Erster Kongresstag
Montag, 1. Oktober 2007
Beginn: 9.05 Uhr
Margrit Wendt, Vorsitzende des Gewerkschaftsrats
Guten Morgen, liebe Kolleginnen und Kollegen, wir sind uns sicher:
Es hat Euch gestern gefallen. Ist das so? (Beifall) Ich habe heute
Morgen versucht, mit Breakdance zu starten; es ist mir nicht ganz
gelungen.
Ich glaube, das Video hat deutlich gemacht, wie schön und schwungvoll
unser Einzug in Leipzig und unsere Veranstaltung gestern waren.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, jetzt aber geht’s ans Arbeiten. Wir
wollen jetzt inhaltlich-politisch in die Diskussion und in die Arbeit
einsteigen. Leider können nicht alle Eingeladenen bei uns sein, weil
sie plötzlich erkrankt sind. Deshalb gestattet mir, von dieser Stelle
aus allen, die nicht bei uns sind, un-sere allerbesten Genesungswünsche
zu senden. (Beifall)
Jetzt muss sich zunächst der Kongress konstituieren.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, der Kongress ist das höchste Gremium,
das unsere Gewerkschaft ver.di hat. Dieser Kongress legt für die
Gesamtorganisation die Grundsätze der Gewerkschaftspolitik für die
nächsten vier Jahre fest. Die Aufgaben, die Zusammensetzung, die
Einberufung und die Regelungen für seine Beratungen und
Beschlussfassungen sind in der Satzung und in der noch zu
beschließenden Geschäfts- und Wahlordnung festgelegt. Innerhalb dieser
Regeln handelt der Kongress sozusagen selbstständig. Auf der Grundlage
der Satzung gibt sich dieser Kongress selbst einen formalen Rahmen.
Dazu gehören die Wahl der Kongressleitung und die Geschäfts- und
Wahlordnung.
Dies, liebe Kolleginnen und Kollegen, als kurze formale Einleitung.
Damit bin ich schon beim Tagesordnungspunkt 3.1, der Konstituierung,
und stelle dazu fest: Der Bundeskongress ist vom Gewerkschaftsrat
ordnungsgemäß einberufen worden. Der Bundeskongress ist mindestens fünf
Monate vor dem Kongressbeginn unter Bekanntgabe der Tagesordnung und
des Datums des Antragsschlusses einzuberufen. Das ist durch
Veröffentlichung in der Mitgliederzeitung „publik“ fristgerecht
geschehen. Den Delegierten sind die Einladung und die
Beratungsunterlagen ebenfalls fristgerecht zugesandt worden.
Damit, liebe Kolleginnen und Kollegen, komme ich zur ersten Wahl des
Kongresses, der Wahl der Kongressleitung. Der Gewerkschaftsrat schlägt
dem Bundeskongress für die Kongressleitung folgende Kolleginnen und
Kollegen zur Wahl vor. Ich nenne sie in alphabetischer Reihenfolge:
Klaus Böhme, Landesbezirk NRW und Fachbereich 5; Bernt Kamin-Seggewies,
Landesbezirk Hamburg und Fachbereich 11; Thomas Koczelnik, Landesbezirk
NRW und Fachbereich 10; Simona König, Landesbezirk Sachsen,
Sachsen-Anhalt, Thüringen und Fachbereich 7; Anja Lellau, Landesbezirk
Hamburg und Fachbereich 1; Regina Philipp-Kowalke, Landesbezirk
Niedersachsen/Bremen und Fachbereich 7; Hildegard Schwering,
Landesbezirk Bayern und Fachbereich 3. Als Stellvertreter wird der
Kollege Christian Koberg, Landesbezirk Nord und Fachbereich 13,
vorgeschlagen.
Ihr findet diesen Wahlvorschlag nicht nur auf dem Bildschirm, sondern
auch im Kongressordner 1 unter dem Register Kongressablauf/
Wahlvorschläge auf Seite 1.
Jetzt geht die Frage an Euch: Wird dazu das Wort gewünscht? - Das ist
nicht der Fall. Dann darf ich um die Abstimmung bitten. Wer für den
Vorschlag ist, den bitte ich um sein Stimmkartenzeichen. - Gibt es
Gegenstimmen? - Stimmenthaltungen? - Damit, liebe Kolleginnen und
Kollegen, ist die Kongressleitung einstimmig gewählt. Ich darf jetzt
die gewählten Kolleginnen und Kollegen der Kongressleitung, denen ich
zu ihrer Wahl gratuliere, hier auf die Bühne bitten. (Beifall) Ich darf
das Präsidium des Gewerk-schaftsrats und den Bundesvorstand sowie den
Kongressarbeitsstab ebenfalls auf die Bühne bitten. Jetzt dürft Ihr
bitte vorne Platz nehmen.
Ich gebe damit die Kongressleitung für die vor uns liegende Woche an
die Kongressleitung ab. Ich wünsche uns allen gutes Gelingen, gute
Beratungen und weise Beschlüsse. - Schönen Dank. (Beifall)
Anja Lellau, Kongressleitung
Liebe Kolleginnen und Kollegen, herzlich willkommen auch von uns.
Vielen Dank für Euer Vertrauen. Wir freuen uns, mit Euch diese Woche
gestalten zu können. Es wird mit Sicherheit eine anstrengende Woche,
aber es wird auch eine entscheidende und eine gute Woche für unsere
Organisation. Da sind wir uns schon jetzt ganz sicher.
Wir acht haben uns vorbereitet. Wir hatten ja die Hoffnung, dass Ihr
Euer Kartenzeichen für uns gebt. Wir haben versucht, uns auf alles
vorzubereiten, worauf man sich nur vorbereiten kann. Aber sicherlich
kann auch das eine oder andere passieren, das nicht so läuft, wie man
es sich eigentlich vorstellt.
Wir haben zwei Bitten an Euch. Die erste Bitte ist, dass Ihr ein
bisschen Verständnis für uns habt, wenn einmal etwas nicht so läuft. Es
ist eine unheimlich aufregende Geschichte auch für uns hier vorne. Es
gibt manchmal spezielle Dinge, bei denen wir auch noch Rückfragen
haben. (Beifall)
Die zweite Bitte: Wenn einmal etwas nicht so läuft, wie Ihr Euch das so
vorstellt, wenn Ihr meint, wir huschen da so durch oder wir beachten
manche Dinge nicht so richtig, dann sagt uns das bitte. Holt uns in der
Pause beiseite, kommt nach vorne, meldet Euch. Das ist uns ganz, ganz
wichtig. Wir sind Eure Kongressleitung. Wir wollen mit Euch gemeinsam
diese Tage gestalten. Da wollen wir mit Euch ganz eng zusammenarbeiten.
Wenn Ihr also etwas habt, lasst uns bitte darüber reden. Das ist uns
sehr, sehr wichtig.
Wir können Euch auch zusagen, wenn wir irgendeine Situation haben, in
der wir selbst ein bisschen unsicher sind, in welche Richtung das
läuft, dann werden wir eine kleine Pause machen, uns zurückziehen und
beraten. Ihr könnt sicher sein, wir werden hier nicht einfach so vor
uns hinwursteln. Wir werden lieber die Zeit für eine Beratung nutzen,
um Euch eine wirklich gute und kompetente Lösung geben zu können.
Darauf könnt Ihr Euch verlassen. Das haben wir beim letzten Mal ähnlich
gemacht.
Was wir beim letzten Mal auch ähnlich gemacht haben ist, dass wir in
Teams arbeiten werden. Wir werden jeden halben Tag wechseln. Immer
derjenige oder diejenige, die diesen halben Tag führen, werden an
meinem jetzigen Platz sitzen und zur Rechten und Linken wunderbare
Unterstützer haben zur organisatorischen Entlastung. Deshalb wird es
dazu kommen, dass wir immer mit unseren Schilderchen unter dem Arm hin-
und herwechseln. Das liegt nicht daran, dass wir Bewegung brauchen,
sondern das hat organisatorische Hintergründe.
Wir werden nicht alleine hier oben sitzen. Bei uns werden zumindest bei
der Antragsberatung auch die Sprecher der Antragskommission
sitzen.
Noch ein letzter Hinweis in eigener Sache. Wir sind nicht nur
Kongressleitung, sondern auch Delegierte. Wir werden immer kenntlich
machen, wenn wir als Delegierte reden, damit es da gar keine
Irritationen geben kann. Wir werden genauso zur Wortmeldestelle gehen.
Ihr könnt sicher sein, dass da nicht plötzlich ein Zettel unter dem
Haufen verschwindet..
Jetzt kommen wir zur Feststellung der Beschlussfähigkeit. Wir haben
nach der Rückkopplung mit den Kollegen, die hierfür verantwortlich sind
am Einlass, im Kongressbüro festgestellt, dass mehr als die Hälfte der
stimmberechtigten Kolleginnen und Kollegen anwesend sind. Insofern ist
der Bundeskongress beschlussfähig. Es gibt nachher natürlich noch einen
detaillierten Bericht der Mandatsprüfungs- und Wahlkommission.
Noch ein paar Hinweise zum Ablauf. Bitte lasst die Handys
ausgeschaltet! Das ist eine wirklich intensive Bitte. Ich stelle selbst
gerne auf lautlos. Aber auch lautlos ist ein kleines Problem wenn
Mikros im Raum sind. Dann gibt es meistens eine kleine Rückkopplung.
Deshalb die Bitte: Schaltet Eure Handys bitte vollständig aus.
Der zweite Hinweis: Der Kongresssaal wird täglich gereinigt. Es werden
Container aufgestellt, in die Ihr die Sachen, die Ihr nicht mehr
braucht, hineinwerfen könnt. Alle Sachen, die auf dem Tisch liegen,
bleiben auch auf dem Tisch. Ihr müsst am Abend nichts wegräumen. Wir
bitten Euch aber, die Sachen, die Ihr nicht mehr braucht, in diese
Container zu werfen.
Ihr seht an den Seiten Videowände. Auf diesen werden alle wichtigen
Informationen zum Kongressablauf erscheinen, zum Beispiel Hinweise zum
Kongressablauf. Es wird ein Laufband geben, auf dem auch andere
Informationen erscheinen. Zum Beispiel, Landesbezirk Hamburg trifft
sich zum Fototermin in der Glashalle.
Wir bitten Euch, Eure Stimmkarten immer bei Euch zu tragen. Einmal,
weil es logisch die Teilnahmeberechtigung an der Abstimmung ist. Zum
anderen werdet Ihr morgen auf Vorlage dieser Stimmkarte Euren
Handsender für die elektronische Wahl bekommen. Dazu sagen wir zum
entsprechenden Zeitpunkt noch etwas über das elektronische
Abstimmungsverfahren.
Noch ein Thema, das alle kennen - das Rauchen. Ihr wisst, es gibt
gesetzliche Grundlagen dafür. Das Rauchen ist in der gesamten
Messehalle 2 un-tersagt. (Beifall)
Es gibt ein striktes Rauchverbot. Es gibt im Kongress zwei
Raucherbereiche. Einmal drüben bei den Ausstellern, allerdings ein
relativ kleiner Bereich. Außerdem gibt es im Eingangsbereich in der
Glashalle auch noch einen. Die sind ausgeschildert. Ihr könnt das
finden.
Wir werden jeden Tag eine Mittagspause machen, aber dazu auch noch
jeweils vormittags und nachmittags eine Pause von jeweils etwa 20 bis
30 Minuten. Wir können noch nicht sagen, wann die beginnen. Wir müssen
flexibel sein und zunächst sehen, wie der Tag eigentlich abläuft. Die
Pausen werden auf jeden Fall ausreichend sein, da wir wissen, dass
insbesondere für die Raucher die Wege relativ weit geworden sind.
Wir kommen jetzt zum Tagesordnungspunkt 3.2 Beschluss über die
Tagesordnung. Ihr findet den Vorschlag in Eurem Kongressordner auf den
Seiten 3 bis 5. Die genaue zeitliche Zuordnung der Tagesordnung stimmen
wir nicht ab. Es geht nur um die Inhalte der Tagesordnung. Wird dazu
das Wort gewünscht? Wortmeldungen dazu liegen uns nicht vor. - Ich sehe
auch keine Handzeichen. Insofern stelle ich die Tagesordnung in der
Euch vorliegenden Form zur Abstimmung. Wer dafür ist, den bitte ich um
das Kartenzeichen. - Gegenstimmen? - Enthaltungen? - Damit ist die
Tagesord-nung so angenommen.
Zur Tagesordnung noch einige Hinweise. Ihr habt vielleicht schon sehen
können, dass wir im Rahmen der Antragsberatung versuchen möchten, ganz
neue Wege zu beschreiten. Wir haben den Antragsblock ein bisschen
aufgedröselt und politische Themenschwerpunkte gebildet wie Hedgefonds,
Leiharbeit, Europa und Mindestlohn. Zu diesen Antragsblöcken wird immer
ein internationaler Referent zu uns sprechen. Wir werden danach die
Anträge zur Antragsberatung aufrufen. Das könnt Ihr auch dem heute auf
Euren Tischen liegenden Zeitplan entnehmen. Der Zeitplan ist, wie
gesagt, nur eine Orientierung. Wir müssen halt sehen, wie wir zeitlich
klarkommen; aber das kriegen wir schon hin.
In der heute verteilten Information habt Ihr auch etwas von
Wortmeldefristen gelesen. Wir wollen damit auch hier wieder arbeiten.
Diejenigen, die beim Kongress 2003 dabei waren, kennen das bereits. Das
dient ganz einfach dazu, die Zeit ein wenig effektiver zu managen. Aber
ich werde an anderer Stelle noch einmal darauf zurückkommen.
Dann kommen wir zum Tagesordnungspunkt 3.3 Wahl der Mandatsprüfungs-
und Wahlkommission. Auch hierzu liegt Euch ein Vorschlag auf der Seite
7 im Register Kongressablauf/Wahlvorschläge vor.
Es kandidieren folgende Kollegen:
Hans-Peter Hardt aus Hessen, Tamara Haselein aus Nord, Sabine Hoffmann
auch Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Ingrid Kröning aus
Berlin/Bran-denburg, Sylvia Maurer aus dem Saarland, Karl-Heinz Richard
aus NRW, Gabriela Schmidt aus Hamburg, Renate Sindt aus
Niedersachsen/Bremen, Wolfgang Weinisch aus Baden-Württemberg,
Christine Wetz aus Rheinland-Pfalz und Evi Wildmann aus Bayern.
Wer diesem Wahlvorschlag folgen möchte, den bitte ich um das
Kartenzeichen. - Gibt es Gegenstimmen? - Enthaltungen? - Das ist nicht
der Fall. Dann beglückwünschen wir unsere Kolleginnen und Kollegen. Ihr
trefft Euch jetzt gleich in einem Raum in der Bürostadt. Uns wurde
gesagt, Ihr wüsstet, wohin Ihr hinmüsst. Ich bitte Euch daher, Euch nun
dort einzufinden.
Wir kommen zum Tagesordnungspunkt 3.4 Beschlussfassung über die
Geschäfts- und Wahlordnung. Sie liegt Euch in der zuletzt vom
Gewerkschaftsrat am 15. September 2007 beschlossenen Fassung vor auf
den Seiten 9 bis 15 im Kongressordner.
Wir möchten Euch vorschlagen, dass wir diese Wahl- und Geschäftsordnung
zunächst ohne die Ziffer 9.4 beschließen. Dies hat den Grund, weil dort
hinsichtlich der Wahl der stellvertretenden Vorsitzenden ein
Wahlverfahren enthalten ist, das erst mit den Anträgen S 20 und S 21
beschlossen werden kann, die wir zunächst behandeln müssen. Mit den
Anträgen S 20 und S 21 soll die Satzung beziehungsweise das
Wahlverfahren so verändert werden, dass die stellvertretenden
Vorsitzenden erst in vier weiteren Wahlgängen gewählt werden, wenn der
Vorsitzende und alle übrigen 13 Bundesvorstandsmitglieder bereits
gewählt worden sind. Das ist nach unserer vorliegenden Wahl- und
Geschäftsordnung nicht der Fall, sondern da ist es so, dass wir diese
gemeinsam wählen. Aufgrund der Klarheit und damit wir jetzt auch noch
nicht damit beginnen, über diese Anträge zu diskutieren, schlagen wir
Euch vor, wir lassen das jetzt einfach aus und rufen diese Punkte erst
dann auf, wenn wir über den Part Wahlen sprechen. Das ist das Eine,
also Auslassen von Punkt 9.4
Dann wollen wir Euch noch einmal darauf hinweisen, dass in der
Geschäfts- und Wahlordnung in den Abschnitten 7.1, 9.1 und 9.7
Regelungen enthalten sind, die eine elektronische Stimmabgabe
ermöglichen. Der Gewerkschaftsrat hat das schon erprobt und Ihr habt im
Nachversand auch schon einige Hinweise dazu erhalten, wie das Ganze
dann ablaufen wird. Wir werden Euch aber, bevor das zur Anwendung
kommt, auf jeden Fall noch einmal über das einzelne Prozedere genau
informieren, damit Ihr wisst, wie das geht. Wir wollten Euch jetzt nur
darauf hinweisen: Auch das enthält die Wahl- und
Geschäftsordnung.
Wir wollen Euch auch darauf hinweisen, dass in der Ziffer 8.4 für die
Antragsberatung ein Verfahren vorgesehen ist, nach dem wir nur die
Anträge einzeln beraten, zu denen Wortmeldungen vorliegen. Die anderen
werden en bloc nach der Empfehlung der Antragskommission abgestimmt.
Das haben wir so bereits beim Kongress 2003 gemacht. Wir haben verdammt
viele Anträge zu beraten, was ja gut ist; denn das zeigt, dass wir eine
kreative Organisation sind. Aber es macht manchmal den Zeitablauf in
der Antragsberatung etwas schwierig. Aus diesem Grunde würden wir gerne
wieder auf diese Verfahrensweise zurückkommen. Deshalb schaut schon
einmal nach, zu welchen Anträgen Ihr gerne sprechen wollt, welche Euch
wichtig sind, welche Empfehlung nicht so ist, wie Ihr Euch das
vorgestellt habt. Reicht dazu dann auch die Wortmeldung ein; denn
ansonsten wird en bloc abgestimmt. Satzungsändernde Anträge und
Initiativanträge werden immer einzeln aufgerufen.
Wird zur Wahl- und Geschäftsordnung das Wort gewünscht? - Ja, es gibt
eine Wortmeldung von Kersten Artus, Teilnehmernummer 480.
Kersten Artus, 480
Guten Morgen, liebe Kolleginnen, liebe Kollegen! Ich bitte Euch um
eine Ergänzung der Geschäftsordnung. Es geht dabei um den Punkt 6.3.
Hier heißt es: „Wortmeldungen haben schriftlich zu erfolgen und werden
von der Wortmeldestelle entgegengenommen. Die Delegierten, die
Teilnehmer/innen mit beratender Stimme und gegebenenfalls auf Beschluss
der Kongressleitung Redeberechtigte erhalten das Wort nach der
Reihenfolge der Wortmeldungen.“
Ich bitte Euch jetzt um folgende Ergänzung: „Die Wortmeldungen werden
nach weiblichen und männlichen Delegierten im sogenannten
Reißverschlussverfahren aufgerufen, sofern Delegierte beiderlei
Geschlechts Wortmeldungen bei der Kongressleitung eingereicht
haben.“
Zur Begründung: Gleichstellung muss praktisch gelebt und erfahren
werden, um zum Selbstverständnis zu werden. Das sogenannte
Reißverschlussverfahren bei Redebeiträgen ermöglicht Frauen eine
gleichberechtigte Teilhabe an Debatten. Es sichert die frauen- und
gleichstellungspolitischen Interessen der Frauen und trägt zur
Verwirklichung des Paragrafen 20 Absatz 3 unserer Satzung bei. Ich
bitte Euch herzlich, dieser Ergänzung zuzustimmen.
Anja Lellau, Kongressleitung
Danke. Gibt es eine Gegenrede? - Formale Gegenrede ist
gewährleistet. Dann kommen wir zur Abstimmung. Wer stimmt für diese
Veränderung? - Entschuldigung, da war doch noch eine Wortmeldung.
Monika Zimmermann, 164
Ich halte eine Gegenrede, weil ich der Meinung bin, wir haben die
Mandate und es gilt das freie Wort in der Reihenfolge, in der sich die
Anwesenden melden. (Starker Beifall)
Anja Lellau, Kongressleitung
Vielen Dank. Gibt es noch weitere Wortmeldungen? - Ich will nicht
sagen, dass das unübersichtlich ist; das wäre falsch. Aber manchmal ist
es doch ein bisschen schwierig, Euch alle im Blick zu haben. Wenn Ihr
Euch also meldet, dann steht bitte auf oder macht Euch sonst irgendwie
besser kenntlich; dafür wäre ich Euch sehr dankbar.
Gibt es also weitere Wortmeldungen? - Das ist nicht der Fall. Dann
kommen wir zur Abstimmung. Wer für den Änderungsantrag ist, ergänzend
einzufügen „Die Wortmeldungen werden nach weiblichen und männlichen
Dele-gierten im sogenannten Reißverschlussverfahren aufgerufen, sofern
Delegierte beiderlei Geschlechts Wortmeldungen bei der Kongressleitung
eingereicht haben“, den bitte ich um das Kartenzeichen. - Gegenstimmen!
- Enthaltungen? - Damit ist dieser Antrag abgelehnt. (Beifall)
Gibt es weitere Wortmeldungen? - Uns liegen keine vor. Ich sehe auch
keine im Raum. Insofern stimmen wir über die Geschäfts- und Wahlordnung
ohne die Ziffer 9.4 ab. Wer dafür ist, den bitte ich um das
Kartenzeichen. - Gegenstimmen? - Enthaltungen? - Damit ist die
Geschäfts- und Wahlordnung angenommen.
Wir kommen gleich zum Tagesordnungspunkt 3.5 Bestätigung der
Antragskommission. Unsere Antragskommission besteht aus 26
stimmberechtigten und vier beratenden Mitgliedern. Sie wurden bereits
im Mai dieses Jahres durch den Gewerkschaftsrat gewählt, und sie haben
schon mächtig und kräftig gearbeitet. Sie waren schon zwei Wochen
dabei, sich die 1.600 Anträge anzuschauen, um das Ganze zu bearbeiten.
Dafür schon einmal einen herzlichen Dank; denn das ist eine ganze Menge
Arbeit, die geleistet wurde. (Starker Beifall)
Da der Gewerkschaftsrat die Kollegen bereits gewählt hat und sie
schon gearbeitet haben, müssen wir sie an dieser Stelle halt
bestätigen. Den Wahlvorschlag findet Ihr auf den Seiten 27 bis 29. Wird
dazu das Wort gewünscht? - Das ist nicht der Fall. Dann kommen wir zur
Abstimmung. Wer die Kollegen bestätigen möchte, den bitte ich um das
Kartenzeichen. - Gegenstimmen? - Enthaltungen? - Dann seid Ihr
bestätigt.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, damit hat sich jetzt der zweite
ordentliche Bundeskongress der ver.di vollständig konstituiert.
Wir kommen jetzt zu etwas sehr, sehr Angenehmen; denn wir wollen
jetzt unsere Geburtstagskinder, die heute Geburtstag hatten - -
(Zurufe: Haben!) Genau, die heute haben. Richtig, sie haben Geburtstag.
Aber wir kommen auch noch dazu - deshalb vielleicht der kleine
Versprecher -, denjenigen zu gratulieren, die gestern und vorgestern
Geburtstag hatten. Aber wir fangen bei denjenigen an, die heute
Geburtstag haben. Genau! Ich schaffe das noch.
Heute haben Geburtstag - und dazu unseren allerherzlichsten
Glückwunsch - die Kolleginnen und Kollegen Alexandra Willer aus Essen
(Starker Beifall), Evelyne Schubert aus Berlin (Starker Beifall), Elke
Dorn, auch aus Berlin (Starker Beifall), Charlotte Platzköster aus
Bochum (Starker Beifall), Ibrahim Isik aus Düsseldorf (Starker Beifall)
und Angelika Spautz aus Mainz (Starker Beifall).
Gestern und vorgestern hatten Geburtstag die Kolleginnen und Kollegen
Uwe Foullong aus Berlin (Starker Beifall), Harald Kober aus Michelau in
Oberfranken (Starker Beifall), Ulla Albert aus Weiden (Starker
Beifall), Helene Hoffmann aus Mühlhausen-Ehingen (Starker Beifall) und
- das muss heute ein toller Landesbezirksabend werden - Ingrid Kröning
aus Berlin (Starker Beifall) sowie Andreas Wiedemann aus Gutenswegen in
Sachsen-Anhalt (Starker Beifall).
Das waren sie denn auch alle. Unseren allerallerherzlichsten
Glückwunsch! Euch alles, alles Gute! Wir bitten Euch, nach vorn zu
kommen, damit wir Euch ein kleines Präsent überreichen können.
(Einspielung von „Happy Birthday to you“ - rhythmisches Klatschen der
Delegierten - Frank Bsirske spricht seine Glückwünsche aus)
Lasst uns an dieser Stelle noch ein paar Hinweise zur Arbeit der
Kongressleitung geben, bevor wir in den TOP 4, zu den mündlichen
Geschäftsberichten und zu der Aussprache dazu in TOP 5 kommen.
Wortmeldungen, Wortmeldestelle und Redezeit: Wir haben hier vor der
Bühne - das ist dort an der Seite - eine Wortmeldestelle. Dort liegen
auch Wortmeldezettel aus. Euch sind heute Morgen welche ausgeteilt
worden. Es kann ja sein, dass sie nicht ausreichen; dann könnt Ihr bei
den Kollegen jederzeit Nachschub bekommen.
Wir bitten Euch, dort immer die Wortmeldung abzugeben. Bitte
schreibt auch Eure Delegiertennummern - das mit dem Namen ist klar -
dazu, auch den Tagesordnungspunkt, zu dem Ihr sprechen werdet. Und zu
den Anträgen - ganz wichtig! - die Antragsnummer.
Es gibt im Saal sechs Mikrofone, von denen Ihr sprechen könnt. Ihr
könnt aber natürlich jederzeit nach vorne kommen, um vom Rednerpult aus
zu sprechen. Das ist kein Problem; das ist ganz klar.
Wir werden die Wortmeldungen aufrufen und werden, wenn mehrere
vorliegen, auch den nächsten aufrufen. Das hat damit zu tun, dass wir
dadurch Zeit sparen können und dass derjenige, der aufgerufen ist, sich
vorbereiten und das nächstgelegene Mikro suchen kann.
Wir bitten Euch ganz herzlich, die Redezeitbegrenzung von fünf
Minuten zu beachten. Wir haben - das kennt Ihr vom letzten
Bundeskongress - wieder eine Ampel. Sie ist diesmal nicht ganz so
offensichtlich wie beim letzten Mal. Aber sie gibt es halt auch. Hier
vorn am Rednerpult ist sie für den Sprecher ersichtlich. Wir haben eine
Zeitschaltuhr. Bei den Saalmikrofonen ist das nicht ersichtlich. Wir
haben uns gedacht, wir wollen das nicht auf die Videowände projizieren,
weil das manchmal beim Reden etwas verwirrt, wenn man noch auf die Zeit
achten muss. Aber wir haben das im Blick und werden nach viereinhalb
Minuten freundlich sagen, dass es an der Zeit ist, zum Schluss zu
kommen. Wir werden also damit einen netten Hinweis geben. Es ist unsere
Bitte, Euch an die Redezeit zu halten.
Hier vorn am Rednerpult gibt es eine Ablage für Wasser. Das Ganze ist
höhenverstellbar. Die Stufen wurden gekennzeichnet, damit sie keine
Stolperfallen darstellen.
Geschäftsordnungsanträge könnt Ihr jederzeit stellen: einfach durch
- wie wir das alle kennen - Heben der beiden Hände. Wir werden immer
über den Antrag abstimmen lassen. Es gibt ja die formale Gegenrede. Wir
haben gesagt, wir werden über jeden Geschäftsordnungsantrag abstimmen
lassen. Es ist unsere Bitte, dass Ihr am Anfang Euren Namen und Eure
Delegiertennummer sagt. Das ist einfach wichtig fürs Protokoll, damit
die Kollegen - genau; ich sehe ein heftiges Nicken - das genau notieren
können.
Zur Abstimmungsmehrheit und zum Auszählen wollen wir Euch noch auf
etwas hinweisen, weil wir glauben, dass das noch immer nicht weit
verbreitet ist. Für Beschlüsse dieses Kongresses gilt, dass sie mit
einer Mehrheit der abgegebenen Stimmen gefasst werden. Das heißt
logisch, dass es mehr Ja- als Neinstimmen geben muss. Bei
Satzungsänderungsanträgen muss es natürlich eine Zweidrittelmehrheit
der abgegebenen Stimmen sein. Das ist jetzt ganz wichtig: Eine
Enthaltung ist eine nicht abgegebene Stimme. Merkt Euch dies bitte;
denn wir haben immer wieder auf den Landeskonferenzen und auf den
Fachbereichskonferenzen gemerkt: Das ist noch nicht sehr weit
verbreitet. Eine Enthaltung bei uns ist eine nicht abgegebene Stimme,
spielt also bei der Mehrheitsfindung keine Rolle.
Wir können Euch auch jetzt schon zusagen: Immer wenn wir das Gefühl
haben, es ist nicht ganz klar, ob das jetzt eine eindeutige Mehrheit
ist oder nicht, werden wir auf jeden Fall auszählen lassen. Der Saal
wurde eingeteilt in einzelne Stimmbezirke. Diese Stimmbezirke stimmen
nicht mit den Landesbezirken überein, damit man nicht immer sagen kann,
ein einzelner Landesbezirk habe so oder so abgestimmt. Die Grenzen der
Stimmbezirke gehen quer durch den Saal. Die einzelnen Ergebnisse werden
gesammelt und kommen über die Mandatsprüfungs- und Wahlkommission zu
uns. Wir geben dann das Ergebnis bekannt.
Zu Initiativanträgen möchten wir auch noch etwas sagen. Wir möchten
Euch darauf hinweisen, dass Einreichungsschluss für Initiativanträge
heute um 18 Uhr ist. Die Anträge könnt Ihr in der Wortmeldestelle
abgeben, aber auch beim Schreibbüro für Initiativanträge, das sich im
Eingangsfoyer der Glashalle befindet. Beim Schreibbüro konntet Ihr
Initiativanträge schon seit Sonntag, 17 Uhr, abgeben. Ihr habt auch
schon einen Hinweis bekommen, wie das vonstatten zu gehen hat.
Entsprechende Unterschriftslisten gibt es ebenfalls dort. Ihr müsst
bitte auch beachten, dass bei Initiativanträgen namentlich
gekennzeichnet wird, wer Antragsführer/Antragsführerin ist. Sonst wird
man immer den ersten Namen nehmen, der auf dem Initiativantrag vermerkt
ist.
Die Mandatsprüfungs- und Wahlkommission gibt ihren Bericht natürlich
erst ab, nachdem sie ihn fertiggestellt hat. Das dauert also ein
bisschen. Damit Ihr auf jeden Fall die Zehn-Prozent-Marke für
Initiativanträge erreicht, schlagen wir Euch vor, etwa 100
Unterstützungsunterschriften zu sammeln. Dann seid Ihr auf jeden Fall
auf der sicheren Seite.
Verantwortlich für die Unterzeichnung des förmlichen Protokolls - am
Ende des Kongresses gibt es ja ein förmliches Protokoll, das von der
Kongressleitung unterschrieben werden muss; das wollen wir Euch an
dieser Stelle auch noch sagen - sind die Kollegen Simona König und
Klaus Böhme.
Jetzt können wir uns alle ein wenig erholen, Ihr von meinem
Geschnacke und ich von meinem Gesabbel. - Entschuldigung, bitte. - Es
ist noch ein bisschen zu früh für eine Pause. Ich wollte Euch zu früh
in die Pause schicken. Entschuldigung.
Wir machen jetzt weiter mit TOP 4 Berichte. Wir kommen zu TOP 4.1
Ergänzender mündlicher Geschäftsbericht des Gewerkschaftsrates durch
Maggi Wendt. Maggi, Du hast das Wort.
Margrit Wendt, Vorsitzende des Gewerkschaftsrates
Das ist jetzt ein Start. Ich stehe zwischen Euch und der Pause. Aber
ich werde mich bemühen.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, als ich vor vier Jahren zusammen mit
Frank den ersten ver.di-Bundeskongress eröffnet habe, sprachen wir von
dem ver.di-Baum, von seinen Wurzeln, seinen Verästelungen und seinem
Wachstum. Vier Jahre sind vergangen, und ver.di steht fest verwurzelt
und kraft-voll für die Arbeitnehmerrechte in diesem Land. ver.di hat
zahlreichen Stürmen widerstanden und seinen Mitgliedern stets und immer
Schutz, Halt und Orientierung geboten.
Was in den letzten vier Jahren geschah, sollen unsere
Geschäftsberichte aufzeigen. Sie sollen vor allem darauf hinweisen,
welche Spuren wir gelegt haben, aber auch welche Wege noch vor uns
liegen, um unsere gemeinsamen Ziele zu erreichen. Nicht die Leistung
des oder der Einzelnen ist darzustellen, sondern das gemeinsame Ringen
um Lösungen, Entscheidungen, Hindernisbewältigung und Erfolge.
Aber, liebe Kolleginnen und Kollegen, nicht alle, die mit uns
gestritten, gekämpft, gelacht und gesiegt haben, können heute noch an
unserer Seite sein. Deshalb bitte ich Euch, Euch von Euren Plätzen zu
erheben. (Die Delegierten erheben sich von ihren Plätzen)
Stellvertretend für sie alle möchte ich Heinz Kluncker nennen, der
am 21. April 2005 nach langer, schwerer Krankheit kurz nach seinem 80.
Geburtstag verstorben ist. Mit Heinz haben ver.di, die deutsche und die
internationale Gewerkschaftsbewegung eine Persönlichkeit verloren, die
unser Streben nach mehr Gerechtigkeit wie kaum eine andere verkörperte.
Mit seiner erfolgreichen Arbeit als Vorsitzender der Gewerkschaft ÖTV
von 1964 bis 1982 hat Heinz weit über seine Amtszeit hinaus Maßstäbe
gesetzt. Er war eine feste politische Größe in der Bundesrepublik
Deutschland, ob als Wegbereiter der Aussöhnung mit dem Osten, als
Tarifpolitiker oder als Reformer des Sozialstaates. Seine
Geradlinigkeit, Ehrlichkeit und Verlässlichkeit hat er immer in den
Dienst der Interessen seiner Kolleginnen und Kollegen gestellt. Für uns
ist sein Tod ein großer Verlust.
Erinnern wir uns stellvertretend an Ursula Konitzer. Am 2. April
2004 ist die ehemalige stellvertretende Vorsitzende der DAG nach
langer, schwerer Krankheit verstorben. Ursula war bei der DAG zuständig
für die Wirtschaftspolitik. Ihre Arbeit war geprägt von hohem
Sachverstand, von Enga-gement und großer sozialer Kompetenz. Nach ihrem
Ausscheiden aus dem DAG-Bundesvorstand wurde Ursula Mitglied des
Kuratoriums der Ruhegehaltskasse. Neben ihrem fachlichen Ansehen genoss
Ursula wegen ihrer Fairness und ihrer Geradlinigkeit ein hohes Ansehen
und hohe Wertschät-zung weit über ihre gewerkschaftliche Tätigkeit
hinaus. Mit ihr haben wir ein großes Vorbild verloren.
ver.di und die internationale Gewerkschaftsbewegung trauern um eine
be-deutende Persönlichkeit, einen großen Gewerkschafter: Kurt van
Haaren. Kurt war als langjähriger Vorsitzender der Deutschen
Postgewerkschaft einer der ver.di-Gründungsväter. Er war eine feste
Größe in der deutschen Wirtschaft und in der deutschen Politik. Er
stand maßgeblich für den sozialverträglichen Umbau der drei
Bundespost-Nachfolgeunternehmen Post-bank, Post AG und Telekom.
„Niemals nachlassen“ war sein Leitmotiv. In diesem Sinne stellte er
seine Arbeit in den Dienst der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer,
national wie international. Seine Ehrlichkeit, Verlässlichkeit und
Beharrlichkeit machen ihn unvergessen. Kurt starb am 14. Juli 2005 kurz
vor seinem 67. Geburtstag.
Erinnern wir uns stellvertretend für viele an Günter Volkmar. Am 22.
Februar 2006 verstarb der ehemalige Vorsitzende der HBV kurz vor seinem
83. Geburtstag nach langer, schwerer Krankheit. Sein außergewöhnliches
Engagement richtete sich vor allem gegen Sozialdumping, für ein
sozial-fortschrittliches Europa und für gewerkschaftliche Solidarität.
Seine Persönlichkeit zeichnete sich durch seinen Gestaltungswillen und
seine Umsetzungsstärke aus. Seine Arbeit lebte von seiner wachen und
lebendigen Phantasie, aus der er richtungsweisende Ideen schöpfte. Sein
Wirken war allgegenwärtig, und er prägte damit maßgeblich die HBV.
Günter Volkmar wird allen, die ihn kannten, in eindrucksvoller
Erinnerung bleiben.
Erinnern wir uns stellvertretend für viele an Manfred Bartsch.
Manfred war bis zu seinem plötzlichen unerwarteten Tod am 13. April
dieses Jahres Landesbezirks-Fachbereichsleiter Gesundheit, soziale
Dienste, Wohlfahrt und Kirchen in Sachsen-Anhalt und gehörte seit 2001
der Landesbezirksleitung an. Er widmete sich seiner
verantwortungsvollen Tätigkeit mit viel Engagement und Elan. Er war für
seine hohe Kompetenz bekannt. Wir verlieren mit Manfred Bartsch einen
Gewerkschafter, dessen prägende Merkmale Beharrlichkeit und
Nachhaltigkeit waren.
Und, liebe Kolleginnen und Kollegen, erinnern wir uns,
stellvertretend für viele, an Anton Reuer. Unser Kollege und
langjähriger Sekretär des ver.di-Gewerkschaftsrats hat am 4. August
seinen Kampf gegen den Krebs verloren. Alle, die Anton kannten und ihn
hier bei seinem Einsatz für seinen Ge-werkschaftsrat, für ver.di erlebt
haben, wissen: Anton war die gemeinsame Sache stets wichtiger als die
eigene Person. Er hat uns bis zum Schluss mit Rat und Tat zur Seite
gestanden. Deshalb hinterlässt er einen großen Auftrag: unseren Einsatz
für die Menschen, für Gerechtigkeit, für Respekt und Anerkennung, für
ein menschenwürdiges Leben für alle. Dankbar für die vielen Stunden,
die wir mit ihm teilen durften, lebt er für uns als der erste Sekretär
des ver.di-Gewerkschaftsrats in unseren Gedanken weiter.
Abschied nehmen tut weh, besonders wenn es für immer ist. Aber das
Votum unserer Verstorbenen ist uns Ansporn und Auftrag. Ich danke Euch,
dass Ihr Euch von Euren Plätzen erhoben habt. (Die Teilnehmer nehmen
wieder ihre Plätze ein)
Liebe Kolleginnen und Kollegen, ver.di lebt durch seine
Ehrenamtlichen, in jedem Ort und jedem Betrieb im Organisationsbereich,
durch die Arbeit der vielen Tausend Ehrenamtlichen, die sich neben
ihrer stressigen beruflichen Tätigkeit für ver.di einsetzen, die
Verantwortung übernehmen und Entscheidungen treffen. Ihr Einsatz und
Engagement machen ver.di zur gelebten politischen Kraft in unserer
Gesellschaft. Denn die Geschichte der Arbei-terbewegung lehrt, dass
unsere Kraft umso stärker ist, je mehr Menschen sich ihr anschließen.
Diese Arbeit gilt es zu würdigen und anzuerkennen. Deswegen richte ich
bereits an dieser Stelle einen herzlichen Dank an alle, die ver.di in
der Vergangenheit und in der Zukunft stark machen. - Ihr könnt ruhig
einmal für Euch selber klatschen. (Beifall)
Liebe Kolleginnen und Kollegen, deshalb freue ich mich, hier den
Geschäftsbericht des ver.di-Gewerkschaftsrats abzugeben. Das
Ehrenamtsprinzip in ver.di ist eine tragende Säule unseres
gewerkschaftlichen Selbstverständnisses. Das werdet nicht zuletzt Ihr,
liebe Delegierte, durch Eure Diskussionen und Entscheidungen während
dieses Kongresses belegen.
Aufgabe des Gewerkschaftsrats ist es, die Umsetzung der Beschlüsse
zu begleiten, sie voran zu treiben, manchmal ihre Nachhaltigkeit
einzufordern und selbstverständlich eigene Initiativen zur politischen
Gestaltung der ver.di auf den Weg zu bringen. Auftrag und Ziel unserer
gemeinsamen Arbeit ist es, über die politischen Inhalte zu den Menschen
zu kommen und mit ihnen identifiziert zu werden - hier auf dem Kongress
und in unserer täglichen Arbeit im Betrieb.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, „Gerechtigkeit, Würde und
Solidarität“ ist das Motto dieses Kongresses. Um diese Werte ging es
auch bei unserer Arbeit im Gewerkschaftsrat in den vergangenen vier
Jahren.
Gerechtigkeit war für uns das Leitmotiv, um uns deutlich gegen den
sozialen Kahlschlag der Agenda 2010 zu positionieren und zu Protesten
aufzurufen. Wir machen uns seither besonders stark für verbesserte
Leistungen für Erwerbslose und fordern die Einführung einer
bedarfsorientierten Grundsicherung. (Beifall) Gerechtigkeit heißt für
uns, dass es keinen Absturz Erwerbsloser in Armut und keinen Zwang zur
Aufnahme untarifierter und nicht sozialversicherter Arbeit geben darf.
(Beifall)
Würde war für ver.di die zwingende Notwendigkeit, die erfolgreiche
Kampagne für die Einführung eines Mindestlohns zu beschließen, um damit
zu verhindern, dass Arbeit im Hochlohnland Deutschland arm macht - arm
und würdelos. Was in vielen europäischen Nachbarstaaten längst
umgesetzt wurde, kann bei uns doch nicht schlecht geredet werden.
ver.di fordert daher eine Stundenlohn in Höhe von mindestens 7,50 Euro,
der dann in den kommenden Jahren schrittweise auf 9 Euro angehoben
werden soll. (Starker Beifall) In der Mitte von Europa braucht dieses
Land den Mindestlohn, die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in diesem
Land brauchen ihn. (Beifall)
Solidarität - ich sehe es hier gerade -: Die Rente mit 67 ist
zutiefst unsolidarisch. (Starker Beifall) Die Verlängerung der
Lebensarbeitszeit löst keine Arbeitsmarktprobleme. Im Gegenteil: Sie
ist ein verkapptes Rentenkürzungsprogramm. Deshalb lehnen wir sie
konsequent ab. Basta! (Starker Beifall)
Liebe Kolleginnen und Kollegen, Gerechtigkeit, Würde und Solidarität
sind daher viel mehr als das Motto dieses Kongresses. Sie sind das
Motto für unsere tägliche Arbeit. So haben wir uns im Gewerkschaftsrat
auf viele zentrale gewerkschaftspolitische Grundpositionen gemeinsam
verständigt. Diese Leitlinien der ver.di-Politik sind in dem Euch
vorliegenden schriftlichen Geschäftsbericht beschrieben. Dieser wurde
erneut gemeinsam von Gewerkschaftsrat und Bundesvorstand entwickelt und
ausgearbeitet. Frank wird in seinen Erörterungen noch einige
herausragende gewerkschaftspolitische Initiativen aufgreifen.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, ein Kongress muss Raum geben für
einen kritischen, ehrlichen Blick zurück, aber er muss vor allem
Orientierung für die Zukunft geben - nach innen wie nach außen. Dabei
dürfen wir nie unseren Auftrag aus den Augen verlieren, den uns unsere
Mitglieder mitgegeben haben: eine bestmögliche Vertretung ihrer
Interessen, den Schutz einer starken solidarischen Gemeinschaft und die
Bereitschaft zu einem ehrlichen konstruktiv-kritischen Austausch.
In den vier Jahren haben wir gemeinsam viel geschafft: ver.di ist
lebendig, streitbar, stark, durchsetzungsfähig und gesund. In weiten
Teilen leben wir eine gemeinsame Kultur, ohne aber dabei unsere Wurzeln
zu vergessen. Wir sind zusammengewachsen und lösen uns von den
Übergangsregelungen. Die Mitgliederorientierung und Mitgliedergewinnung
sind Richtschnur unseres Handelns - jetzt und in Zukunft.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, Mitgliederorientierung und
Mitgliedergewinnung waren Schwerpunkte der strategischen Ausrichtung
des Gewerkschaftsrats. Uns allen aber war dabei klar: Mitglieder können
nicht durch Beschlüsse gewonnen werden. Arbeitnehmerinnen und
Arbeitnehmer müssen an ihrem Arbeitsplatz, in den Betrieben und in den
Dienststellen gezielt angesprochen und überzeugt werden, bei uns
mitzumachen.
So war der Gewerkschaftsrat hier vor allem Impulsgeber bei der Suche
nach einem erfolgversprechenden Weg. Erfahrungen aus
Mitgliederprojekten und praktizierter Mitgliederwerbung wurden von den
Mitgliedern des Gewerkschaftsrats zusammengetragen. Es wurden
politische Anforderungen an den Bundesvorstand erarbeitet, die
richtungsweisend für das weitere Vorgehen sind.
Mit dem Aufbau der Abteilung Mitgliederwerbung in der
ver.di-Bundesverwaltung und der bundesweiten Vernetzung der Schulung
von Werberinnen und Werbern sind Grundsteine gelegt, um zukünftig
Mitgliederwerbung, Mitgliedergewinnung, aber auch das Halten von schon
bestehenden Mitgliedschaften zu systematisieren und erfolgreich nach
vorn zu treiben.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, zwischen den Kongressen habt Ihr dem
Gewerkschaftsrat den Auftrag gegeben, Beschlüsse umzusetzen,
Impulsgeber und Kontrolleur zu sein. Gewerkschaftsrat, Präsidium,
Haushalts- und Finanzausschuss und der Personalausschuss sowie zeitlich
begrenzt eingerichtete Arbeitsgruppen haben nicht alles erreicht, was
uns der letzte Bundeskongress mitgegeben hat oder was wir uns selber
vorgenommen haben. Aber ich denke, die Bilanz unserer Arbeit kann sich
sehen lassen. Viele Entscheidungen waren Kompromisse, viele
Entscheidungen haben schmerzhafte Prozesse ausgelöst. Aber wir können
gemeinsam stolz darauf sein, dass wir trotzdem nicht nachgelassen
haben. So bin ich mir ganz sicher, dass wir auch noch Ziele erreichen,
wo wir heute erst Teilerfolge verzeichnen können.
Ein an vielen Stellen schmerzhafter Prozess, aber letztendlich von
allen konsequent verfolgt, war der Satzungsauftrag, die Frauenquote bis
zu den Or-ganisationswahlen 2006/2007 umzusetzen. Dabei blieb es nicht
aus, dass motiviert, informiert und aufgeklärt werden musste, dass
rechtliche Unklarheiten durch ein vom Bundesvorstand beauftragtes
Gutachten beseitigt werden mussten, dass Wahlverfahren neu gestaltet
werden mussten und dass Regelungen gefunden werden mussten, um mit den
Betroffenen wertschätzend umzugehen.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, Ihr alle habt dazu beigetragen, dass
ver.di heute beispielgebend für unsere Mitglieder, für die
Öffentlichkeit und für andere Organisationen ist, dass
Gleichberechtigung bei uns gelebt wird. Darin dürfen und werden wir
nicht nachlassen. (Beifall)
Heute setzen sich alle - bis auf eine - Landesbezirksleitungen aus
einem Kollegen und zwei Kolleginnen zusammen. In den
Bezirksgeschäftsführungen ist der Frauenanteil gestiegen, und in allen
ehrenamtlichen Gremien wurde der Satzungsauftrag umgesetzt.
Mit großer Bereitschaft auf allen Seiten wurde für die Kolleginnen und
Kollegen, die diesen Prozess mitgestaltet haben, indem sie nicht wieder
kandidiert haben, eine einvernehmliche Lösung gefunden. Das war wichtig
und zukunftsweisend. Hiermit konnten die Kompetenz und die Erfahrung
der Betroffenen für die Organisation, für unsere Mitglieder, gesichert
werden.
ver.di hat sich seit ihrer Gründung klar dazu bekannt,
gesellschaftliche Veränderungen durch eine gleichberechtigte Teilhabe
von Frauen und Männern zu erreichen. Wir haben den Weg konsequent
beschritten und werden nicht nachlassen. Dazu gehört auch die Erhöhung
des Frauenanteils in Leitungsfunktionen als wesentlicher Akzent im
Bereich der Hauptamtlichen. Auch hier können wir natürlich
Verbesserungen erreichen. Hier sind vor allen Dingen die Anstrengungen
im Bereich des ver.di-Mentoringprogramms fortzusetzen. Das ist dringend
erforderlich. Ich weiß, dass wir das gemeinsam schaffen und tun werden.
(Beifall)
Als einen weiteren wichtigen Weg, um demokratischere Verhältnisse
zwischen Frauen und Männern in ver.di herzustellen und um
mitgliedernahe Gewerkschaftsarbeit zu betreiben, betrachten wir den
Satzungsauftrag, die Strategie des Gender Mainstreaming anzuwenden.
ver.di vollzieht den Perspektivwechsel „durch Berücksichtigung der
Kategorie Geschlecht bei der Lösung aller wirtschaftlichen, politischen
und sozialen Fragen“. Das war un-ser Beschluss des Kongresses in 2003.
Inzwischen hat ver.di in der Öffentlichkeit eine hohe Reputation in
Sachen Geschlechterpolitik erreicht. Die Verankerung von Gender
Mainstreaming in den Köpfen und dem praktischen Arbeitshandeln der
Kolleginnen und Kollegen in ver.di - und damit in den Betrieben und
Verwaltungen - muss jedoch verstärkt und nachhaltiger gestaltet
werden.
Nun will ich nicht behaupten, dass das „mal so eben nebenbei“ geht.
Aber ähnlich wie bei den Fragen nach der Umweltverträglichkeit können
wir diese Frage nach der differenzierten Ansprache der vielfältigen
Interessen unserer Mitglieder quasi als eine Folie über unser Tun
legen. Dann müsste es mit einiger Übung eine selbstverständliche
Aufgabe für uns alle werden. Zeit zum Üben hatten wir ja schon; jetzt
setzen wir es weiter um.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, nicht einfach und auch noch nicht
beendet ist die Umsetzung der Kongressbeschlüsse des 1. Ordentlichen
Bundeskongresses zur Verkleinerung des Bundesvorstands - der sogenannte
A1 - und zur Strukturreform in ver.di, der sogenannte A5. Obwohl es
erklärtes Ziel aller war, zeigten sich in der Praxis Widerstände,
Satzungsschranken und Ängste vor Identitätsverlusten. Um die Fusionen
der Fachbereiche umzusetzen, hat der Gewerkschaftsrat auf die
Freiwilligkeit der Fachbereiche gesetzt; denn es entspricht unserem
Selbstverständnis, dass wir gemeinsam an Veränderungen arbeiten, sie
gemeinsam entwickeln.
Es gab eine große Bereitschaft zu Kooperationen, jedoch zum jetzigen
Zeitpunkt keine Fusionen. Sechs Fachbereiche kooperieren inzwischen
miteinander. Sie haben sich auf einen gemeinsamen Vorschlag für ein
Bundesvorstandsmitglied verständigt. Dafür sagen wir allen ausdrücklich
Danke. (Beifall)
Auch bei der Arbeitsverteilung im Bundesvorstand, mehr
Fachbereichsaufgaben mit Querschnittstätigkeiten zu verknüpfen, sind
wir weitergekommen. Dieser Weg muss weiter beschritten werden,
satzungskonform und zukunftsorientiert. Wir werden sicher Gelegenheit
haben, bei den Sat-ungsanträgen darüber zu diskutieren.
Nur wer sich ändert, bleibt sich langfristig selbst treu. Deshalb
können wir feststellen, dass der Umsetzungsgrad des Kongressbeschlusses
A5, der Strukturreform in ver.di, nach intensiver Arbeit der
Strukturkommission als sehr hoch eingestuft werden kann. Nach wie vor
besteht aber Verbesserungs- und Umsetzungsbedarf in der Aufbau- und
Ablauforganisation von ver.di. Der Gewerkschaftsrat hat auf Vorschlag
der Strukturkommission eine Reihe von weichenstellenden Satzungs- und
Richtlinienänderungen auf den Weg gebracht. Die Weiterentwicklung der
komplexen Organisationsstruktur hat aber ein für ver.di wichtiges
Ergebnis hervorgebracht: Das Zusammenspiel von Ebenen und Fachbereichen
in der sogenannten Matrix hat sich trotz aller Abstimmungsprobleme und
aufgrund des Reformwillens von allen grundsätzlich bewährt. Darauf
können wir stolz sein. (Beifall)
Vor allem ist aber an dieser Stelle einmal Gelegenheit, allen
Mitgliedern der Strukturkommission für ihre intensive Arbeit ganz
herzlich zu danken. (Beifall)
Liebe Kolleginnen und Kollegen, mit der Neufassung der
Budgetierungsrichtlinie durch den Gewerkschaftsrat und unter
maßgeblicher Beteiligung und Vorbereitung durch den Haushalts- und
Finanzausschuss wurde ein Auftrag des 1. Ordentlichen Bundeskongresses
umgesetzt und damit mehr Verteilungsgerechtigkeit in unserer
Organisation erreicht. Immer mehr gelingt es, Unterschiedliches auf den
gemeinsamen ver.di-Weg zu bringen.
Ein ganz wesentlicher Schritt ist jetzt mit dem Abschluss von
Allgemeinen Arbeitsbedingungen und einem neuen Vergütungssystem für
alle ver.di-Beschäftigten gelungen. Herzlichen Glückwunsch. Darauf
können wir aufbauen, und es wird dem Gewerkschaftsrat jetzt auch
gelingen, einheitliche Bedingungen für alle Wahlangestellten zu
schaffen.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, ein Auftrag aus der Satzung war auch
die Umsetzung der Start-Ziel-Modelle einiger Landesbezirke und Bezirke
gemäß der Übergangsbestimmungen. Das hat uns in dieser Amtszeit
intensiv beschäftigt.
Die erfolgreiche Zusammenführung der Landesbezirke Sachsen,
Sachsen-Anhalt, Thüringen war ein Meilenstein in der
Organisationsentwicklung. Der Gewerkschaftsrat hat in seinen
Beschlüssen diese Entwicklung unterstützt, die mit breiter Mehrheit in
den fusionierenden Landesbezirken getragen wurden. Liebe Kolleginnen
und Kollegen, ich finde, Ihr habt das prima gemacht, und ganz, wie
diese Organisation es braucht und will. Vielen Dank. (Leichter
Beifall)
Unsere Anerkennung gilt auch den Landesbezirken Nordrhein-Westfalen,
Bayern und Berlin-Brandenburg, die ihre Satzungsvorgaben für die
Verkleinerung ihrer Bezirksstrukturen umgesetzt haben. (Leichter
Beifall)
Der Landesbezirk Niedersachsen-Bremen hat dies ebenfalls aus freien
Stücken mit Bravour umgesetzt. Das ist toll und uneingeschränkt zu
begrüßen. (Leichter Beifall)
Die Landesbezirke Hamburg und Nord sowie Rheinland-Pfalz und Saar
haben sich als Alternative zum Zusammenschluss zu einer engen
Kooperation entschlossen. Alle vier Landesbezirke haben ihre
getroffenen Absprachen in ihren Landesbezirksvorständen mit großer
Mehrheit beschlossen und dann dem Gewerkschaftsrat präsentiert. Nach
intensiven Beratungen ist der Ge-werkschaftsrat dem Vorhaben gefolgt.
Dazu wurden Rahmenbedingungen verabredet, die gemeinsam überprüft
werden auf die Zukunftsfähigkeit die-ser durchaus sehr ehrgeizigen
Kooperationsmodelle, und gegebenenfalls wird nachgesteuert. Auch dort
ist ein guter, gemeinsamer Weg gefunden worden. Herzlichen Dank.
(Leichter Beifall)
Liebe Kolleginnen und Kollegen, die Neufassung der
Rechtsschutzrichtlinie kann mit Fug und Recht als gelungen bezeichnet
werden. Durch eine vorgeschobene Projektphase mit ehrenamtlicher
Beteiligung haben sich alle Verantwortlichen über dieses Reformvorhaben
verständigt. Damit konnten nach den bisherigen Erkenntnissen die
Negativ-Erfahrungen, die wir auf dem letzten Kongress diskutiert haben,
deutlich reduziert werden. Wir haben jetzt eine positive Entwicklung.
Deshalb an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an die
Projektgruppe, die das gemeinsam so toll gestaltet hat. Damit können
wir bei den Mitgliedern werben. (Leichter Beifall)
Liebe Kolleginnen und Kollegen, erklärtes Ziel aller war es, 2007
einen ausgeglichenen Haushalt zu erreichen. Deshalb stand die Umsetzung
und Überwachung der Haushalts- und Personalkostenkonsolidierung auf der
Tagesordnung jeder Gewerkschaftsratssitzung. Alle Sach- und
Personalkosten standen auf dem Prüfstand. Durch die konsequente
Verfolgung und Aufbereitung aller Themen durch die zuständigen
Ausschüsse für Haushalt und Personal konnte der Gewerkschaftsrat alle
notwendigen Beschlüsse fassen.
Es wurden Lösungsansätze für die Probleme der Landesbezirke mit
Personalüberhang, aber auch für die Landesbezirke mit Personalbedarf
gefunden, um die Mobilitätsbereitschaft der Beschäftigten zu erhöhen.
Eine deutliche Verbesserung der Planungssicherheit aller
Personaleinheiten wurde durch die Beschlüsse des Gewerkschaftsrats zur
Umwandlung von Sach- in Personalkosten, zu langfristigen
Sollstellenplänen und deren Überprüfung, zur Rücklagenbildung für nicht
ausgeschöpfte Personalmittel sowie zur Festlegung und zum Controlling
der Personalverrechnungssätze geschaffen.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, das Ziel ist erreicht. Allen, die dazu
beigetragen haben, gilt unser Dank. Vor allem aber den Beschäftigten
von ver.di, die das im großen Umfang mitgetragen haben. (Beifall)
Wir dürfen jedoch nicht nachlassen im sparsamen Wirtschaften mit den
Ressourcen unserer Organisation. Hierzu wird Gerd Herzberg in seinen
mündlichen Ausführungen sicher näher eingehen.
Dazu beigetragen hat aber auch die intensive Arbeit einer Gruppe aus
Ehren- und Hauptamtlichen, die sich um die technische Zukunftsfähigkeit
unserer Organisation gekümmert hat. Durch sinnvolle
Teilzentralisierungen konnten Einsparungen in Millionenhöhe umgesetzt
werden.
Im Gleichklang mit unseren Zukunftsprojekten „Digitale ver.di“ und
Aufbau eines Kommunikationsmanagements hat sich die Arbeitsgruppe
Kommunikation des Gewerkschaftsrats mit der Konzeption des Inter- und
Intranet-Auftritts des Gewerkschaftsrats beschäftigt. Es steht jetzt
zum Austausch von wichtigen Informationen und als elektronisches Archiv
zur Verfügung. Alle Funktionsträgerinnen und -träger werden künftig
einen Zugang zum ver.di-Intranet bekommen. Damit, liebe Kolleginnen und
Kollegen, wird die Arbeit unserer Gremien aktueller und transparenter.
(Leichter Beifall)
Liebe Kolleginnen und Kollegen, vier Jahre intensiver Arbeit lassen
sich nicht in wenigen Worten darstellen. Deshalb hier nur ein paar
Schlagworte. Sozusagen im Trend lagen wir bei der Beschlussfassung und
Überwachung der Reorganisation der ver.di-Bundesverwaltung und
ausgewählter Landesbe-zirke. Hier konnten Doppelstrukturen aufgedeckt
und behoben werden. Führungsstrukturen wurden in den Ebenenressorts 1,
3 und 6 neu sortiert und entlang der gestiegenen Anforderungen
weiterentwickelt. Es konnte dadurch Geld gespart und Effizienz gewonnen
werden.
Auch zur Sicherung der personellen Zukunft der Organisation haben
Personalausschuss und Personalressort sich auf Eckpunkte zur Verjüngung
der Beschäftigtenstruktur und ihrer Finanzierung verständigt.
Jugendsekretärinnen und -sekretäre wurden eingestellt und
Verwaltungsangestellte zu Gewerkschaftssekretärinnen und -sekretären
qualifiziert.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, im Arbeitsalltag des
Gewerkschaftsrats gilt es noch, einige Themen weiter zu verfolgen und
zu verbessern. Wir müssen ein Beschlusscontrolling aufbauen zur
nachvollziehbaren und transparenten Umsetzung der Beschlüsse des
Gewerkschaftsrats und seiner Ausschüsse. Die Information zu allen
ehrenamtlichen Führungsorganen muss verbessert und im ver.di-Intranet
dargestellt werden. Die Arbeit der Ehrenamtlichen auf allen Ebenen und
allen Bereichen von ver.di muss auch in der Außendarstellung mehr ihren
Widerhall finden.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich bin mir sicher, dass sich der
neue Gewerkschaftsrat dieser Themen annehmen wird. Ziel der gesamten
Organisa-tion sollte weiterhin die Stärkung der Ehrenamtlichkeit sein,
ohne daraus eine Konkurrenzsituation zu den Hauptamtlichen abzuleiten.
Es geht hier vielmehr um ein vernünftiges Miteinander, das von beiden
Seiten aktiv gestaltet werden muss, denn unsere Mitglieder stellen ein
unerschöpfliches Reservoir an Erfahrungen zur Verfügung. Sie haben
Einblick in die Vorgänge vor Ort. Sie sind in den Betrieben tagtäglich
präsent. Dies gilt es zu nutzen und positiv zu begleiten. Dazu gehört
zwangsläufig eine breite Beteiligung der ehrenamtlichen Gremien an den
Entscheidungen unserer Organisation auf allen Ebenen und in allen
Bereichen. Das trägt zur Motivation der Mitglieder bei, führt zur
Entlastung der Hauptamtlichen und sichert uns allen den wichtigen
Kontakt zur Basis. Dazu gehört aber auch, dass wir uns dar-auf
verständigen, uns frühzeitig miteinander in Kontakt zu setzen und
auszutauschen, damit gar nicht erst das Gefühl aufkommen kann, dass wir
et-wa Aufgaben- und Kompetenzschwierigkeiten hätten. Wir werden darüber
sicherlich auch noch bei der Antragsberatung diskutieren.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, lasst uns diesen 2. Ordentlichen
ver.di-Bundeskongress nutzen, durch unsere Beschlüsse und Diskussionen
unsere politischen Inhalte nach vorne zu bringen, unsere Organisation
noch attraktiver für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in diesem Land
zu machen und Gerechtigkeit bei allen Themen in Politik und
Gesellschaft einzufordern, ein für alle Menschen würdevolles Leben im
sozialen und wirtschaftlichen Rahmen anzustreben und Solidarität dort
auszuüben, wo andere unseren Schutz und unsere Hilfe brauchen.
(Beifall)
Liebe Kolleginnen und Kollegen, und jetzt ein ganz persönliches
Wort. Mit diesem Kongress höre ich auf, in ver.di Funktionen zu
übernehmen. (Unruhe) Es werden tolle Kolleginnen und Kollegen folgen,
die die Arbeit ganz genauso toll machen. Ich möchte Euch nur sagen, es
hat mir wahnsinnig viel Spaß gemacht, ver.di mitzugestalten, ver.di
groß werden zu sehen, ver.di stark werden zu sehen. Ich weiß, wir haben
so viele tolle ehrenamtli-che Kolleginnen und Kollegen, dass ich mir
sicher bin: Ihr werdet nicht einen Zentimeter zurückweichen, sondern
für unsere gemeinsamen Interes-sen weiter nach vorne gehen. Dafür
wünsche ich Euch Kraft und viel Erfolg. Ich bedanke mich dafür, dass
ich mit Euch zusammenarbeiten durfte. - Schönen Dank. (Starker, lang
anhaltender Beifall - die Delegierten erheben sich von ihren
Plätzen)
Anja Lellau, Kongressleitung
Vielen, vielen Dank, Maggi. Du hast an den Reaktionen der
Kolleginnen und Kollegen sicherlich gemerkt, wie sehr wir Dir für Deine
Arbeit in der gesamten Zeit als Vorsitzende des Gewerkschaftsrats
danken. Ich bin mir sicher, jemand anderes wird an anderer Stelle auch
noch die geeigneten Worte des Dankes finden.
Nun, liebe Kolleginnen und Kollegen, machen wir eine Pause bis 10.45
Uhr. Ich bitte Euch, dann wieder pünktlich hier zu sein. - Danke.
(Unterbrechung des Kongresses: 10.25 Uhr)