, über die wir en bloc abstimmen können, weil es dazu keine
Wortmeldungen gibt. Das sind die Anträge A1, A2, A5, A6, A8, A13 und
A14. Ich glaube, ich habe nichts zu sagen versäumt. Über diesen Block
lasse ich gleich abstimmen. Dann haben wir dieses Untersachgebiet auch
erledigt. (Zuruf) - Ich merke es schon: Irgendetwas ist in meiner
Aussage nicht richtig. Bitte, Kollege, Du hast das Wort. Jürgen Johann, 305Hilde, das kann in der Hektik ja passieren, insbesondere wenn man
zwischendurch nicht Anwesenden viel erklären muss. Es gab Wortmeldungen
bis einschließlich Antrag 11. Über den Antrag 11 ist nicht abgestimmt
worden. Der Antrag 11 ist genau jener Antrag, von dem der Kollege
gesagt hat: Da müssen wir die Empfehlung der Antragskommission ablehnen
und den Antrag in der ursprünglichen Form annehmen. - Danke schön.
(Beifall) Hildegard Schwering, KongressleitungIch danke Dir. Natürlich stimmen wir über diesen Antrag vorher einzeln ab. Ich wollte Euch diesen Antrag nicht vorenthalten. Das ist einfach nur untergegangen. Ich danke Dir für den Hinweis. Wir stimmen zuerst über den Antrag A11 ab. Die Empfehlung der Antragskommission lautet Annahme als Arbeitsmaterial. Dazu gab es eine Debatte. Über diesen Antrag wird jetzt beschlossen. Wer der Empfehlung der Antragskommission folgen will, nämlich Annahme als Arbeitsmaterial zu Antrag A9, den bitte ich um das Kartenzeichen. - Die Gegenprobe! - Enthaltungen? - Einige wenige Enthaltungen. Meiner Meinung nach waren die Gegenstimmen in der Mehrheit. Was sagen meine Nachbarn? - Das war von hier oben aus eindeutig. Wir stimmen jetzt also über den ursprünglichen Antrag ab. Wer dem Antrag in seiner ursprünglichen Fassung zustimmen will, den bitte ich um das Kartenzeichen. - Wer stimmt dagegen? - Viele Gegenstimmen. Enthaltungen? - Wenige Enthaltungen. Bei zahlreichen Gegenstimmen ist der Antrag so angenommen. (Vereinzelt Beifall) Jetzt stimmen wir en bloc über die restlichen Anträge einschließlich Antrag A8 ab, der vorhin bei der Aufzählung fehlte. Ich sage noch einmal für alle, damit es keine Verwirrung gibt: A1 und A2, A5 und A6, A8, A13 und A14. Wer dem folgen will, den bitte ich um das Kartenzeichen. - Gegenstimmen? - Ich sehe keine Gegenstimme. Enthaltungen? - Einige wenige Enthaltungen. Dann ist der Empfehlung so gefolgt. Ich rufe das Untersachgebiet Gute Arbeit durchsetzen auf. Das sind
die Anträge A15 und A16. Zum Antrag A15 liegt uns eine Wortmeldung vor.
Das Wort hat der Kollege Lothar Gritschke mit der Delegiertennummer
910. Lothar Gritschke, 910Grüß Gott, liebe Kolleginnen und Kollegen, an der Begrüßung könnt Ihr erkennen, dass ich aus dem schönen Frankenland komme. Ich komme aus dem Bezirk Mittelfranken. Außerdem komme ich aus dem Fachbereich 12, Handel. Ich habe mich zu Wort gemeldet, weil uns dieses Thema Gemeinsam für Gute Arbeit und auch die inhaltlichen Punkte, was gute Arbeit ist, sehr am Herzen liegen. Dieses Projekt Gemeinsam für Gute Arbeit ist unserer Auffassung nach ein Thema, das in Gesamt-ver.di aufgegriffen und diskutiert werden sollte. Wir haben an den Vortagen bereits gehört, dass es eine Kampagne für gute Arbeit geben soll. Warum ist das inhaltlich so wichtig? Weil es so ist, dass es mittlerweile Gott sei Dank verschiedene Untersuchungen darüber gibt, was gute Arbeit ist. Diese Untersuchungen beziehen sich auf Erfahrungen und auch Befragungen von Kolleginnen und Kollegen im Betrieb. Sie haben gesagt, dass für sie gute Arbeit ein existenzsicherndes Einkommen ist. Sie haben gesagt, dass für sie gute Arbeit ein existenzsichernder Arbeitsplatz ist. Sie haben auch gesagt, dass die Arbeitsbelastungen eingeschränkt werden müssen und dass die Arbeitsbedingungen und auch die Gestaltung von Arbeitsplätzen für sie im Vordergrund stehen. Diese Erfahrungen und diese Untersuchungen, die es dazu gibt, müssen
von Jahr zu Jahr weiterentwickelt werden. Das Projekt Gemeinsam für
Gute Arbeit zusammen mit den Einzelgewerkschaften im DGB und auch mit
dem DGB selber ist wichtig, damit daraus eine Kampagne für gute Arbeit
werden kann. Dieses Projekt wird und muss arbeitswissenschaftlich
unterstützt werden. Es hängt auch damit zusammen, dass
Arbeitsbelastungen abgebaut werden und, weil die Arbeitsplätze ständig
umgestaltet werden, auch von den Unternehmen der Arbeits- und
Gesundheitsschutz weiterentwickelt werden muss. Die Erfahrungen, die es
damit heutzutage bereits gibt, müssen dort einfließen. Hildegard Schwering, KongressleitungDanke, Lothar. Es gibt keine weiteren Wortmeldungen. Die Antragskommission empfiehlt die Annahme. Ich lasse deswegen jetzt über den Antrag abstimmen. Wer dem Antrag A15 so zustimmen kann, den bitte ich um das Kartenzeichen. - Die Gegenprobe! - Wenige Gegenstimmen. Enthaltungen? - Wenige Enthaltungen. Mit wenigen Enthaltungen und Gegenstimmen ist der Antrag so angenommen. Ich rufe den Antrag A16, ver.di-Kampagne für Menschenwürde, auf. Er ist zur Annahme empfohlen. Es liegen keine Wortmeldungen vor. Wer dem so folgen will, den bitte ich um das Kartenzeichen. - Die Gegenprobe! - Ich sehe keine Gegenstimme. Enthaltungen? - Auch nicht. Dann ist der Antrag einstimmig so angenommen. Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich rufe auf das Untersachgebiet
Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Das sind die Anträge A17 bis A20.
- Ein Geschäftsordnungsantrag. Britta Meyer, 704Ich habe eigentlich eher einen Appell denn einen Geschäftsantrag. Wir haben Anträge, die zur Annahme empfohlen sind. Die Kollegen, die sie eingereicht haben, haben das Bedürfnis, diese noch einmal zu empfehlen. Ich kann es verstehen. Aber wenn sie zur Annahme empfohlen sind, wird es kaum Schwierigkeiten geben, sie dann auch zu beschließen. (Beifall) Im Hinblick auf eine Antragsberatungsökonomie und die Tatsache, dass
wir hier insgesamt ungefähr 1.300 Anträge zu beraten haben, bitte ich
da um Disziplin, damit wir relativ entspannt durch die Beratungen
kommen. (Lebhafter Beifall) Hildegard Schwering, KongressleitungDanke, Kollegin. Ich glaube, der Applaus hat Dir gezeigt, dass diesem Appell viele folgen werden. Ich rufe jetzt noch einmal auf die Anträge A17 bis A20. Sie sind alle vier zur Annahme empfohlen. Ich rufe sie en bloc auf. Wer der Empfehlung der Antragskommission so folgen kann, den bitte ich um das Kartenzeichen. - Ich danke Euch. Die Gegenprobe. - Ich sehe eine Gegenstimme. Enthaltungen? - Ich sehe keine Enthaltung. Bei einer Gegenstimme so beschlossen. Ich danke Euch. Ich rufe auf das Untersachgebiet Ladenschluss, freie Sonntage. Hier geht es um die Anträge A21 bis einschließlich A24. Ich rufe alle vier chronologisch auf, da mir nur zu einem Antrag keine Wortmeldung vorliegt. Zunächst zu Antrag A21, für den Erhalt des freien Sonntags. Das Wort
hat die Kollegin Petra Koske mit der Delegiertennummer 201. Petra Koske, 201Im Zuge der Disziplin ziehe ich meinen Redebeitrag zurück. (Starker
Beifall) Hildegard Schwering, KongressleitungIch danke Dir. Ich komme zur Abstimmung. Annahme ist empfohlen. Wer dem so folgen will, den bitte ich um das Kartenzeichen. - Ich danke Euch. Die Gegenprobe. - Eine Gegenstimme. Enthaltungen? - Drei Enthaltungen und eine Gegenstimme. Damit so beschlossen. Antrag A22, der freie Sonntag im Handel. Hier ist Annahme als
Arbeitsmaterial empfohlen. Wer dem so folgen will, den bitte ich um das
Kartenzeichen. - Ich danke Euch. Die Gegenprobe. - Ich sehe keine
Gegenstimme. Enthaltungen? - Eine Enthaltung. Mit großer Mehrheit ist
die Empfehlung angenommen. Beate Nicolaus, 257Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich möchte meinen Redebeitrag nicht
zurückziehen, weil das ein gesellschaftspolitisches Problem ist, das
wir in unserem Land haben. Das möchte ich wirklich nur ganz kurz
ansprechen. Ich kann mich noch gut daran erinnern. 1981 habe ich meine Ausbildung angefangen. Da lautete die Ladenöffnungszeit: 9.00 Uhr bis 18.30 Uhr und am Samstag von 8.00 Uhr bis 14.00 Uhr. Das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen. Heute sind die Ladenöffnungszeiten zwischen 7.00 und 22.00 Uhr sehr unterschiedlich. Das Problem bei uns im Einzelhandel besteht darin, dass wir viele alleinerziehende Mütter haben. Da fängt das Problem schon in den Betrieben an, weil die Kolleginnen noch nicht um 7.00 Uhr arbeiten können, da die Kindertagesstätten noch nicht geöffnet haben. Hier muss man sich über die Öffnungszeiten von Kindergärten Gedanken machen. Das gesellschaftspolitische Problem ist natürlich auch noch die Vereinsarbeit, die Weiterbildung. Wenn ich am Abend zur Weiterbildung in die VHS gehen will, ist es mir nicht möglich, jede Woche einmal hinzugehen. Ich kann also statt achtmal nur viermal hingehen. Unsere Arbeitgeber sind da sehr unflexibel. Sie sagen einfach, es ist sonst niemand da, Sie müssen da arbeiten. Was bringen uns die längeren Ladenöffnungszeiten. Viele haben gedacht, das bringt neue Arbeitsplätze. Wir im Handel können nur bestätigen, dass damit Arbeitsplätze abgebaut werden. Wir stellen fast keine Vollzeitmitarbeiterinnen oder -mitarbeiter ein, nur noch Teilzeitbeschäftigte, die sich sehr flexibel zeigen. Man denkt immer, Mittelständler und kleinere Geschäfte könnten durch die neuen Ladenöffnungszeiten ihre Läden besser erhalten. Das ist nicht der Fall, denn nur die Großen sahnen dabei ab. Sie schlagen zu mit Werbekampagnen wie „Geiz ist geil“ oder „Sie kaufen drei Produkte, bezahlen nur zwei“ und noch mehr. Die Mehrkosten für die Ladenöffnungszeiten bezahlen wir mit Personal. Noch ganz schnell etwas zu den Arbeitszeiten. Wir müssen immer flexibler werden. Das hat das Alltagsleben der Beschäftigten nachhaltig verändert. Wir müssen uns immer mehr den Wünschen der Arbeitgeber anpassen. Bei schwankenden Kundenfrequenzen, bei schwankender Auftragslage sollen wir immer flexibler werden. Im Handel ist es oftmals so, dass Kolleginnen heute spät am Abend arbeiten müssen, am nächsten Tag schon am Morgen. Jetzt möchte ich langsam Schluss machen. (Beifall) Noch ganz schnell ein Zitat von Angelika, die am Sonntag über die Sonntagsöffnung gesprochen hat. Das hat mir sehr gut gefallen. Sie hat gesagt: „Wenn jemand verhungert, dann bestimmt nicht wegen den Ladenöffnungszeiten, sondern eher wegen der Armut.“ Noch eine Sache. Eine Rund-um-die-Uhr-Konsumgesellschaft kann nicht
unser Ziel sein. - Ich danke Euch. (Beifall) Hildegard Schwering, KongressleitungDanke, Beate. Das Wort hat jetzt der Kollege Bernd Hampel mit der
Delegiertennummer 856. Bernd, Du hast Dich sowohl zum A23 als auch zum
A24 gemeldet. Vielleicht kannst Du ja Deine Beiträge zusammenlegen und
einmal sprechen. Ich danke Dir. Bernd Hampel, 856Richtig. Zusammenlegen. Nur noch kurz etwas, weil ich gerade von Kollegen angesprochen worden bin zu den Menschen von Scientology, die da waren. Sie haben auch mich und ein paar andere Kollegen angesprochen. Sie haben das ganz geschickt gemacht. Ich möchte an der Stelle nur sagen: Sie haben sich ganz bewusst Jugendliche herausgesucht und sind genau an die falschen Kollegen gekommen. (Beifall) Die haben uns dann ihre Geschichten erzählt von wegen Patriotismus
und national und überhaupt, das sei sowieso nicht so schlimm. Da haben
sie sich genau die Leute aus dem Arbeitskreis Antirassismus
herausgesucht. (Heiterkeit - Beifall) Sie hätten ja auch noch die
komplette Zeit bis Samstag bleiben können, vielleicht hätten wir sie
noch auf die richtige Bahn bekommen. Ich weiß es nicht. Ich möchte kurz sagen, woher ich komme. Ich komme aus dem schönen Landesbezirk Bayern und spreche für den Fachbereich 10: Postdienste, Speditionen, Logistik. Ich hatte mich ursprünglich zu dem Antrag A24 - Jugend für Ladenschluss - zu Wort gemeldet, der von uns aus Bayern stammt. Dieser Antrag wurde auch massiv von der Jugend aus dem Fachbereich 10 unterstützt. In der Aussprache über den Geschäftsbericht wurde bereits erwähnt, dass sehr viele Bereiche davon betroffen sein werden. Wenn der Ladenschluss überall fällt, wenn auch der Sonntag fällt und damit jeder Tag zum Regelarbeitstag wird, dann wird ganz besonders auch die Logistikbranche davon betroffen sein. Deshalb bin ich auch wegen dieses Antrags an das Rednerpult gekommen. Ich möchte gleich meinen konkreten Antrag zum A24 stellen. Der konkrete Vorschlag zum A24 lautet, den A24 auf „Annahme“ zu setzen. Ich will auch kurz erklären, warum wir das so wollen. Wir in Bayern wollen den A24 ganz bewusst nicht als Arbeitsmaterial zum A 23 angenommen wissen, weil beide Anträge inhaltlich unterschiedlich und beide wichtig sind. Der A23 sagt: Wir fordern andere Gruppen und Landesregierungen auf, insoweit etwas zu tun und sich zu bewegen. Das ist ein sehr wichtiger Punkt, den wir beachten müssen und den dürfen wir auf keinen Fall hinten runterfallen lassen. Der A24 hat aber einen ganz anderen Hintergrund. Vielleicht ist das Antragsbegehren nicht ganz klar geworden, aber das Antragsbegehren der Jugend aus Bayern war: Wir müssen das Thema Ladenschluss weiterhin als einen Aktionsschwerpunkt ansehen. Ich weiß selber, dass das in ver.di oft sehr schwierig ist, weil wir versuchen, irgendwie 25 Schwerpunkte zu setzen. Aber in den letzten vier Jahren war Ladenschluss definitiv ein Schwerpunkt und muss dies auch in der Zukunft sein, weil es die Gesamtorganisation sehr stark betrifft. Der massive Unterschied, den wir sehen - und deshalb möchten wir den A24 zur Annahme empfohlen wissen -, besteht darin, dass im A24 ganz explizit gefordert wird, weiterhin Aktionen und Kampagnen zu entwickeln und in den jeweiligen Bundesländern nicht nur Einfluss zu nehmen, sondern auch mit Material und ideeller Unterstützung Aktionen durchzuführen. Das ist meines Erachtens etwas anderes, als nur auf andere Gruppen zuzugehen. Ich will jetzt keine Formaldiskussion zu dem Thema, ob der Antrag
jetzt mit „Annahme als Material“ hinten runterfällt oder nicht, sondern
mir geht es hier um ein politisches Signal - das wird die Jugend bei
ein oder zwei anderen Themen auch noch zu anderen Anträgen geben -,
dass wir mit Landesregierungen nicht nur reden und sie auffordern,
sondern ich will ein politisches Signal ausgesendet wissen, dass wir
auch selbst etwas tun, weil wir es tun können und in der letzten Zeit
auch getan haben. Ich bitte Euch daher, dem Antrag der Jugend aus
Bayern zu folgen und den A24 auf „Annahme“ zu setzen und der Empfehlung
der Antragskommission nicht zu folgen. - Vielen Dank für die
Aufmerksamkeit, Kolleginnen und Kollegen. (Beifall) Hildegard Schwering, KongressleitungDie Antragskommission braucht noch einen Moment Zeit. - Ich danke
Euch für Eure Geduld. Wir sind noch bei Antrag A23. Ich denke, bei
diesem Antrag will die Antragskommission bei ihrer Empfehlung
bleiben. Sprecherin der AntragskommissionIch werde jetzt zunächst erläutern, wie die Antragskommission zu
ihren bisherigen Empfehlungen für die Anträge A23 und A24 gekommen ist,
damit deutlich wird, warum wir unsere Annahme-Empfehlung geändert
haben. Hildegard Schwering, KongressleitungVielen Dank. Es geht immer noch um den Antrag A23. Hier empfiehlt die Antragskommission die Annahme. Wer dem so folgen will, den bitte ich um das Kartenzeichen. - Ich danke Euch. Gegenprobe! - Zwei Gegenstimmen. Enthaltungen? - Einige wenige Enthaltungen. Damit ist der Antrag A23 angenommen. Ich rufe jetzt den Antrag A24 mit der geänderten Empfehlung „Annahme“ zur Abstimmung auf. Wer dem so folgen will, den bitte ich um das Kartenzeichen. - Gegenprobe! - Ich sehe zwei Gegenstimmen. Enthaltungen? - Einige wenige Enthaltungen. Dann ist auch dieser Antrag so angenommen. Herzlichen Dank. (Beifall) Ich komme zum Untersachgebiet „Arbeitnehmerschutz“ und damit zum
Antrag A25. Hierzu liegt uns eine Wortmeldung der Kollegin Elisabeth
Adam mit der Delegiertennummer 754 vor. Elisabeth Adam, 754Liebe Kolleginnen und Kollegen, dieser Antrag hat ein wichtiges und richtiges Anliegen. Dennoch halte ich es für gefährlich, ein eigenes Arbeitnehmerdatenschutzgesetz zu fordern. Das halte ich für den Arbeitnehmerdatenschutz für kontraproduktiv, weil für den Datenschutz die Grundregel gilt: Es ist alles verboten, es sei denn, es ist erlaubt. Oder, wenn Ihr es wörtlich aus dem Bundesdatenschutzgesetz wissen wollt: „Die Erhebung, Verarbeitung und Nutzung personenbezogener Daten ist nur zulässig, soweit dieses Gesetz oder eine andere Rechtsvorschrift dies erlaubt oder anordnet.“ Das heißt: Die Verarbeitung personenbezogener Daten bedarf eines Erlaubnistatbestands. Im Arbeitsverhältnis gibt es einige solcher Erlaubnistatbestände, zum Beispiel für die erforderliche Weiterleitung von Daten an die Sozialversicherungen. Aber ansonsten, wenn es keine gesetzlichen Erlaubnistatbestände gibt, braucht der Arbeitgeber den Betriebs- oder Personalrat, der mit einer Betriebs- oder Dienstvereinbarung zu dieser im Bundesdatenschutzgesetz geforderten anderen Rechtsvorschrift verhilft. Der Betriebsrat hat mit dem Paragrafen 87 über die Mitbestimmungsrechte eine gute Grundlage dafür: Mitbestimmung bei der Einführung und Anwendung von technischen Einrichtungen, die dazu bestimmt sind, das Verhalten oder die Leistung der Arbeitnehmer zu überwachen. In den Personalvertretungsgesetzen gibt es entsprechende Regelungen. Die Rechtsprechung definiert dieses „bestimmt sein“ als „dazu geeignet sein“. Ohne Betriebs- oder Personalrat ist die Einführung neuer Techniken also gar nicht zulässig. Sicherlich könnte man mit einem eigenen Abschnitt im
Bundesdatenschutzgesetz oder gar einem eigenen Gesetz zum
Arbeitnehmerdatenschutz manches klarer und deutlicher regeln. Aber wenn
ich mir anschaue, wie der Datenschutz seit Jahrzehnten unter allen
möglichen Vorwänden von Politik und Medien immer wieder angegriffen
worden ist und auf welche Zustimmung diese Angriffe immer wieder
stoßen, wenn ich feststellen muss, an wie vielen Stellen der
Datenschutz durch neue Gesetze aufgeweicht und verschlechtert worden
ist, wenn ich daran denke, dass alle Parteien daran beteiligt sind und
in der Politik den Datenschutz kaum jemand wirklich verteidigt, und
wenn ich mir vor Augen halte, wer denn Einfluss auf die Politik hat,
dann sehe ich, dass wir mit der Schaffung einer gesetzlichen Regelung
speziell für den Arbeitnehmerdatenschutz ebendiesen
Arbeitnehmerdatenschutz nur verschlechtern würden. Deshalb werde ich
diesen Antrag im Sinne des Arbeitnehmerdatenschutzes ablehnen und ich
bitte Euch, das auch zu tun. (Leichter Beifall) Hildegard Schwering, KongressleitungDanke, Kollegin Elisabeth. - Das Wort hat der Kollege Lothar
Schröder. Lothar Schröder, BundesvorstandKolleginnen und Kollegen, ich möchte Euch bitten, der Antragskommission zu folgen. Es hat zwischenzeitlich nicht nur Tradition, dass die deutschen Gewerkschaften für einen Arbeitnehmerdatenschutz eintreten, wir kriegen auch seit 1982 versagt, dass man unserer Intention folgt. Ich glaube, es wäre das völlig falsche Signal von diesem Kongress, jetzt zu sagen: Diese Antrag nehmen wir nicht an, weil das im Grunde bedeuten würde, dass wir eine jahrzehntelange Forderung aufgeben würden. Ich halte das nicht für richtig. (Beifall) Ich halte es auch deswegen nicht für richtig, weil die Arbeitswelt
seit 1982, seit die Bundesbeauftragten für Datenschutz und die
Landesbeauftragten für Datenschutz uns darin bestätigt haben, ein
eigenständiges Arbeitnehmerdatenschutzrecht zu schreiben, immer wieder
aufs Neue feststellen mussten, dass Datenschutz unübersichtlicher
geworden ist. Zwischenzeitlich kann man in die Betriebe gehen - etwas
lax formuliert - und behaupten, man sei Datenschutzexperte. Man kann
alles behaupten, weil es schwierig ist, das Gegenteil von dem
nachzuweisen, was man auf die Tagesordnung bringt. Wir sind zwischenzeitlich so unterwegs, dass wir gemeinsam mit dem DGB gerne Kampagnen gemacht haben, bei denen es um ein Arbeitnehmerdatenschutzrecht ging, das neue Sachverhalte aufgreift. Wir brauchen, Kolleginnen und Kollegen, den Zugang zu elektronischen Netzwerken und die Regelungen, dass die Gewerkschaften in Netzwerke kommen, und nicht den Verzicht auf die alte Forderung vom Arbeitnehmerdatenschutz, Kolleginnen und Kollegen. (Beifall) Unsere Vorväter und Vormütter haben den Zugang zum Betrieb erobert.
Ich glaube, dass unsere Arbeitswelten heute mehr und mehr in
elektronische Netzwerke abwandern. Dort wird gearbeitet, dort wird
vernetzt, dort wird miteinander kommuniziert. Wenn es uns nicht
gelingt, über ein Informationsgesetz und über ein
Arbeitnehmerdatenschutzrecht dort hineinzukommen, werden wir von
Kommunikationswegen entkoppelt. All dieses packen wir mit einer
laufenden Kampagne „Online-Rechte für Online-Beschäftigte“ zusammen.
Diese Kampagne fordert auch ein Arbeitnehmerdatenschutzrecht. Wir
sollten dabei bleiben. (Starker Beifall) Hildegard Schwering, KongressleitungDanke, Lothar. - Das Wort hat jetzt die Kollegin Helga Tögel mit der
Delegiertennummer 412. (Helga Tögel, 412: Erledigt!) Das hat sich
erledigt. Sprecherin der AntragskommissionDie Antragskommission bleibt bei ihrer Empfehlung. Hildegard Schwering, KongressleitungDann kommen wir jetzt zur Abstimmung. Annahme ist empfohlen. A25 ist aufgerufen. Wer der Empfehlung folgen will, den bitte ich um das Kartenzeichen. - Danke schön. Die Gegenprobe! - Einige Gegenstimmen. Enthaltungen bitte! - Und einige wenige Enthaltungen. Damit ist der Antrag angenommen. Danke. Ich rufe das Untersachgebiet Tariftreue auf. Hierzu liegen uns drei Anträge vor. Es gibt keine Wortmeldungen. Alle drei Anträge sind zur Annahme empfohlen. Dann rufe ich die Anträge A26, A27 und A28 en bloc auf. Wer den Empfehlungen folgen will, den bitte ich um das Kartenzeichen. - Ich danke Euch. Die Gegenprobe! - Einige wenige Gegenstimmen. Enthaltungen? - Einige Enthaltungen. Damit ist der Empfehlung der Antragskommission gefolgt worden. Ich danke Euch. Wir kommen jetzt zum Untersachgebiet Demokratie verteidigen. Das
sind die Anträge A29 bis A39 und i1. Ich rufe zunächst den Antrag A30
auf. Hierzu liegt mir eine Wortmeldung vor. Das Wort hat die Kollegin
Ingrid Greif mit der Delegiertennummer 607. Ingrid Greif, 607Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich stelle hier den Antrag bzw. ich möchte gerne, dass der A31, der weitergehende Antrag, zur Abstimmung kommt und nicht durch den A30 erledigt wird, einfach weil er die Aufhebung der Trennung von Polizei, Geheimdienst und Verfassungsschutz mit fordert, was der A30 nicht tut, und bereits erfolgte Gesetzesänderungen zurückgenommen werden sollen. Damit wird der Antrag einfach dem Umstand gerecht, dass der Staatsumbau nichts Neues ist, sondern ein Prozess, der seit langem läuft. Deswegen, denke ich, ist das der eigentlich weitergehende Antrag und
sollte zumindest zur Abstimmung kommen. (Vereinzelter Beifall) Hildegard Schwering, KongressleitungDanke, Ingrid. - Zu diesem Antrag liegt mir keine weitere
Wortmeldung vor. Sprecherin der AntragskommissionDie Antragskommission ändert ihre Empfehlung in Annahme. Die Erledigungsvermerke bei A30 bleiben bestehen. Danke. Ich höre und sehe gerade Irritationen. Wir ändern die Empfehlung für
A31 in Annahme. (Beifall) A30 bleibt wie bisher bei Annahme. Hildegard Schwering, KongressleitungIch fasse das zusammen, damit es bei so vielen Anträgen keine Verwirrung gibt. A30 wird jetzt angenommen, genauso wie der A31 gesondert verabschiedet wird bzw. dann zur Annahme empfohlen wird. Durch Eure Annahme, wenn Ihr das gleich so beschließt, zum A30 sind die Anträge A32 bis A38 erledigt. A39 wird dann erneut aufgerufen. Okay? - Gut. Machen wir das chronologisch, dann führt das bei Euch nicht zur
Verwirrung - und bei mir auch nicht. A29 möchte ich zunächst aufrufen.
Hierzu liegen keine Wortmeldungen vor. Ich bitte Euch um Eure
Zustimmung, wenn Ihr der Empfehlung der Antragskommission folgen wollt.
- Danke. Gegenstimmen? - Ich sehe keine Gegenstimme. Enthaltungen? -
Einige wenige Enthaltungen? - Damit ist der Empfehlung so
gefolgt. Ich rufe den Antrag A30 auf. Wer der Empfehlung folgen will, den
bitte ich um das Kartenzeichen. - Ich danke Euch. Die Gegenprobe! - Ich
sehe keine Gegenstimme. Enthaltungen? - Einige wenige Enthaltungen? -
Damit ist das so beschlossen. Ich rufe jetzt den Antrag A39 auf. Hierzu liegt mir eine Wortmeldung
des Kollegen Rolf Wiegand mit der Delegiertennummer 547 vor. Rolf, Du
hast das Wort. Rolf Wiegand, 547Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich bitte Euch, den zur Annahme als Arbeitsmaterial empfohlenen Antrag abzulehnen. Ich finde es ja gut, wenn hier steht, dass wir die Wählbarkeit von Parteien und Abgeordneten prüfen wollen und dazu auch entsprechende Initiativen ergreifen. Ich glaube, das machen wir auch. Allerdings richtet sich meine Bitte, den Antrag abzulehnen, gegen die Intention dieses Antrages, und zwar gegen die Zeilen 31 und 32 im letzten Absatz. Dort steht: „Für die kommende Bundestagswahl sind neben der NPD die Parteien der Regierungskoalition (CDU/SPD) (Zweitstimme) bzw. die Abgeordneten … nicht wählbar.“ Nach meiner Auffassung können wir eine ganze Menge machen, aber eine
klare Abgrenzung zwischen einer faschistischen, nationalsozialistischen
Partei und demokratischen Parteien sollten wir vielleicht auch in
Begründungen von Anträgen pflegen. (Beifall) Wir können uns über das
eine auseinandersetzen und mit Sicherheit auch intensiv über
Regierungsarbeit, aber weil dieses als Gleichsetzung zu verstehen ist,
bitte ich darum, den Antrag abzulehnen und der Empfehlung nicht zu
folgen. (Leichter Beifall) Hildegard Schwering, KongressleitungDanke, Rolf. - Ich gebe jetzt noch einmal der Antragskommission das
Wort. Sprecherin der AntragskommissionDie Antragskommission bleibt bei ihrem Votum, weil hier der
Antragstext beschlossen wird und nicht die Begründung. - Danke.
(Vereinzelt Beifall) Hildegard Schwering, KongressleitungIhr habt die Empfehlung gehört. Mir liegen keine weiteren
Wortmeldungen vor. Ich lasse über die Empfehlung abstimmen. Wer ihr so
folgen will, den bitte ich um das Kartenzeichen. - Die Gegenprobe! -
Zahlreiche Gegenstimmen. Enthaltungen? - Bei zahlreichen Gegenstimmen
und einigen Enthaltungen ist der Antragskommission gefolgt. - Ein
Geschäftsordnungsantrag an Saalmikrofon 3. Bitte. Christian Hass, 989Kolleginnen und Kollegen, ich möchte die Auszählung. (Vereinzelt
Beifall) Hildegard Schwering, KongressleitungVon hier oben aus war das Ergebnis eindeutig. Ich schlage vor, dass wir die Abstimmung wiederholen. Gibt es eine formale Gegenrede zu diesem GO-Antrag? (Zuruf: Keine Auszählung!) - Ich lasse über den GO-Antrag abstimmen. Wer eine Auszählung möchte, den bitte ich um das Kartenzeichen. - Die Gegenprobe! - Das ist die Mehrheit. Wir machen keine Auszählung, aber wir wiederholen die Abstimmung, damit auch Du Dir sicher bist. Wer der Empfehlung der Antragskommission folgen möchte, den bitte ich nochmals um das Kartenzeichen zu diesem Antrag. - Die Gegenprobe! - Von hier oben aus ist es eindeutig. Enthaltungen? - Wenige Enthaltungen. Bei zahlreichen Gegenstimmen und wenigen Enthaltungen ist der Empfehlung gefolgt. Ich rufe nochmals den Antrag i1 auf. Er ist zur Annahme empfohlen.
Es liegt keine Wortmeldung vor. - Wer der Empfehlung folgen will, den
bitte ich um das Kartenzeichen. - Die Gegenprobe! - Wenige
Gegenstimmen. Enthaltungen? - Einige wenige Enthaltungen. Damit ist
auch dieser Initiativantrag so beschlossen. Nochmals: Föderalismusreform - Anträge A40 bis einschließlich A47.
Uns liegt eine Wortmeldung zum Antrag A40 vor. Ich rufe auf die
Kollegin Angelika Kelsch mit der Delegiertennummer 716. Angelika Kelsch, 716Der Antrag A40 beschreibt klare politische Forderungen und Grundsatzpositionen für die Diskussion über die zweite Stufe der Föderalismusreform. Föderalismusreform II regelt sowohl horizontale als auch vertikale Finanzströme neu. Im Antrag A40 wird die aufgabenadäquate Finanzausstattung der Gebietskörperschaften und hier insbesondere die der Gemeinden als eine weitere Richtschnur der Reform eingefordert. Nun stellt sich die Frage: Wie soll das Ziel erreicht werden? Zur ersten Stufe der Föderalismusreform wurden die kommunalen Spitzenverbände an der Kommission zur Modernisierung der bundesstaatlichen Ordnung beteiligt. Umso unverständlicher ist die Tatsache, dass dies bei der zweiten Stufe der Reform nicht mehr vorgesehen ist. Die Kommunen und ihre Spitzenverbände sind wesentliche Akteure einer Reform der Bund-Länder-Finanzbeziehungen. Sie sind deshalb von Anfang an in institutioneller Form in die Vorbereitung und Durchführung entsprechender Reformbemühungen einzubeziehen. Deshalb setzen wir uns für die Erweiterung des Antrags A40 ein und fordern, dass - jetzt kommt ein Änderungsantrag - nach der Zeile 105 folgender Text als Absatz eingefügt wird: „ver.di setzt sich auf Bundesebene dafür ein, dass die kommunalen Spitzenverbände als ständige Mitglieder in der Kommission zur Modernisierung der Bund-Länder-Finanzbeziehungen (Föderalismusreform II) mit Rede- und Antragsrecht nachträglich aufgenommen werden.“ Nur so haben wir weitere Partner im Kampf für ausreichende
Gemeindefinanzen und damit auch für die Sicherung der kommunalen
Selbstverwaltung und die öffentliche Daseinsvorsorge. (Vereinzelt
Beifall) Hildegard Schwering, KongressleitungDanke, Angelika. - Es liegen keine weiteren Wortmeldungen vor. Ich
lasse deshalb über den Antrag A40 abstimmen. Wer wird von der
Antragskommission zur Annahme empfohlen. (Zuruf: Es wurde ein
Änderungsantrag gestellt!) - Das kommt davon, wenn man seinem Nachbarn
kurz zuhört. Entschuldigt bitte vielmals. Ich gebe der
Antragskommission natürlich das Wort. Sprecherin der AntragskommissionDie Antragskommission ändert ihre Empfehlung in Annahme mit der
Änderung. (Leichter Beifall) Hildegard Schwering, KongressleitungDanke. - Mit der von Angelika Kelsch vorgeschlagenen Änderung stellen wir jetzt den Antrag zur Abstimmung. Wer dem folgen will, den bitte ich um das Kartenzeichen. - Die Gegenprobe! - Einige wenige Gegenstimmen. Enthaltungen? - Einige wenige Enthaltungen. - Danke schön. Angelika, Du gibst uns die Änderung bitte noch schriftlich. - Danke. Ich rufe jetzt auf die Anträge A41 bis A47 und lasse en bloc darüber abstimmen. Wer den Empfehlungen der Antragskommission folgt, den bitte ich jetzt um das Kartenzeichen. - Die Gegenprobe! - Einige wenige Gegenstimmen. Enthaltungen? - Einige Enthaltungen. Damit sind wir auch hier den Empfehlungen der Antragskommission gefolgt. Ich danke Euch. Wir rufen das Untersachgebiet Politische Streiks auf; das sind die
Anträge A58 bis A67. - Zum Antrag A58 liegt uns eine Wortmeldung vor.
Das Wort hat der Kollege Volker Mörbe mit der Delegiertennummer
625. Volker Mörbe, 625Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich wende mich gegen die Empfehlung der Antragskommission, dass mit Annahme des Antrags A58 der Antrag A64 erledigt ist. Da habe ich ein Problem: An wen wendet sich diese Aufforderung? Ist es der Gesetzgeber? Dann, denke ich, ist es falsch, denn er wird uns erstens dieses allumfassende Streikrecht nicht geben, und wir dürfen uns darauf auch nicht einlassen, denn unser Streikrecht ist ja an das Grundgesetz gebunden, nämlich an die Koalitionsfreiheit. Das bedeutet nach unserer Anschauung, wir haben das allumfassende Streikrecht schon, es schlägt sich nur nicht in der Praxis nieder und auch nicht in der Rechtsprechung. Ich denke, das ist Richterrecht, und deswegen müssen wir unser Streikrecht über Praxis ausweiten. Der Antrag A64 gibt genau vor, dass wir bei politischen
Entscheidungen, die in unsere Arbeits- und Lebensbedingungen
eingreifen, die in unsere Tarifautonomie eingreifen, mit politischen
Streiks reagieren. Deswegen fordere ich die Antragskommission auf, ihre
Empfehlung zu ändern und eben die Erledigung des Antrags A64 durch
Annahme des Antrags A58 zurückzuziehen. Hildegard Schwering, KongressleitungDanke, Volker. - Ich möchte noch ganz kurz ergänzen - das hatte ich beim Aufruf des Antrags A58 zu sagen vergessen: Hier sind auch die Anträge A63 und A64 aufgerufen. Volker hat dazu ja gerade schon gesprochen. Ich bitte jetzt die Antragskommission noch mal um ein Votum. - Sie braucht einen Moment Zeit. Damit Euch nicht langweilig wird, mache ich in der Zwischenzeit eine Ansage: Wir haben eine Überraschung für Euch. Morgen früh, wenn Ihr wieder hierher kommt, gibt es beim Betreten der Glashalle, wie bereits am Dienstag, wieder einen Handsender, weil wir nämlich morgen über die Satzungsanträge elektronisch abstimmen wollen. Denn wir benötigen hier ja eine Zweidrittelmehrheit. Das würde dann vielleicht mit dem Auszählen etwas schwierig. Deshalb gibt es für alle stimmberechtigen Delegierten, wie schon erprobt, mit Vorlage der Stimmkarte - Ihr wisst es, die braucht Ihr unbedingt - wieder einen Handsender, den Ihr bitte wieder genau so pfleglich behandelt wie am Dienstag. Jetzt habe ich gerade noch eine Wortmeldezettel bekommen. Ich möchte darauf hinweisen, dass wir uns auf folgende Regel geeinigt hatten: Wenn die Wortbeiträge abgeschlossen sind und die Antragskommission erneut eine Empfehlung gibt, gibt es keine Wortmeldungen mehr. Das ist dann einfach abgeschlossen, ausdiskutiert. (Beifall) Okay? - Ich bitte den Kollegen, das einfach so zu akzeptieren. Wir erwarten jetzt jeden Moment die Empfehlung der
Antragskommission. - Es kann weitergehen. Die Antragskommission bekommt
noch einmal das Wort für ihre Empfehlung. Sprecherin der AntragskommissionWir bleiben zu dem Antrag A58 bei der Empfehlung Annahme und würden
den Antrag A64 als Arbeitsmaterial zu dem Antrag A58 empfehlen, weil
der Antrag A58 ein allumfassender Antrag ist, in dem alles enthalten
ist, was auch in dem Antrag A64 steht. Hildegard Schwering, KongressleitungGut, dann rufe ich jetzt den Antrag A58 zur Abstimmung auf. Er ist zur Annahme empfohlen. Wer dem so folgen will, den bitte ich um das Kartenzeichen. - Die Gegenprobe! - Einige Gegenstimmen. Enthaltungen? - Einige wenige Enthaltungen. Damit ist der Antrag angenommen. Ich rufe jetzt den Antrag A64 auf, weil hierzu eine geänderte Empfehlung vorliegt, und zwar Annahme als Material. Wer dieser geänderten Empfehlung so folgen will, den bitte ich um das Kartenzeichen. - Gegenprobe! - Einige wenige Gegenstimmen. Enthaltungen? - Keine Enthaltungen. Volker, jetzt hast Du das Wort. Ein Geschäftsordnungsantrag von
Volker Mörbe mit der Delegiertennummer 625. Volker Mörbe, 625Ich habe zu dem Antrag A64 einen Wortmeldezettel abgegeben. Wir
haben nur darüber abgestimmt, dass der Antrag A58 angenommen wird und
der Antrag A64 nicht erledigt ist. Wir müssen also noch über den Antrag
A64 sprechen, und dabei möchte ich dann auch meine Wortmeldung
berücksichtigt wissen. Hildegard Schwering, KongressleitungIch bitte vielmals um Entschuldigung. Der Zettel ist hier inzwischen gefunden worden. Du hast recht, Volker. Bitte schön, Du hast das Wort. Kolleginnen und Kollegen, das war also ein Versehen meinerseits. Ich
habe beide Zettel von Volker aus Versehen herausgerissen. Dieser Antrag
wird dann nach Deinem Wortbeitrag erneut zur Abstimmung gestellt, weil
das ein Versehen unsererseits war. - Bitte Volker. Volker Mörbe, 625Ich möchte schon, dass der Antrag angenommen wird, und zwar nicht nur als Material, weil der Antrag A58 tatsächlich nicht allumfassend ist. Wie ich vorhin schon gesagt habe, enthält er den Appell, dass wir etwas einfordern, was wir eigentlich ja schon haben. Es geht bei dem Antrag A64 darum, dass wir uns das Recht selber holen müssen, dass wir endlich mal, was das Streikrecht angeht, auf europäischen Standard kommen, entsprechend der Europäischen Sozialcharta. Mir stinkt es, dass wir Politiker wie Müntefering, der uns ja die Rente mit 67 eingeschenkt hat, immer noch brav behandeln müssen, weil wir auf die Politiker angewiesen sind, weil wir dort als Bittsteller stehen, wenn sie unseren Sozialstaat kaputtmachen und Dinge wie Mindestlohn, Rente mit 67, Gesundheitsreform oder Hartz IV, die uns direkt betreffen, einfach durchziehen, während wir einfach nur daneben stehen und mal eine Demo machen können. Deswegen, denke ich, müssen wir uns endlich darum kümmern, damit wir es unseren europäischen Nachbarn gleichtun. Wir haben das Recht dazu. Wir sollten es uns nehmen. Das aber ist nicht in dem Antrag A58 abgebildet, sondern nur in dem
Antrag A64. Der Kollege Frank Bsirske hat ja gestern auch erzählt, dass
es in Ansätzen zur Rente mit 67 ja schon kleine politische Streiks gab.
Ich denke, da muss man weitermachen. Deswegen bitte ich die
Antragskommission, ihren Vorschlag in Richtung Annahme zu ändern.
Anderenfalls sollte man die Empfehlung der Antragskommission ablehnen
und dem ursprünglichen Antrag zustimmen. (Beifall) Hildegard Schwering, KongressleitungIch frage jetzt noch einmal, ob die Antragskommission ihr geändertes
Votum noch einmal ändert oder ob alles so bleibt. Sprecherin der AntragskommissionWir bleiben bei unserer Empfehlung. Hildegard Schwering, KongressleitungDie Antragskommission bleibt bei ihrer Empfehlung. Ich lasse jetzt korrekterweise noch einmal neu darüber abstimmen, auch wenn sich nichts ändert, aber es gab dazu einen Wortbeitrag. Wer der Empfehlung der Antragskommission zum Antrag 64 folgen will, den bitte ich um das Kartenzeichen. - Gegenprobe! - Zahlreiche Gegenstimmen. Enthaltungen? - Bei zahlreichen Gegenstimmen und einigen wenigen Enthaltungen ist der Empfehlung gefolgt. Ich rufe jetzt die Anträge A59 bis einschließlich A67 mit Ausnahme der schon beschlossenen Anträge A58 und A64 auf. Wer hier der Empfehlung der Antragskommission folgen will, den bitte ich um das Kartenzeichen. - Gegenprobe! - Wenige Gegenstimmen. Enthaltungen? - Einige wenige Enthaltungen. Auch da ist der Antragskommission so gefolgt. Ich rufe jetzt das Untersachgebiet Friedenspolitik auf. Das sind die
Anträge A68 bis einschließlich A77. Zum Antrag 68 liegt eine
Wortmeldung von Margret vor. Margret, Du hast das Wort. Margret Mönig-Raane, Stellvertretende ver.di-Vorsitzende„Frieden schaffen ohne Waffen“ ist eine alte Forderung der Gewerkschaftsbewegung. Sie ist aktueller denn je, wenn man sich anschaut, wie viele Konflikte mit grauenhaften Folgen für die Bevölkerung es weltweit gibt. Es gibt seit vielen Jahren die Konflikt- und Friedensforschung, damit Gesellschaften lernen, wie man ohne Waffen Konflikte beseitigt und löst. Diese Konflikt- und Friedensforschungseinrichtungen führen leider eher ein Schattendasein. Es ist bisher selten gelungen, kriegerische Konflikte über diesen Weg zu lösen. Dabei ist er der einzige, der nachhaltig und wirksam ist und dazu hilft, dass Waffen schweigen. Wenn es aber so ist, dass wir noch sehr viele kriegerische Konflikte haben, bei denen immer die Zivilbevölkerung die Notleidenden sind und auf ihrem Rücken oftmals Machtkämpfe unterschiedlichster Art - innenpolitische wie zwischenstaatliche - ausgetragen werden, bei denen es um Rohstoffquellen geht, bei denen insbesondere die USA, aber nicht sie allein, unter Vorspiegelung humanitärer Ziele ihre Interessen wahren wollen, wo sie Einflusssphären sichern wollen und den völlig untauglichen Versuch machen, mit Gewalt Terrorismus zu bekämpfen, ist die Frage: Wenn Frieden schaffen ohne Waffen, wenn Frieden schaffen mit Konfliktlösungsstrategien noch nicht hinreichend geht, kann man das dann alles laufen lassen? Kann man Untaten, auch Völkermordattacken, einfach laufen lassen? Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich bin der Meinung: nein. Aber man muss zugleich fragen: Wie stellen wir denn sicher, dass nicht zivile oder zivilisatorische Ziele vorgeschoben werden, während in Wirklichkeit ganz andere Ziele verfolgt werden? Das passiert zurzeit in Afghanistan. Ich finde es einen großen Skandal, wie die Aufträge, die Zivilbevölkerung zu schützen, Entwicklungen herbeizuführen, den Menschen zu helfen, auf eigenen Füßen zu stehen, vermischt werden mit geostrategischen Maßnahmen insbesondere der USA. (Beifall) Ich meine, wir müssen hier auch als Deutsche in die Sortierung
dieser Auseinandersetzungen einsteigen. Das schaffen wir nicht, wenn
wir sagen: Wir halten dort die Finger heraus. Dann überlassen wir den
Falschen das Feld. Hildegard Schwering, KongressleitungVielen Dank, Margret. Das Wort hat jetzt die
Antragskommission. Sprecherin der AntragskommissionLiebe Margret, vielen Dank. Du bist uns ein bisschen zuvorgekommen.
Wir wollten den Antrag nämlich genau in diese Richtung ändern. Der
erste Satz soll heißen: „ver.di fordert einen Stopp der weltweiten
Bundeswehreinsätze und den Einsatz der dafür vorgesehenen Gelder zur
Aufrechterhaltung unseres Sozialstaates, es sei denn, dieser Einsatz
steht unter UNO-Mandat.“ Unsere Empfehlung lautet Annahme mit dieser
Änderung. Hildegard Schwering, KongressleitungDie Antragskommission empfiehlt, dies einzufügen. Ihr habt das alles gehört. Wer dem so folgen will, den bitte ich um das Kartenzeichen. - Die Gegenprobe! - Zahlreiche Gegenstimmen. Enthaltungen? - Einzelne Enthaltungen. Damit ist der geänderten Empfehlung der Antragskommission gefolgt. Ich rufe den Antrag A69 auf. Das Wort hat der Kollege Thomas
Liermann mit der Delegiertennummer 182. Thomas Liermann, 182Liebe Kolleginnen und Kollegen, bei diesem Antrag geht es um die Auflösung der Bundeswehr. Ich weiß, das ist ein kritisches Thema. Ich will gleich vorweg klarstellen: Das richtet sich nicht gegen die Kolleginnen und Kollegen in der Bundeswehr. Ich möchte hier auch keine Diskussion darüber führen, dass man das Geld, das man für die Bundeswehr ausgibt, genauso gut in einem anderen Bereich, der öffentlich finanziert ist, ausgeben könnte und die Kolleginnen und Kollegen, die dort beschäftigt sind, genauso gut einen sinnvollen Dienst verrichten könnten. Die Bundeswehr verschlingt den größten Haushaltsposten im Bundeshaushalt, nämlich 30 Milliarden Euro. Dieser Haushaltsposten wächst in den letzten Jahren von Jahr zu Jahr. Ich finde diesen Anstieg des Rüstungshaushalts in der Bundesrepublik bedenklich, wenn gleichzeitig Sozialabbau mit dem Argument betrieben wird, es sei kein Geld vorhanden. Liebe Kolleginnen und Kollegen, das kann für mich als Gewerkschafter nicht sein. (Beifall) Als Gewerkschafter habe ich einen speziellen Blick auf diese Problematik. Gerade als Jugendlicher und Auszubildender habe ich einen speziellen Blick darauf unter dem Eindruck der Massenarbeitslosigkeit gerade unter der Jugend und bei dem Problem, dass viele junge Kolleginnen und Kollegen nach ihrer Ausbildung nicht übernommen werden und diese dann sagen: Dann gehe ich halt zur Bundeswehr. Das ist ja dann wenigstens eine einigermaßen sichere Perspektive. Es kann nicht sein, dass die einzige Perspektive für viele junge Menschen ist, sich irgendwo in Afghanistan oder sonst wo totschießen zu lassen. (Beifall) Ich muss auch sagen, es kann nicht sein, dass wir uns eine Armee leisten, die in ihren verteidigungspolitischen Richtlinien stehen hat, dass man für Rohstoffquellen und Absatzmärkte auch ins Feld ziehen soll. Das steht in den Richtlinien der Bundeswehr. Da geht es um die deutsche Armee, nicht um die US-Armee. (Leichter Beifall) Deswegen muss ich ganz ehrlich sagen: Ich finde es sehr kritisch, wenn man darüber diskutiert, das hier zu trennen, dass es also okay wäre, wenn deutsche Truppen irgendwo im Ausland stehen. Ich finde die Lehre, die man in Deutschland ziehen müsste aus den Jahren 1939 bis 1945, ist doch, dass nie wieder eine Waffe von Deutschland aus auf ein anderes Land gerichtet werden darf. (Leichter Beifall) Ich muss ganz ehrlich sagen, ich verstehe auch nicht die gewisse Naivität, die darin liegt, zu sagen, dass es in Deutschland nicht auch Konzerne gibt, die Interesse daran haben, in der Welt Krieg zu führen, Konzerne, die beteiligt sind an Erdöl-Konzernen, an den Gewinnen, die aus den Kriegen hervorsprudeln, letztendlich nicht beteiligt sind und es nicht auch Rüstungsfirmen gibt, die damit massiv Gewinn machen. Deswegen muss man gerade gegen diese deutsche Armee sein. Die ist nicht in unserem Interesse. (Leichter Beifall) Um es noch einmal zu verdeutlichen, was die Bundeswehr aus vielen jungen Menschen auch macht. Man darf keine Illussion haben, was das bedeutet, wenn man sie in andere Länder schickt mit einer Waffe in der Hand und der Message, jetzt sorge da mal für Ruhe und Ordnung. Auch wenn ich sonst kein Freund der Springer-Presse bin, glaube ich, jeder sollte einmal die Bilder aus der "Bild“-Zeitung noch einmal genau anschauen, auf denen deutsche Soldaten ihre Genitalien in irgendwelche Überreste von toten Menschen in Afghanistan stecken. Das soll letztendlich der Friedenssicherung dienen. (Leichter Beifall) Deswegen appelliere ich wirklich dafür, dass dieser Antrag
beschlossen wird und wir damit zurückkehren zu Grundsätzen der
Gewerkschaftsbewegung. Es war gerade die Gewerkschaftsbewegung, die
sich in den fünfziger Jahren ganz massiv gegen die Änderung des
Grundgesetzes und die Wiederbewaffnung eingesetzt hat: Das heißt, dass
Deutschland nicht wieder zu einem Land wird, das unter Waffen steht. -
Danke schön. (Beifall) Hildegard Schwering, KongressleitungDanke schön. Das Wort hat jetzt der Kollege Michael Große-Hovest mit
der Delegiertennummer 776. Michael Große-Hovest, 776Wir haben gerade Margret zugestimmt für den Änderungsantrag, dass wir der Bundeswehr durch UNO-gedeckte Einsätze und durch UNO-Mandat gedeckte Einsätze ermöglichen zu existieren, zu funktionieren, die Konflikte mit zu lösen. Wir haben dem Antrag zugestimmt. Jetzt haben wir einen Antrag vorliegen, der praktisch die Abschaffung der Bundeswehr beantragt. Das kann ja nicht sein. Wir können nicht einerseits beschließen, dass wir die Bundeswehr einsetzen wollen, wenn es ein UNO-Mandat gibt, und gleichzeitig sagen, wir schaffen sie ab. (Beifall) Ich weiß, dass mein Nachredner Euch gleich einen Vorschlag machen
will, wie man vielleicht diesen Antrag doch noch irgendwie
verabschieden kann. Aber in der jetzigen Form kann ich ihn nur
ablehnen. Ich verstehe da auch die Empfehlung der Antragskommission
nicht. - Danke schön. (Beifall) Hildegard Schwering, KongressleitungDanke, Michael. Das Wort hat jetzt der Kollege Christian Hass,
Delegiertennummer 989. Christian Hass, 989Kolleginnen und Kollegen, ich kann das, was mein Vorredner gesagt
hat, nur unterstützen. Die Bundeswehr ist auch ein zentraler
Bestandteil dieser Republik. Wichtig ist, dass wir Einfluss nehmen auf
die militärischen Dinge, die dort stattfinden. Was der Kollege gesagt
hat, ist natürlich richtig. Wir müssen uns gegen jeglichen
militärischen Einsatz im Ausland aussprechen. Das sollte hier auch von
diesem Kongress ausgehen. Aber darüber hinaus sozusagen die Abschaffung
der Bundeswehr zu verlangen - wenn wir jetzt den Konservativen das Feld
überlassen wollen, können wir das gerne machen. Morgen wird dann in der
Presse stehen, dass der ver.di-Kongress die Bundeswehr abschaffen will.
Da muss man schon ein bisschen realpolitischer herangehen. Hildegard Schwering, KongressleitungDanke Christian. Das Wort hat jetzt Achim Meerkamp. Achim Meerkamp, BundesvorstandLiebe Kolleginnen, liebe Kollegen, wir haben gerade mit dem Antrag
A68 folgendes beschlossen: „Dazu trägt ver.di aktiv zur Wiederbelebung
beziehungsweise Stärkung der Friedensbewegung bei und nutzt alle
politischen Einflussmöglichkeiten, um der weltweiten Kriegspolitik
entgegenzutreten.“ Insoweit bitte ich Euch bei der Diskussion um den Antrag A69, um den es jetzt geht, auseinanderzuhalten den ersten Teil des Antragstextes, wo es um die Abschaffung der Bundeswehr und der NATO geht, und den zweiten Teil, nämlich die Reform der EU, der UNO zu Gunsten demokratischer Entscheidungsprozesse und Gleichberechtigung. Insoweit halte ich es für vollkommen gerechtfertigt, dass die Antragskommission beschlossen hat, diesen Antrag als Arbeitsmaterial dem A68 zuzuordnen, damit wir die Möglichkeit haben, diese Diskussion in Ruhe und in aller Überlegung durchzuführen. Ich bitte Euch, den A69 als Arbeitsmaterial dem A68 zuzuordnen, damit wir die Möglichkeit haben, diese Diskussion in Ruhe und in aller Überlegung durchzuführen. Ich bitte Euch, der Antragskommission zu folgen. (Beifall) Hildegard Schwering, KongressleitungDanke Achim. Ich gebe jetzt noch einmal der Antragskommission das
Wort. Sprecherin der AntragskommissionDen vorgetragenen Änderungsantrag nehmen wir nicht an. Damit
entspräche der Antrag nicht mehr der Intension des Antragstellers. Wir
bleiben bei unserer Empfehlung. Frank Bsirske, ver.di-VorsitzenderDas heißt, es wird Annahme als Arbeitsmaterial empfohlen. Ich finde das in Ordnung, weil wir uns in der Tat darüber Gedanken machen müssen, was wir bewirken wollen. Wenn wir die Militärpolitik in diesem Lande kritisieren, wenn wir verteidigungspolitische Richtlinien, die darauf abzielen, Warenströme und den Zugang zu Rohstoffen weltweit auch mit militärischen Mitteln zu sichern und zu erschließen, kritisieren, dann geht das in Ordnung. Dann ist das aber etwas anderes, als die Abschaffung der Bundeswehr zu fordern. Das steht auch in einem unauflöslichen Widerspruch dazu, dass wir für multilaterale Vorgehensweisen sind und gegen unilaterale Vorgehensweisen. Wir können nicht auf der einen Seite die USA für Unilateralismus kritisieren und einfordern, dass multilateral gehandelt wird auf dem Boden von UNO-Beschlüssen, und dann sagen, da sollen sich aber andere daran beteiligen. Das geht nicht. (Beifall) Im Übrigen, Kolleginnen und Kollegen. Wir organisieren die Beschäftigten bei der Bundeswehr. Wir können uns mal überlegen, wie ein angenommener Antrag bei den Beschäftigten der Bundeswehr wirken würde, die vor diesem Hintergrund lesen, dass ihre Gewerkschaft die Abschaffung der Bundeswehr fordert. Das ist nicht unbedingt die einleuchtendste Botschaft für diese Kolleginnen und Kollegen von diesem Kongress. (Beifall) Deswegen kann ich sehr gut damit leben, zur Kenntnis zu nehmen, dass es in dieser Organisation Kräfte gibt, die grundsätzlicher ansetzen wollen. Damit müssen wir uns auseinandersetzen. Das tun wir gerade inhaltlich. Ich kann sehr gut damit leben, dass gesagt wird, wir brauchen eine Demokratisierung der EU. Die hat ja tatsächlich Demokratie-Defizite. Man muss sich nur angucken, welche Rechte das Europaparlament hat. Damit müssen wir uns auseinandersetzen, Vorstöße machen. Das als Material und Denkanstoß für die weitere Arbeit im
Bundesvorstand unserer Organisation anzunehmen, macht für mich sehr
viel Sinn. Ich werde morgen zu dem Thema Europapolitik auch vor diesem
Hintergrund einige Ausführungen machen. Also Material ja, aber eine
Annahme der Abschaffung der Bundeswehr ist kontraproduktiv und setzt
Signale, die bei unseren Kolleginnen und Kollegen dort nur schräg
ankommen können. Hildegard Schwering, KongressleitungDu hast Dich jetzt ein bisschen dazwischen gemogelt, aber das ist nicht so schlimm. Wir stimmen jetzt ab über den Antrag A69. Es ist empfohlen worden „Annahme als Arbeitsmaterial zu Antrag A68“. Die Antragskommission hat ihre Empfehlung nicht geändert. Wer dem so folgen will, den bitte ich um das Kartenzeichen. Gegenprobe! - Mehrere Gegenstimmen. Enthaltungen? - Einige wenige Enthaltungen. Damit ist der Empfehlung so gefolgt. Ich möchte jetzt der Reihenfolge nach vorgehen, damit wir nicht durcheinander kommen. Ich rufe auf en bloc die Anträge A70 bis einschließlich A75, weil mir hierzu keine Wortmeldungen vorliegen. Es wird immer Annahme empfohlen. Ich bitte Euch um Euer Kartenzeichen, wenn Ihr dem zustimmen wollt. - Die Gegenprobe! - Einige wenige Gegenstimmen. Enthaltungen? - Einige wenige Enthaltungen. Damit sind wir auch hier der Empfehlung gefolgt. Ich rufe jetzt auf die Anträge A76 und A77. Hierzu liegen mir
Wortmeldungen vor. Zunächst hat der Kollege Dietmar Schütteler mit der
Delegiertennummer 539 das Wort. Dietmar Schütteler, 539Liebe Kolleginnen und Kollegen, die Intention dieses Antrages ist, zum einen den Wehrersatzdienst und zum anderen die Wehrpflicht abzuschaffen, den Wehrersatzdienst deswegen, weil er eine arbeitsplatzvernichtende Maßnahme darstellt. Das ist ein Punkt, den man von Seiten ver.di sicherlich anpacken sollte und den man auch behandeln sollte, aber nicht so. Ich bin der Ansicht, die Abschaffung des Wehrersatzdienstes hat dann
direkt zur Folge, dass damit auch automatisch die Wehrpflicht an sich
kippt, denn das eine bedingt das andere. Dies würde dazu führen, dass
wir quasi forderten, dass wir eine Berufsarmee, eine Berufswehr
bekämen. Ich bin der Ansicht, ein solches Signal sollte von diesem
Kongress nicht ausgehen. Solange wir in einer Welt leben, in der wir
offensichtlich leider noch nicht ohne Wehr auskommen, ist mir
persönlich eine Wehrpflichtigenarmee oder eine Armee mit
wehrpflichtigem Anteil erheblich lieber als eine Berufsarmee. Daher
bitte ich Euch, diesen Antrag abzulehnen. (Leichter Beifall) Hildegard Schwering, KongressleitungDanke. Das Wort hat der Kollege Burath mit der Delegiertennummer
1. Reinhard Burath, 1Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen, ich bin Bezirksvorsitzender des Bezirks Schleswig-Holstein Nordost. Ich trage die Delegiertennummer 1 nicht deswegen, weil ich das ehrenamtliche Pendant zu Frank bin, sondern weil im Nachbarbezirk bei mir wirklich sehr gute Gewerkschaftsarbeit gemacht wird, aber dänisch gesprochen. Also bin ich im Norden die Nummer eins. Ich möchte wie mein Vorredner empfehlen, der Empfehlung der
Antragskommission nicht zu folgen. Ich hätte eine wesentlich schärfere
militärische Begründung dafür, aber die möchte ich mir hier ersparen.
(Leichter Beifall) Hildegard Schwering, KongressleitungDanke. Das Wort hat jetzt der Kollege Michael Sievers mit der
Delegiertennummer 774. Michael Sievers, 774Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich bin zurzeit Zivildienstleistender in meiner Heimatstadt in Rheine und bin dadurch direkt von dieser Sache betroffen. Es sieht so aus, dass ich vor drei Monaten, bevor ich meinen Dienst angetreten habe, diesem Antrag sofort zugestimmt hätte. Aber ich habe in der Zwischenzeit einige Erfahrungen gemacht und auch mit anderen Zivis gesprochen. Ich bin zu der Erkenntnis gekommen, dass es viele Bereiche gibt, die ohne Zivildienstleistende gar nicht finanziert werden können von den Leuten oder Stellen, die davon betroffen sind. Wenn wir den Ersatzdienst streichen würden, dann würden viele Leute eben ohne Pflege oder ohne Betreuung dastehen. Wir sollten diese Leute auf keinen Fall im Stich lassen, indem wir so etwas fordern. In diesem Antrag gibt es aber einige wichtige Punkte, zum Beispiel dass dieser Wehrdienst oder dieser Wehrersatzdienst dazu führen, dass viele Leute ihre Ausbildung verlieren oder nicht mit ihrem Studium anfangen können oder zum Teil sogar ihr Studium unterbrechen müssen, denn man kann Studierende bis zum dritten Semester noch aus dem Studium ziehen. Ich finde, darauf muss man Rücksicht nehmen und darauf muss man achten. Ich habe auch mit Zivis gesprochen, die gerade mit ihrer Ausbildung
fertig waren und eigentlich weiter hätten arbeiten können, aber dieses
aufgrund des Wehrdienstes oder des Zivildienstes nicht möglich war. Ich
habe auch mit Leuten gesprochen, die aus dem Studium herausgezogen
worden sind. Darauf müssen wir wirklich eingehen. Wir müssen darauf
achten, dass Studienplätze und Ausbildung erhalten bleiben. Wir sollten
uns also überlegen, wie wir die Wehrpflicht und den Zivildienst so
abändern, dass es immer noch möglich ist, die Betreuungsangebote zu
erhalten. - Danke schön. (Beifall) Hildegard Schwering, KongressleitungIch danke Dir. Das Wort hat der Kollege Sieradzki. Holm-Andreas Sieradzki, 711Liebe Kolleginnen und Kollegen, die Bundesjugendkonferenz hat diesen Antrag mit sehr großer Mehrheit beschlossen. Das ist auch gut so. Ich möchte Euch deshalb bitten, der Empfehlung der Antragskommission zu folgen, denn die Überzeugung der ver.di-Jugend ist es, dass kein junger Mensch gezwungen werden darf, irgendwelche Dienste zu verrichten, egal welche Dienste es sind. Das kann nicht auf Zwang gehen. (Beifall) Ich möchte noch kurz auf meinen Vorredner eingehen. Er hat gesagt,
dass in vielen Bereichen Dienstleistungen nicht mehr zur Verfügung
gestellt werden könnten, wenn es keine Zivildienstleistenden gibt. Ja,
das ist richtig. Aber genau das ist auch ein Riesenproblem, denn durch
diese Zivildienstleistenden wird sozialversicherungspflichtige
Beschäftigung verdrängt. (Beifall) Die Arbeit, die von
Zivildienstleistenden verrichtet werden muss, muss von Beschäftigten
verrichtet werden. Das muss unsere klare Forderung sein. Deswegen
sollten wir gegen alle Zwangsdienste sein. Ich bitte Euch, der
Empfehlung der Antragskommission zu folgen. - Danke schön.
(Beifall) Hildegard Schwering, KongressleitungIch danke Dir. Das Wort hat jetzt der Kollege Kliesch mit der
Delegiertennummer 611. Dirk Kliesch, 611Liebe Kolleginnen und Kollegen, mein Beruf heißt Krankenpfleger. Ich bin Stationsleitungs- und Dienstplanschreiber. Ich kann mir, ehrlich gesagt, nicht vorstellen, wie ein Krankenhaus ohne Zivildienstleistende funktionieren soll. (Leichter Beifall) Aber ich finde, die Realisierung und die derzeitige Umsetzung von Zwangsdiensten in Deutschland ist mehr als problematisch. Wenn wir die Diskussion umkehren und sagen würden, wir hätten einen Zwangsdienst im Krankenhaus alternativ dazu, könnten Menschen ihre Zeit als Jugendliche oder junge Männer ihre Zeit bei der Bundeswehr absolvieren, dann wäre diese Diskussion vor 20 Jahren schon erledigt gewesen. Wir haben in der Bundesrepublik Deutschland mittlerweile und Gott
sei Dank 50 Jahre Erfahrung mit demokratischen Strukturen und ich
finde, ein Zwangsdienst ist es nicht wert, nach 50 Jahren Demokratie in
Deutschland immer noch für das Thema Demokratisierung der Bundeswehr
und von staatlichen Organen herhalten zu müssen. Das wird einem
Zwangsdienst nicht gerecht. Deshalb möchte ich Euch bitten, dieser
Empfehlung der Antragskommission zuzustimmen, weil es das Thema nicht
verdient, eine Gemengelage herzustellen, die man nur noch sehr langsam
wieder auseinanderdividiert bekommt. Ich glaube, die Position zu
Zwangsdiensten in Deutschland sollte eigentlich klar sein.
(Beifall) Hildegard Schwering, KongressleitungIch danke Dir. Das Wort hat jetzt die Kollegin Jaana Heider mit der
Delegiertennummer 605. Jaana Heider, 605Kolleginnen und Kollegen, ich arbeite im Krankenhaus, bin Krankenschwester und leide unter massivem Mehrarbeitsdruck dadurch, dass immer weniger Leute eingestellt werden. Aber eines sage ich Euch: Es wird sicherlich die Situation nicht verbessern, wenn wir weiter daran festhalten, dass wir Zivildienstleistende in diesem Bereich haben. (Vereinzelter Beifall) Außerdem muss man sagen, dass wir uns heute ganz deutlich für einen Mindestlohn von 7,50 Euro ausgesprochen haben. Jetzt kommen Stimmen auf, dass Menschen, die mit Löhnen unter diesen 7,50 Euro beschäftigt werden - das sind nämlich Zivildienstleistende -, total nötig sind, um unser soziales System erhalten zu können. (Beifall) Wir im Fachbereich haben im Moment eine große Aktion, die „Soziale Arbeit ist mehr wert“ heißt, und zwar mehr wert als diese Ausbeutung, mehr wert, als dass Menschen dazu gezwungen werden, wenn sie nicht an der Waffe dienen wollen, soziale Dienste zu verrichten. Ich frage Euch, welchen Stellenwert dann genau diese sozialen Dienste haben. (Beifall) Ich plädiere hier ganz inständig dafür, der Empfehlung der
Antragskommission zu folgen und sich definitiv auf diesem
Bundeskongress dafür auszusprechen, dass Wehr- und Wehrersatzdienste
abgeschafft werden. - Danke schön. (Beifall) Hildegard Schwering, KongressleitungDanke, Jaana. - Das Wort hat jetzt der Kollege Manfred Geneschen,
Delegiertennummer 202. Manfred Geneschen, 202Liebe Kolleginnen und Kollegen, auch ich möchte eindringlich für die Annahme dieses Antrages appellieren. Es wurde eben gesagt, wenn wir keinen Wehrersatzdienst mehr haben, hätten wir eine Armee von Berufssoldaten. Aber wir haben eben auch ganz deutlich gesagt, dass wir die Strukturen demokratisieren und dort einiges ändern wollen. Das, denke ich, müssen wir miteinander verknüpfen. Auf der einen Seite dürfen wir keinen Menschen zwingen, auf der anderen Seite brauchen wir in dieser Armee Strukturen, die ein Stück anders als zurzeit sind. Wir brauchen eben die Bundeswehr, die mitten unter uns ist, und wir brauchen demokratische Strukturen. Lasst uns diese Dinge gleichzeitig fordern, indem wir auf der einen
Seite sagen, wir dürfen keinen zwingen und damit auch keinen
Ersatzdienst leisten, und auf der anderen Seite brauchen wir
Strukturen, dass sich die Nachteile bei der Bundeswehr nicht
entwickeln. - Danke. (Beifall) Hildegard Schwering, KongressleitungIch danke Dir. - Es liegen jetzt keine weiteren Wortmeldungen vor.
Ich möchte deswegen der Antragskommission das Wort geben. Sprecherin der AntragskommissionDie Antragskommission bleibt bei ihrer Empfehlung. (Beifall) Hildegard Schwering, KongressleitungGut, die Empfehlung bleibt. Wir können daher über diese Empfehlung abstimmen. Wer ihr folgen will, den bitte ich um das Kartenzeichen. - Danke schön. Die Gegenprobe! - Mehrere Gegenstimmen. Enthaltungen? - Einige Enthaltungen. Gegen mehrere Gegenstimmen und bei einigen Enthaltungen ist der Empfehlung gefolgt worden. (Beifall) Der Antrag A77 ist damit erledigt. Ich rufe das Untersachgebiet Bekämpfung der Zwangsprostitution auf.
Hierzu gibt es zwei Anträge: die Anträge A78 und A79. Wortmeldungen
liegen hierzu nicht vor. Ich möchte deswegen darum bitten, dass wir
gleich darüber abstimmen. Ich rufe der Untersachgebiet Abtreibungsrecht auf. Hierzu liegen uns auch zwei Anträge vor: A80 und A81. Auch hierzu gibt es keine Wortmeldungen. Ich möchte deshalb gleich en bloc darüber abstimmen lassen. Wer dem folgen will, den bitte ich um das Kartenzeichen. - Ich danke Euch. Die Gegenprobe! - Ich sehe einige Gegenstimmen. Enthaltungen? - Einige wenige Enthaltungen. Ich danke Euch. Wir kommen jetzt zum Untersachgebiet Antidiskriminierung. Das sind die Anträge A82 bis einschließlich A96. Es liegt nur zum Antrag A93 eine Wortmeldung vor. Deshalb rufe ich jetzt den Antrag A93 auf. Das Wort hat die Kollegin Christa Klink mit der Delegiertennummer 436.
Christa Klink, 436Liebe Kolleginnen und Kollegen, bei dem Antrag geht es um die Forderung nach einem Antidiskriminierungsgesetz zum Schutz gewerkschaftlicher Tätigkeiten nach dem Beispiel Englands und Italiens. Die Maßnahmen gegen Kolleginnen und Kollegen gehen ja von Einschüchterungen bis Kündigungen und sind hinreichend bekannt. Ich brauche sie nicht aufzuzählen. Zudem werden sie zunehmend praktiziert. Die Beispiele sind bekannt. Die Antragskommission hat empfohlen: „Erledigt durch
Praxis/Zeitablauf“. Es ist uns nicht gelungen herauszufinden, was der
Grund für diese Empfehlung ist. Wenn es das Allgemeine
Gleichbehandlungsgesetz wäre, möchte ich anmerken, dass das für solche
Vorgänge nicht geeignet ist, weil es leider nur auf das derzeitige
Kündigungsrecht verweist und nicht dafür taugt, einen Kündigungsschutz
arbeitsrechtlich durchzusetzen - außer den bestehenden Maßnahmen, die
man bisher schon hatte. Hildegard Schwering, KongressleitungEs liegen keine weiteren Wortmeldungen vor. Die Antragskommission
braucht einen Moment Zeit. Die geben wir ihr natürlich. Bitte habt
einen Moment Geduld. - Wir erwarten eine neue Empfehlung der
Antragskommission. Die Antragskommission hat das Wort. Sprecherin der AntragskommissionWir ändern unsere Empfehlung in Annahme als Material an den
Bundesvorstand. (Vereinzelt Beifall) Hildegard Schwering, KongressleitungIch lasse dann über die geänderte Empfehlung abstimmen. Aufgerufen ist der Antrag A93. Die Empfehlung lautet jetzt: Annahme als Material an den Bundesvorstand. Wer dem so folgen will, den bitte ich um das Kartenzeichen. - Die Gegenprobe! - Einige wenige Gegenstimmen. Enthaltungen? - Einige wenige Enthaltungen. Jetzt stimmen wir en bloc über die restlichen Anträge ab; das sind die Anträge A82 bis einschließlich A96 mit Ausnahme des gerade beschlossenen Antrags A93. Ich bitte um Euer Kartenzeichen, wenn Ihr den Empfehlungen zustimmt. - Die Gegenprobe! - Einige wenige Gegenstimmen. - Enthaltungen? - Vereinzelte Enthaltungen. Jetzt haben wir fast 100 Anträge erreicht. Damit haben wir uns verdient, dass wir Feierabend machen können, dass wir ein rauschendes Fest feiern können, dass wir heute Abend miteinander viel Spaß haben - gute Musik, gutes Essen, viele gute Gespräche. Trotz allem müsst Ihr morgen früh an Eure Stimmkarten und an die Handsender denken. Aber ich denke, wir schaffen das alles. Ich wünsche uns allen einen ganz schönen Abend. Bis morgen früh. (Beifall) Es wurden eine Stimmkarte und ein Kalender gefunden - von Karl
Vermöhlen. Er kann beides bei der Wortmeldestelle abholen. Karl, sonst
bekommst Du morgen früh keinen Handsender. |








