|
(Fortsetzung des Kongresses: 16.32 Uhr) Thomas Koczelnik, KongressleitungLiebe Kolleginnen und Kollegen, wir setzen unseren Bundeskongress
fort. Ich darf die Kolleginnen und Kollegen, die sich zu Wort gemeldet
haben, darüber informieren, dass eine Kollegin ihren Unmut darüber Luft
gemacht hat, dass aus ihrer Sicht bisher nicht alle Kolleginnen und
Kollegen zur Sache, das heißt zum Geschäftsbericht, gesprochen hätten.
(Leichter Beifall) An der Reaktion des Saales mögen doch bitte die
nächsten Rednerinnen und Redner ihre Beiträge ausrichten. Dafür recht
herzlichen Dank. Leo Frings, 196Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich bin Vorsitzender der Senioren - wie sollte es auch anders sein - im Fachbereich 9, Bezirk Aachen-Düren-Erft. Wir betreiben für die Senioren dort eine sehr erfolgreiche Arbeit. Wir machen Sprechstunden, wir richten etwa jeden Monat eine Veranstaltung aus, zu der alle Senioren dieses Fachbereichs eingeladen werden. Wir versuchen so unsere Mitglieder zu halten. Wir haben erfolgreiche Geschäftsberichte gehört. Ich bin hoch erfreut über die erfolgreiche Arbeit, denn sie bedeutet, dass auch wir unsere Arbeit in einer schwierigen Zeit gut über die Bühne bringen konnten. Trotzdem will ich hier den Versuch machen, einmal die Situation bei unseren Mitgliedern vor Ort zu schildern. Es ist nicht so, dass die Mitglieder vor Ort alle von unseren Erfolgen begeistert sind; denn die Mitglieder vor Ort fühlen sich teilweise von ver.di verlassen. 2001 sind wir mit viel Schwung zu ver.di gegangen, und jeder hat gedacht: Wir haben jetzt eine Gewerkschaft, die ist durchsetzungsfähiger. Aber die Mitglieder vor Ort sehen das nicht so. Wir sind ein Laden mit vielen Facetten. Ich könnte mir vorstellen, dass wir beispielsweise bei Tarifverhandlungen - dazu hätten wir ja sechs Jahre Zeit gehabt - etwas an den Laufzeiten getan und uns aufeinander zu bewegt hätten in den einzelnen Wirtschaftszweigen, Bereichen und Verwaltungen, sodass Auseinandersetzungen im tariflichen Bereich etwa zur gleichen Zeit stattfinden; denn dadurch würden wir stärker. (Leichter Beifall) Meine Sprechstunden sind eigentlich nur für Senioren. Aber wir
halten sie in der ehemaligen Niederlassung ab, und immer öfter kommt es
vor, dass auch Aktive bei uns Rat suchen. Wie ist das möglich? Das ist
so, weil die Mitglieder aus dem aktiven Bereich, die in den
Betriebsräten sind, mehr als 50 Prozent ihrer Zeit im Auto sitzen und
nicht für die Betreuung vor Ort da sind. (Vereinzelt Beifall) Manche
dieser Betriebsräte sehen es auch gar nicht als ihre Aufgabe an, für
ver.di da zu sein, sondern sie fühlen sich schon zu höheren Weihen
berufen. (Vereinzelt Beifall) Auch wenn es nicht einfach ist - ich sehe
ja, dass sich im Fachbereich 9 die Strukturen wesentlich verändert
haben -, müssen wir überlegen, wie wir es schaffen, dass Funktionäre
wieder mehr für unsere Mitglieder vor Ort da sind. Vorhin ist hier darüber diskutiert worden, dass der Hauptvorstand
Überlegungen über die zukünftige Gehaltsstruktur anstellt. Leute vom
Hauptvorstand, macht nicht wieder denselben Fehler wie nach der
Gründung von ver.di. Da war vor Ort ein Thema, dass der Hauptvorstand
sich als erstes seine Gehälter ganz ordentlich erhöht hat. - Danke
schön. Thomas Koczelnik, KongressleitungDanke, Leo. - Als Nächster hat der Kollege Bernhard Schaaf mit der
Delegiertennummer 791 das Wort. Bernhard Schaaf, 791Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen, ich komme vom Fachbereich 9 aus Südbaden. - Frank Bsirske hat heute Morgen das Thema Jugend angesprochen. Er hat über den Erfolg des Fachbereichs Jugend geredet und gesagt, dass über 50 Prozent der Neumitglieder, die durch die Jugend geworben wurden, jugendliche Mitglieder sind. Ich will darauf eingehen, dass es für diesen Erfolg auch ein paar Bedingungen gibt, die erfüllt sein müssen. Es wird in der Organisation öfters mal darüber lamentiert, dass die Jugend sich nicht in die Politik einmischt, dass früher alles besser war. Wir können im Fachbereich feststellen, dass das so nicht stimmt. Die Themen und Konflikte sind die gleichen, wie wir sie zum Beispiel in den 70er-Jahren erlebt haben, wo es bei der Jugend auch um die Themen Kampf um Ausbildungsplätze ging, Kampf um eine gute, qualifizierte Ausbildung, Kampf um faire Tarifbedingungen und Kampf um Übernahme. Die Jugend heute - diese Erfahrung machen wir, wenn wir sie unterstützen - ist engagiert. Sie steht ein für ihre Rechte, und sie wehrt sich. Kolleginnen und Kollegen, dieser Trend ist erfreulich. (Beifall) Ich möchte ein paar Beispiele bringen. Voraussetzung ist auch, dass wir in den Fachbereichen die Jugend integrieren. Das gilt für alle Ebenen, für den Bundesfachbereich, für die Landesfachbereiche, aber auch und ganz besonders für die dritte und vierte Ebene. Die Jugend hat bei uns in jedem Landesbezirk Fachkreise eingerichtet. Die Jugend ist engagiert und eingebunden in die Tarifpolitik, zum Beispiel bei dem Thema eines neuen Manteltarifvertrages. Das führt dazu - und auch das ist ganz wichtig -, dass die Jugend integriert wird in die Tarifkommission (Beifall), ganz besonders dann integriert wird und Verhandlungsmandate erhält, wenn es um ihre eigenen Dinge geht. (Starker Beifall) Kolleginnen und Kollegen, wir machen die Erfahrung - und das ist auch gut so -, dass die Jugend die Entscheidungen an der Stelle dann auch mitträgt und die Verantwortung übernimmt, auch wenn das nicht immer ganz einfach ist. Wir hatten bei uns das Beispiel neuer Manteltarifvertrag für die Auszubildenden im Telekom-Konzern. Ich habe in meiner persönlichen Erfahrung, wie der Kollege Matthias
Wunsch es angesprochen hat, etwas anderes über die Solidarität in der
Organisation erlebt. Die Jugend hat uns zum Beispiel sehr wohl und sehr
gut in unserem Arbeitskampf unterstützt, und das gilt auch für viele
andere Kolleginnen und Kollegen. Wir haben eine solche Solidarität
bisher noch nie erlebt, und wir sind allen dankbar, die Solidarität
geübt haben. Die Jugend hat uns also hervorragend unterstützt bei den Aktionen,
bei den Demonstrationen, bei den Streikposten. Was die Jugend aber auch
hat, und überall dort, wo es bei uns im Fachbereich konsequent
umgesetzt wird, kann man das ganz klar erkennen, das ist ein gutes
Konzept für die Werbearbeit. Dort, wo man konsequent hinterher ist bei
den Nachwuchskräften mit Seminaren et cetera, gelingt es auch, weit
über die Hälfte, bis an die 100 Prozent der Kolleginnen und Kollegen
für ver.di zu gewinnen. Das müssen wir unterstützen, und das gilt vor
allem auch hier in der dritten und vierten Ebene. Thomas Koczelnik, KongressleitungBernhard, kommst Du bitte zum Ende! Bernhard Schaaf, 791Noch ein Beispiel. Wenn die Fachbereiche die Jugend unterstützen,
dann kommen wir zu guten Ergebnissen. In Freiburg zum Beispiel der
Fachbereich 3. Dort hat es Tarifverhandlungen über einen
Manteltarifvertrag für die Auszubildenden bei den Unikliniken gegeben.
Was ich dort erlebt habe, das war absolut klasse: wie die Jugend für
ihre Rechte eingestanden ist, wie sie lautstark, stimmungsvoll und
leidenschaftlich demonstriert hat. Und innerhalb kürzester Zeit hat man
dort 30 Neueintritte erreicht. Darauf ist in der „Publik“ hingewiesen
worden. So etwas habe ich noch nie erlebt. Das entsteht nur, wenn wir
vor Ort in den Betrieben ein gutes Standbein haben. (Beifall) Thomas Koczelnik, KongressleitungBernhard, Du bist jetzt eine Minute über die Zeit. Kommst Du bitte
zum Schluss! Bernhard Schaaf, 791Okay, ich will noch darauf eingehen, dass wir als Organisation -
- Thomas Koczelnik, KongressleitungBernhard, ich möchte Dich jetzt bitten, zum Schluss zu kommen. Recht
herzlichen Dank für Deinen Beitrag. Bernhard SchaafOkay, akzeptiert! Ich höre dann auf. (Starker Beifall) Thomas Koczelnik, KongressleitungAls Nächster hat das Wort Dieter Jungbluth mit der Delegiertennummer
120. Dieter Jungbluth, 120Liebe Kolleginnen und Kollegen, vorgestellt wurde ich schon. Ich komme vom Landesbezirk Berlin-Brandenburg und möchte, wie avisiert, auch konkret zu dem vorliegenden Geschäftsbericht Stellung nehmen, wobei ich sage, dass in diesem Geschäftsbericht viele Aussagen Wischi-Waschi-Aussagen sind. Ich bin Vorsitzender der Senioren in Potsdam-Nordwestbrandenburg und
kann mich mit der Aussage auf Seite 191 zur Finanzierung der
Seniorenarbeit nicht zufrieden geben, wo wortwörtlich steht: „Die
Mitglieder des Ausschusses verfolgen mit großer Sorge die Entwicklung
zur Finanzierung der ver.di-Senior/-innenpolitik.“ Sind wir in einer
Kirche? Was soll das? Ich verlange hier eine konkrete Aussage. Denn es
gibt ja viele Diskussionen über 50 Cent, einen Euro und so weiter und
so fort. Vorhin wurde darauf Bezug genommen, dass in Zukunft weitere finanzielle Belastungen auf uns zukommen werden, und zwar für das Alterssicherungssystem, Maßnahmen. Ja, das sind auch unbestimmte Rechtsbegriffe. Vielleicht wollt Ihr das nicht, aber ich möchte konkret wissen, welche Auswirkungen das für die weitere Entwicklung hat. Denn im Moment sieht es so aus, dass ich im Landesbezirk für die Seniorenarbeit einen Euro pro Jahr für mein Gebiet habe. Wird das nun besser oder schlechter? Wie gesagt: Hier ist viel Papier beschrieben worden, aber eindeutige Aussagen gibt es nicht. Der Höhepunkt ist meiner Meinung nach der Bericht des Kollegen Herzberg. Dort steht auf Seite 251: „Im Ergebnis ist es gelungen, den notwendigen Kapitalbedarf für die satzungsmäßigen Ausgaben, die notwendigen Investitionen und den laufenden Verwaltungsaufwand bereitzustellen.“ Was ist der notwendige Kapitalbedarf? Ist das 1 Million Euro? Sind das 2 Millionen Euro? Sind es 10 Millionen Euro? Was ist der laufende Verwaltungsaufwand? Hier ist uns unter dem Deckmantel „Das dürfen wir nicht so deutlich
sagen, hier kommt vielleicht die Presse oder sonst jemand“ meiner
Meinung nach eine Geheimhaltungsnotwendigkeit suggeriert worden, die
ich so nicht nachvollziehen kann. Aber vielleicht geben wir die Losung
aus: mit Gottvertrauen auf Kollegen Herzberg bauen. - Danke.
(Beifall) Thomas Koczelnik, KongressleitungVielen Dank, Dieter. Das Wort hat nun der Kollege Gerd Buddin mit
der Delegiertennummer 109. Gerd Buddin, 109Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich glaube, wir sind uns einig, dass die internationale Zusammenarbeit und die Internationalisierung der Gewerkschaftsarbeit ganz wichtige Aufgaben sind, um der Globalisierung etwas aus gewerkschaftlicher Sicht entgegenhalten zu können. Deshalb eine Frage zum Geschäftsbericht. Mir fehlt dort ein Hinweis auf die wichtigste internationale Aktivität des letzten Jahres: Im Herbst des vergangenen Jahres hat sich in Wien der Internationale Gewerkschaftsbund konstituiert. Das ist den meisten gar nicht bekannt, weil es fast völlig unbemerkt von der gewerkschaftlichen Öffentlichkeitsarbeit und fast ohne Diskussion geschehen ist. Auch im Geschäftsbericht ist es, wie gesagt, nicht vermerkt, obwohl wir daran beteiligt waren. Dieser Internationale Gewerkschaftsbund, der sich konstituiert hat, setzt sich zusammen aus dem Internationalen Bund Freier Gewerkschaften, der aufgelöst wurde, dem die DGB-Gewerkschaften angehörten, und dem Weltverband der Arbeitnehmer, vormals Internationaler Bund Christlicher Gewerkschaften, sowie acht Organisationen, die dem Weltgewerkschaftsbund angehörten. Ich glaube, die neue Organisation ist außerordentlich wichtig für unsere zukünftige Arbeit im Kampf gegen Globalisierung und damit gegen das Kapital. Vielleicht ist es doch noch möglich, dazu einige kurze Sätze zu hören. Wir in Berlin haben uns dazu ein paar Gedanken gemacht. Wir haben einfach Fragen gestellt, wir haben das Statut gelesen, wir haben das Programm gelesen. Da sind uns sehr, sehr viele Fragen gekommen, die nicht mit dem übereinstimmen, was wir hier gehört haben. Vielleicht haben wir es auch nicht richtig verstanden. Wir benötigen also dringend Hilfe von unserer Gewerkschaft, um das zu verstehen, um uns fit für den Kampf zu machen. Eine zweite Bemerkung bezieht sich auf den Geschäftsbericht, und zwar auf den Abschnitt Personelles. Es geht dort um die Führungskräfteentwicklung. Ich komme aus dem Osten. Ich bedauere es sehr, dass, wenn wir morgen entsprechend den Vorschlägen den neuen Bundesvorstand wählen, nicht ein einziges Mitglied im Osten sozialisiert worden ist. (Beifall) Sicherlich wird jetzt der eine oder andere sagen - das ist mir auch schon an anderer Stelle gesagt worden -, es gibt kein Ost und kein West mehr, wir sind jetzt eins. Auch das ist richtig. Aber die Probleme des Ostens sind damit natürlich nicht vom Tisch. Ich glaube, es wäre sehr gut gewesen, wenn die Führungskräfteentwicklung auch darauf gerichtet worden wäre, in den letzten vier Jahren ein geeignetes Mitglied aus dem Osten für den Bundesvorstand fit zu machen. Ich will meine Aussage, dass die Probleme bleiben, an Beispielen deutlich machen. Zunächst zur Tarifgerechtigkeit. Wir haben gestern hier gemeinsam die Entwicklung bei der Post hinsichtlich des Mindestlohns gefeiert. Ich wohne in Marzahn. Ein paar hundert Meter weiter beginnt der Speckgürtel von Berlin, nämlich Brandenburg. Wenn es so kommt, wie es beschlossen wurde, wird meine Briefträgerin - es sind ja meistens Frauen, weil es eine niedrig bezahlte Tätigkeit ist - weniger bekommen als mein Freund, der auf der anderen Straßenseite in Ahrensfelde wohnt. Ich werde weiterhin 55 Cent als Briefporto bezahlen, mein Freund in Ahrensfelde auch. Aber das Gehalt ist unterschiedlich. Wir haben irgendwann einmal gelernt, dass dieser Unterschied etwas mit einem Extraprofit zu tun haben könnte. Vielleicht liege ich da falsch. Aber ich wollte das Problem deutlich machen. Der zweite Punkt ist: Es geht auch um das Problem der
Rentengerechtigkeit, dass wir endlich Schluss machen mit den
unterschiedlichen Rentenzahlungen, dass wir sie angleichen. ver.di ist
da auf einem guten Weg und hat in dieser Beziehung durchaus gute Dinge
vorgeschlagen. Aber es müsste eigentlich etwas schneller gehen, denn
die Rentner haben nun mal kein unendlich langes Leben. Schließlich ein letzter Satz zur Mitgliederentwicklung. Es muss uns
doch Angst machen - mir persönlich, der ich aus dem Osten komme, macht
es Angst -, dass die Mitgliederentwicklung im Osten im Verhältnis zum
Westen deutlich schlechter ist. Das hat Ursachen. Darüber sollte man
reden. - Danke schön. (Beifall) Thomas Koczelnik, KongressleitungDanke schön, Gerd. Das Wort hat jetzt der Kollege Walter Brinkmann
mit der Delegiertennummer 209. Walter Brinkmann, 209Liebe Kolleginnen und Kollegen, die fortschreitende ungezügelte Globalisierung, die unmoralischen Profiterwartungen von Großaktionären und spekulativen Kapitalfonds erhöhen den Arbeitsdruck auf die Beschäftigten. Bei gleichzeitig zunehmender Angst der Beschäftigten, krankheitsbedingt dem Arbeitsplatz fernzubleiben, gewinnen die Themen Arbeits- und Gesundheitsschutz in unserer Organisation zunehmend an Bedeutung, und das teilweise mit einem rasanten Tempo. Diese Themen finden im betrieblichen Alltag von Betriebs- und Personalräten häufig nicht den Stellenwert oder die Qualität, wie es im Interesse der abhängig Beschäftigten wünschenswert wäre. Die Grenzen und Möglichkeiten durch eine Vielzahl von gesetzlichen Grundlagen, die Vorschriften der Berufsgenossenschaften, die verschiedenen LAG- und BAG-Urteile, die vielen Akteure im Arbeits- und Gesundheitsschutz bilden für alle Interessenvertreter eine besondere Herausforderung. Meine Wahrnehmung in der gewerkschaftlichen Praxis ist, dass sehr häufig die Handlungsmöglichkeiten in den Betrieben und Verwaltungen nicht ausreichend genutzt werden. Da, wo sich Betriebs- und Personalräte dieser Themen annehmen, erleben sie zunehmend, dass bei der aktiven Wahrnehmung von Arbeitnehmerinteressen, beispielsweise bei dem Versuch, Betriebsvereinbarungen zur Gefährdungsbeurteilung zu verhandeln, diese nicht ohne konfliktorientierte Auseinandersetzungen durchzusetzen sind. Nach meiner Überzeugung hat sich ver.di bisher nicht ausreichend auf diese Themen vorbereitet. Diese These wird meines Erachtens auch durch die Ausführungen auf den Seiten 57 und 58 des schriftlichen Geschäftsberichts gestützt. In der gewerkschaftlichen Praxis benötigen die betrieblichen Interessenvertreter qualifizierte Beratung durch qualifizierte Sekretäre, Publikationen und Bildungsangebote. Hier besteht ein großer Nachholbedarf in unserer Organisation. Ich erwarte vom neu zu wählenden Bundesvorstand deutlich mehr
Impulse und konkretere Aktivitäten. Ich bin davon überzeugt: Wenn sich
ver.di auf diesem Gebiet kompetent und überzeugend einmischt, stellt
dies einen aktiven Beitrag zur Mitgliedergewinnung dar; denn
Arbeitsplätze, die nicht krank machen, wünscht sich jeder. Liebe Maggi, ich gehöre zu einem Bezirk in Nordrhein-Westfalen, dem
Bezirk Herford-Minden-Lippe, der anfangs erfolgreich fusionierte, aber
seit etwa eineinhalb Jahren ist eine gewerkschaftliche Arbeit in der
Ebene kaum noch möglich. Da sind Gräben entstanden, an deren Bauphase
nur Wenige maßgeblich beteiligt waren. Als Folge macht sich zunehmender
Frust bei den Aktiven breit. Wichtige Aktivitäten zu den aktuellen
Themen wie Mindestlohn oder Mitgliederwerbung werden mit verminderter
Energie geplant und durchgeführt. Die weiteren Auswirkungen einer
solchen Dauerkrise in einem ver.di-Bezirk möchte ich Euch
ersparen. Zweitens übergeordnete Gremien und Verantwortungsträger sich bisher
bescheiden bei der Konfliktlösung zurückgehalten haben. Viertens und letztens habe ich als Delegierter dieser demokratischen
Organisation ver.di in dieser besonderen regionalen Situation nur die
Möglichkeit, an die schon involvierten Kolleginnen und Kollegen aus dem
Landes- und Bundesbezirk zu appellieren, ihre Bemühungen zur
Konfliktlösung im Interesse von ver.di zu koordinieren und zu
intensivieren. - Vielen Dank. (Beifall) Thomas Koczelnik, KongressleitungVielen Dank, Walter. Es folgt jetzt der Kollege Peter Gerlich mit
der Delegiertennummer 612. Peter Gerlich, 612Liebe Kolleginnen und Kollegen, gestattet mir, dass ich vor meinem eigentlichen Anliegen eine Vorbemerkung mache. Wir sind gestern sehr schwungvoll gestartet. Es war ein gutes Gefühl gestern Abend. Es war ein Auftakt, den ich mir von Herzen gewünscht habe. Auch das Motto „Gerechtigkeit, Würde und Solidarität“ ist kraftvoll, es ist überzeugend. So hoffe ich, dass uns dieser Tage dieser Schwung und diese Leichtigkeit auch erhalten bleiben, wenn wir auch in die sachlichen Diskussionen treten, die sehr wichtig sind. Damit haben wir heute schon begonnen. Gestern war Party, heute steht harte Arbeit an. Wir haben Berichte gehört und sind nun in einer inhaltlichen Diskussion, die an manchen Stellen nicht so ganz nach meinem Geschmack ist. Ich wünsche mir, dass dieser Kongress hier aus der inhaltlichen Diskussion eine neue Kraft entwickelt, die wir alle mit nach Hause nehmen und in der täglichen Arbeit umsetzen können. „Gerechtigkeit, Würde und Solidarität“ sind sehr gute Begriffe. Für
die Wahl dieses Mottos bin ich sehr dankbar. Mir geht es besonders um
die Solidarität. Das ist eine Quelle, aus der wir viel Kraft für die
Zukunft schöpfen können, um die Herausforderungen, die vor uns stehen,
wirklich bewältigen zu können. Ich habe sie im Fokus besonders im
Hinblick auf die vor uns liegende Tarifrunde im Öffentlichen Dienst bei
Bund und Ländern. Frank hat sie als eine der schwierigsten bezeichnet.
Sie wird uns vermutlich sehr viel Kraft und sehr viel Solidarität
abverlangen. Liebe Kolleginnen und Kollegen, Solidarität ist in solchen
Auseinandersetzungen das tragende Element. Sie stärkt den Rücken und
ermöglicht vielen Kolleginnen und Kollegen den aufrechten Gang. In
solchen Auseinandersetzungen brauchen wir den sehr dringend. Ich weiß
wovon ich rede. Ich durfte das erleben. Solidarität ist ein alter
Begriff, aber wir müssen ihn mit neuem Leben, neuer Kraft füllen. Aus
dieser Erfahrung heraus sollten wir entschlossen und furchtlos in die
Zukunft blicken. Aus dem Streik 2006 hat unser Fachbereich 3 viel
Erfahrung gesammelt. Wir sind gestärkt worden durch diese Erfahrung.
Wir sind zuversichtlich, dass wir die vor uns liegende neue Runde
bestehen werden. Wir haben gelernt zu siegen. Das ist ein gutes
Gefühl. Thomas Koczelnik, KongressleitungVielen Dank, Peter. Es hat jetzt das Wort die Kollegin Ursula
Jacob-Reisinger mit der Delegiertennummer 950. Ursula Jacob-Reisinger, 950Guten Abend, liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich komme aus dem Fachbereich 12, Handel. Ich möchte zum Geschäftsbericht noch einige für uns wichtige Dinge hinzufügen. Ich komme aus dem Bundesland Nordrhein-Westfalen. Wir haben im Moment im Handel Tarifverhandlungen, die im Augenblick abgebrochen sind. Daher ist das eine schwierige Situation. Deswegen bedanke ich mich an der Stelle noch einmal bei Frank für das, was er zu unserer Situation gesagt hat. Er trifft genau den Kern. Wir haben in Nordrhein-Westfalen und wahrscheinlich überall im Handel das Problem, dass es durch die vollkommen zerfledderten Arbeitszeiten, durch den hohen Anteil an Teilzeitbeschäftigten schwierig ist, mit den Belegschaften überhaupt noch irgendwie Kontakt zu bekommen, ja, dass die Menschen untereinander noch Kontakt kriegen. Wir haben im Geschäftsbericht gesehen und von Frank gehört, dass es in dem Bereich Kampagnen gibt, insbesondere bei Lidl. Es gab eine Kampagne in Dortmund bei Vreriksen und es gab eine Kampagne beim Großhandel im Saarland. Die Kampagnen hatten oder haben unterschiedliche Ziele. Bei Lidl geht es darum, Betriebsratsstrukturen auszubauen, bei Vreriksen ging es um die Herstellung von Tarifbindung und beim Großhandel im Saarland darum, überhaupt wieder einen Tarifvertrag abzuschließen. Die letzten Kampagnen, Vreriksen und Großhandel, hatten einen erfolgreichen Abschluss. Wir im Handel Nordrhein-Westfalen haben uns überlegt, wie wir mit der schwierigen Situation umgehen, und haben uns noch eine andere Form von Kampagne überlegt. Sie heißt Moka, also Mobilisierungskampagne, und steht unter dem Motto „Tarifverträge schützen, Tarifverträge nützen“. Seit über einem Jahr versuchen hauptamtliche und ehrenamtliche Kolleginnen und Kollegen zusammenzuarbeiten, um die tarifpolitische Handlungsfähigkeit zu verbessern, mehr Mitglieder zu gewinnen und gemeinsam neue Widerstandsformen zu lernen und auszuprobieren. Kolleginnen und Kollegen, wir sind noch in der Anfangsphase, aber hier ein paar Beispiele, was wir bis heute erreicht haben. Unsere Mitgliederentwicklung läuft in Nordrhein-Westfalen besser, als wir geplant haben. Das liegt sicherlich nicht nur an der Mobilisierungskampagne, aber auch. Im Großhandel ist es gelungen, den Manteltarifvertrag wieder abzuschließen. Dazu hat nach Einschätzung der Kolleginnen und Kollegen aus dem Großhandel diese Mobilisierungskampagne ganz wesentlich beigetragen. Der Tarifvertrag war über eineinhalb Jahre in der gekündigten Form in der Nachwirkung. Die Arbeitgeber haben damit ganz gut gelebt. Es finden bei uns jeden Monat Aktionswochen statt und in ausgewählten Betrieben sind wir mit unterschiedlichen Aktionsformen präsent. Es gibt jeden Monat einen Mitgliederbrief. Dieser wird von den Kollegen an die Kolleginnen und Kollegen persönlich verteilt. So ist es uns gelungen, die Tarifforderungen in den Betrieben noch besser zu verankern. Ich freue mich, dass der Frank die Geschichte mit den Zuschlägen
angesprochen hat, weil es wirklich pervers ist, was da im Moment
passiert. Wir haben von den Arbeitgebern vor zirka anderthalb Monaten
zwar ein Angebot bekommen, dass wir 1,5 Prozent Tariferhöhung haben
könnten, wir sollten im Gegenzug dazu aber auf Spätöffnungs- und
Nachtzuschläge verzichten. Das heißt faktisch, dass wir die nicht
rentablen Öffnungszeiten ab 20 Uhr praktisch mit finanzieren sollen.
Ich hoffe und wünsche mir, dass Ihr mit uns solidarisch seid und dass
wir, wenn wir im Einzelhandel wieder zum Verhandeln kommen - die
Großhändler sind damit ja Gott sei Dank durch -, mit Eurer Solidarität
rechnen können. Ich danke Dir noch einmal ausdrücklich dafür, dass Du,
Frank, darauf explizit eingegangen bist. - Danke schön. (Beifall) Thomas Koczelnik, KongressleitungVielen Dank, Ursula. Jetzt hat das Wort der Kollege Bernhard
Pfitzner mit der Delegiertennummer 796. Bernhard Pfitzner, 796Kolleginnen und Kollegen, nach der Pause wurde darum gebeten, sich stärker auf den Rechenschaftsbericht zu beziehen. (Beifall) Nun muss ich gleich sagen: Ich weiß nicht, ob mein Beitrag darunter fällt oder nicht, denn ich möchte etwas zu einer Leerstelle im Rechenschaftsbericht sagen. Mir geht es um die Frage unserer Beschlussfassung einerseits und der Realität andererseits zur programmatischen Diskussion. Ich hoffe, dass wir in den nächsten Tagen den Antrag P 001
beschließen werden. Ich fände es richtig, dass dieser Antrag P 001 dann
nicht dasselbe Schicksal erleidet wie der Beschluss des
Gründungskongresses zur programmatischen Diskussion und der Beschluss
des 1. Bundeskongresses zur programmatischen Diskussion. (Leichter
Beifall) Obwohl ich an dieser Stelle durchaus Kritik an der Arbeit des Bundesvorstands habe, möchte ich sagen, ich glaube, wir kommen insoweit nur weiter, wenn wir das als gemeinsame Probleme sehen und nicht die einen auf den Bundesvorstand und die anderen auf die Ebene und die dritten auf die Fachbereiche treiben, sondern wenn wir uns gemeinsam darüber verständigen, woran es eigentlich liegt, dass wir alle diese programmatische Diskussion wollen, sie aber trotzdem nicht stattfindet. (Leichter Beifall) Der erste Punkt ist - das muss man auch als jemand, der wie ich
Herzblut an der programmatischen Diskussion hat, erst einmal
feststellen -: Gewerkschaften sind nicht in erster Linie Veranstaltung
für programmatische Diskussion. Das ist einfach eine Realität. Das Dritte ist: Es ist den „programmatischen Eierköpfen“ wie mir bisher nicht gelungen, deutlich zu machen, worin denn der Nutzen dieser Diskussion bestehen könnte, damit sie uns in der Praxis wirklich weiterbringt. Das wären meine drei Hauptanalysepunkte, wieso uns das bisher so schwer fällt. Wieso brauchen wir die programmatische Diskussion? Ich möchte in
Abwandlung eines bekannten Worts sagen: Ich glaube, wir brauchen den
programmatischen Streit wie die Luft zum Atmen. Wenn wir nicht
konstruktiv streiten, dann erleben wir etwas zu häufig in unserer
Organisation, dass dann das Gezänk anfängt. Wir brauchen die
Auseinandersetzung über die grundsätzliche Orientierung. Dazu wurde
hier ja schon eine ganze Reihe von Punkten genannt. Wie ist das
also? Wir brauchen eine Diskussion - auch das war in dem Bericht zu lesen - über die Defensive der Gewerkschaften. Sehen wir das alle so? Müssen wir nicht noch stärker darüber streiten, in welcher Situation wir als Gewerkschaften sind? Ich will einen dritten Punkt ansprechen. Im Geschäftsbericht ist, wie ich finde, zu Recht viel von Erfolgen die Rede gewesen. Aber bei den Kolleginnen und Kollegen kommt das, was wir in Kenntnis der Angriffe der Unternehmer als Erfolg sehen, zum Teil gar nicht als Erfolg an. Das heißt, wir müssen viel stärker herausarbeiten, in welcher Situation wir sind, aus welcher Situation heraus etwas aus unserer Sicht ein Erfolg ist, selbst wenn das von den Kolleginnen und Kollegen zunächst anders empfunden wird. Das sollen einfach einmal drei Schlaglichter sein, zu denen wir eine
intensivere grundsätzliche Diskussion brauchen, um zu gemeinsamen
Positionen zu finden oder auch um herauszufinden: Da gibt es in ver.di
eine Vielfalt von Positionen und es ist auch gut so, dass es diese
Vielfalt gibt. Diese Fragen, wo ist die Vielfalt, wo ist die Vielfalt
positiv, wo brauchen wir in der Vielfalt Verbindliches, sind für mich
die Fragen, die wir in der programmatischen Diskussion behandeln
müssen. Thomas Koczelnik, KongressleitungBernhard, komme bitte vor allem langsam zum Schluss. Bernhard Pfitzner, 796Ja, danke. - Dazu brauchen wir zugespitztere Positionen als sie in
dem jetzt vorliegenden Entwurf vorhanden sind, knapp gefasste,
zusammengefasste, zugespitzte Positionen, an denen sich diese
Diskussion entzünden kann. - Danke. (Beifall) Thomas Koczelnik, KongressleitungVielen Dank, Bernhard. Es spricht jetzt der Kollege Karlfried
Göllner mit der Delegiertennummer 262. Karlfried Göllner, 262Bei aller Kritik, die hier schon zu der Frage des Telekom-Streiks
geäußert wurde, möchte ich auch noch ein paar positive Dinge
rüberbringen. In den Wochen danach hatten wir in Rheinland-Pfalz zumindest an vier und an der Saar auch an einem Stand wegen der Verlegung dieser einzelnen Arbeitsplätze eine Mahnwache eingeführt. Das hat im Kreis Kreuznach 80 Stunden gedauert, weil 80 Plätze verlagert werden sollen. Die Mahnwache dauerte vier Tage; das waren Beamte, das waren Betroffene und es waren auch Senioren, um auch das einmal zu erwähnen, die diese Geschichte organisiert haben. Aber wir haben uns über die Solidarität enorm gefreut, die uns aus anderen Fachbereichen entgegengebracht wurde, dass aus den Sparkassen Kolleginnen und Kollegen kamen und ihre Solidarität bekundet haben. Gleichzeitig ist die Durchsetzung des Tarifs im Land gelaufen. Die Kollegen aus dem Öffentlichen Dienst kamen vorbei und haben uns unterstützt. Diese Solidarität war für uns eine sehr wichtige Sache. (Beifall) Während der zwölf Wochen Streik, die in diesem Jahr gefolgt sind, waren wir dermaßen begeistert davon, dass gleichzeitig wieder Kollegen aus anderen Fachbereichen vorbeikamen und uns den Rücken gestärkt haben, damit wir den Angriff auf unsere Arbeitsplätze und auf das abwehren konnten, was noch viel gravierender gewesen wäre: Wenn es der Telekom gelungen wäre, 60.000 Arbeitsplätze zu verlagern, ohne das abzusichern. Das ist uns gelungen. Für diese Solidarität, für die bundesweit ein Solidaritätstag war, möchten wir uns im Fachbereich 9 recht herzlich bei den Kollegen bedanken, die uns die Solidarität entgegengebracht haben. (Beifall) Dass wir aus diesen Aktionen lernen müssen und sollen, möchte ich gleichzeitig sagen. Zumwinkel hat wahrscheinlich nicht umsonst bei der Telekom gelernt, was alles möglich ist und was man durchsetzen kann. Welch ein Glück, dass wir vieles verhindert haben. Sonst wird er nächstes Jahr, wenn die Brieffreigabe erfolgen wird, im Postbereich auch einiges umzusetzen versuchen. Zusätzlich steht der Tarifvertrag auch zur Disposition. Auch dafür
braucht man die Solidarität. Frank hat heute Morgen im Geschäftsbericht
verkündet, dass der Öffentliche Dienst nicht ein Zuckerschlecken sein
wird. Dort ist auch die Solidarität fachbereichsübergreifend
gefordert. Thomas Koczelnik, KongressleitungVielen Dank, Karlfried. - Es hat jetzt die Kollegin Sabine Heins mit
der Delegiertennummer 94 das Wort. Sie spricht am Saalmikrofon 3. Sabine Heins, 94Ich darf meinem Vorredner ganz herzlich danken. Mir ist es ein
Bedürfnis, an dieser Stelle nur ganz kurz Danke für die erlebte
Solidarität in unserem Arbeitskampf zu sagen. - Danke. (Beifall) Thomas Koczelnik, KongressleitungDanke schön, Sabine. - Es hat jetzt die Kollegin Christine Kunz mit
der Delegiertennummer 990 das Wort. Christine Kunz, 990Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich habe drei Anmerkungen zu den Geschäftsberichten. Punkt eins. Wir haben heute von Frank ein paar Beispiele gehört, wie kritisch wir uns zum Thema Gesetzgebung aus Brüssel engagiert haben. Mir hat leider dabei gefehlt, dass ganz aktuell das Grünbuch „Arbeitsrecht“ diskutiert wird. An dem Thema sind wir ja nicht erst seit ein paar Wochen, sondern das geht schon ein paar Monate. Wir haben uns im Bezirk Berlin sehr intensiv mit diesem Thema beschäftigt und dazu eine Stellungnahme erarbeitet. Wir haben feststellen müssen, dass die Stellungnahme von ver.di eigentlich mehr von den Hauptamtlichen erarbeitet wurde. Ich erinnere Frank daran, dass er so schön gesagt hat: Eigensinn
wird von uns gefördert. - Ich kann nur sagen: Eigensinn macht richtig
Spaß, Frank. Wir erwarten - so eigensinnig, wie wir Ehrenamtlichen sind
-, dass wir gemeinsam an diesen Themen arbeiten, dass unsere
Stellungnahme und unsere Intentionen dazu wirklich ernst genommen
werden und in die Stellungnahmen von ver.di einfließen. Das fordern wir
ein. (Beifall) Punkt zwei: Finanzbericht. Ich komme aus dem Bezirk Berlin und bin dort im Finanzausschuss, auch im Landesbezirk. Ich bin auch in Berlin-Brandenburg im Finanzausschuss. Insofern habe ich mir natürlich den Finanzbericht sehr intensiv angeguckt. Es ging ganz schnell; es waren nur acht Seiten. Ich denke, wenn wir für vier Jahre Arbeit und angesichts unserer finanziellen Probleme - vielleicht haben wir sie auch in den Bezirken und Landesbezirken - nur acht Seiten geboten bekommen, ist das zu wenig. Wenn man sich die Tabellen für die vier Jahre ansieht, muss ich ehrlich sagen, dass ich damit nicht viel anfangen konnte. Ich erwarte schon einen etwas detaillierteren Bericht. Die Ergänzung heute war für mich auch nicht ausreichend. (Beifall) Wenn ich meinen Kollegen und Kolleginnen im Landesbezirk und in meiner Fachgruppe erläutern soll, wofür wir dem Bundesvorstand und dem Gewerkschaftsrat bei diesem Bundeskongress Entlastung erteilen, kann ich das nicht. Ich kann weder die Planzahlen erkennen - ein Kollege hat das vorhin schon zum Thema Personal angesprochen, aber es bezieht sich auch auf den Finanzbericht - noch kann ich irgendwelche Zukunftszahlen sehen. Das kann ich nur bestätigen. Ich kann auch nicht erkennen, dass wir einen ausgeglichenen Haushalt in 2006 haben. Bei mir steht: minus 18,9 Millionen Euro. Ich kann auch nicht sehen, dass wir uns in 2006 gegenüber 2005 verbessert haben. Wir haben nämlich das Defizit um 500.000 Euro erhöht. Also kann es doch nicht sein, dass unser Plan so gewesen ist und wir uns jetzt nach vorne entwickeln. Dazu möchte ich gerne von Gerd noch ein paar Informationen hören.
Vielleicht habe ich ja irgendetwas überlesen oder falsch
verstanden. Mich interessieren noch andere Detailzahlen, zum Beispiel: Welche Kosten haben wir für unsere von uns genutzten Objekte und für Mieten? In Berlin und Brandenburg ist das jedenfalls ein Riesenthema und es sind Riesenkosten. Das Gleiche trifft auf das Thema „Publik“ zu. Wir haben eine ganze Menge interessanter Anträge zur „Publik“, in denen sich das widerspiegelt. Ich möchte auch gern wissen: Wie viel kostet uns die „Publik“? Ich möchte das gerne mit den Kosten vergleichen, die wir in Berlin und Brandenburg haben. Dritter Punkt: Programmdiskussion. Dazu ist schon eine ganze Menge
gesagt worden. Ich fand es sehr bedauerlich, dass dieser Punkt nicht in
den Geschäftsberichten erwähnt wurde. Ich war davon ein bisschen
angepiekt, weil ich eine Menge Zeit damit verbracht habe. Wir haben
Arbeitsgruppen gebildet und uns darüber wirklich einen Kopf gemacht.
Wir haben dazu auch eine Stellungnahme abgegeben. Sie findet sich in
den Anträgen nicht wieder, weil wir diese Stellungnahme nicht als
Antrag zu diesem Kongress eingereicht haben. Aber ich habe gesehen,
auch viele andere Landesbezirke und Bezirke, die Jugend und so weiter
haben sich dazu eine Menge Gedanken gemacht. Ich finde es wichtig, dass
das anerkannt wird. Darum gehört so etwas in einen Geschäftsbericht. Es
ist eine Wertschätzung dessen, was wir in unserer Freizeit - nicht alle
hier sind freigestellte Personalräte oder Betriebsräte - für diese
Gewerkschaft tun. - Ich danke Euch. (Starker Beifall) Thomas Koczelnik, KongressleitungVielen Dank, Christine. - Es hat jetzt der Kollege Christian Haas
mit der Delegiertennummer 989 das Wort. Christian Hass, 989Liebe Kolleginnen und Kollegen, keine Sorge, dass ich jetzt als Brandenburger noch eines draufsetze. Ich will einfach mehrere Punkte noch mal benennen. Zum einen muss man sagen: Der gestrige Abend war meiner Ansicht nach wirklich eine gute Veranstaltung. Ich sehe ver.di als die zentrale Oppositionskraft in Deutschland. Man sieht, bei deutlichen Positionen, Kolleginnen und Kollegen, verändern sich auch die Meinungsbilder und die Positionen von SPD, Linkspartei und Grünen. Das ist gut so. Ich habe mich aber gemeldet wegen der Situation der GEMA. Der
Fachbereich 13, in den die GEMA ja gehört, und der Fachbereich 8 haben
bereits Anträge dazu beschlossen. Fakt ist: Der GEMA-Vorstand blockiert
Gespräche mit ver.di. Der Vorstand will mit dem Gesamtbetriebsrat
verhandeln. Der GEMA-Vorstand ignoriert das Tarifvertragsgesetz. Er
ignoriert das Betriebsverfassungsgesetz nach Paragraf 77,3. Zum ersten
Mal nach 104 Jahren Urheberrechtsgesellschaft streikte die Belegschaft
der GEMA. (Beifall) Vom 24. bis 28. September waren die
Generaldirektionen in Berlin und München sowie die Bezirksdirektionen
in Hamburg, Hannover, Dortmund, Wiesbaden, Nürnberg, Stuttgart und
Dresden im Streik. Die Kolleginnen und Kollegen sind nicht bereit sich
für das hinzugeben, was dieser GEMA-Vorstand organisiert. Bei der Veränderung der Urheberrechtsnovelle hat die GEMA die
Unterstützung von ver.di in Anspruch genommen; Frank Werneke weiß
davon. Gleichzeitig setzt der GEMA-Vorstand ver.di vor die Tür, wenn es
um den Tarifvertrag geht. So geht es nicht. Wir werden kämpfen und die
GEMA dann auch entsprechend lange lahmlegen. (Beifall) Ich möchte mich
auch bei Uli Beiderwieden für die Zusammenarbeit bedanken. Er ist für
uns der bundesweite Streikleiter. Ich weiß, dass dieser Kongress der
Belegschaft der GEMA die Solidarität gibt, die sie braucht. Ich danke
Euch dafür. (Beifall) Thomas Koczelnik, KongressleitungVielen Dank, Christian. - Liebe Kolleginnen und Kollegen, lasst uns
ganz kurz darauf aufmerksam machen, dass noch eine halbe Stunde Zeit
ist, bis die Initiativanträge abgegeben sein müssen. Sollten irgendwo
noch Unterschriftslisten unterwegs sein, gebt sie doch bitte weiter,
damit die notwendigen Stützunterschriften auch tatsächlich vorliegen.
Bitte gebt sie kurz vor 18 Uhr zur Wortmeldestelle. - Recht herzlichen
Dank dafür. Sonja Arnold, 448Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen, ich grüße Euch herzlich, sage Euch auch Grüße aus dem schönen Tübingen, dem Mittelpunkt Baden-Württembergs. Ich bin Beamtin, kann nicht streiken, aber ich möchte ein paar Anmerkungen zur Reform der gesetzlichen Unfallversicherung machen. Dass die Reform des Leistungsrechts bei Arbeits- und Dienstunfällen von der Bundesregierung jetzt auf unbestimmte Zeit verschoben wurde, ist ein bedeutender gewerkschaftlicher Erfolg im Interesse der Versicherten. (Beifall) Das seid Ihr ja alle, auch die Beamtinnen und Beamten. Er zeigt, dass wir auch in Fragen, die leider nicht wie andere im Blickpunkt der Öffentlichkeit stehen, weil sie ja arbeitgeberfinanziert sind, effektiv handeln können. Wir können zwar nicht streiken, aber da kann man nur sagen, wie auch unser Vorsitzender Frank Bsirske immer sagt: „Weiter so!“ Das sage ich besonders zu Isolde; denn ganz vom Tisch ist die Sache ja wohl noch nicht. Als Personalratsvorsitzende einer Unfallkasse - konkret: Post und Telekom - möchte ich an den Bundesvorstand appellieren und ihn dazu auffordern, auch bei der Organisationsreform - sprich: der Zusammenlegung von Berufsgenossenschaften und Unfallkassen - weiterhin deutlich Flagge zu zeigen. Seit Jahren erleben wir hier ein Hin- und Hergezerre. Seit Jahren werden unsere Kolleginnen und Kollegen bei der gesetzlichen Unfallversicherung mit Sorgen um ihre Arbeitsplätze und um ihre Arbeitsbedingungen verunsichert und verängstigt. Die Berufsgenossenschaften und die Unfallkassen arbeiten unbestritten höchst wirkungsvoll und wirtschaftlich. Die Beschäftigten haben es nicht verdient, dass ihr Erfolg mit der Zerschlagung ihrer Strukturen honoriert wird. Wir wissen es doch alle, liebe Kolleginnen, liebe Kollegen: Bei allem, was an sogenannten Reformen im sozialen Bereich gelaufen ist - ich möchte nicht alles wiederholen -, bei Rente, Gesundheit oder Hartz IV, kam doch nur Murks und Mist heraus, immer zulasten von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern und von sozial Schwachen und Rentnern. Deshalb: Hände weg von der rückwärts gewandten Reform der gesetzlichen Unfallversicherung, die nur die Arbeitgeber die Hände reiben ließe und Versicherte und Beschäftigte in einem weiteren Strudel nach unten reißt. Nutzen wir die Chance auch hier. Ich appelliere an Euch alle und hoffe, dass es anders kommt. Lobbyarbeit ist immer noch zu leisten. Noch ist es nicht zu spät. In diesem Sinne wünsche ich Euch vor allem einen unfallfreien
Verlauf des Kongresses. - Vielen Dank. (Beifall) Thomas Koczelnik, KongressleitungVielen Dank, Sonja. - An dieser Stelle, weil es gerade so schön
passt, eine Bitte für die zukünftigen Pausen: Die Verteilerinnen und
Verteiler der Informationen haben uns gebeten, Euch zu bitten, in den
Pausen die Stühle an die Tische zu schieben und die Taschen aus dem Weg
zu räumen, damit auch sie unfallfrei die Unterlagen verteilen können.
(Beifall) Recht herzlichen Dank für Euer Verständnis. Ich fand, nach
dem Beitrag passte der Hinweis gerade so schön. Fred Grenkowitz, 113Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen, zu meiner Vorstellung möchte ich nur bemerken, dass ich seit über 52 Jahren Gewerkschaftsmitglied bin (Beifall) und überwiegend dort auch Funktionen bekleidet habe. Um nur einige zu nennen: Ich war einige Jahre Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der DGB-Betriebsräte in der Bundesrepublik. Lieber Frank, Dein Geschäftsbericht - so habe ich es mir notiert - kann sich eigentlich überwiegend sehen lassen. Er hat uns auch gezeigt, dass das Experiment des Zusammenschlusses mehrerer Gewerkschaftsorganisationen überwiegend gelungen ist. Doch steckt auch hier der Teufel im Detail. Die Finanzierung der Seniorenarbeit lässt zu wünschen übrig. Sie ist oft überhaupt nicht ausreichend. Die Mitgliedszahlen bei den Senioren sinken. Das muss aber nicht so sein. Ich nenne als Beispiel unsere Ortsseniorengruppe in Berlin-Steglitz/Zehlendorf, deren Vorsitzender ich bin. Wir haben 2.200 Mitglieder. Uns stehen im Jahr 1.000 Euro - ich wiederhole: im Jahr 1.000 Euro - zur Verfügung, und zwar nicht etwa aus Boshaftigkeit, sondern aufgrund der bestehenden Finanz- und Beschlusslage. Mit der genannten Summe können wir nicht einmal alle Mitglieder einladen. Ich wiederhole: Es geht um 2.200 Mitglieder in nur einem Bezirk. Zur Veranschaulichung: Trotzdem führen wir im Jahr drei bis vier Mitgliederversammlungen durch und haben fast jeden Monat eine öffentliche Sitzung des Vorstandes im Bildungszentrum Berlin, kurz BBZ genannt. Eigentlich dürften wir jetzt überhaupt nicht mehr tagen, weil uns mitgeteilt wurde, dass die 1.000 Euro aufgebraucht sind und wir deshalb vom Bezirk nichts mehr bekommen können. Damit können wir uns selbstverständlich nicht zufrieden geben. Liebe Kolleginnen und Kollegen, es ist für uns ein entwürdigender Zustand, wenn wir innerhalb unserer Gewerkschaft betteln müssen, um Gewerkschaftsarbeit finanzieren und leisten zu können. Das gehört sich einfach nicht. (Beifall) Die Gesamtorganisation wäre gut beraten, wenn zumindest dort, wo sie benötigt werden, mehr finanzielle Mittel für die Mitgliederhaltearbeit zur Verfügung gestellt würden. Wahrscheinlich könnte Frank dann im nächsten Geschäftsbericht auch wieder über eine steigende Tendenz berichten. Er hat ja kurz bemerkt: im Seniorenbereich sinkende Tendenz. Ich möchte jedenfalls nicht noch einmal mit einem Kollegen eine Bittprozession zum Kollegen Herzberg unternehmen, die der - Gott sei Dank - mit 600 Euro krönte. Wohl war uns auch nicht, als wir unseren Bundeskassierer um Geld bitten mussten, um Mitgliederhaltearbeit in einem Berliner Bezirk leisten zu können. Unser Kongressmotto lautet, liebe Kolleginnen und Kollegen:
Gerechtigkeit - Würde - Solidarität. Es bekäme auch für uns Senioren
einen besseren Klang, wenn wir nicht immer um Geld für die Haltearbeit
innerhalb unserer Organisation betteln müssten. - Ich danke für Eure
Aufmerksamkeit. (Beifall) Thomas Koczelnik, KongressleitungVielen Dank, Fred - auch dafür, dass Du Deine Delegiertennummer
genannt hast. Das hatte ich leider verschlabbert. - Es hat jetzt die
Kollegin Christiane Sattler mit der Delegiertennummer 988 das
Wort. Christiane Sattler, 988Ich komme aus Hamburg, bin dort Vorsitzende des Fachbereichs 13 und wollte mich gern noch einmal bei Frank bedanken. Wir sind im Geschäftsbericht vorgekommen. Es geht um das Organizing. Wir hatten in Hamburg das Glück, dass wir ein Organizing-Projekt in der Bewachung gemacht haben. Ein Jahr lang war Valery bei uns in Hamburg. Wer von Euch sie kennen gelernt hat, wird sie nicht vergessen haben: eine wahnsinnig engagierte, ja, flotte Frau. Ich habe heute hier das Wort genommen, weil ich gern noch einmal auf das Organizing aufmerksam machen wollte. Organizing wird ja auch immer im Zusammenhang mit Mitgliederwerbung genannt, und das ist es auch. Klar ist es auch Mitgliederwerbung, und Mitgliederwerbung ist ein ganz wichtiger Punkt hier für uns, für die Gewerkschaft. Aber das ist ja kein Selbstzweck. Mitgliederwerbung bedeutet für mich einfach politische Organisierung. Ich finde, was uns fehlt und was auch immer wieder beanstandet wird, ist die Arbeit an der Basis, die Arbeit mit den Leuten selbst vor Ort. Das aber ist genau das, was beim Organizing läuft: Wir gehen in die Betriebe, wir recherchieren, wir reden mit den Leuten. Wir organisieren die Leute vor Ort und gewinnen dabei gleichzeitig Mitglieder. Es steht hier im Info „Forum-Mitglied“: Die ganze Woche, jeden Tag
gibt es hier draußen ein besonderes Thema. Morgen ist es
Organizing-Strategie. Da steht: Insbesondere die betriebliche
Mobilisierung und Gewinnung von Mitgliedern wird durch den Bereich
Mitgliederwerbung für ver.di sinnvoll übersetzt und in Projekten
erprobt. Es gibt die Unterstützung vom Bundesvorstand, und das ist auch wunderbar - und ich sage auch gern noch mal danke dafür. Wir haben einige Anträge zum Thema Organizing, darauf würde ich auch noch mal Euer Augenmerk an dieser Stelle richten wollen. Es steht hier in der Information, die wir heute bekommen haben, dass
wir in der Antragsberatung neue Wege beschreiten wollen und dass zu
politischen Themenschwerpunkten - und dann sind einige aufgeführt -
spezielle Redner eingeladen sind, die wir dann vor den Antragsblöcken
hören. Ich weiß, dass Debbie Schneider von der SEIU - das ist die
US-amerikanische Gewerkschaft, die uns auch Valery zur Verfügung
gestellt hat, morgen hier ist. Ich würde mich wahnsinnig freuen, wenn
sie die Gelegenheit bekäme, hier vor dem Plenum zu sprechen und nicht
irgendwo außerhalb. - Okay, vielen Dank. Tschüss! (Starker
Beifall) Thomas Koczelnik, KongressleitungRecht herzlichen Dank, Christiane. - Jetzt hat der Kollege Thomas
Held mit der Delegiertennummer 830 das Wort. Thomas Held, 830Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich möchte mich kurz auf den
schriftlichen Geschäftsbericht beziehen, und zwar auf den
Mitgliederservice durch unseren Kooperationspartner GUV/Fakulta. Im
Geschäftsbericht wird auf Seite 292 darauf eingegangen, dass die
Angebote des Mitgliederservices von ver.di-Mitgliedern sehr gut
nachgefragt und genutzt wurden. Einen Verweis auf die Vorteile der
GUV/Fakulta vermisse ich allerdings. Nur bei einigen Fachbereichen sind
hierzu kurze Infos gegeben. Nur, genau in diese zeitliche Verzögerungen treten jetzt Versicherungen unter dem Dach des Mitgliederservices an, um unter dem guten Namen ver.di für sich zu werben. Mitglied der GUV kann ich nur als ver.di-Mitglied werden. Trete ich aus der Gewerkschaft ver.di aus, bin ich auch kein GUV-Mitglied mehr. Bei Versicherungen, könnt Ihr Euch vorstellen, ist das anders. Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir hier als Gewerkschaft ver.di die Existenz der GUV mit diesen Versicherungen aufs Spiel setzen sollten. (Starker Beifall) Zum Abschluss habe ich noch eine Frage: Wie viele Mitglieder wurden durch die Inanspruchnahme des Mitgliederservices gewonnen, und wie viele Mitglieder wurden durch die Kooperation mit der GUV/Fakulta geworben? Ein kleiner Tipp: In den letzten fünf Jahren wurden mit dem Argument GUV/Fakulta 20.000 neue Mitglieder geworben. Und eine allerletzte Anmerkung: Wenn ich hier die Treppen hochkomme
und mir die orange Farbei einer Versicherung entgegen blitzt, und wenn
ich sehe, dass die GUV nicht in der Promenade 1, sondern in der
Promenade 2 irgendwo in der Mitte ihren Stand hat, dann finde ich das
für eine gewerkschaftliche Unterstützungseinrichtung nicht den
richtigen Ort. (Lebhafter Beifall) Thomas Koczelnik, KongressleitungVielen Dank, Thomas. - Jetzt hat der Kollege Wolfgang Zimmermann mit
der Delegiertennummer 173 das Wort. Wolfgang Zimmermann, 173Liebe Kolleginnen und Kollegen, lieber Frank, Erfolge müssen benannt werden. Ich finde das richtig. Aber es müssen auch die Misserfolge oder das, was nicht in seiner Gänze erreicht worden ist, natürlich kritisch beleuchtet werden. Ich bin Dir auch dankbar, dass Du gerade in Bezug auf den Tarifvertrag des Öffentlichen Dienstes einiges Kritische dazu gesagt hast. Ich denke aber, dass Deine Bilanz da nicht weit genug gegangen ist. Denn das, was ich in den Betrieben des Öffentlichen Dienstes in meinem Bezirk und weit darüber hinaus, nach dem, was ich so von meinen Kolleginnen und Kollegen mitbekomme, ist, dass es da eine wahnsinnig starke Unzufriedenheit gibt, dass Kolleginnen und Kollegen Geld verlieren - auch die Alteingesessenen und nicht nur die Neueingestellten. Deshalb kann bei diesem Tarifvertrag nicht von einem Erfolg gesprochen werden, liebe Kolleginnen und Kollegen. (Beifall) Die Gewerkschaften und somit also wir befinden uns in der Defensive, und viele von uns haben damals gewarnt, dass man, wenn man sich in der Defensive befindet, nicht ein Tarifwerk solchen Umfangs in Angriff nehmen kann in einer Zeit, in der wir wirklich in Abwehrkämpfen stecken. Das kann einfach nicht erfolgreich sein, das muss dann zumindest in eine partielle Niederlage führen. Viele Kolleginnen und Kollegen, viele Mitglieder sind wegen dieses Tarifvertrages ausgetreten, gerade im Öffentlichen Dienst, und wir haben in den Betrieben wirklich mit den Auswirkungen zu kämpfen. Der sogenannte Aufschwung führt zu weiteren immensen Gewinnen der großen Unternehmen und zur weiteren Vermehrung des Reichtums einer ganz dünnen Oberschicht. Aber der Aufschwung, dieser sogenannte Aufschwung, landet in keiner Weise bei den abhängig Beschäftigten, bei den Rentnerinnen und Rentnern, und bei den Erwerbslosen. Das zeigt ganz deutlich, dass die Arbeitgeber und die mit ihnen verbündeten verschiedensten Regierungen, ob sie nun Schröder-Fischer hießen oder ob sie Merkel-Müntefering heißen, rücksichtslos vorgehen, rücksichtslos gegen die Belegschaften, rücksichtslos gegen die Rentnerinnen und Rentner und die Erwerbslosen: mit Lohnkürzungen, mit Arbeitszeitverlängerungen, Sozialabbau, Einschränkungen der Mitbestimmung und vieles andere mehr. Ich denke, auch wir müssen eine gewisse Rücksichtslosigkeit zeigen. Das vermisse ich hier und da. Ich sage aber auch ganz deutlich: Es ist nicht immer alles nur ein Problem der Führung, ein Problem des Bundesvorstands; es ist ein Problem sowohl der oberen als auch der mittleren und unteren Führungsschicht unserer Organisation. Ich stelle mir manchmal auch die Frage, ob nicht hier und da in den
Betrieben der Wille zum Widerstand nicht so ganz entwickelt ist. Ich
denke, daran müssen wir arbeiten. Diese Aufgabe haben wir, sonst werden
wir diese unwahrscheinliche Umverteilung des gesellschaftlichen
Reichtums, den wir ja mit erarbeiten, von unten nach oben nicht
aufhalten. Wir müssen einen konsequenten und - das sage ich ganz
bewusst - radikalen Widerstand diesem Generalangriff
entgegensetzen. Kolleginnen und Kollegen, ich weiß - lieber Frank, du hast es mir
einmal persönlich gesagt -: Das Problem ist, dass eine solche Forderung
in den Betrieben immer weniger verankert ist, seit die Kolleginnen und
Kollegen die Erfahrung gemacht haben, dass Arbeitszeitverkürzung auch
Arbeitsverdichtung bedeutet. Die Stellen werden nicht entsprechend
besetzt. Das ist das große Problem. Wir müssen das jetzt in den
Betrieben verankern, jetzt in die Köpfe hämmern, dass das die einzige
Alternative ist, um der Forderung nach Arbeitszeitverlängerung etwas
entgegenzusetzen. Lasst uns heute damit anfangen, das in den
Fachbereichen und in den Betrieben zu diskutieren, nicht erst, wenn wir
im nächsten Jahr mitten in der Tarifrunde stecken, zumindest im
Öffentlichen Dienst. Davon spreche ich im Augenblick. Thomas Koczelnik, KongressleitungDanke, Wolfgang. Das Wort hat jetzt der Kollege Gerd Küster mit der
Delegiertennummer 643. Gerd Küster, 643Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich will versuchen, genau das zu tun, was die Kongressleitung gesagt hat, nämlich mich auf den Geschäftsbericht zu konzentrieren. Ich hatte nach der kämpferischen Rede von Frank heute Morgen überlegt, ob man überhaupt noch in die Bütt gehen soll. Die Botschaften waren ja genau richtig. Das sind die politischen Botschaften, die wir nach draußen geben wollen. Aber ein solcher Kongress ist die einzige Gelegenheit, in die Niederungen der Gewerkschaftsarbeit zurückzukehren. Insofern muss man doch noch das eine oder andere aufgreifen. Ich will drei Punkte aus dem vorgetragenen Geschäftsbericht
aufgreifen, und zwar zunächst einmal die Kooperation mit dem
Beamtenbund. Ich glaube, es ist strategisch richtig, an bestimmte Dinge
gemeinsam heranzugehen. Aber ich habe ein Problem damit, weil ich
zumindest in der eigenen Organisation - ich komme aus der Bundesagentur
für Arbeit - erleben muss, dass das, was in der Vereinbarung steht,
nicht gelebt wird. (Beifall) Die Kolleginnen und Kollegen des
Beamtenbunds werben weiterhin mit ihrem Büchergutschein in Höhe von 200
Euro, sie werben weiterhin mit ihrem Dumpingbeitrag. Das ist nicht in
Ordnung. (Beifall) Der zweite Punkt. Der Weiterbildungsetat der Bundesagentur für Arbeit ist dramatisch zusammengestrichen worden. Es ist wichtig, dass wir uns gemeinsam vernetzen. In Nordrhein-Westfalen hat das gut geklappt. Die Bildungsträger, die im Fachbereich Bildung und Wissenschaft organisiert sind, haben vor der Regionaldirektion demonstriert und auch einem Vertreter der Beschäftigten das Wort gegeben, um deutlich zu machen: Wir tragen diese Geschäftspolitik nicht mit, aber wir sind durch unseren Arbeitsvertrag beziehungsweise unseren Dienstvertrag an bestimmte Regularien gebunden. Nicht alles, was die BA will, finden wir toll, trotzdem müssen wir es leider umsetzen. Wir sollten in gemeinsamen Gesprächen in den Fachbereichen 4 und 5 deutlich machen, dass die Beschäftigten durchaus anders denken. Ich habe noch die Bitte, dass diejenigen Kolleginnen und Kollegen, die Verantwortung in der Selbstverwaltung tragen, sehr deutlich Einfluss auf den Haushalt nehmen und deutlich sagen, dass diese Umstrukturierungen schlicht nicht in Ordnung sind. Last but not least ein Thema, bei dem mir jeder gesagt hat, man würde mir am liebsten ein Pflaster auf den Mund kleben. Trotzdem spreche ich es an. Maggi Wendt hat sehr deutlich einen Hinweis auf eine gewerkschaftliche Diskussion gegeben, die unserem ersten Bundeskongress entsprang. Es geht um das Ziel von elf Bundesvorstandsmitgliedern. Ich finde es richtig, dass wir uns dieses Ziel gesetzt haben. Dieser Beschluss hat auch dazu geführt, dass wir vor Ort in den Bezirken, den Landesbezirken und den Landesfachgruppen danach gearbeitet haben. Ich musste leidvoll erfahren, wie bescheiden diese Diskussion abgelaufen ist. Ich sage ganz klar und deutlich: Ich halte es für äußerst schwierig, dass Satzungsbeschlüsse nur für alle anderen Gremien gelten, dass wir aber, wenn die Stunde der Wahrheit kommt, sagen: Weil wir nicht klarkommen, müssen wir anders arbeiten. Richtig ist, dass wir alle bei unserem ersten Kongress die Satzung nicht richtig und sauber beschlossen haben. Richtig ist: Wir haben nicht gesehen, dass Quote und Fachbereichsstatut möglicherweise gegeneinanderstehen. Richtig ist aber auch, dass wir als Kongress hier und heute die Diskussion darüber führen sollten. Ich halte es für falsch, dass wir - ich sage bewusst „wir“ und nicht „Frank“ oder wer auch immer - mit der Forderung nach 14 Mitgliedern in die Diskussion eintreten, statt die Diskussion hier offensiv zu führen. Diese Diskussion über die Satzung müssen wir führen. Ich halte das Verschweigen letztendlich für eine Flucht. Das sollten wir nicht tun; das haben wir nicht nötig. (Beifall) Hinzu kommt, liebe Kolleginnen und Kollegen, dass ich das Gefühl habe, dass der Zuschnitt mancher dieser Funktionen zumindest diskussionswürdig ist. Auch da will ich auf die Kollegin Wendt zurückkommen: Wir sollten Fachbereichsaufgaben und Querschnittsaufgaben miteinander verknüpfen. Aus dem Fachbereich 4 schlage ich vor, den Bereich Sozialpolitik in unseren Fachbereich mit hineinzunehmen. Das käme mir durchaus zupass. (Beifall) Auch da können wir Geld sparen. Wir wollen dieses Geld gern sparen. Frank hat sehr zu Recht darauf hingewiesen, dass die
gewerkschaftliche Bildungsarbeit bei uns einen sehr hohen Stellenwert
haben muss. Wir haben aber das Problem, dass wir gewerkschaftliche
Bildungsarbeit auch finanzieren müssen. Wir gehen immer nur auf
arbeitgeberfinanzierte Geschichten für Personalräte, für Betriebsräte
zurück. Das ist der falsche Weg. Wir brauchen mehr Geld. Lasst uns
diesen Beschluss auch noch einmal unter dem Finanzaspekt miteinander
genau diskutieren. - Vielen Dank. (Beifall) Thomas Koczelnik, KongressleitungVielen Dank, Gerd. Bevor Rainer das Wort erhält, jetzt letztmalig
der Hinweis, nun die Unterschriftenlisten für Initiativanträge
abzugeben. Wir werden in drei Minuten die Frist beenden. Rainer Butenschön, 765Ich komme aus Hannover. Wir haben nicht alles geschafft, was wir uns vorgenommen haben, hat Maggi Wendt gesagt. Wir haben längst nicht das geschafft, was politisch notwendig wäre, geschweige denn das, was wünschenswert wäre, hat Frank Bsirske gesagt. Aber wir haben es immerhin geschafft, uns zu behaupten. Wir haben uns die Möglichkeit erarbeitet, an der einen und anderen Ecke etwas freier als vor vier Jahren zu arbeiten, und es ist unseren Gegnern nicht gelungen, uns die Gräten zu brechen. Das ist vor vier Jahren nicht unbedingt selbstverständlich gewesen. Dass das gelungen ist, dafür möchte ich auch dem Vorstand danken. Ich möchte den Dank, der an uns gegangen ist, an den Vorstand zurückgeben. Ihr habt einen guten Job gemacht. (Beifall) Das schließt solidarische Kritik an der einen oder anderen Ecke nicht aus. Vom Streit leben wir ja. In meinem Verständnis ist die ver.di-Gründung bis heute ein geordneter gewerkschaftlicher Rückzug. Fünf Gewerkschaften haben in Eiseskälte ihre Lager am Berg bei schwerem Wetter zusammengelegt, ein bisschen nach unten, an das Ufer der Spree verlegt, haben sich neu sortiert, neu geordnet. Der Kollege Sommer hat gesagt, wir sind jetzt im Normalzustand angekommen, das heißt, ich hoffe, der Rückzug ist jetzt vorbei. Auf den Rückzug müsste jetzt der Aufbruch folgen, möglicherweise auch der an der einen oder anderen Ecke ungeordnete Aufbruch, denn wo der Königsweg zum Gipfel ist, wissen wir nicht unbedingt richtig. Es sind hier einige Probleme angesprochen worden. Tarifpolitik ist bei uns nicht so richtig gut. Der Ruf, das zu bündeln, ist zumindest richtig, aber wie das konkret passieren soll, da müssen wir noch einige Überlegungen anstellen. Der Streit um die Zeit wird in dieser Gewerkschaft nicht ernst genug genommen. Natürlich reicht es nicht, den Ruf nach Arbeitszeitverkürzung zu erheben. Wir müssen die Zeit thematisieren als Politikum. Wir müssen den Streit um die Zeit weiterführen. Natürlich darf es nicht so weit kommen, dass wir zu weiteren Arbeitszeitverlängerungen gezwungen werden. In diesem Zusammenhang fand ich die Erklärung nach dem Telekom-Streik, dass die Arbeitszeitverlängerung da ja kein Problem sei, dass dort keine Arbeitsplätze vernichtet würden, denn da würde viel Arbeit, die in Fremdfirmen ausgelagert worden sei, in die Telekom zurückgeholt, absolut unproduktiv, unsolidarisch, betriebsborniert. Wir vertreten doch wohl auch die Kollegen in den Fremdfirmen. Wir müssen einfach sagen: Arbeitszeitverlängerung kostet Arbeitsplätze. So wie die Produktivität fortschreitet, müssen wir Arbeitszeitverkürzung erreichen. Nur müssen wir dazu natürlich auch die Kraft haben. Frank hat die Militarisierung der Innenpolitik angesprochen. Er hat nicht angesprochen die Militarisierung unserer Außenpolitik. Die deutsche Kriegspolitik, die hier Friedenspolitik heißt, die Kollateralschäden jeder Art auch im Innern hat, zum Beispiel bei der Rente. Die Milliarden, die fürs Militär verpulvert werden, fehlen an anderer Ecke. (Beifall) Frank hat unser Verhältnis zum Kollegen Franz Müntefering als Konfliktpartnerschaft beschrieben. Das finde ich richtig. Wir müssen aber zur Kenntnis nehmen, dass der sozialstaatliche Systembruch, den uns die Agenda-Demokraten aufgezwungen haben und der sich mit Namen wie Hartz, Riester, Rürup und natürlich auch Müntefering verbindet, längst nicht geheilt ist und dass auch der Kollege Müntefering ein bekennender Agenda-Demokrat geblieben ist. Insofern sage ich: Die Chance, Partnerschaft mit dieser Art von Politikern zu pflegen, ist klein, und die Chance zum Konflikt mit diesen Leuten ist groß. (Beifall) Wir müssen stärker werden, vor allen Dingen in den Betrieben. Das hat vor allen Dingen die Kampagne gegen die Rente mit 67 gezeigt. Diese Kampagne war ein laues Lüftchen, jedenfalls in vielen Teilen von ver.di. Sie ist in vielen Teilen von ver.di offenbar gar nicht angekommen. Da war man offensichtlich nicht überall bereit, verbindlich für diese Kampagne zu arbeiten. Das muss sich ändern. Das heißt, dass wir einen Schwerpunkt auf die Betriebspolitik legen müssen, an die Mitglieder heran müssen. Es ist alles gesagt worden. Wir müssen Illusionen, die noch über die Sozialpartnerschaft bestehen, aufklären. Liebe Freunde, den Appetit der Wölfe zügeln wir nicht dadurch, dass
wir sie streicheln. Das haben längst noch nicht alle in den Betrieben
begriffen. In diesem Sinne müssen wir weiterarbeiten. Ich sage auch:
Wenn der Ruf kommt, um besser zu werden, alle Macht in die Bezirke zu
geben, folgt bitte diesem Ruf nicht. Das wäre ein Fehler, an der Matrix
zu kratzen. Welcher Bezirk hätte denn den grenzüberschreitenden Streik
bei den Hafenarbeitern koordinieren sollen? Welcher Bezirk soll denn
etwa die Tarifarbeit machen im Tiefdruck, die sich abspielt zwischen
Liverpool, Dresden und Ahrensburg. Wer soll das machen? Das kann nur
der Fachbereich machen. Deshalb bleibt bitte bei der Matrix. Die hat
sich bewährt. Die kann ein bisschen schlanker, effektiver werden, aber
im Grundsatz dürfen wir daran nicht rühren. Das wäre ein Fehler.
(Beifall) Thomas Koczelnik, KongressleitungRainer, komm bitte zum Ende. Rainer Butenschön, 765Wir haben einen Fehler gemacht bei der Leiharbeit. Der Tarifvertrag,
den wir zur Leiharbeit abgeschlossen haben, hat zu nichts anderem
geführt als zur Abwicklung unserer Branchentarife. Wenn wir diesen Weg
fortsetzen, werden wir unsere guten Branchentarife zugunsten eines sehr
schlechten Leiharbeit-Tarifs opfern. Darüber werden wir noch im Detail
reden. Aber diesen Fehler sollten wir nicht machen. Insofern, Frank,
warne ich davor, den tariflichen Weg bei der Leiharbeit weiterzugehen.
Lasst uns den Tarif kündigen, lasst ihn uns so lange offen halten, bis
Equal Pay und Equal Treatment sich durchsetzen. Erst dann können wir da
weitermachen. - Danke. (Beifall) Thomas Koczelnik, KongressleitungDanke, Rainer. Es hat jetzt das Wort der Kollege Dr. Fritz Schirach
mit der Teilnehmernummer des Gewerkschaftsrates 17. Dr. Fritz Schirach, GewerkschaftsratLiebe Kolleginnen und Kollegen, ich spreche zu dem Antrag B 302. Wir
durften gestern eine feierliche Eröffnung unseres Bundeskongresses
gemeinsam mit vielen alten und neuen Mitkämpfern erleben unter dem
Motto „Gerechtigkeit, Würde , Solidarität“. Thomas Koczelnik, KongressleitungFritz, darf ich Dich kurz unterbrechen. Wir sind im Moment in
Tagesordnungspunkt 5. Wenn Du zu einem Antrag sprichst ... Dr. Fritz Schirach, GewerkschaftsratNein, zu dem Bericht. - Das Motto habe ich bereits genannt. Wie Maggi eingangs sagte, sollen wir an diese Lehre glauben. Auch unser Vorsitzender forderte gestern, dass das Kongressmotto für alle Bereiche gelten muss. Nun ja, wir möchten dies ganz gerne sehen. Das fällt uns aber in den neuen Bundesländern nach 17-jähriger Zugehörigkeit zum geeinten Deutschland schwer. Gestern auf dem kleinen Empfang am Abend sagte der 1994 für Finanzen im damaligen Hauptvorstand der ÖTV zuständige Kollege Ralf Zimmermann zu mir: „Ich höre, Du nervst auch jetzt noch die Gremien unserer Gewerkschaft mit der Forderung nach Angleichung des aktuellen Rentenwertes Ost an West.“ Da hat der Kollege völlig Recht. Aber wir haben durch langjährige Arbeit der Seniorinnen und Senioren in den neuen Bundesländern auch nach den Beschlüssen des ersten ver.di-Bundeskongresses und des DGB-Bundeskongresses im Jahr 2006 eine andere Faktenlage erreicht. Dank der Arbeit im Sozialbereich von ver.di wurde 2006 besonders durch Klaus Michaelis und Judith Kerschbaumer das ver.di-Modell mit einem zehnjährigen Stufenplan, ab 2007 einen Ausgleichszuschlag, finanziert aus Steuermitteln ohne Nachteile für Rentner in den alten Bundesländern oder für aktive Arbeitnehmer in den neuen Bundesländern durch die Höherbewertung, ausgearbeitet und mit der GEW und den Sozialverbänden abgestimmt. Aber die Umsetzung des Modells in die Politik scheitert schon im Deutschen Gewerkschaftsbund, weil die Gewerkschaften IG Metall und IG BCE unsere ver.di-Forderungen nicht mittragen. Unser Vorsitzender sprach gestern von der Einheit, die wir mit der IG Metall bei der Durchsetzung der Interessen der Arbeitnehmer bilden. Auch Oberbürgermeister Jung hat gestern von der verlorenen Strahlkraft der alten Arbeiterforderung nach Gerechtigkeit gesprochen. Die Montagsdemos von Leipzig wurden von allen Kongressteilnehmern mit großem Beifall gewürdigt, aber bei den Löhnen in den neuen Bundesländern sind wir noch sehr weit von dem Kongressmotto „Gerechtigkeit und Würde“ entfernt, und das mit der durchschlagenden Wirkung auf die Renten. Vom Petitionsausschuss des Bundestages hören wir seit der 13.
Wahlperiode - das sind inzwischen 14 Jahre -, dass die Rentner in den
neuen Bundesländern mit zwölf Prozent fehlenden Rentenausgleichs besser
dastehen als die Arbeitnehmer mit ihrer durchschnittlichen
20-prozentigen Lohndifferenz zu den alten Bundesländern. Deshalb müssen
wir gemeinsam eine politische Änderung in unserem Land herbeiführen,
weil die Renten von der Entwicklung der Löhne abweichen, insbesondere
bei der ungerechten Verteilung des Reichtums in unserem Land und bei
der Explosion der Gewinne in den Unternehmen. Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich möchte Euch sehr dringend
bitten, unser ver.di-Modell voll zu unterstützen. - Danke schön. Thomas Koczelnik, KongressleitungDanke schön, Fritz. Nun hat das Wort die Kollegin Agnes Kolbeck mit
der Delegiertennummer 601. Agnes Kolbeck, 601Ich spreche zum Fachbereich 3, das heißt Tarifbereich ÖD. Ich habe zwei Fragen und hätte darauf auch gerne zwei Antworten. Es geht um die Kampagne „Genug gespart“ mit dem Beamtenbund. Meine Erlebniswelt ist so wie die von Gerd, dass es vor Ort nicht ganz funktioniert. Ich bin nicht gegen Solidarität und nicht gegen Deals und nicht dagegen, dass man das zusammen mit den Leuten macht. Meine Frage für die Kollegen vor Ort ist: Was soll ich denen sagen, wenn der Beamtenbund jetzt auf Augenhöhe mit uns agiert - und in dieser Kampagne kommt das so rüber -, wenn ich sage, es ist nicht egal, in welcher Gewerkschaft ich bin, aber die anderen sagen, aber das sei der gleiche Tarifvertrag, das sei der gleiche Abschluss, wir seien ja auf gleicher Augenhöhe mit denen? Das ist wirklich schwierig, wenn die dieses fragen. (Beifall) Die nächste Frage betrifft den monetären Aspekt, den ich durchaus
verstanden habe, wenn man aus Gründen von Taktik und monetären Gründen
solche Deals machen muss. Damit ist aber nur das Monetäre angesprochen.
Jetzt muss aber auch die praktische Frage kommen: Fusionieren wir in
Zukunft mit dem Beamtenbund? Dann sagt mir das, denn dann arbeiten wir
in die Richtung. - Danke schön. (Beifall) Thomas Koczelnik, KongressleitungDanke schön, Agnes. Jetzt hat das Wort die Kollegin Rita Flietel mit
der Delegiertennummer 338. Rita Flietel, 338Guten Tag, Kolleginnen und Kollegen. Der Name HWS - Warehousing
Solutions - ist heute schon des Öfteren gefallen. Ich bin dort
Betriebsrätin, wir haben dort heute gestreikt. (Beifall) Meine Kollegen
in Hamburg und in Haldensleben haben schon im Sommer zwei Tage ohne
Ergebnis gestreikt, denn der Arbeitgeber rührt sich nicht. Wir streiken
nun seit Freitag, aber der Arbeitgeber rührt sich immer noch nicht, im
Gegenteil, der Arbeitgeber verweigert ver.di-Sekretären als
Verhandlungsführern die Hand zu reichen und beschimpft Mitarbeiter, so
heute geschehen, was diese sich wohl einbildeten, draußen zu bleiben,
uns gehe es doch schlecht, wir seien eine neue Firma. Wir können an die
Mutter aber Millionen abführen, so schlecht kann es uns dann ja auch
nicht gehen. Meine Aufgabe ist es, den Kolleginnen und Kollegen hier im Bundeskongress zu sagen: Wir mögen gute und gescheite Beschlüsse fassen. An Thomas Voss gerichtet möchte ich sagen: Die Kollegen der Spätschicht möchten Dich auch gerne kennenlernen. Zum anderen haben die Kolleginnen und Kollegen gesagt, wenn der neue Vorstand morgen gewählt sein wird, dann tut es sich immer gut, wenn sie sich mehr an der Basis sehen lassen. Sie würden sich freuen. Haldensleben ist nicht weit. (Beifall) Ein Tipp noch: Die Kollegen in Haldensleben haben Wechselschicht zu 14 Uhr. Wir planen nach der Aussage des Geschäftsführers heute, weiterhin bis Freitag zu streiken, wenn nicht noch ein Angebot kommt. Aber, wie gesagt, er hat heute schriftlich formuliert, dass er gar nicht daran denke, mit der Tarifkommission, sowohl mit der Flächen- noch mit der Haustarifkommission, der auch ich angehöre, zu verhandeln. Er würde eventuell Gespräche mit dem Betriebsrat suchen, dazu gehöre ich auch. Aber kaufen lassen wir Betriebsräte uns auch nicht. (Starker Beifall) Ich hatte bei der Wortmeldung gesagt, ich würde nur zwei Minuten sprechen, jetzt sind es schon drei. Ich gebe mir Mühe und will nur noch sagen, wie die Beteiligung war. Wir in Haldensleben und in Hamburg sind eine Firma mit knapp 4.000 Mitarbeitern. Wir sind im Moment nicht alle an Bord, es ist wenig Menge, es ist Urlaubszeit. Aber dennoch sind an beiden Standorten mehr als 70 Prozent der Belegschaft draußen geblieben. (Starker Beifall) Wir haben an beiden Standorten, sowohl beim letzten als auch bei diesem Streik Mitglieder geworben. Wir haben Öffentlichkeitsarbeit durchgeführt. Heute haben Kollegen, weil sie so wenig Geld haben, einzelne Weintrauben bei Kaufland gekauft. Ihr könnt Euch gar nicht vorstellen, wenn da Hunderte von Leuten reingehen - in Haldensleben ist es ein kleines Kaufland -, wunderbar, das macht Spaß. (Starker Beifall) Wenn ich den Applaus höre und mitnehme - ich werde meinen
Kolleginnen und Kollegen morgen Früh, dann werde ich wieder losfahren
-, dann werde ich denen die herzlichsten Grüße und natürlich auch den
Beifall überbringen, denn Unterstützung brauchen wir alle, egal, in
welchem Fachbereich wir streiken. Wir sind eine vereinte
Dienstleistungsgewerkschaft. Manchmal fehlt mir das „Vereinte“ noch ein
bisschen. Aber ich denke, wir sind auf einem guten Weg. - Tschüs!
(Starker Beifall) Thomas Koczelnik, KongressleitungIch probiere gerade, den Kollegen Michael Kalis zu bremsen. Ich
weiß, dass ich ihn schon aufgerufen hatte, damit er sich bereithalten
kann. Aber mir liegt ein Antrag zur Geschäftsordnung vor. Ich darf jetzt dem Kollegen Norman Bartsch mit der Delegiertennummer
404 das Wort zu einem Antrag zur Geschäftsordnung geben. Norman Bartsch, 404Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich mache es ganz kurz. Ich finde es
gut, dass wir uns über den Geschäftsbericht so ausführlich unterhalten.
Ich muss aber ganz ehrlich sagen: Ich bin eher hierher gekommen, damit
wir uns darüber unterhalten, was wir in Zukunft machen wollen. Wir bringen Euch gleich auf den aktuellen Stand, sobald Michael
Kalis gesprochen hat, wie viele Kolleginnen und Kollegen aktuell noch
auf der Rednerinnen- und Rednerliste stehen. Michael Kalis, 872Kolleginnen und Kollegen, es ist natürlich schwer - die Kollegin
hatte ja etwas Wichtiges zu sagen -, danach zu reden. Wir aus dem Fachbereich 10 - Fachgruppe Spedition und Logistik -
erleben dies seit einiger Zeit verstärkt. Deswegen müssen wir gemeinsam
zusammenstehen und mit fachbereichsübergreifenden Aktionen dieses
Problem angehen. Ebenfalls noch besser müssen wir in der Organisation
internationaler Gewerkschaftsarbeit werden. Der Kollege Bernd hat ja zu
Recht über Erfolge von Hafenarbeitern und Schiffsbesatzungen berichtet.
Nur so können Eurobetriebsräte nicht nur verstärkt gegründet, sondern
auch mächtiger mit mehr Möglichkeiten ausgestattet werden. Das EU-Recht
hält diese Gremien zurzeit für noch zu schwach. Thomas Koczelnik, KongressleitungVielen Dank, Michael. - Ich hatte Euch zugesagt, dass ich Euch den
aktuellen Sachstand gebe. Von insgesamt 55 Wortmeldungen haben wir
jetzt 33 gehört. Folgerichtig haben wir noch 22 Kolleginnen bzw.
Kollegen auf der Rednerinnen- und Rednerliste. Sylvia Thode, 353Danke. - Ich stehe hier für den Fachbereich 10. Mein kleines
Steckenpferd ist die Mitgliedergewinnung und Mitgliedererhaltung. Ich
muss sagen, wir haben in Ostthüringen ein kleines, aber feines Netz
gespannt, mit dem wir grundsätzlich, wenn Austritte stattfinden, die
Mitglieder umgehend persönlich - ich persönlich tue dies immer - in
einem Gespräch befragen: Warum, wieso, weshalb bist Du ausgetreten? -
Nur so kommt man auf den Grund der Dinge. Zu 99 Prozent sind diese
Austritte immer an einzelnen Personen festgemacht. Teilweise sind sie
hausgemacht, teilweise erfolgen sie aus persönlichen
Befindlichkeiten. Es ist Tatsache, dass in unserer Niederlassung Zwickau
Regressansprüche von Arbeitgebern geltend gemacht werden, die manchmal
sehr böse für die Kollegen sind. Es genügt ein Anruf bei der
GUV-Fakulta, worauf diese umgehend reagiert und die Regressansprüche
sofort bearbeitet, sodass die Kollegen nicht in eine Notlage kommen,
wenn der Arbeitgeber 6.000 Euro Regress fordert. Ich möchte stellvertretend für alle BAP, die hier im Raum sind, ein
Dankeschön an die GUV-Fakulta, an Olaf Hoffmann und an sein Team für
die grundsätzlich schnelle und unproblematische Hilfe sagen, die sie
den Mitgliedern gewährt, die es vor Ort betrifft. Ich wünsche mir, dass
diese Zusammenarbeit so, wie sie jetzt stattfindet, nie aufhören wird.
- Danke. (Beifall) Thomas Koczelnik, KongressleitungVielen Dank. - Bevor Erich das Wort erhält, habe ich allerdings
erstens einen Antrag zur Geschäftsordnung. Bevor der allerdings an der
Reihe ist, darf ich zunächst darauf hinweisen, dass auf der
Herrentoilette ein Autoschlüssel gefunden wurde. „VW“ steht darauf. Es
sind zwei Schlüssel daran. Wer also seinen Autoschlüssel vermisst, kann
ihn hier vorne abholen. Sonja Franke, 712Ja, Sonja Franke ist mein Name. Ich habe die Delegiertennummer
712. Thomas Koczelnik, KongressleitungDanke, Sonja. - Gibt es eine Gegenrede? - (Zurufe: Ja!) - Ein
Kollege geht schon zum Mikrofon. - Sag bitte Deinen Namen und Deine
Delegiertennummer. Bernd Hampel, 856Ich möchte dagegen reden. Ich möchte schon noch die Leute hören, die
auf der Liste sind. Da ich weiß, dass auch noch ein Jugendlicher eine
Wortmeldung abgegeben hat, möchte ich an der Stelle auch sagen, dass
ich den hier schon noch gerne hören möchte. Ich möchte weiter darauf
hinweisen, dass, soweit ich weiß, auch morgen noch Zeit für die weitere
Aussprache über den Geschäftsbericht vorgesehen ist. Ich glaube auch
nicht, dass heute Abend noch alle Fragen beantwortet werden müssen. Das
kann auch morgen passieren. Es ist sicherlich noch genügend Zeit, um
sich diese letzten etwa 25 Leute noch anzuhören. Das muss möglich sein,
wenn wir nur alle vier Jahre einen solchen Kongress haben. - Danke.
(Beifall) Thomas Koczelnik, KongressleitungDanke schön, Bernd. - Wir kommen zur Abstimmung über den
Geschäftsordnungsantrag. Wer dem Geschäftsordnungsantrag auf Ende der
Debatte zustimmen möchte, den bitte ich um das Kartenzeichen. - Das
sind vereinzelte Meldungen. Wer ist dagegen? - Das ist die deutliche
Mehrheit. Wer enthält sich? - Auch einige wenige. Das heißt, wir haben
diesen Geschäftsordnungsantrag abgelehnt. Friedhelm Schutt, 317Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir sind hier in der Aussprache zum
Geschäftsbericht. Es ist auch schön und spannend, aus anderen
Fachbereichen etwas zu hören. Ich glaube aber, um den Prozess ein wenig
abzukürzen, würde es Sinn machen, wenn man sich tatsächlich auf den
Rechenschaftsbericht und die inhaltliche Diskussion darüber fokussieren
würde. - Danke. (Beifall) Thomas Koczelnik, KongressleitungLiebe Kolleginnen und Kollegen, das als Geschäftsordnungsantrag zu
werten, ist schwer. Ich sage einfach: Das war ein Appell und eine
herzliche Bitte. Ich hatte Euch ja schon im Namen der Kongressleitung
darum gebeten, Eure Redebeiträge daraufhin zu überprüfen, ob sie sich
tatsächlich auf die Aussprache zum Geschäftsbericht beziehen. Die
Kongressleitung schließt sich ausdrücklich diesem Appell an. Erich Leitner, 809Ich danke zuerst einmal dafür, dass ich meinen Wortbeitrag noch
abgeben darf. Ich glaube, das ist auch gute demokratische Tradition. -
Dafür verspreche ich Euch: Ich halte mich ganz kurz. Ich will mich in
meinem Wortbeitrag auf den mündlichen Finanzbericht von Gerd Herzberg
beziehen. Thomas Koczelnik, KongressleitungVielen Dank für das Geschenk, Erich. - Jetzt hat die Kollegin
Christine Detamble-Voss mit der Delegiertennummer 474 das Wort. Christine Detamble-Voss, 474Kolleginnen und Kollegen, ich will mich zu einem völlig anderen
Thema äußern. Frank hat richtig darauf hingewiesen, dass wir die NPD
bekämpfen müssen und dass vor allen Dingen die ökonomischen
Verhältnisse die Menschen dazu bringen, faschistisch zu wählen. Ich bin
der Meinung, das reicht nicht. Es reicht nicht, sich nur damit zu
begnügen, sondern es ist notwendig, dass ver.di sich auch politisch und
ideologisch mit den Programmen dieser Parteien auseinandersetzt. Ich
nenne als Beispiel die Auseinandersetzung um den neuen Namen der Region
Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und die Diskussion darüber, ob man
diesen Landesverband „Mitteldeutschland“ nennen soll. Eine Minderheit
hat immer dagegen argumentiert und gesagt: Genau das sagt auch die NPD;
denn wenn man „Mitteldeutschland“ sagt, denkt man in der Kategorie „Von
der Maas bis an die Memel, von der Etsch bis an den Belt“, und dann
will man das Großdeutsche Reich wieder haben, wenn denn Thüringen in
der Mitte Deutschlands liegt. Das müsst Ihr Euch einmal geografisch
vorstellen. Thomas Koczelnik, KongressleitungIch danke Dir, Christine. - Jetzt hat das Wort der Kollege Jörg
Grünefeld mit der Delegiertennummer 1001. Jörg Grünefeld, 1001Ich danke für diesen engagierten Appell und will hinzufügen, dass
die Frauen da nicht alleine standen. Die Jugend hat in dieselbe
Richtung mit Sachsen/Sachsen-Anhalt/Thüringen gesprochen. Das ist auch
genau richtig so. (Beifall) Thomas Koczelnik, KongressleitungIbrahim, wenn Du bitte ganz kurz wartest! Ich habe ganz zu Beginn
unserer Aussprache darauf hingewiesen, dass in unserer Geschäftsordnung
unter Punkt 6.4 geregelt ist, dass Mitglieder des Bundesvorstands
jederzeit das Recht haben, sich in die Aussprache einzuschalten.
Hiervon möchte der Frank gern Gebrauch machen. Frank hat also zuerst
das Wort, danach, Ibrahim, bist Du sofort dran. Frank Bsirske, ver.di-VorsitzenderLiebe Kolleginnen und Kollegen, ich möchte etwas sagen, weil wir
Schluss der Rednerliste beschlossen haben und keine Kollegin und kein
Kollege aus dem neu gegründeten Landesbezirk
Sachsen/Sachsen-Anhalt/Thüringen jetzt noch Gelegenheit hat, etwas zu
dem zu sagen, was Christine angesprochen hat. Thomas Koczelnik, KongressleitungDanke, Frank, für die klarstellenden Worte. - Jetzt hat der Kollege
Ibrahim Oetztuerk mit der Delegiertennummer 578 das Wort. Ibrahim Oetztuerk, 578Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich hätte eigentlich eine Unmenge
von Fragen, und davon sind einige sehr wichtig. Thomas Koczelnik, KongressleitungDanke schön, Ibrahim. - Es folgt jetzt die Kollegin Ursula Pingel
mit der Delegiertennummer 98. Ursula Pingel, 98Ich bin Vertreterin der Erwerbslosen vom ver.di-Bezirk Berlin und
gleichzeitig im Vorstand des Bundeserwerbslosenausschusses. Ich habe
zwei Anmerkungen: Ich freue mich auf der einen Seite, dass Frank heute
Morgen auch die Würde der Erwerbslosen erwähnt hat. Andererseits würde
ich das gern um zwei Punkte ergänzen. Eine Würde mit Arbeitslosengeld
II ist unseres Erachtens nicht möglich. Das heißt, wir fordern, dass
nicht nur die Regelleistung erhöht, sondern auch die Struktur verändert
wird. Thomas Koczelnik, KongressleitungVielen Dank, Ursula. Das Wort erhält jetzt der Kollege Helmut Momann
mit der Delegiertennummer 41. Helmut Momann, 41Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen, ich darf in Erinnerung bringen,
dass wir derzeit noch 356.000 Seniorinnen und Senioren in ver.di haben.
Das klingt viel, aber wir haben viel zu viele verloren. Lasst uns eine
glaubwürdige, überzeugende Politik nach innen und außen machen, dann
können wir auch wieder obsiegen, dann können wir Mitglieder halten,
dann können wir neue hinzugewinnen. Thomas Koczelnik, KongressleitungVielen Dank, Helmut. Es erhält jetzt das Wort die Kollegin Angela
Gantke mit der Delegiertennummer 914. Angela Gantke, 914Kolleginnen und Kollegen, ich möchte zu einem Punkt sprechen, den
Frank meiner Meinung nach als Randbemerkung in seinem Geschäftsbericht
erwähnt hat, und zwar zum Erhalt des freien Sonntags und des
Ladenschlusses für den Handel analog der Regelung, die wir in Bayern
haben. Ich finde, das ist ein gewerkschafts- und
gesellschaftspolitisches Thema und sollte nicht nur am Rande bemerkt
werden. (Beifall) Thomas Koczelnik, KongressleitungJa, Angela, so viel Applaus ist geradezu optimal - vor allem, wenn
wir dann auch noch auf die Uhrzeit schauen -, an dem Punkt für heute
die Aussprache zu unterbrechen. (Beifall) |








