|
(Fortsetzung des Kongresses: 11.01 Uhr) Simona König, KongressleitungKolleginnen und Kollegen, wir sind immer noch in Tagesordnungspunkt
5 und sind nun, wie vor der Pause angekündigt, bei den abschließenden
Stellungnahmen des Bundesvorstands. - Margret, Du hast das Wort. Margret Mönig-Raane, BundesvorstandMillionen sind stärker als Millionäre, um das zu organisieren, sind Gewerkschaften angetreten. Und um das noch besser zu organisieren, haben wir ver.di gegründet. In Tarifrunden gemeinsam aufzutreten - das war ja das Anliegen
mehrerer Wortbeiträge - ist etwas, was wir schon seit geraumer Zeit
machen. Ich gebe den Rednern und Rednerinnen durchaus recht: Das ist
noch sehr entwicklungsfähig. Die Beispiele, die wir auch gestern gehört
haben, sind phantastisch. Ich könnte auch noch einige ergänzen, wo man
selber vielleicht gar nicht streikt, aber in Zeiten, wo man frei hat,
Kolleginnen und Kollegen, zum Beispiel aus dem Einzelhandel, dadurch
unterstützt, dass man kollektiv kreativ einkaufen geht. Das hilft auch,
Streikbrechern das Leben schwer zu machen. Es gibt also viele Beispiele
dafür, wie wir uns gegenseitig unterstützen können und dies auch
tun. Natürlich heißt das auch, dass wir uns die Baustellen ansehen müssen, die noch da sind. Das Stichwort war: gemeinsame Laufzeiten von Tarifverträgen. Ja, es gibt das Bemühen, mindestens in den Bereichen, die benachbart sind, wo Arbeitgeber versuchen, den einen ver.di-Tarifvertrag gegen den anderen auszutauschen, weil dort vielleicht die Lohneingruppierung für den Arbeitgeber günstiger ist. Wenn da die einen im Ausstand, im Arbeitskampf sind und die anderen in der Friedenspflicht, haben wir ein echtes Problem. Deswegen wollen wir sehen: Wie können wir hier Laufzeiten angleichen, aber eben auch die Zusammenarbeit in diesen Bereichen verbessern, damit Arbeitgeber uns nicht gegeneinander ausspielen können? Und zur Solidarität ist noch zu sagen: Diese gemeinsame Arbeit, dieses gemeinsame Herangehen verstärkt die eigene Kraft unglaublich. Das ist ein nahezu unerschöpfliches Reservoir. Sie verstärkt die eigene Kraft in den Bereichen, die Arbeitskämpfe haben, aber sie ersetzt sie nicht. Darum müssen wir auch alles tun, dass jeder in seinem Bereich und jede in ihrem Bereich arbeitet und arbeitskampffähig wird und ist, dass diese Kraft dort wächst. Also mehr Mitglieder werben, mehr Mitglieder einbeziehen in Aktionen und dann verdoppelt, verdreifacht, verstärkt durch solidarische Aktionen aller anderen Fachbereiche und koordiniert in der Ebene! Kolleginnen und Kollegen, das ist ein Erfolgsmodell, das ist unschlagbar. (Starker Beifall) Arbeitszeitverkürzungsforderungen wieder aufstellen, auch als Abwehr gegen die Forderung der Arbeitgeber nach Arbeitszeitverlängerung: Ja, wenn wir uns die Statistiken ansehen, ist das Ergebnis der letzten Jahre ernüchternd. In Deutschland wird wieder länger gearbeitet. Teilweise gibt es auch Tarifverträge mit verlängerten Arbeitszeiten. Ja, das ist Ausdruck von Schwäche, von nicht ausreichender Stärke. Es gibt aber auch viele andere Baustellen, wo Arbeitszeit verlängert wird, und das ist gar nicht so spektakulär. Das gilt zum Beispiel, wenn Arbeitszeit flexibilisiert wird und wir nicht darauf achten, dass das nicht eine Dauererhöhung der Arbeitszeit wird mit all den Vor- und Nachteilen, die zum Beispiel Zeitkonten und Langzeitkonten haben können. Da gilt es, sehr, sehr wachsam und sehr klug vorzugehen. Aber gleichzeitig müssen wir auch konstatieren, dass bei unseren
Kolleginnen und Kollegen das Bewusstsein, dass Zeit, dass ihre Zeit
etwas Kostbares ist, entwicklungsbedürftig ist. Denn sehr oft habe ich
in Auseinandersetzungen von Kolleginnen und Kollegen gehört: Bevor die
uns ins Portemonnaie greifen, arbeite ich doch lieber eine Stunde
länger. Dass damit auf indirektem Wege auch ins Portemonnaie gegriffen
wird, das wird so nicht wahrgenommen oder als weniger dramatisch
angesehen. Dass Zeit etwas Kostbares ist, dass Zeit Geld ist, das
versuchen wir in unserer Arbeitszeit-Initiative deutlich zu
machen. Da ist eine Menge zu holen, eine Menge zu tun. Wir haben eine Menge
Möglichkeiten. Und ganz sicherlich gehören Arbeitszeitverkürzung und
Umverteilung der Arbeit und der Arbeitsplätze auf mehr Köpfe zum Nutzen
aller weiterhin zu unserer Programmatik. Daran kann kein Zweifel sein.
Ich will nur aufzeigen: Das Feld ist sehr viel breiter, als wenn man es
auf die Forderung nach weiterer Arbeitszeitverkürzung begrenzt. Der
bewusste Umgang mit kostbarer Zeit ist etwas, was wir in den
Mittelpunkt stellen sollten. Ich glaube, es gehört auch zur
Ausstrahlung von ver.di, dass wir sagen: Du und Deine Zeit, Ihr seid
kostbar, und wir gehen gemeinsam gut damit um. Simona König, KongressleitungVielen Dank, Margret. - Es folgt Lothar. Lothar Schröder, BundesvorstandKolleginnen und Kollegen, ich möchte zu den Fragen und auch zu der
Kritik im Zusammenhang mit dem Telekom-Abschluss, mit der
Tarifauseinandersetzung Stellung beziehen - zu allen Rednerinnen und
Rednern, die dazu gesprochen haben. Vorab: Wir haben in unserem Fachbereich den größten Tarifkonflikt in
der Geschichte des Fachbereichs, aber auch der Telekom auf die Beine
gestellt. Wir haben 16.000 Menschen in der Auseinandersetzung gehabt,
Kolleginnen und Kollegen. (Starker Beifall) Wir haben Solidarität in einer Auseinandersetzung erfahren, die nicht spurlos an den Menschen vorbeigegangen ist. Da wurden Menschen zu Hause angerufen, und man hat den Partnern gesagt: Wenn Ihr Ehemann oder Ihre Ehefrau morgen nicht zur Arbeit kommt, dann muss mit der Kündigung gerechnet werden. Wir hatten eine Auseinandersetzung, wie wir sie bisher noch nicht erlebt haben, eine perfide Auseinandersetzung, bei der der Paragraf 613 a missbraucht wurde, um den Menschen schlechtere Bedingungen aufs Auge zu drücken. Ja, Kolleginnen und Kollegen, wir haben am Ende einen Kompromiss geschlossen. Wir haben Kompromisse hinnehmen müssen. Wir haben im Zusammenhang mit der Arbeitszeitverlängerung, die bitter für uns ist, Qualifizierungen verabredet. Ganz wichtig ist uns: Unsere Tarifwerke sind nicht vom Tisch gewischt worden; das meiste, was wir bisher an Schutz hatten, haben wir in die neuen Gesellschaften hinübergerettet. Wir haben verhindert, dass für die Beamtinnen und Beamten die 41-Stunden-Woche eingeführt wird. Auch dies haben wir zum Gegenstand der Tarifauseinandersetzung gemacht und werden auch künftig die Beamtinnen und Beamten mit einbeziehen. (Beifall) Am Ende haben 72 Prozent der Mitglieder, die betroffen waren und in der Tarifauseinandersetzung standen, für die Annahme des Ergebnisses votiert. Ich finde, dass dieses Votum Respekt verdient. Wir haben in dieser Auseinandersetzung unser Widerstandspotenzial unter Beweis gestellt. Wir haben unter Beweis gestellt, dass man mit uns nicht Schlitten fahren kann. Aber wir tun auch gut daran, darüber nachzudenken, wie wir es beim nächsten Mal noch besser machen können. Die Konflikte bei der Telekom werden nämlich mit dieser Auseinandersetzung kein Ende haben. Ich glaube, die Solidarität, die wir erfahren haben, müssen wir künftig noch mehr strapazieren, wenn wir in weitere Auseinandersetzungen hineingehen. Vor den Auseinandersetzungen bleibt richtig, was der Kollege Rainer Butenschön gesagt hat: Arbeitszeitverlängerung führt zur Arbeitsplatzvernichtung. Das haben wir nie in Zweifel gezogen, Kolleginnen und Kollegen. Wir waren aber mit einer Situation konfrontiert, dass sich die Telekom erdreistet, Leistungen abzugeben, um uns dann vorzuhalten: Das kriegen wir draußen alles viel billiger, für 19.000 Euro, während wir intern 34.000 Euro, 35.000 Euro allein für Löhne bezahlen müssen. Man wollte uns auf dieses Niveau hinunterdrücken, aber das haben wir verhindert. Überall dort, wo wir über den Zaun geguckt haben, wo man uns Benchmarks von Siemens, von Arcor vorgehalten hat, mussten wir feststellen, dass in diesen Unternehmen teilweise noch in einem Umfang von 90 Prozent eine Vergabe von Bauleistungen stattfindet. Das haben wir jetzt im Telekomkonzern gehalten, und zwar zu guten und gesicherten tariflichen Bedingungen. Ich glaube, das ist ein Wert an sich. Ich glaube, dass es auch ein Wert an sich ist, dass es mit dem Tarifabschluss gelungen ist, 4.000 jungen Menschen eine Zukunft im Telekomkonzern zu geben, und wir Neueinstellungen verabredet haben, Kolleginnen und Kollegen. (Beifall) Nun kann und muss man in die Zukunft schauen und Fragen stellen, die mit der Auseinandersetzungsfähigkeit zusammenhängen. Wir haben intern Solidarität erfahren, wir haben auch aus dem Ausland Solidarität erfahren. Die Amerikaner haben vor der Deutschen Botschaft in Washington demonstriert, um deutlich zu machen: Dieser Bund trägt Verantwortung für das Unternehmen, das ihm noch zu 31 Prozent gehört. Wir haben Arbeitsniederlegungen in Kroatien gehabt. Dort haben Kolleginnen und Kollegen aus Solidarität die Arbeit niedergelegt. Es gab Solidaritätsstreiks in Frankreich. Das ist eine Solidarität, wie man sich praktische internationale Arbeit vorstellt. Es muss aber auch Antworten geben, wenn die Kolleginnen und Kollegen dort morgen einen Konflikt haben. Dann ist unsere Solidarität gefordert, Kolleginnen und Kollegen. (Beifall) Ich will kritisch noch Folgendes sagen. Da wird die Arbeit in Kroatien und in Frankreich niedergelegt. Wir müssen die Frage stellen, warum geht es dort, bei uns aber nicht? Warum sollen wir unter Bedingungen Gewerkschaftsarbeit machen, bei denen das Streikrecht so eng ist? Ich glaube, wir müssen darüber nachdenken, unter welchen Bedingungen wir das Streikrecht in Zukunft gemeinsam definieren wollen. In dieser Beziehung steht eine Riesenaufgabe vor uns, liebe Kolleginnen und Kollegen. (Beifall) Ich will auch noch etwas zur politischen Dimension dieses Konflikts
sagen. Wir hatten Solidarität auch aus den politischen Parteien, auch
aus der SPD. Uns hat aber bis zum Schluss Folgendes geärgert. Dort, wo
das sozialdemokratisch geführte Finanzministerium hätte sagen können:
„So nicht!“, hat man uns die Unterstützung verwehrt. Wir fragen
kritisch: Welchen Sinn macht es, auf Parteitagen die soziale
Gerechtigkeit zu reklamieren, sich aber dann, wenn es konkret wird,
hinter der operativen Verantwortung des Vorstands zu verschanzen?
(Beifall) Ich glaube, wir müssen in der nächsten Zeit in unserer Organisation auch folgende kritische Frage diskutieren: Wenn sich in einer so existenziellen Frage wie dem Tarifkonflikt bei der Telekom das Finanzministerium hinter der operativen Verantwortung der Vorstände verschanzt, mit welchem Anspruch kann man dann den betroffenen Beamtinnen und Beamten sagen: Ein Streikrecht habt ihr nicht? (Beifall) Man kann vom Staatseinfluss keinen Gehorsamsanspruch ableiten und dann den Menschen Verhandlungsrechte und das Streikrecht verweigern. Ich glaube, dass wir das in der nächsten Zeit diskutieren müssen. Ich glaube, wir müssen dies sorgfältig und nachdrücklich diskutieren. Wir brauchen eine Bewegung, die aufdeckt, wo es hinsichtlich unserer Auseinandersetzungsfähigkeit bisher Hemmnisse gibt. Wir tun gut, dies zu tun. Die Beamtinnen und Beamten sollen unter den Renditeversprechungen der Kapitalmärkte bei der Deutschen Telekom arbeiten. Sie fragen zu Recht: Wo ist denn unsere Möglichkeit, uns dagegen zur Wehr zu setzen? Kolleginnen und Kollegen, dieses Thema muss auf die politische Tagesordnung. Ich glaube, es genügt nicht, eine Überzeugung zu haben, sondern diese Überzeugung muss auch in die Betriebe getragen werden. Wir müssen Antworten auf die Fragen formulieren, die die Kolleginnen und Kollegen stellen werden. Ich glaube, darauf sollten wir uns vorbereiten, um unsere Auseinandersetzungsfähigkeit bei künftigen Fällen zu verbessern. Ein letzter Punkt. Paragraf 613 a muss novelliert werden. Das, was
bei der Telekom passiert ist, darf sich in anderen Branchen nicht
wiederholen, Kolleginnen und Kollegen. (Beifall) Simona König, KongressleitungVielen Dank, Lothar. Es folgt Kurt. Kurt Martin, BundesvorstandGuten Morgen, liebe Kolleginnen und Kollegen, ich möchte zu den kritischen Nachfragen beziehungsweise zu den Beiträgen zum Neugestaltungsprozess des Tarifrechts des öffentlichen Dienstes kurz Stellung nehmen. Zum Tarifvertrag Meistbegünstigung ist festzustellen, dass wir diesen Tarifvertrag nicht gewollt haben. In der Arbeitsphase, als die Arbeitgeber mit dieser Forderung kamen, haben wir sie abgelehnt. Es war der damalige Bundesinnenminister Schily, der den Abschluss eines solchen Tarifvertrags zur Voraussetzung für eine Tarifeinigung von Potsdam 2005 gemacht hat. Dem hat sich die VKA, die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände, angeschlossen. Wir haben diesen Tarifvertrag mittlerweile zum Jahresende gekündigt. Ich sage hier klar: Dieser Tarifvertrag wirkt nicht nach. Wenn wir darüber hinaus berechtigterweise kritisch auf den
Neugestaltungsprozess schauen, sollten wir aber auch noch einmal die
parteipolitische Ausgangslage für die Verhandlungen betrachten, die
Frank gestern in seinen Ausführungen meines Erachtens dezidiert in
Erinnerung gebracht hat. Die Verhandlungen zum TVöD und die Tarifrunde
2005 fanden unter äußerst schwierigen Rahmenbedingungen statt. Wir
hatten es mit der schwierigsten Finanzlage der öffentlichen Haushalte
seit Bestehen der Bundesrepublik Deutschland zu tun. Liebe Kolleginnen und Kollegen, Frank hat gestern mit Recht auf die Situation im Land Hessen verwiesen, das ordnungspolitische Desaster der Regierung Koch dargestellt und kritisiert. Heute, also nach drei Jahren tarifloser Zeit in Hessen, arbeiten nahezu 40 Prozent der sogenannten Tarifbeschäftigten bis zu 42 Stunden in der Woche bei niedrigerem Jahreseinkommen. Unser Ziel müsste deshalb sein, die Wiederherstellung der Tarifbindung, die Stabilisierung des Tarifsystems des Öffentlichen Dienstes zu erreichen. Auch wenn die Bedingungen dafür nicht einfach waren, wie richtigerweise gesagt wurde. Unser Ziel haben wir mit den Tarifabschlüssen mit Bund und VKA im Oktober 2005 und sechs Monate später mit den Ländern erreicht. Liebe Kolleginnen und Kollegen, dass es dabei auch Probleme gegeben hat und sie auch weiter gibt, das stimmt. Wir mussten in der Endphase des TVöD-Prozesses wegen der vorgezogenen Bundestagswahl unter enormem Zeitdruck verhandeln, weil die damalige Bundesregierung nur vor der Wahl einen Tarifvertrag unterschreiben wollte. Das hat dazu geführt, dass wir in dieser Zeit teilweise an mehreren Tischen parallel verhandeln mussten. Alle Beteiligten, auch die Arbeitgeber, waren sich darüber einig, dass Probleme, Fehler und Verwerfungen, die sich aufgrund dieser Vorgehensweise ergeben könnten, nach dem Abschluss zum TVöD korrigiert werden sollten. Das bestätigte noch Ende vergangenen Jahres der Hauptgeschäftsführer des KAV Niedersachsen in einem Rundschreiben: „Im Rahmen des Reformprozesses hat die Arbeitgeberseite mit den Gewerkschaften vereinbart, dass im Rahmen der Verhandlungen nicht erkannte Sachverhalte, die zu nicht vorhersehbaren Verwerfungen führen, auch nach Vereinbarung des TVöD korrigiert werden.“ Nach der Unterschrift der Verträge wollten die Arbeitgeber, insbesondere die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeber, davon nichts mehr wissen. Im Gegenteil. Während wir mit den Ländern die meisten kritischen Punkte zu Gunsten unserer Kolleginnen und Kollegen regeln konnten, mussten wir feststellen, dass Bund und die kommunalen Arbeitgeber auch nichts dafür getan haben, bei den Beschäftigten für die Akzeptanz des neuen Tarifrechtes zu sorgen. Sie lassen keine Möglichkeit aus, die neuen Tarifregelungen einseitig und ausschließlich zu ihren Gunsten auszulegen und die dann getroffenen Kompromisse ausschließlich uns anzulasten. Selbst die nach zähen Verhandlungen erreichte Einigung zu den sogenannten Restanten, also den Klarstellungen und Korrekturen zum TVöD, wird von ihnen nicht tariflich umgesetzt - auch wenn der Bund sie über Rundschreiben letzten Endes regelt. Liebe Kolleginnen und Kollegen, damit kommt auch die nicht
umgesetzte Tarifeinigung jetzt mit in die Tarifrunde 2008. Lasst uns in
den Betrieben und Verwaltungen deutlich machen, dass wir uns den
Wortbruch von Bund und VKA nicht gefallen lassen. (Beifall) Lasst uns
klar machen, dass sie, die Arbeitgeber, dafür Verantwortung tragen,
wenn unseren Kolleginnen und Kollegen die ihnen zustehenden Leistungen
verweigert werden. Geben wir Ihnen die Kante in der Tarifrunde 2008. -
Danke. (Beifall) Simona König, KongressleitungDanke Kurt. Es folgt Ellen. Ellen Paschke, BundesvorstandLiebe Kolleginnen und Kollegen, in der Aussprache zum Geschäftsbericht hat der Kollege Momann auch noch einmal auf den Bericht des MDK hingewiesen. Der Bericht über die Pflegesituation in dieser Bundesrepublik vom MDK hat wie eine Bombe eingeschlagen. Es entsteht oftmals der Eindruck in der Öffentlichkeit, als hätten diese schlechte Pflegesituation die Beschäftigten der Altenpflege zu verantworten. Ich will hier eine Lanze brechen für die Beschäftigten in den Alten- und Pflegeheimen. Sie leisten einen harten Job und haben das nicht zu verantworten, dass es solche Zustände in der Bundesrepublik gibt. (Beifall) Zu verantworten haben das Politik und die Arbeitgeber. Wir haben gerade einen Referentenentwurf zur Pflegeversicherung auf dem Tisch. Was sich diese Koalition dort geleistet hat, ist Flickschusterei. Ich will nicht verschweigen, dass es auch ein paar gute Ansätze gibt, aber an dem Pflegebegriff ist nichts geändert worden, auch nicht an der Finanzierung. Man kümmert sich überhaupt nicht darum, dass die Wissenschaftler zum Beispiel sagen, dass wir im Jahr 2030 in diesem Pflegebereich aufgrund der demografischen Entwicklung mindestens 700.000 Arbeitskräfte mehr benötigen. Es wird nicht ausgebildet, es wird nicht qualifiziert. Und es gibt keine Personalanhaltszahlen. Die Föderalismus-Reform hat dazu geführt, dass das Heimrecht auf die Länder verlagert worden ist. Einige Bundesländer haben sofort erklärt, jetzt wollen sie die Fachkraftquote verschlechtern, denn das könnte man auch mit Hilfskräften machen. Das ist ein Skandal, liebe Kolleginnen und Kollegen. (Beifall) Die Altenpflegerin ist eine ausgebildete Kollegin. Das ist ein
qualifizierter Beruf. Wenn in anderen Bereichen darüber geklagt wird,
dass wir Fachkräftemangel haben, dann gilt das für diesen Bereich
genauso und muss auch genauso behandelt werden. (Beifall) Gestattet mir noch einen Satz dazu. Wir fordern Prävention. Die ist ja auch richtig. Kinder in der Schule werden schon angeleitet, wie man sich richtig ernährt. Wir dürfen hier nicht mehr rauchen. Wir bekämpfen die Herz- und Kreislauferkrankungen. Wir werden immer älter. Aber ist es denn erstrebenswert, in dieser Bundesrepublik unter diesen Zuständen 90 Jahre alt zu werden und im Altenheim zu verhungern und zu verdursten? Ich sage nein. Wir wollen ein menschenwürdiges Altern in dieser Bundesrepublik. (Beifall) Jetzt komme ich noch einmal zu dem Thema, das Margarete Wiemer angesprochen hat. Margarete hat gesagt, mit dem TVöD im Öffentlichen Dienst hat es auch Verschlechterungen für den Bereich der Krankenhäuser gegeben, denn wir können Notlagenvereinbarungen treffen, wir können Zukunftssicherungstarifverträge abschließen und wir können Sanierungstarifverträge abschließen. Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir haben im Krankenhausbereich ein riesiges Problem in der Bundesrepublik Deutschland, weil Kommunalpolitiker und die Länder ihren Aufgaben nicht mehr gerecht werden und nicht mehr in Krankenhäuser investieren. Wir haben einen Investitionsstau von insgesamt 56 Milliarden Euro. Das führt dazu, dass Kommunalpolitiker und Landtagsabgeordnete einfach entscheiden, zur Haushaltssanierung die Krankenhäuser zu verkaufen. Wir haben den höchsten privaten Anteil, nämlich 14 Prozent, in der Bundesrepublik Deutschland; das gibt es in keinem anderen europäischen Land, das gibt es noch nicht einmal in Amerika. Wir sind der Auffassung, dass Krankenhäuser zur öffentlichen Daseinsvorsorge und in öffentliche Hand gehören, liebe Kolleginnen und Kollegen. (Starker Beifall) Und es ist wahr, wir haben in der Vergangenheit Notlagentarife abgeschlossen. Ich habe manchmal die Krise gekriegt, wenn ich sie zur Unterschrift auf meinen Schreibtisch bekam; denn sie waren für zwei Jahre abgeschlossen, aber sie wurden verlängert, verlängert, verlängert. Man kann hier natürlich die Auffassung vertreten, wir müssten nur eine offensivere Tarifpolitik machen, dann werde alles gut. Nein, die Menschen dort, wo Krankenhäuser privatisiert oder geschlossen werden, haben Angst um ihren Arbeitsplatz und verzichten lieber auf Weihnachtsgeld und Urlaubsgeld, anstatt in die Arbeitslosigkeit zu gehen. Wir haben im Fachbereich 3 lange darüber diskutiert, wie wir das verändern können. Wir haben uns dann nach einem langen Diskussionsprozess dazu entschlossen: Notlagentarife gibt es nicht mehr; wir machen einen Zukunftssicherungstarifvertrag für die Dauer der Konvergenzphase. Denn die Umstellung der Finanzierung der Krankenhäuser auf Fallkostenpauschalen bis zum Jahre 2009 hat auch zu dieser Situation geführt. Wir machen die Hürden des Zukunftstarifvertrages so hoch, dass sich die Arbeitgeber nun wirklich einen Kopf machen müssen, statt immer nur das Geld der Beschäftigten einzukassieren; sie haben auch ein Konzept vorzulegen, wie sie sich die Versorgung in der Region, in der sie sich gerade befinden, vorstellen. Die Hürden sind so hoch, dass wir seit Abschluss dieses Tarifvertrages 2005 erst vier Zukunftssicherungstarifverträge abgeschlossen und viele tausend Arbeitsplätze in öffentlicher Trägerschaft erhalten haben. So etwas kann man also auch machen, liebe Kolleginnen und Kollegen. (Starker Beifall) Margarete, Du hast den TV Soziale Dienste angesprochen. Ich bin
immer ganz neidisch auf Erhard Ott und auf die Postler, die jetzt einen
Tarifvertrag abschließen können, der unter das Entsendegesetz kommt.
Weil soziale Arbeit in diesem Land nichts mehr wert ist und die
Arbeitgeber immer weiter an der Lohnspirale drehen, weil sie nicht
fähig sind, sich mal einen Kopf zu machen, wie man Qualität gestalten
kann, war meine Idee, für den gesamten Sozialbereich einen TV Soziale
Dienste auf der Grundlage des TVöD abzuschließen. Man muss da natürlich
auch Stufen einrichten, wenn zum Beispiel die ambulanten Dienste in
Berlin für eine ausgebildete Altenpflegerin 6,50 Euro zahlen; das ist
auch mir klar. Aber es wäre ein Anfang gewesen. Wenn wir es geschafft
hätten, das gemeinsam mit den Arbeitgebern zu gestalten, würden wir
auch unter das Entsendegesetz fallen und hätten mit einem Schlag für
den ganzen ambulanten Bereich Bedingungen, wie wir sie heute leider
nicht haben, liebe Kolleginnen und Kollegen. (Starker Beifall) Simona König, KongressleitungVielen Dank, Ellen. Es folgt nun Christian. Christian Zahn, BundesvorstandLiebe Kolleginnen und Kollegen, Fritz Schirach hat gestern zu Recht beklagt, dass unsere Position, die wir zur Angleichung der Renten in Ost und West in ver.di nach einem langen, schwierigen, gemeinsamen, aber am Ende erfolgreichen Prozess eingenommen haben, am Ende dann doch noch ins Stocken geraten ist, weil wir Schwierigkeiten haben, innerhalb des DGB eine gemeinsame Position zu entwickeln. Klar ist, Kolleginnen und Kollegen, dass wir das Thema „Angleichung der Renten Ost und West“ nur hinkriegen, wenn wir Verbündete gewinnen und innerhalb der Gewerkschaftsbewegung eine einheitliche Position dazu entwickeln, um dann die Politik vereint unter Druck zu setzen und den Gesetzgeber zu zwingen, eine Gerechtigkeitslücke zu schließen. Wir sind ein Stück vorangekommen. Ich möchte darauf hinweisen, dass in der Zwischenzeit die ver.di-Position vom Sozialverband und von der Volkssolidarität übernommen worden ist, die ausdrücklich gegenüber ihrer eigenen Mitgliedschaft die ver.di-Position unterstützen und alle auffordern, dies auch gegenüber dem Gesetzgeber mitzutragen. Innerhalb des DGB haben wir eine Diskussion, die im Moment in der Tat noch nicht zu einer Verständigung mit der IG Metall geführt hat. Fritz Schirach hat zu Recht darauf hingewiesen, dass es deshalb innerhalb eines Workshops im DGB ein paar Irritationen gegeben hat. Allerdings haben wir in der Zwischenzeit mit der IG Metall
gesprochen. Der Sachverhalt stellt sich nun wie folgt dar: Uns ist
versichert worden, dass die IG Metall und ver.di in der Sache ziemlich
nahe beieinander sind. Die IG Metall befindet sich allerdings in einem
Diskussionszustand, Fritz, den wir ungefähr drei, vier Monate vor
unserer gemeinsamen Position hatten. Das Problem ist nun, dass die IG
Metall in den nächsten Wochen hier in Leipzig einen Bundeskongress
abhalten wird. Natürlich wollte die IG Metall nicht, dass bereits im
Vorfeld dieses Bundeskongresses eine gemeinsame Position formuliert
wird, noch bevor der Bundeskongress die Gelegenheit hatte, sich dazu
endgültig zu positionieren. Deshalb bin ich auch nicht pessimistisch,
dass wir nach dem Kongress der IG Metall, weil wir in der Sache
ziemlich nahe sind, sehr schnell zu einer gemeinsamen Position
innerhalb des DGB kommen werden. Wenn wir diese Hürde genommen haben,
werden wir einen weiteren Schritt hin zu dieser berechtigten Forderung
vorangekommen sein. Fritz, ich glaube, wir sollten hier nicht
pessimistisch sein, sondern unseren Weg konsequent fortsetzen.
(Beifall) Simona König, KongressleitungDanke, Christian. Es folgt Petra Gerstenkorn. Petra Gerstenkorn, BundesvorstandChristian, Du hast auf den Streik bei der GEMA hingewiesen. Ihr könnt stolz darauf sein, dass Ihr mit diesem Streik, den Ihr seit einer Woche durchhaltet, die richtige Antwort auf die Provokationen des Arbeitgebers GEMA gebt, der nach 40 Jahren aus einem Tarifvertrag aussteigen will und stattdessen meint, er könne Tarifvereinbarungen mit Euch verhandeln. Ihr habt dem bisher nicht nur widerstanden, sondern setzt Euch auch ein für die Fortgeltung von Tarifverträgen. (Beifall) Nehmt also auch Ihr, liebe Kolleginnen und Kollegen von der GEMA, ebenso wie die Kolleginnen und Kollegen aus dem Einzelhandel von diesem Kongress die Erklärung der Solidarität und Unterstützung mit. Wenn der Arbeitgeber nach einer Woche Streik die Zeichen der Zeit erkannt hat, wird er an den Verhandlungstisch zurückkehren. Ansonsten bin ich mir sicher: Ihr könnt auch noch nachlegen. (Beifall) Rainer, Du hast die Forderung vorgetragen, den Tarifvertrag Zeitarbeit zu kündigen. Aus der Perspektive eines Beschäftigten in einem Zeitungsverlag, der es erlebt, dass die Arbeitsbedingungen dort durch das Instrument der Zeitarbeit unter Druck geraten, kann ich diese Forderung auch gut verstehen. Dennoch gibt es innerhalb von ver.di nicht nur eine Sicht zu dieser Frage. Die andere Sicht ist die der Beschäftigten in der Zeitarbeit, die bei uns in ver.di organisiert sind, die zu unserem Organisationsbereich gehören und die aus ihrer Perspektive sehr froh sind, dass wir mit zwei Verbänden einen Mindestarbeitsbedingungstarifvertrag Zeitarbeit ausgehandelt haben, der in der Pipeline für das Entsendegesetz ist, damit für diesen Bereich Mindestarbeitsbedingungen geregelt sind. (Beifall) Wir werden im Rahmen der Antragsberatung noch Gelegenheit haben, uns
ausführlicher mit den Argumenten auseinanderzusetzen. Ich meine jedoch,
dass es wichtig ist, dass wir uns über diesen Kongress hinaus und über
die Beratung der Anträge fachbereichsübergreifend eine Position zu
diesem Thema erarbeiten. Dafür haben wir im Fachbereich 13 ein Projekt
aufgelegt, das genau dieses ermöglichen soll. (Beifall) Der zweite Komplex, den Du angesprochen hast, ist die Hinzuverdienstregel aus dem II. Sozialgesetzbuch. Gut, sie hat ihre Schwächen. Jetzt ist von der CDU-Regierung eine weitere sehr gravierende Verschlechterung geplant. Bei dem Beispiel Minijob - 400 Euro - würden jetzt immerhin 160 Euro in der eigenen Tasche verbleiben. Nach der Vorstellung von Teilen der Koalitionsregierung und derjenigen mit dem C vorweg, unterstützt durch Wirtschaftsweise, sollen es nur noch 40 Euro sein. Das halten wir für einen Skandal, das ist nicht akzeptabel. Du kannst sicher sein: Wir werden uns weiterhin dagegen wehren. (Beifall) Anne, Du bist in Deinem Beitrag auf das eine Mandat für die Personengruppe Erwerbslose eingegangen. Das ist richtig. Für den Kongress hat die Personengruppe der Erwerbslosen ein Mandat. Und dennoch ist es so, dass auf diesem Kongress elf erwerbslose Kolleginnen und Kollegen außer Dir ein Mandat über die Ebene errungen haben. Nach meiner Wahrnehmung ist das gegenüber dem ersten Kongress, auf dem, Anne, auch Du sehr häufig immer wieder für die Erwerbslosen gesprochen hast, ein deutlicher Fortschritt und eine Steigerung. Ich glaube, auch das ist ein Weg, auf dem wir mit ver.di weitermachen können. (Beifall) Du hast gesagt, wir wollen Arbeit, wir suchen Arbeit. Um das zu
ermöglichen, fordern wir eine andere Wirtschaftspolitik. Wir fordern
mehr Investitionen in öffentliche Bereiche der Daseinsvorsorge, in die
Bildung. Solange wir dieses Ziel nicht erreicht haben, Anne, wird es
darum gehen, Brücken zu bauen und Übergangslösungen zu finden. Klar
ist, wenn wir Forderungen für einen zweiten oder einen dritten
Arbeitsmarkt aufstellen: Sie müssen existenzsichernd sein, sie müssen
sozialversichert sein, sie müssen tariflich geregelt sein und sie
müssen mitbestimmt sein. (Beifall) Simona König, KongressleitungVielen Dank, Petra. - Es folgt Frank Werneke. Frank Werneke, BundesvorstandLiebe Kolleginnen und Kollegen, ich möchte auf die Punkte und Fragen
eingehen, die zum Thema Mitgliederentwicklungsarbeit und Jugendpolitik
im Rahmen der Geschäftsberichtsdebatte angebracht wurden, weil das
unter anderem meine Zuständigkeiten im ver.di-Bundesvorstand
sind. Dennoch gibt es einen Anlass dafür, dass hier entsprechende Wortbeiträge gekommen sind. Deshalb ist mir eine Klarstellung wichtig. Es gibt keine konkurrierenden Angebote des Mitgliederservice zu dem, was die GUV-Fakulta als Schutz und als Leistung anbietet. Nichtsdestotrotz: Wir hatten noch in den Tagen vor diesem Bundeskongress - ich will es einmal so sagen - einen engagierten Schriftwechsel mit der Geschäftsführung der GUV-Fakulta. Deshalb ist mir hier Sachaufklärung wichtig. Hintergrund für diesen Disput ist, dass einige Bereiche von ver.di, die Kolleginnen und Kollegen aus dem Feuerwehrbereich und von den Rettungssanitätern, an den Mitgliederservice herangetreten sind und gesagt haben: Wir wollen dort eine Gruppenversicherung für Diensthaftpflicht abschließen, und zwar um Konkurrenzangeboten, die es von anderen Organisationen gibt, etwas entgegenzusetzen. Wir hätten gern diese Leistung mit der GUV-Fakulta organisiert. Es gab zunächst ein Angebot der GUV-Fakulta. Es ist aber später von
der Geschäftsführung zurückgezogen worden. Deshalb mussten wir auf ein
alternatives Produkt zugreifen und einen alternativen Anbieter wählen.
Das ist der Hintergrund für diese Auseinandersetzung. Liebe Kolleginnen und Kollegen, ver.di muss wieder zu einer wachsenden Organisation werden, und zwar auch um einen noch größeren Einfluss in der gesellschaftspolitischen Auseinandersetzung zu haben, weil eine verlierende Organisation - und in der Wahrnehmung vieler sind wir das derzeit - in der gesellschaftspolitischen Auseinandersetzung schwächer wird. Deshalb ist die Mitgliederentwicklung eine hochpolitische Frage. Ich finde es richtig, dass Frank sie in seinen mündlichen Ergänzungen zum Geschäftsbericht thematisiert hat. (Beifall) Für uns gehören drei Elemente gleichwertig zusammen. Das ist das Halten von Mitgliedern, das ist übrigens auch die Rückholarbeit. Wir haben in den vergangenen Monaten mit Rückholteams große Fortschritte gemacht, die in einigen Bezirken aufgebaut wurden und zum Teil ausgesprochen erfolgreich arbeiten. Das dritte Element ist die Mitgliederwerbung. Im Rahmen unserer Mitgliederwerbeaktivitäten sammeln wir derzeit auch Erfahrungen auf dem Feld des Organizing. In der Tat greifen wir dort auf Erfahrungen zurück, die unsere amerikanischen und britischen Kolleginnen und Kollegen gemacht haben. Christine hat von dem ersten Projekt, das wir in diesem Zusammenhang noch mit ganz intensiver Unterstützung unserer amerikanischen Schwesterorganisation SEIU im privaten Bewachungsgewerbe in Hamburg gemacht haben, berichtet. Mir ist wichtig, das einzuordnen, weil Organizing ein Baustein unserer Mitgliederentwicklungsarbeit ist. Heute Mittag gibt es die Gelegenheit - auch darauf hat Christine hingewiesen -, dass Debbie Schneider von der SEIU auf dem Forum Mitglied, also in dem Ausstellungsbereich, ihre Erfahrungen dort präsentiert. Wer immer Gelegenheit hat, dort vorbeizuschauen, ist herzlich eingeladen - wie übrigens auch zur Frage von Rückholarbeit dort auch Präsentationen im Laufe dieser Woche gemacht werden. Christine hat aber richtigerweise darauf hingewiesen, dass Organizing mehr als nur Mitgliederwerbung ist. Das stimmt. Bei Organizing geht es darum, Aktivierung von gewerkschaftlicher Basisarbeit im besten Sinne zu betreiben. Gestern hat Rita Flietel von HWS hier über die Streiks bei HWS in Haldensleben berichtet. Haldensleben ist einer der Schwerpunkte, wo wir seit einigen Monaten Organizing betreiben. Aber unter dem Strich geht es natürlich auch darum, ob wir Mitgliederzuwächse haben. Solche Aktivitäten kosten Geld und sind mit einem nicht unerheblichen finanziellen Aufwand verbunden. In den beiden Organizingprojekten, die wir derzeit in Hamburg und in Haldensleben haben, sind wir seit Mai aktiv. Wir haben seit Mai bis zum heutigen Tag 400 neue Mitglieder gewonnen. Ich finde, das ist eine beachtliche Leistung. (Beifall) All denjenigen, die dort mitgewirkt haben - das sind vor allen Dingen die Kolleginnen und Kollegen in den Betrieben, wir leisten Unterstützung bei diesem Prozess von außen -, ist zu gratulieren und ein herzlicher Dank zu sagen. (Beifall) Das spricht dafür, liebe Kolleginnen und Kollegen - ich will der Antragsberatung nicht vorgreifen, weil wir ja das Thema noch einmal bei den Anträgen haben werden -, dass wir versuchen, diesen Ansatz, diese Erfahrungen in die Organisation zu verbreitern, und zwar nicht als Kopie amerikanischer Modelle, sondern interpretiert auf unsere Bedingungen, auf die Bedingungen von ver.di. Dazu ein letzter Punkt in dem Zusammenhang. Wichtig ist, dass dort nicht irgendwelche Inseln entstehen, sondern der Kern unserer Mitgliederwerbearbeit ist das tägliche Mitgliederwerben von Betriebsräten, von Personalräten, von JAVen, von Vertrauensleuten. Dort mit neuen Erfahrungen und Aspekten diese Arbeit zu aktivieren und zu unterstützen, das ist unsere Idee von Organizing. So wollen wir die Aktivitäten in den nächsten Jahren anlegen. Als letztes Stichwort möchte ich eingehen auf die Fragen und
Hinweise, die es zum Thema der gewerkschaftlichen Jugendarbeit gegeben
hat. Manfred Geneschen hat dazu insbesondere gesagt, in der personellen
Situation gebe es Defizite und Probleme. Ich will an der Stelle noch
einmal wiederholen, dass dann, wenn ver.di in den letzten Jahren
Einstellungen vorgenommen hat, diese überwiegend im Jugendbereich
stattgefunden haben. 100 Neueinstellungen von Jugendsekretärinnen und
Jugendsekretären gab es seit der Gründung von ver.di, und allein in den
letzten Monaten haben wir noch einmal im Rahmen des sogenannten
SIE-Programms 20 neue Kolleginnen und Kollegen für diese Aufgabe
gewonnen, und zwar richtig gute Kolleginnen und Kollegen. Letzter Gedanke: Neben der hauptamtlichen Betreuung im Jugendbereich
- so wichtig sie ist - ist die entscheidende Frage, wie wir
Jugendarbeit machen, welche Schwerpunkte wir setzen, und zwar nicht nur
als ver.di-Jugend, sondern als gesamte Organisation. (Leichter Beifall)
Bernhard Schaaf hat aus meiner Sicht dazu die entscheidenden Hinweise
gegeben. Mit Blick auf die Zeit will ich seine Hinweise im Einzelnen
nicht wiederholen. Aber wichtig ist, konkret zu sein, konkret auch die
Einarbeitung in die Tarifarbeit zu organisieren, sich um
Ausbildungsqualität zu kümmern, sich um Übernahmesituationen zu
kümmern, und das eben nicht nur als ver.di-Jugend, sondern als
Gesamtorganisation. Und auch das, was Michael Kalis zur beruflichen
Bildung gesagt hat, kann man an dieser Stelle nur unterstreichen. Simona König, KongressleitungVielen Dank, Frank. - Es folgt Dorothea Müller. Dorothea Müller, BundesvorstandLiebe Kolleginnen, liebe Kollegen, ich möchte die Frage von Manfred Geneschen nach der ver.di-Fachschule beantworten. Die ver.di-Fachschule ist der Nachfolger der DPG-Fachschule. Sie war und ist ein gemeinnütziger Verein, der gemeinsam getragen wurde von ver.di, früher von der DPG, von der Post AG, der Telekom AG und der Postbank. Das heißt, die Unternehmen waren und sind im Vorstand und in der Mitgliederversammlung vertreten. Das war ein Vorteil für diesen Träger, allerdings auch ein Nachteil. Der Vorteil war, dass die DPG-Fachschule der Weiterbildungsträger der Unternehmen war, solange diese Unternehmen nicht privatisiert worden waren. Die Schule war damals der größte Weiterbildungsträger Deutschlands und hatte hervorragende Bildungsangebote. Der Nachteil war, dass diese Unternehmen nach der Privatisierung kein großes Interesse mehr an der Zusammenarbeit mit der ver.di-Fachschule hatten. Deshalb ist der Umsatz erheblich eingebrochen. Er lag 2001, als ich die Fachschule als Vorstandsvorsitzende übernommen habe, weit unter 1 Million Euro. Die Fachschule hatte sich nicht richtig positioniert. Sie war in vielen Bereichen tätig; das hat Manfred auch gesagt. Sie hat Prüfungsvorbereitung gemacht, war aber auch viel im Freizeitbereich tätig. Allerdings trifft nicht zu, dass sich die Fachschule getragen hat. Sie erhielt erhebliche Zuschüsse von der DPG und von den Unternehmen. Als ich sie übernommen habe, hieß es: Wie kann man diese ver.di-Fachschule auf wirtschaftlich gesunde Beine stellen und mittelfristig von ver.di-Zuschüssen unabhängig machen? Der Vorstand und die Mitgliederversammlung haben den Geschäftsführer mit der Erarbeitung eines Konzepts und eines Wirtschaftsplans beauftragt. Dieser zeigte dann, dass wir im Bereich E-Learning eine Chance sahen, weil die Fachschule sehr kompetent in diesem Bereich war und schon einen Ausbildungsgang für Betriebswirte im E-Learning-Bereich hatte. Wir hatten uns auch mit den Kolleginnen und Kollegen des Fachbereichs 8 kurzgeschaltet und dort festgestellt, dass es Bedarf für eine Ausbildung zum Medienfachwirt im Bereich E-Learning gab. Das ist ein zweijähriger Lehrgang mit staatlicher Prüfung. Dies haben Vorstand und Mitgliederversammlung so beschlossen, und auch der Bundesvorstand hat dem Konzept zugestimmt und uns Zuschüsse zugesagt. Das Gleiche galt für die Unternehmen, die uns auch zugesagt haben, weitere Maßnahmen bei uns in Auftrag zu geben beziehungsweise die durch uns entwickelten Produkte dann zu kaufen. Mittlerweile mussten wir leider feststellen, dass eine solche Zusammenarbeit mit der Telekom und mit der Post AG nicht zustande gekommen ist. Ihr habt in den Berichten gestern und heute gehört, dass wir hier große Schwierigkeiten mit den Unternehmen haben. Auch der Zuschuss, der im Jahre 2002 noch bei 150.000 Euro je Unternehmen lag, wurde auf circa 100.000 Euro abgesenkt. Ende 2006, also Ende letzten Jahres, teilte uns die Telekom mit, sie sei nicht bereit, ihren Zuschuss für 2006 zu zahlen, und auch in Zukunft seien keinerlei Zuschüsse mehr zu erwarten. Die Postbank hat sich dem angeschlossen. Wir mussten feststellen, dass wir mit der ver.di-Fachschule Mitte dieses Jahres zahlungsunfähig gewesen wären. Um die Arbeitsplätze der Beschäftigten zu retten, aber auch, um den
Ausbildungsgang „Medienfachwirt“, der sich gut angelassen hat - wir
sind der größte Anbieter in diesem Bereich, und wir haben zahlreiche
Preise für diesen Ausbildungsgang erhalten, sowohl im Bereich
Weiterbildung als auch im Bereich Medien -, zu retten, haben wir einen
Übernehmer für die Fachschule gesucht. Für die Qualität des Produktes
spricht, dass der Klett-Verlag sofort bereit war, die Fachschule zu
kaufen. Das wollten wir aber nicht. Einmal hatten wir bezüglich des
Verlages Bedenken, aber der Klett-Verlag wollte auch nicht die
Beschäftigten übernehmen. Ich möchte zusammenfassend zur ver.di-Fachschule nur noch sagen: Wir
haben uns damals geirrt. Wir haben geglaubt, wir könnten die
ver.di-Fachschule erfolgreich führen. Vor allen Dingen haben wir uns
geirrt in der Bereitschaft der Unternehmen zur Zusammenarbeit mit der
ver.di-Fachschule. Sie waren eben nicht bereit, mit uns
zusammenzuarbeiten und uns Maßnahmen entwickeln zu lassen
beziehungsweise unsere guten Produkte, beispielsweise den europäischen
Wirtschaftsführerschein, abzukaufen. Simona König, KongressleitungVielen Dank, Dorothea. - Es folgt Andrea Kocsis. Andrea Kocsis, BundesvorstandLiebe Kolleginnen und Kollegen, ich möchte etwas in meiner Zuständigkeit für die Seniorenarbeit sagen, und zwar zu dem, was gestern und heute Georg, Dieter und Horst gesagt haben. Wir alle wollen, dass Kolleginnen und Kollegen auch nach ihrer Erwerbstätigkeit Mitglied in unserer Organisation bleiben. Wir haben eindrucksvoll und unterstützend die Wortbeiträge zur Seniorenarbeit so dokumentiert, dass wir gesagt haben, wir brauchen ihre Solidarität, wir brauchen ihre Mitarbeit, wir brauchen ihre Unterstützung, ihre Beratung und ihren Einsatz. Und den geben sie uns auch, ständig und an allen Orten, an allen Plätzen, wo wir Demonstrationen haben, wo wir Streiks haben und wo es nötig ist, zum Beispiel in Jugendgremien zu gehen und dort für unsere Organisation zu werben. Wir haben eine hohe Akzeptanz der Arbeit der Seniorinnen und Senioren. Aber dazu gehört auch eine finanzielle Ausstattung, und die ist gestern von den dreien angesprochen worden. Diese Arbeit funktioniert nicht zum Nulltarif. Das wissen wir alle. Deshalb wurde bereits in der Budgetierungsrichtlinie festgelegt, genauso wie in der Richtlinie für Seniorinnen- und Seniorenpolitik, dass es eine finanzielle Ausstattung geben soll. Das heißt, in den aktuellen Planungen der einzelnen Gremien ist die Seniorenarbeit so zu planen, dass die Seniorinnen und Senioren wissen: Mit diesen finanziellen Mitteln können wir arbeiten, über diese Mittel können wir verfügen. Dass das nicht immer einfach ist, haben wir in der Vergangenheit festgestellt. Deswegen hat der Bereich Seniorenpolitik eine Arbeitshilfe zur Verfügung gestellt, mit der wir in den gemeinsamen Gremien, in den Ebenen, in den Fachbereichen planen können: Was wird an Seniorenarbeit stattfinden, was ist dort gewünscht, was muss eben finanziert werden. Wir können natürlich an vielen Stellen darüber diskutieren: Ist es notwendig, fünf Sitzungen zu machen, ist es notwendig, vier Sitzungen zu machen? Aber was wir keinesfalls zulassen dürfen, Kolleginnen und Kollegen, ist das, was hier gestern dargestellt wurde: dass die Senioren mit ihrer Arbeit zu uns kommen und sagen, wir wissen nicht mehr weiter, wir haben keinen Cent, wir müssen jedes Mal wieder loslaufen, müssen darum betteln, dass wir unterstützt werden; auf der anderen Seite aber sagen wir alle: Wir brauchen diese Arbeit. Das darf nicht passieren, Kolleginnen und Kollegen. (Beifall) Deshalb appelliere ich an uns alle: Lasst uns alle gemeinsam die
Arbeit nicht nur loben, sondern lasst uns die Arbeit auch
dementsprechend finanziell würdigen! Lasst uns sehen, wie wir das in
den nächsten Jahren gut hinbekommen! Es hat Verbesserungen geben, aber
ich glaube, wir haben da noch einiges zu diskutieren. Wir werden in den
Antragsberatungen noch viele, viele Anträge haben, die den Bereich der
Seniorenarbeit betreffen. Wir brauchen unsere Seniorinnen und Senioren,
und deshalb, Kolleginnen und Kollegen, lasst uns alles dafür tun, um
ihre gute Arbeit auch weiterhin ordentlich und gut zu unterstützen!
(Starker Beifall) Simona König, KongressleitungDanke, Andrea. - Es folgt Gerd Herzberg. Gerd Herzberg, BundesvorstandLiebe Kolleginnen, liebe Kollegen, es hat einige Fragen und
Anmerkungen zum Finanzbericht gegeben, auf die ich gern eingehen
möchte. Vor diesem Hintergrund müssen wir diese Fragen, wenn es ans Eingemachte geht, aber im geschlossenen Raum bereden. (Lebhafter Beifall) Kolleginnen und Kollegen, weil das so wichtig ist und ich Euch diese Tendenz beschreiben möchte, haben wir die Gremien mit der Beteiligung der Ehrenamtlichen und der Hauptamtlichen, in denen wir so etwas bereden und die uns auch kontrollieren. Ich finde, dort sollten wir die entscheidenden Fragen zu unserer Finanzkraft, also auch zu unserem Vermögen, belassen. Insofern auch an Dich, Christine, meine Bitte um Verständnis, dass wir hier nicht mehr ausbreiten. Denn hier sind wir nicht unter uns, hier sind wir vor der Öffentlichkeit. (Starker Beifall) Zum Umfang, Christine: Wir haben einen begrenzten Raum zur Verfügung. Es ist mir nicht möglich, sozusagen die Jahresabschlüsse oder Haushaltspläne hintereinanderzuheften und in den Rechenschaftsbericht einzufügen. Wir haben einen begrenzten Raum und haben deswegen die entscheidenden Eckdaten der Jahresabschlüsse in den Geschäftsbericht eingefügt. Ich denke, sie geben einen guten Überblick über die verschiedenen Aufwandpositionen. Du hast des Weiteren auf den Vergleich der Jahre 2005 und 2006 hingewiesen und bist der Auffassung, dass wir, wenn man die Endzahlen vergleicht, nicht vorangekommen sind. In der Tat, schaut man sich nur die Endzahlen an, kann man zu dieser Auffassung gelangen. Allerdings haben wir im Jahresabschluss 2006 eine Rückstellung aus nicht verbrauchten Mitteln in Höhe von 9,6 Millionen Euro gebildet. Nach Beschluss des Gewerkschaftsrates werden diese Mittel für Eventualfälle bereitgestellt, falls Landesbezirke in eine Situation kommen sollten, in der sie diese Mittel benötigen. Deswegen Rückstellung. Der Gewerkschaftsrat hat diesen Beschluss noch einmal modifiziert
und es auf diesem Wege ermöglicht, dass wir in denjenigen
Landesbezirken, die freie Stellen haben und darüber auch Probleme
bekommen haben, auch einstellen dürfen, diesen Landesbezirken also auch
helfen können. Das ist ein guter Weg, finde ich, und da helfen wir
auch. Auf dieser Grundlage, wenn ich diese Zahl einbeziehe, ist in der
Tat die Entwicklung von 2005 zu 2006 ein weiterer Fortschritt, ein
weiterer Aufbau von nicht verbrauchten Mitteln, die wir dem Vermögen
zuführen konnten. Das heißt, wir haben eine deutliche Verbesserung,
wenn man beide Jahre vergleicht. Christine, Du hast des Weiteren die Frage zum Streikfonds aufgeworfen. Wir führen dem Streikfonds - so die Budgetierungsrichtlinie - jährlich 3 Prozent der Beitragseinnahmen zu, ohne Ausnahme, jedes Jahr, und auch die darüber gewonnenen Vermögenserträge, werden unserem Vermögen, also dem Streikfonds, zugeführt. Die Aufwendungen, die wir in den letzten Jahren hatten, habe ich Euch gestern dargestellt. Sie waren erheblich, aber sie waren auch erforderlich. Du hast den Punkt Mieten angesprochen. Die Mieten sind in der Tat in den Haushalten der Bezirke und der Landesbezirke eine erhebliche Position. In vielen Bereichen haben wir hinsichtlich der Höhe der Mieten auch Gefahren erkannt. Viele Bezirke waren bei der Gründung unserer Organisation in Mietverträge eingebunden und kamen nicht aus ihnen heraus. Diese Mieten machten erhebliche Beträge aus, was zu Problemen führte. Überwiegend sind wir aus diesen Situationen herausgekommen. Wir hatten in den Bezirken und Landesbezirken in 2006 einen Mietaufwand in Höhe von 19,3 Millionen Euro. Wir sind mit den meisten Bezirken und Landesbezirken in guten Gesprächen darüber, wie wir helfen können, wie wir von den hohen Belastungen herunterkommen. Ich denke, wir werden da vorankommen. Christine, da Du aus Berlin kommst, meinst Du möglicherweise auch das besondere Problem, das wir in Berlin haben. Ich darf Dir sagen, dass ich in persönlichen Gesprächen mit dem Bezirksleiter in Berlin bin. Ich weiß um die besondere Belastung des Haushalts im Bezirk Berlin wegen der Mietfragen. Wir sind dabei, Lösungen zu finden. Ich denke, Bundesverwaltung, Landesbezirk und Bezirk Berlin können dort auch Synergien gewinnen. Du hast des Weiteren zu den Kosten „PUBLIK“ gefragt. Die Kosten beliefen sich in 2006 auf 11 Millionen Euro: 5 Millionen Euro für die Produktion, 6 Millionen Euro für den Versand. Die Versandkosten sind auf alle Bezirke verteilt. Die Bezirke gehen sehr differenziert mit dem Thema um. Die Bezirke sparen an vielen Stellen durch die Betriebsverteilung Mittel ein. Ich komme zu Erich. Erich, Du hast gefragt: Wann ist unser Vermögen aufgebraucht? Da sage ich Dir klar: Wir haben ein gutes Vermögen, ein starkes Vermögen und damit eine starke finanzielle Basis. Gestern habe ich dazu gesagt: Das ist auch unsere Kampfkraft. Das will ich ausdrücklich wiederholen. (Beifall) Im Übrigen, Erich: Ich arbeite nicht mit einer Kristallkugel. Das will ich auch zukünftig nicht tun. Ich halte mich an die harten Fakten. Ich bin immer wie ein vorsichtiger Kaufmann vorgegangen. Das heißt, ich bereite mich auf Eventualsituationen vor. Das bedeutet, Kolleginnen und Kollegen: Wenn wir zurückgehende Beitragseinnahmen haben, die sich auswirken, dann müssen wir uns selbstverständlich auf Anpassungen in den Sachkostenbudgets und in den Personalkostenbudgets einstellen. Das machen wir planerisch, das machen wir auf der Grundlage von Strategien, und das machen wir vor allen Dingen gemeinsam. Ich denke, so werden wir die Verfahren auch zukünftig gestalten. Noch einmal: Ich gehe hier von einer anderen Position aus. Das meine ich insbesondere zu Deiner zweiten Frage bezüglich der Mitgliederverluste und wie es weitergeht. Ich sage sehr deutlich: Ich finde mich nicht damit ab, dass der Trend immer so weitergeht, sondern sage, wir werden hart daran arbeiten, dass wir bei der Mitgliederentwicklung zu einer Trendwende kommen. (Beifall) Ich denke, das werden wir auch schaffen, gemeinsam, indem wir uns in den nächsten Monaten und Jahren darauf konzentrieren, wie wir diese Frage in den Griff bekommen und wie wir Menschen davon überzeugen können, ver.di beizutreten und bei dem mitzutun, was wir wollen. Erich, Du hast dann gefragt: Was macht ihr eigentlich bei der Überziehung von Budgets? Hier gilt eines sehr klar: Haushaltsdisziplin. Niemandem ist es gestattet, die Budgets zu überziehen. Insofern sind alle Haushaltsverantwortlichen aufgefordert, darauf zu achten, dass es keine Überziehungen gibt. Nun will ich nicht verkennen, dass es in unseren Gliederungen unterschiedliche Entwicklungen gibt. Trotzdem gilt die Regel: Wenn Verluste eingefahren werden, gibt es zunächst Verlustvorträge. Die Gliederungen müssen dann schon sehen, wie sie das wieder einsparen. Allerdings gibt es eine entscheidende Einschränkung: Es gibt Bereiche, wo es Gefahren größeren Ausmaßes gibt. Wenn es um Landesbezirke geht, dann arbeiten wir in der Form daran, dass wir versuchen, gemeinsam Lösungen in einem größeren Kontext zu finden. Ich habe gestern ein Beispiel genannt. Dort suchen wir Lösungen und werden sie auch finden. Ich komme zu Dieters Anmerkungen. Dieter, Du hast auf die
Formulierung hingewiesen: „Kapitalbedarf durch VVG erfüllt“. Du hast
auf die Position Verwaltungskosten der VVG hingewiesen. Diese Hinweise
sind im Zusammenhang mit dem gesamten schriftlichen
Rechenschaftsbericht im Finanzbereich zu sehen. Unsere
Vermögensverwaltung ist so ausgerichtet, dass sie uns das zuarbeiten
muss, was wir für den ver.di-Haushalt benötigen. Das ist deren Aufgabe,
so sind sie ausgerichtet. Insofern haben sie uns „abzuliefern“, was wir
für den Haushalt benötigen. Ich denke da an die Jahre des Aufbaus über
Anschubfinanzierung oder eben auch die Streikaufwendungen. In diesem
Zusammenhang, Dieter, sind die Formulierungen zu sehen. Ich komme zum Schluss. Dieter, Du hast zwei Begriffe in den Raum
gestellt, die ich aufgreifen muss: Gefahr der Verdunkelung und
Gottvertrauen. Vertrauen brauchen wir im Finanzbereich. Ohne Vertrauen
geht es nicht. Der Finanzer braucht Vertrauen. Deswegen arbeiten wir
so, wie ich es gestern beschrieben habe: Wahrheit und Klarheit und viel
Transparenz. Dazu haben wir aber auch klare Verantwortungsstrukturen
über die Gremien: Haushalts- und Finanzausschuss, Revisionskommission
und am Ende der Gewerkschaftsrat. Dort wird dargestellt, dort wird
geprüft, dort wird auch kontrolliert. Insoweit kann es eine Gefahr der
Verdunkelung überhaupt nicht geben. Simona König, KongressleitungDanke, Gerd. Es folgt Frank. Frank Bsirske, ver.di-VorsitzenderIch möchte gern zu den verbliebenen Fragen und Hinweisen Stellung nehmen. Ich möchte mit Annemarie Hehl beginnen, die an unserer Eröffnungsfeier kritisiert hat, dass das Thema der Rente mit 67 in der Reaktion auf Franz Müntefering nicht zur Sprache gekommen ist. Annemarie, Du hast recht, es ist nicht zur Sprache gekommen. Das gilt aber für eine Reihe von Punkten, die genauso kritisiert werden müssen. Das gilt für unsere Kritik an der Teilprivatisierung der gesetzlichen Krankenversicherung, das gilt für unsere Kritik an der Steuerpolitik. Wenn wir das alles in der notwendigen Klarheit und nachvollziehbar zur Sprache gebracht hätten, hätte das, finde ich, den Rahmen der Veranstaltung gesprengt. Ihr könnt sicher sein, dass das kein Hinweis darauf ist, dass wir schöntun wollen mit einer Politik, die wir inhaltlich kritisieren. ver.di und die IG Metall sind diejenigen Gewerkschaften gewesen, die das Thema der Rente mit 67 ernsthaft und konsequent und kritisch zur Sprache gebracht und angepackt haben. Ich habe selbst an verschiedenen Streikversammlungen und Betriebsversammlungen zur Frage der Rente mit 67 teilgenommen. Ich habe überhaupt nicht vor, von der Kritik an dieser Art von Politik abzulassen. Auch diese Politik ist ein Rentenkürzungsprogramm und trägt dazu bei, Teile der Bevölkerung, und zwar die jetzt 20- bis 25-Jährigen, in 20, 30 oder 40 Jahren in die Armut zu treiben. Kolleginnen und Kollegen, da können wir nicht zugucken. Das wollen wir nicht, und das werden wir auch nicht. (Beifall) Wer sich an das erinnert, was Michael Sommer und ich zu den
Schwerpunkten der Auseinandersetzung mit der Politik in Richtung 2009
gesagt haben - das spiegelt auch den Diskussionsstand im DGB wider -,
weiß, dass wir die Rente mit 67 in der Auseinandersetzung mit der
Politik in Richtung 2009 zum Thema machen werden, genauso wie die
Altersarmut, die Gesundheitspolitik, den gesetzlichen Mindestlohn und
die Gleichstellung von Leiharbeitern und Stammarbeitern. Wir haben die Vorbereitungskonferenzen zu diesem Kongress ja
genutzt, um dieses Thema in den Mittelpunkt zu rücken in einer
Situation, wo heute vor der Rente mit 67 26 Jahre bei
Durchschnittsverdienst gearbeitet werden muss, Beiträge bezahlt werden
müssen, um einigermaßen sicher über Arbeitslosengeld II hinaus zu
kommen mit der gesetzlichen Rente mit 67. Nach den ganzen Veränderungen
in der Rentenpolitik werden es bei einem Durchschnittsverdiener und
einer Durchschnittsverdienerin künftig 33 Jahre sein, die Beiträge
bezahlt werden müssen, bevor man überhaupt damit rechnen kann,
einigermaßen sicher über Arbeitslosengeld II hinaus zu kommen. Wir
haben gefragt, was mit denen passiert, die keinen
Durchschnittsverdienst bekommen, sondern zum Beispiel nur drei Viertel
des Durchschnittsverdienstes unserer Gesellschaft. Das sind 2000 Euro.
Das sind vor allem Frauen. Die werden 40 Beitragsjahre aufweisen
müssen, um einigermaßen sicher über Arbeitslosengeld II hinaus zu
kommen. Wir fordern gleichzeitig ein, dass es flexible Übergänge in den
Ruhestand gibt, dass die Möglichkeit geschaffen wird, vorzeitig
abschlagsfrei beziehungsweise abschlagsgemindert in die Rente gehen zu
können, dass die Mindestrente aufgestockt wird, dass der Zugang zum
Erwerbsunfähigkeitsrentenbezug erleichtert wird. Wir setzen uns auch
dafür ein, dass Prävention und Gesundheitsschutz in der Zeit davor
verbessert werden. Das ist der Punkt, den Walter Brinkmann angesprochen
hat, völlig zu Recht. Wir müssen diesem Thema einen größeren
Stellenwert einräumen. Das wird im Zusammenhang mit dem, was wir als
Schwerpunkt Gute Arbeit uns vornehmen, auch der Fall sein. Das hat
verschieden Facetten. Ich möchte darauf später, im Verlauf dieser
Woche, noch einmal ausführlich zurückkommen. Ich will auch kein großes Gewese darum machen. Ich will darauf
hinweisen, dass es von uns organisierte bundesweite
Arbeitsniederlegungen gegeben hat im Zusammenhang mit
Auseinandersetzungen um das Vergabegesetz beziehungsweise
landesspezifische Arbeitsniederlegungen im Nahverkehr zur Durchsetzung
und um dem Vergabegesetz, das auf Tariftreue bei der Vergabe
öffentlicher Aufträge zielt, Nachdruck zu verleihen. Bernd Losch hat im gleichen Zusammenhang noch einmal deutlich
gemacht, dass wir im Hafen eine Situation haben, wo mit Hilfe der
Hafenarbeiter 1600 Tarifverträge für Seeleute durchgesetzt werden
konnte. Das macht noch einmal deutlich, was mit dieser Hafenrichtlinie
eigentlich auch bezweckt war, nämlich genau das in Zukunft zu
verhindern, weil die Hafenrichtlinie vorsah, dass die Schiffe von den
Seeleuten selbst entladen werden können sollen. Das ist verhindert
worden. Bernt, das habt Ihr klasse gemacht. Das war richtig gut.
(Beifall) Christine Kunz hat, immer noch in dem internationalen Kontext, das Grünbuch Arbeitsrecht der Europäischen Kommission angesprochen. Das ist ja eine Publikation, die sozusagen der Vorbereitung von Gesetzesmaßnahmen dient. Wir haben auch dieses Grünbuch Arbeitsrecht außerordentlich kritisch beguckt, weil es eine klare Tendenz hat, das individuelle Arbeitsrecht und die Schutzrechte von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern als ein Hindernis zu begreifen zu mehr Beschäftigung. Das ist unsere Sicht definitiv nicht. Das haben wir in einer sehr ausführlichen Stellungnahme zum Ausdruck gebracht. Ich weiß nicht, welche Aspekte Eurer Diskussion dabei nicht aufgenommen werden konnten. Ich finde aber, es lohnt, dieser Frage noch einmal nachzugehen. Ich will hier ausdrücklich anbieten, dass wir uns noch einmal zusammensetzen beziehungsweise Ihr Euch zusammensetzt in einem Arbeitskreis mit dem Leiter der Internationalen Abteilung von ver.di, der diese Stellungnahme zusammengefasst hat, damit man noch einmal abgleichen kann und wir miteinander gucken, was wir von Euren Gedanken noch aufnehmen und in einer weiteren Debatte über dieses Grünbuch dann vorantreiben können. Damit bin ich noch einmal bei Berlin. Ich will im Anschluss an Andrea noch einmal ganz deutlich unterstreichen und dabei die Beiträge von Fred Grenkowitz aufnehmen, von Helmut Momann, von Leo Frings und Georg Kaster. Es gibt in dieser Organisation eine Tendenz, das Potenzial der Seniorinnen und Senioren und ihrer Arbeit zu unterschätzen. Mit dieser Tendenz müssen wir uns kritisch auseinandersetzen, weil die Seniorenarbeit in einer Situation, wo wir in den Großstädten Tausende älterer Kolleginnen und Kollegen bei ver.di organisieren, ein Riesenpotenzial hat, eine Riesenchance darstellt. Wir wissen aus den Erfahrungen, dass diese Gruppen, wenn sie sich in Bewegung setzen, einen privilegierten Zugang zur Lokalpresse haben, weil die Lokalpresse für das, was in diesem Bereich passiert, sehr empfindlich und aufmerksam ist. Das müssen wir nutzen. Helmut hat völlig zu Recht hingewiesen auf das, was sich da abspielt
in den Pflegeheimen, und Ellen hat das noch einmal deutlich
unterstrichen. Das ist kein Zustand, mit dem sich ältere Menschen
abfinden können. Das ist ein Zustand, der sie und perspektivisch uns
alle bedroht. Die Kollegin hat ja einmal gesagt hat: Wir kriegen Euch
alle. Sie hat ja völlig Recht. Deswegen ist es auch richtig und wichtig
hinzugucken, was da passiert und sich aus-einanderzusetzen mit der
Situation in den Pflegeheimen, in der ambulanten Pflege. Das ist Arbeit
an unseren eigenen Lebensbedingungen, jedenfalls mindestens der
potenziellen. Ich finde, darin verdienen unsere Seniorinnen und
Senioren alle Unterstützung der Organisation. Ich rufe dazu auf, dass
in den Bezirken unter diesem Gesichtspunkt sehr aufmerksam hingeguckt
wird, die Potenziale erschlossen und genutzt werden, und der Tendenz,
die Möglichkeiten, die wir in diesem Bereich haben, zu unterschätzen,
entgegengetreten wird. Ich bedanke mich für die Impulse, die hier von
unseren älteren Kolleginnen und Kollegen auf diesem Kongress gekommen
sind. (Beifall) Vor Ort gibt es in den Betrieben und Verwaltungen sehr unterschiedliche Positionen, es gibt Kolleginnen und Kollegen von uns und es gibt Kolleginnen und Kollegen des Beamtenbundes, die sehr unterschiedlich unterwegs sind. Über deren unterschiedlichen Auffassungen muss man sich auch in Zukunft weiter auseinandersetzen und man muss diese Differenzen austragen auch und nicht zuletzt bei Personalratswahlen, wo wir konkurrierend agieren und zum Teil mit sehr unterschiedlichen Konzepten auftreten. Ich will aber auch darauf hinweisen, Kolleginnen und Kollegen, dass wir dem Beamtenbund in seiner jetzigen Verfassung mit dem Hinweis auf das Jahr 1992 nicht mehr gerecht werden. Ich sage 1992, weil damals der Vorsitzende des Beamtenbundes, der Vorgänger von Peter Heesen, im Streik des Öffentlichen Dienstes aufgetreten ist und gesagt hat: Warum regen sich jetzt alle darüber auf, dass der Öffentliche Dienst streikt? Man muss doch nur die Arbeiter und Angestellten verbeamten, dann ist es vorbei mit dem Streikrecht und dann ist es vorbei mit dem Streik im Öffentlichen Dienst. Das würde er vorschlagen. Damals war die Zeit, in der bei den Brudergewerkschaften des Beamtenbundes in Italien und Spanien Neofaschisten an der Spitze der Mitgliedsorganisationen der Europäischen Internationale des Beamtenbundes standen. Damals war auch die Zeit, in der der Deutsche Handlungsgehilfenverband und die Mitgliedsorganisationen dieses unchristlichen Gewerkschaftsbundes im Tarifverbund des Beamtenbundes steckten. Wir haben darauf hingewiesen, und der jetzige Vorsitzende des Beamtenbundes hat mir gesagt, diese Zeiten seien vorbei. So sei es bis 1992 gewesen, und das werde es mit dem Beamtenbund nicht mehr geben. Die Mitgliedsorganisationen in Europa hätten Neofaschisten an der Spitze gehabt, heute aber nicht mehr. Dem, was diesen Handlungsgehilfenverband oder diese unchristlichen Gewerkschaften betreffe, würde er nachgehen. Wenn das stimme, was ich zu deren Verhalten berichtet hatte, zum Beispiel in Tarifbereichen von uns, dann würde in der Tarifgemeinschaft mit denen Schluss gemacht werden. Und das ist dann auch passiert. Anschließend haben sie mit uns zusammen 16 Wochen im Streik gestanden. In der zehnten Streikwoche hat sich dann der Niedersächsische Ministerpräsident Wulff vor den Beamtentag des Beamtenbundes in Niedersachsen gestellt und gesagt, die Ministerpräsidenten böten dem Beamtenbund an, exklusiver Tarifpartner der Länder zu werden, bei ver.di ginge das sowieso nicht. Herr Möllring, der Vorsitzende der Tarifgemeinschaft der Länder, Niedersachsens Finanzminister, ist dann sofort ans Telefon gegangen, hat mehrere Zeitungsredaktionen angerufen und hat denen gesagt: Wir machen das jetzt mit dem Beamtenbund. Bereits am nächsten Tag hat der Beamtenbund eine Presseerklärung herausgegeben und geschrieben, er stehe für Spaltungsmanöver nicht zur Verfügung, man lasse sich nicht spalten, man werde diese Auseinandersetzung zusammen mit ver.di zum Ende führen. (Starker Beifall) So, Kolleginnen und Kollegen, verhält sich keine gegnerische Organisation. Das ist unter diesen Bedingungen keine gegnerische Organisation mehr, aber es ist sehr wohl eine konkurrierende Organisation. Wir müssen diese Konkurrenz annehmen und austragen, keine Frage. Dieser Wandel im Charakter des Beamtenbundes ist aber innerhalb des Beamtenbundes selbst hoch umstritten. Ich zitiere aus einer Presseagenturmeldung zwei Tage vor der Beschlussfassung im Beamtenbund über eine Zusammenarbeit bei der Initiative Öffentlicher Dienst mit ver.di. Sie trägt die Überschrift „Streit um Zusammenarbeit mit ver.di“. In dieser Meldung heißt es dann: „Bei der Gewerkschaft dbb Beamtenbund und Tarifunion droht wegen der Kooperation mit ver.di eine Auseinandersetzung zwischen den Landesverbänden und dem Bundesvorsitzenden“. „Die Landesvorsitzenden des dbb stört vor allem, dass die Kooperation mit ver.di verpflichtend sein soll. Niedersachsens dbb-Chef Friedhelm Schäfer sagte FOCUS: ‚Wenn der Text nicht geändert werden kann, lehnen wir ihn ab.‘ Der baden-württembergische Landesvorsitzende Volker Stich sagte: ‚Von ver.di trennt uns viel mehr als uns verbindet.‘ Auch sein Kollege in Hamburg, Rudolf Klüver, bestätigte Probleme mit der Dienstleistungsgewerkschaft: Was im Bund funktioniere, müsse noch lange nicht in den Ländern hinhauen. Bayerns dbb-Chef Rolf Habermann sieht in dem Vertrag mit ver.di den ‚Türöffner für einen Paradigmenwechsel‘. Er vermutet, dass die Großgewerkschaft ‚durch die Hintertür den Tarifbeamten durchsetzen und den Alleinvertretungsanspruch für Beamte übernehmen will‘. Vor dem Verlust des dbb-Profils warnte der hessische Landeschef Walter Spieß. Er werde sich von ‚keiner Vereinbarung mit ver.di binden lassen‘, wenn es vor Ort Zirkus gebe. Kritisiert wird von den Landesbünden auch ein Vertragspassus, der eine paritätische Kostenaufteilung für eine ‚Initiative öffentliche Dienste‘ vorgibt. Sie fürchten, dass die Gewerkschaft ver.di in die ‚gut gefüllte Kriegskasse‘ des dbb greift.“ Kolleginnen und Kollegen, man muss sich nicht zwanzig Jahre mit Politik beschäftigt haben, um zu erkennen, dass in dieser Organisation an dieser Stelle ein Richtungskampf um die strategische Ausrichtung der Organisation stattgefunden hat. Dort sind die Kräfte aufgetreten, die gesagt haben: Das, was da im Länderbereich gelaufen ist, wollen wir in Zukunft nicht mehr machen. Sie haben sich nicht durchgesetzt. Ich finde, das ist gut, weil es uns hilft, Auseinandersetzungen auszutragen. Und das geht besser miteinander als gegeneinander. Das, finde ich, verdient festgehalten zu werden. (Beifall) Bleibt die Beitragsfrage. Diese Beamtenbundsgewerkschaften erheben
einen Beitrag von 0,5 Prozent des Monatsgehalts und sind dabei, das auf
0,7 Prozent anzuheben. Das entspricht dem Beitragssatz von GEW und GdP,
also unseren Schwesterorganisationen im DGB. Wir wissen aber, dass vor
Ort zum Teil Beamtenbundler mit Mitgliedsbeitragswerbung von einem Euro
unterwegs sind. Das gab es vorher schon; jetzt ist es beeinflussbar,
weil wir in der Vereinbarung zur Voraussetzung gemacht haben, dass die
Werbung und Abwerbung mit Dumpingbeiträgen unterbunden wird. Ich bin
der festen Überzeugung, dass wir dem nachgehen werden. Wir sind auch
schon dabei, übrigens auch in Zusammenarbeit mit der Spitze des
Beamtenbundes. Bleibt die Frage: Wenn der Beitrag niedriger ist, ist dann die
Leistung gleich? Ich sage, nein. Ich rate sehr zu Selbstbewusstsein an
diesem Punkt. Damit bin ich beim Thema Tarifpolitik, das von verschiedenen angesprochen worden ist: von Wolfgang Zimmermann, der gesagt hat, hier ist mehr Rücksichtslosigkeit gefordert, und von Rainer Butenschön, der am Beispiel der Rente mit 67 gesagt hat, na ja, wenn man auf die Situation in den Betrieben guckt, muss man die Kolleginnen und Kollegen vor Ort und an der Basis für so etwas auch mitnehmen können. Das ist letztlich die entscheidende Voraussetzung. Ich finde, wenn wir auf die Tarifrunden beispielsweise im Öffentlichen Dienst - das war ja der Ausgangspunkt für die Stellungnahmen - zurückblicken, haben wir eine sehr, sehr offensive Tarifrunde 2002/2003 geführt, die von den Arbeitgebern geradezu als Niederlage wahrgenommen worden ist, die aber auch bei uns zum Teil als GAU wahrgenommen worden ist. Ich bin auf Funktionärsversammlungen direkt nach dem Abschluss in meiner eigenen Heimatbezirksverwaltung von 270 Kolleginnen und Kollegen beschimpft worden, was das für ein GAU sei. Der Vorsitzende des Personalrates des Abfallwirtschaftsbetriebs hat sich hingestellt und gesagt, lieber kämpfend untergehen, als einen solchen Abschluss zu machen. Darauf sage ich, Kolleginnen und Kollegen, wir sollten in der Tarifpolitik nicht untergehen wollen. (Beifall) Es ist nicht schöner unterzugehen, als einen Abschluss zu machen,
den die Arbeitgeber als mindestens hochproblematisch empfinden und der
nur mit knappsten Mehrheiten auf der Arbeitgeberseite überhaupt
durchgekommen ist. Auch da rate ich zu mehr Selbstbewusstsein,
Kolleginnen und Kollegen, in unseren eigenen Reihen. (Beifall) Ich frage aber auch - und ich unterstreiche das mit Blick auf das, was Wolfgang Hoepfner gesagt hat -: Ist es ein Erfolg, wenn wir einen Tarifvertrag erzwingen, der zu nicht unwesentlichen Teilen zu unseren Bedingungen gelaufen ist, oder ist es eine Niederlage für uns, wenn die Arbeitgeber mit der Ansage: ihr fresst entweder das, was wir den Beamten diktieren, oder es gibt keinen Tarifvertrag, nicht durchkommen und anschließend der Flächentarifvertrag mit Bindungswirkung nach 16 Wochen Streik durchgesetzt ist? Ich sage auch dazu: Das ist ein Erfolg, und wir sollten das nicht kleinreden, Kolleginnen und Kollegen. Damit schaden wir uns nur selbst. (Starker Beifall) Ich bin den Kolleginnen, die hier aus dem Einzelhandel berichtet haben - Rita, Ursula, Angelika -, wirklich sehr, sehr dankbar für diese Berichte aus dem prallen Leben im Einzelhandel vor Ort und für die Berichte, mit denen sie zeigen, wie sie das angehen, unter welch schwierigen Bedingungen gehandelt wird und wie wir es in dieser Organisation anpacken. Das war - ich darf das einmal persönlich sagen - so beeindruckend, wie ich es klasse gefunden habe. Rita, ich weiß nicht, ob Du jetzt schon hier oder noch in Haldensleben bist. Ich sage Dir: Ich komme. Wir verabreden uns, und ich komme zu Euch, zu diesem Streik. (Starker Beifall) Ich bin mir sicher - ich weiß nicht, wie die Streikplanung in Haldensleben aussieht -, wenn dort die Nachtschicht streikt, finden sich auch 30, 40 Kollegen aus diesem Kongress, steigen in den Bus und fahren gemeinsam nach Haldensleben, um zu zeigen, an wessen Seite sie stehen. Das, finde ich, können wir miteinander verabreden. (Starker Beifall) Ich bin auch Bernhard Schaaf, Karlfried Göllner, Manfred Geneschen
und Peter Gerlich sowie Christian Hass von der GEMA dankbar, dass sie
uns hier einen Einblick in die Situation vor Ort verschafft haben, auch
in die Gremien von ver.di, wo wir uns gleichzeitig mit den
verschiedensten Problemen auseinandersetzen müssen, und gesagt haben,
wie sie das praktisch angegangen sind. Hut ab! Ich finde, davon kann
man lernen. Es macht Mut, wenn man das auf diesem Kongress hört.
(Beifall) Letzter Punkt: 14 oder 11? (Heiterkeit) Ich würde sehr gerne für 11
sein. Ich bin sicher, damit für den gesamten Gewerkschaftsrat sprechen
zu dürfen, weil das der Zugang aller Kolleginnen und Kollegen war, die
dazu diskutiert haben. Das Problem ist nur: Das ist nicht
voraussetzungslos, sondern es ist voraussetzungsvoll, weil damit
nämlich mehrere Dinge unter einen Hut gebracht werden müssen:
einerseits die Umsetzung der satzungsgemäßen Frauenquote, und
andererseits ist dem Vorschlagsrecht der Fachbereiche Rechnung zu
tragen. Sie sind darin autonom, wen sie vorschlagen. Wenn sie Kollegen
vorschlagen, weil sie von denen inhaltlich überzeugt sind, gibt es die
Möglichkeit zu sagen: wählen wir nicht. Das verspricht, wenn das so
angegangen würde, jede Menge Radau in der Organisation und jede Menge
Konfliktstoff an einem Punkt, an dem wir uns, finde ich, das nicht
leisten können. Wir sollten, nachdem wir jetzt die Wahlen in den Landesbezirken
unter Zugrundelegung der Frauenquote durchgeführt haben, denen, die da
gewählt worden sind, auch eine echte Chance geben. Deswegen bin ich
dagegen, die Frauenquote jetzt anzupassen. Ich bin richtig dagegen! Das
heißt, wir haben zwei Leitplanken. Wir haben die Frauenquote, und wir
haben die Vorschläge der Fachbereiche. Wir kriegen das nur zusammen,
wenn wir auf 14 gehen. Es sei denn, der Kongress sagt: Uns ist die Zahl
wichtiger als die Zusammensetzung. - Dann gibt es natürlich noch die
zweite Möglichkeit, dass Ihr zwei Männer nicht wählt. Wenn Ihr den
Vorschlägen der Fachbereiche folgt, würde das bedeuten: Ihr wählt den
Finanzer nicht und wählt eine Frau, und Ihr wählt den Vorsitzenden
nicht und wählt eine Frau. Dann stimmt die Frauenquote, dann stimmt das
Vorschlagsrecht der Fachbereiche, dann ist man auf 11, aber dann sieht
der Vorstand anders aus. Zwischen diesen Alternativen müssen wir uns
entscheiden; andere gibt es nicht. Da würde ich sagen - meine eigene
Betroffenheit einen Augenblick beiseite gelassen -, dass insgesamt die
Lösung am ehesten zu vertreten ist, die lautet: 14 und nicht 11.
(Beifall) Simona König, KongressleitungFrank, wir bedanken uns auch bei Dir für die flammenden Worte. - Der Tagesordnungspunkt 5 ist damit abgeschlossen. Das bringt mich jetzt in die Situation, dass ich den Kongress um Unterstützung bitten muss. Ihr habt sicherlich alle schon Hunger. Vom Zeitablauf her hatten wir aber vorgesehen, dem neuen Gewerkschaftsrat zu ermöglichen, sich während der Mittagspause zu konstituieren. Deshalb bitte ich Euch jetzt doch noch um etwa 30 Minuten konzentrierte Zusammenarbeit, damit wir den Zeitablauf wie geplant hinkriegen. Ich bitte darum, dass wir die Mittagspause etwas nach hinten verschieben. (Leichter Beifall) Ich danke Euch für Euer Verständnis. Wir kommen jetzt also zu den
Tagesordnungspunkten 7, Entscheidung über Einsprüche des Kontroll- und
Beschwerdeausschusses, 8 und 9, Entlastung des Gewerkschaftsrats und
des Bundesvorstands. Ich rufe auf Tagesordnungspunkt 8, Entlastung des Gewerkschaftsrats. Nach Paragraf 37 Absatz 2 f) unserer Satzung gehört es zu den Aufgaben des Bundeskongresses, den Gewerkschaftsrat in organisationspolitischer Hinsicht und in seiner haushaltspolitischen Verantwortung zu entlasten. Wir weisen darauf hin, dass Delegierte, die zugleich Mitglied des Gewerkschaftsrats sind, sich an dieser Abstimmung nicht beteiligen können. Der Kollege Jochen Apel hat gestern in seinem Bericht zur Revision den Antrag auf Entlastung gestellt. Wir kommen jetzt zur Abstimmung. Wer dem Antrag auf Entlastung des Gewerkschaftsrats folgen möchte, den bitte ich um das Kartenzeichen. - Gibt es Gegenstimmen? - Eine. Gibt es Enthaltungen? - Ich sehe keine. Damit ist der Gewerkschaftsrat mit einer Gegenstimme entlastet. (Beifall) Ich rufe auf Tagesordnungspunkt 9, Entlastung des Bundesvorstands. Nach Paragraf 37 Absatz 2 e) gehört es zu den Aufgaben des Bundeskongresses, den Bundesvorstand in organisationspolitischer Hinsicht und in seiner haushaltspolitischen Verantwortung zu entlasten und den Bundesvorstand als Vorstand nach Paragraf 26 BGB damit auch haftungsrechtlich freizustellen. Der Kollege Jochen Apel hat gestern auch den Antrag auf Entlastung des Bundesvorstands gestellt. Wer für die Entlastung ist, den bitte ich um das Kartenzeichen. - Gibt es Gegenstimmen? - Das ist nicht der Fall. (Zurufe) Zwei Gegenstimmen, wurde gesagt. Ich habe es nicht gesehen. - Bitte noch einmal die Gegenstimmen! - Zwei. Gibt es Enthaltungen? - Das ist nicht der Fall. Damit ist der Bundesvorstand bei zwei Gegenstimmen entlastet. (Beifall) Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich möchte jetzt aus den genannten
Zeitgründen den Tagesordnungspunkt 10.1 aufrufen, Wahl des
Gewerkschaftsrats, damit er sich in der Mittagspause konstituieren
kann. Wir kommen jetzt zu Tagesordnungspunkt 10.2, Wahl der ersten persönlichen Stellvertreterinnen und Stellvertreter des Gewerkschaftsrats. Ihr findet die Wahlvorschläge im Kongressordner im Register „Kongressablauf/Wahlvorschläge“ auf den Seiten 57 bis 66 abgedruckt. Bevor wir in den Wahlgang eintreten, halten wir folgende Information
für wichtig: Die ersten persönlichen Stellvertreterinnen und
Stellvertreter der Gewerkschaftsratsmitglieder nehmen das
Vertretungsmandat immer dann wahr, wenn das ordentliche Mitglied
verhindert ist. Das gilt nicht für die zweiten persönlichen
Stellvertreter. Diese können ihr Vertretungsmandat erst dann
wahrnehmen, wenn sowohl das ordentliche Mandat wie auch die erste
persönliche Stellvertretung endgültig nicht mehr zur Verfügung stehen.
Insofern ist die Wahl der zweiten persönlichen Stellvertreter eine
vorweggenommene Nachwahl. So weit zur Erläuterung. Wir kommen jetzt zur Wahl der zweiten persönlichen Stellvertreterinnen und Stellvertreter des Gewerkschaftsrats und damit zum Tagesordnungspunkt 10.3. Die Wahlvorschläge sind im Kongressordner im Register „Kongressablauf - Wahlvorschläge“ auf den Seiten 67 bis 76 abgedruckt. Wer dem Wahlvorschlag folgen möchte, denn bitte ich um das
Kartenzeichen. - Gibt es Gegenstimmen? - Das ist nicht der Fall. Gibt
es Enthaltungen? - Bei zwei Enthaltungen sind damit die zweiten
persönlichen Stellvertreter gewählt. Herzlichen Glückwunsch!
(Beifall) Ich bitte alle Delegierten, die Stühle an die Tische heranzustellen
und die Taschen möglichst unter die Tische zu stellen, weil vorgesehen
ist, in der Mittagspause den vierten Ordner auszuteilen. Das
Tagungsprotokoll von gestern soll darin auch schon enthalten
sein. |








