|
(Fortsetzung des Kongresses: 17.46 Uhr) Klaus Böhme, KongressleitungKolleginnen und Kollegen, ich hatte angedroht, um 17.45 Uhr den Kongress fortzuführen. Wir begrüßen in unserer Mitte Gerald Weiss, den Sprecher der Arbeitnehmergruppe in der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Sei uns willkommen! (Beifall) Noch einmal - Ihr habt es eben visualisiert vor Augen gehabt -: Denkt bitte daran, dass für die ersten Antragsblöcke heute um 18 Uhr Wortmeldeschluss ist. Wer also in diesen Blöcken einen Antrag zur Beratung aufgerufen haben möchte, gebe bitte noch seine Wortmeldung ab. Ein Hinweis: Ich denke, in unser aller Interesse bitten wir um
Verständnis, dass wir bei aller Freude, die bei den Gewählten und
sicherlich auch bei den jeweiligen Wählerinnen und Wählern nach der
Bekanntgabe eines Wahlergebnisses zum Vorschein kommt, jetzt so
verfahren wollen, dass wir zuerst alle 13 weiteren Wahlgänge
abschließen wollen, und dass danach, sozusagen kollektiv - ausführlich
gratuliert werden kann. (Beifall) Gundula Lasch, 1008Liebe Delegierte, bevor Ihr den übrigen Bundesvorstand wählt, möchte
ich nur eines einfach als Gedanken mitgeben, der bis jetzt noch von
keinem geäußert worden ist: Mir ist aufgefallen, dass wir in allen
unseren Diskussionen über Bundesvorstandsmitglieder, über deren Anzahl
und so weiter im Kopf immer von einem Schrumpfmodell ausgehen. Das
heißt, wir haben schon verinnerlicht, wir werden immer weniger und
müssen deshalb auch immer weniger Leute in der Spitze haben. Was ich
mir wünschte, wäre vielmehr ein Start-Ziel-Modell, das zum Beispiel so
aussehen könnte: Wir haben bei unserem nächsten Kongress 300.000 neue
Mitglieder, und es gibt keine Notwendigkeit zu schrumpfen. Im
Gegenteil, ich würde mir wünschen, dass wir sagen: Wir müssen mehr
Leute einstellen, um die vielen neuen Mitglieder betreuen zu können. -
Dies noch mal für den Hinterkopf. Danke. (Starker Beifall) Klaus Böhme, KongressleitungVielen Dank, Kollegin. - Das Wort hat jetzt Margaretha Müller,
Delegiertennummer 122. Margaretha Müller, 122Kolleginnen und Kollegen, ich kann meinen Wortbeitrag zurückziehen.
Das hat sich erledigt. (Beifall) Klaus Böhme, KongressleitungWeitere Wortmeldungen liegen nicht vor. Gerd Herzberg, BundesvorstandLiebe Kolleginnen und Kollegen, ich durfte bereits zu Euch sprechen; Ihr wisst, wer ich bin. Lasst mich drei wichtige Themen nur benennen - insofern will ich wie Frank aufs Tempo drücken -, die mir wichtig sind für die folgenden Jahre. Erstens die Sicherung unserer finanziellen Grundlagen. Das muss obenan stehen, damit wir unsere Kampffähigkeit erhalten. (Lebhafter Beifall) Zweitens. Wir müssen unsere Organisation weiterentwickeln, unsere Strukturen effektiver machen, damit wir der großen Herausforderung, Mitglieder zu werben, mehr Mitglieder für uns zu gewinnen, begegnen können, dieses auf der Basis unseres Matrixmodells. Aber da müssen wir vorankommen. Insbesondere denke ich an die Stärkung der Bezirke und dort der vierten Ebene. Wir können eine ganze Menge erreichen, wenn wir dort hineingehen. (Beifall) Kolleginnen und Kollegen, ich will einen dritten Punkt nennen, der noch gar keine Rolle gespielt hat, wo ich aber eine große Herausforderungen sehe. Ich war bisher zuständig auch für den Rechtsbereich, für Rechtspolitik und Rechtsschutz: Immer wieder erleben wir, dass die Arbeitnehmerrechte, dass das Arbeitsrecht angegriffen wird. Für den Parteitag einer großen Partei liegen Anträge vor, den Kündigungsschutz abermals zu verschlechtern. Da müssen wir ansetzen, da müssen wir Schutzvorschriften einbauen, und wir müssen den Kündigungsschutz erhalten. Aber nicht nur das. Denken wir an die Versuche und finanzierten Vorgehensweisen von Bertelsmann und der Stiftung Neue Soziale Marktwirtschaft zur Schaffung eines Arbeitsvertragsrechts! Glauben wir doch nicht, dass ein solches Werk zur Verbesserung der Arbeitnehmerrechte beitragen würde. Es würde doch zum Abbau dieser Rechte führen. Deswegen sagen wir Nein zu einem solchen Weg, solange nicht sichergestellt ist, dass wir zu einer Verbesserung unserer Rechte kommen. (Starker Beifall) Zu diesem Thema, Kolleginnen und Kollegen, gehört auch das, was aus Brüssel kommt. Unter der Überschrift „Flex-security“ soll das Arbeitsrecht geschleift werden. Das werden wir nicht mitmachen. Hier haben wir uns deutlich positioniert. Aber es wird auf uns zukommen, Kolleginnen und Kollegen. Deswegen ist der Bereich Rechtspolitik und Rechtsschutz so wichtig. Wir müssen unseren Rechtsschutz stärken, damit wir die Rechte unserer Kolleginnen und Kollegen in den Betrieben und Verwaltungen auch wirklich schützen können. Das ist ein ganz wichtiger Schwerpunkt, dem ich mich auch in den nächsten Jahren gern widmen will. Kolleginnen und Kollegen, ich bitte um Euer Vertrauen. (Starker
Beifall) Klaus Böhme, KongressleitungGerd, vielen Dank. Gerd Herzberg, stellvertretender VorsitzenderKolleginnen und Kollegen, ich danke für Euer Vertrauen. Ich nehme
die Wahl gern an und freue mich auf die weitere Zusammenarbeit mit
Euch. (Beifall) Klaus Böhme, KongressleitungGerd, von uns herzlichen Glückwunsch zu Deiner Wahl. Andrea Kocsis, BundesvorstandLiebe Kolleginnen und Kollegen, ich will ein paar Worte zu Euch
sprechen. Ich hatte bisher dazu ja noch nicht so oft Gelegenheit. Viele
von Euch kennen mich nicht. Ich bin seit Anfang des Jahres sozusagen
als Quereinsteigerin im Bundesvorstand. Ich habe in den letzten Monaten
einen richtigen Wahlmarathon absolviert und bin froh, wenn er heute
sein vorläufiges Ende nimmt, damit ich mich wieder mit voller Kraft und
noch mehr Kraft den Themen widmen kann, die zum einen in der Branche
anstehen. Ihr wisst: Wir sprechen von der Logistikbranche als einem Riesenwachstumsmarkt. Aber was dort wächst, das sind schlechte Arbeitsverhältnisse. Ich nenne die Stichworte Leiharbeit, Zeitarbeit und Outsourcing. Hier werden wir in Zukunft mit allen betroffenen Fachbereichen eng zusammenarbeiten. Wir haben im nächsten Jahr eine riesengroße Tarifrunde zum Entgeltsystem. Auf der einen Seite steht die Post AG. Zum anderen geht es in zehn Fachbereichen um Flächentarifverträge, die dieselbe Laufzeit haben. Da kommen wir mit unserer Forderung, dass wir in einer Branche gemeinsam auf die Straße gehen, ein ganzes Stück weiter. Darüber freue ich mich sehr. Last but not least - Ihr habt es gehört - geht es um das Thema des Mindestlohns bei der Post. Dazu will ich eine kurze Bemerkung machen. Es geht nicht nur darum, ob die Postbeschäftigten, die Briefzusteller in Zukunft einen branchenspezifischen Mindestlohn haben. Das, was ich in den letzten Tagen und Wochen erlebt habe, war ein entfesselter Kapitalismus, Kolleginnen und Kollegen. Dem müssen wir etwas entgegensetzen. Das werden wir alle zusammen auch schaffen. Da bin ich ganz, ganz sicher. (Beifall) Wir sind eine gute Organisation. Wir haben viel erreicht. Wir werden
zukünftig daran arbeiten, unsere Erfolge noch viel besser darzustellen.
Ich würde mich freuen, wenn Ihr mir Euer Vertrauen schenkt, und danke
Euch. (Beifall) Klaus Böhme, KongressleitungAndrea, vielen Dank. Ich eröffne den Wahlgang und bitte um
Freischaltung des Abstimmungssystems. - Dies ist erfolgt. Ihr könnt
jetzt wiederum abstimmen. Die Möglichkeiten seht Ihr vor Augen.
(Übertragung der Stimmsignale) - Der Wahlgang ist geschlossen. Wir
warten auf das Ergebnis. - Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen, Ihr
merkt, es geht jetzt deutlich flotter. Das Ergebnis liegt vor.
Abgegebene Stimmsignale 896, gewertete gültige Stimmen 875. Mit Ja
haben gestimmt 794. (Beifall) Mit Nein haben gestimmt 81 und 21 haben
sich enthalten. Andrea Kocsis, stellvertretende ver.di-VorsitzendeLiebe Kolleginnen und Kollegen, meinen allerherzlichsten Dank für
dieses Superergebnis. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit Euch.
Ich freue mich darauf, dass wir unseren Weg weiter klar und deutlich
gemeinsam verfolgen werden. Nochmals herzlichen Dank. (Beifall) Klaus Böhme, KongressleitungAndrea, auch Dir von dieser Stelle herzliche Gratulation. Wir kommen
zur Wahl einer weiteren stellvertretenden Vorsitzenden und zugleich
Vertreterin des Fachbereichs 12 im Bundesvorstand. Nominiert ist die
Kollegin Margret Mönig-Raane. Wird dazu das Wort gewünscht? - Das ist
nicht der Fall. Margret, Dein Part. Margret Mönig-Raane, BundesvorstandMit Begeisterung und Zuversicht möchte ich sehr gerne in den
nächsten vier Jahren an der Verwirklichung unserer Ziele, „Solidarität,
Würde, Gerechtigkeit“ mitarbeiten. Begeisterung deshalb, weil es eigentlich nicht vorstellbar ist, dass es schönere Ziele gibt, für die man arbeiten kann. Buchstabiert für die Betriebe heißt das, gute Arbeit, gute Arbeitsbedingungen, gute Einkommensbedingungen; heißt das, gleiche Chancen für Frauen in den Betrieben und Unternehmen weiter zu realisieren. Gesellschaftlich heißt das, dass der Weg, weg von einer solidarischen Gesellschaft, von uns gestoppt wird, dass wir eine große Kraft werden, die den Weg hin zu den Zielen, die die Mehrheit der Bevölkerung teilen, zu einer solidarischen Gesellschaft, wieder puschen kann. Und Zuversicht deshalb, weil ich davon überzeugt bin, dass es uns
gelingt, in den nächsten vier Jahren wieder viele neue Mitglieder zu
gewinnen, dass es uns gelingt, viele Mitglieder zu aktivem Mitmachen zu
begeistern. Das sind unsere Schätze. Das sind unsere Ressourcen. Wir
sind so stark. Wir müssen es nur zeigen und machen. Da würde ich sehr
gerne mithelfen. - Ich bedanke mich. (Beifall) Klaus Böhme, KongressleitungMargret, vielen Dank. Ich eröffne den Wahlvorgang und bitte um
Freischaltung des Abstimmungssystems. Das ist erfolgt. Wir können jetzt
abstimmen. (Übertragung der Stimmsignale - ) Das ist live, das ist
Leben pur. Ausgerechnet beim Wahlleiter ist jetzt eine Panne mit dem
Handsender eingetreten. Ich bitte daher um Verständnis, dass es sich um
einen kleinen Moment verzögert. - Das ging rasend schnell. - Liebe
Kolleginnen und Kollegen, der Wahlgang ist beendet. In Kürze erhalten
wir das Ergebnis. Margret Mönig-RaaneHerzlichen Dank, liebe Kolleginnen und Kollegen. Ich nehme die Wahl
sehr gerne an und danke für Euer Vertrauen. (Beifall) Klaus Böhme, KongressleitungMargret, auch Dir herzlichen Glückwunsch. (Beifall) Michael Sievers, 774Ich wollte fragen, ob man die Zeit nach der Wahl, solange wir auf
das Ergebnis warten, vielleicht nicht doch bereits dazu nutzen könnte,
dass sich der nächste Bewerber vorstellt. (Leichter Beifall) Klaus Böhme, KongressleitungDas war ein Antrag zur Geschäftsordnung. Gibt es eine Gegenrede? -
Das ist nicht der Fall. (Widerspruch) - Entschuldigung. Das war formale
Gegenrede. Frank WernekeLiebe Kolleginnen und Kollegen, wie bereits gesagt worden ist, kandidiere ich als stellvertretender Vorsitzender und zugleich als Leiter des Fachbereichs 8. Das ist bei ver.di ein Fachbereich mit einer Vielzahl von Branchen. Aber das Prägende in diesen Branchen ist, dass uns in den letzten Jahren - ich befürchte, das wird so weitergehen - so gut wie kein Konflikt erspart geblieben ist, weil wir es überwiegend mit Arbeitgebern und ihren Verbänden zu tun haben, deren oberstes Ziel es ist, tariffreie Räume zu schaffen und die Rechte von Beschäftigten abzubauen. Ich glaube, wir haben uns insoweit ganz zäh, wacker und im
aufrechten Gang in diesen vielen Konflikten und Streiks, die wir zu
bestehen hatten, geschlagen. Mein Bild ist, dass wir diese Kämpfe in
ver.di gemeinsam organisieren und mit noch größerem Zusammenhalt
organisieren, als uns das in der Vergangenheit gelungen ist. Aus dieser
Perspektive eines solchen Fachbereichs will ich meinen Beitrag leisten,
um solche Kämpfe zu bündeln und dadurch stärker zu werden. Ihr wisst, dass ich im Bundesvorstand auch für die Bereiche
Mitgliederentwicklung, Jugend und Selbstständige zuständig bin. Ich
habe dazu heute bereits im Zusammenhang mit der
Geschäftsberichtsdiskussion einiges gesagt und will das deshalb jetzt
nicht wiederholen. Ich will nur so viel sagen: Das sind drei höchst
spannende Felder, die mir auch richtig Spaß machen. Ich will versuchen,
meinen Beitrag dazu zu leisten, dass ver.di wieder zu einer wachsenden
Gewerkschaft und damit zu einer erfolgreicheren und stärkeren
Gewerkschaft wird. Ich will versuchen, meine Energie dafür einzubringen
und würde mich freuen, wenn Ihr mir dafür Euer Vertrauen gebt. - Vielen
Dank. (Beifall) Klaus Böhme, KongressleitungFrank, vielen Dank für Deine Ausführungen. Frank Werneke, BundesvorstandLiebe Kolleginnen und Kollegen, ich freue mich wirklich riesig über
das Ergebnis. Ich nehme die Wahl an und freue mich auf die
Zusammenarbeit mit Euch. - Vielen Dank. (Beifall) Klaus Böhme, KongressleitungFrank, auch Dir herzlichen Glückwunsch zu Deiner Wahl. Georg Kaster, 500Kolleginnen und Kollegen, meine Bemerkungen zu der kommenden Wahl
haben etwas mit meiner persönlichen Kenntnis und Erfahrung zu tun. Ich
habe leider keine andere Möglichkeit, in dem Einzelfall zu reden,
sondern muss zu dem gesamten Tagesordnungspunkt etwas sagen, weil mich
das sehr berührt hat. Klaus Böhme, KongressleitungKollege, vielen Dank für Deine Meinungsäußerung. Uwe Foullong, BundesvorstandLiebe Kolleginnen und Kollegen, ich vermute sehr stark, dass ich unter uns in diesem Saal der jüngste 50-Jährige bin, am 29. September 1957 geboren, fast 30 Jahre Gewerkschafter. Nach meiner Bankzeit habe ich, liebe Kolleginnen und Kollegen, als Stipendiat der Hans-Böckler-Stiftung ein Studium der Wirtschaftswissenschaften absolviert und hatte in dieser Zeit gewerkschaftliche Bildungsarbeit gemacht. Ich bin jetzt seit 20 Jahren hauptamtlich im Bereich der Finanzdienstleistungen engagiert. Ich will kurz versuchen, drei Punkte aus unserer Arbeit, die ich mit angeregt habe und die mir persönlich sehr wichtig sind, zu skizzieren und zu sagen, was in den nächsten Monaten und in den nächsten Jahren besonders Wichtiges erreicht werden soll. Das ist als Erstes, liebe Kolleginnen und Kollegen, die betriebsbezogene Gewerkschaftsarbeit, die auch im Bereich der Banken, Sparkassen und Versicherungen noch stärker intensiviert werden muss - und das auch mit neuen Instrumenten wie zum Beispiel dem Organizing. Wir haben angesichts eines immer härteren Kostenmanagements auch bei den Banken, Sparkassen und Versicherungen ein verstärktes Engagement für den Erhalt von Arbeitsplätzen und den Ausbau von Einkommen bitter, bitter nötig. Wir werden die Betriebspolitik immer mehr mit der Tarifpolitik verstärken müssen, vor allem deshalb, weil wir auch immer mehr merken, dass es eine krasse Renditesteigerung der Arbeitgeber auf Kosten der Beschäftigten gibt. Die Arbeitgeber betreiben Stellenvernichtungen und dabei Einkommenssenkungen trotz hoher Gewinne. Deshalb, liebe Kolleginnen und Kollegen, werden wir noch mehr als bisher Gegenwehr gegen diese brutale Unternehmenspolitik entwickeln. Die Kämpfe in der Allianz-Versicherung, in der Sparkasseninformatik und jetzt auch seit letztem Wochenende bei der Volksfürsorge sind nur einige Beispiele für die aktuellen Herausforderungen. Zweiter Punkt. Es gilt, die Betriebs- und Tarifpolitik zunehmend mit
der Gesellschaftspolitik zu verzahnen. Die Renditemaximierungspolitik
in den Konzernen verändert die Gesellschaft. Die Durchökonomisierung
aller Lebensbereiche droht Realität zu werden. Damit eben genau dies
nicht Realität wird, liebe Kolleginnen und Kollegen, brauchen wir auch
aus unserem Fachbereich eine Intensivierung der Wertedebatte in dieser
Gesellschaft. Deshalb, liebe Kolleginnen und Kollegen, werden wir uns vor allem auch dafür engagieren, dass es eine gesetzliche Regelung zum Verbot betriebsbedingter Kündigungen gibt - zumindest dann, wenn Unternehmen Gewinne machen. Es ist einfach ein Skandal, wenn Unternehmen Stellen streichen und Beschäftigte entlassen, obwohl sie Gewinne machen. (Beifall) Zu dieser Wertedebatte gehört es vor allem auch, dass es ein wesentlicher Bestandteil dieses Sozialstaates ist, dass unsere Wirtschaft gemischtwirtschaftlich verfasst ist. Wir haben neben der Privatwirtschaft auch einen starken öffentlichen Sektor. Bei den Finanzdienstleistungen sind es vor allem die öffentlich-rechtlichen Sparkassen, die wir auch in der Zukunft als öffentliche Unternehmen brauchen. Wir werden uns auch zukünftig mit allen Mitteln, die wir haben, gegen die Privatisierung öffentlicher Unternehmen zur Wehr setzen. (Vereinzelt Beifall) Als letzten Punkt, liebe Kolleginnen und Kollegen, möchte ich kurz die Finanzmärkte und die Finanzpolitik ansprechen. Die Finanzmärkte haben sich in den letzten fünf bis zehn Jahren dramatisch verändert. Aus den Finanzmärkten heraus können bereits Krisen für gesamte Volkswirtschaften entstehen. Deshalb geht es zukünftig vor allem darum, die neu gewonnene Macht von Hedgefonds und Private Equity Fonds zu begrenzen und einzudämmen. Ich sage ganz deutlich: Transparenz, wie die Bundeskanzlerin sie fordert, reicht da keinesfalls aus. Es nützt uns nichts, wenn wir mit mehr Transparenz in die nächste Krise schlittern. Deshalb brauchen wir vor allem gesetzliche Regelungen für eine stärkere Aufsicht der Finanzmärkte, für eine Regulierung, national wie international, um die Risiken für die Volkswirtschaft zu vermeiden, zumindest zu minimieren. Liebe Kolleginnen und Kollegen, abschließend will ich betonen, dass
ich weiter daran mitarbeiten möchte, unsere Vereinte
Dienstleistungsgewerkschaft stark zu machen. Ich will mich weiter für
eine durchsetzungsfähige Organisation engagieren - mit Herz und mit
Verstand. Dafür bitte ich um Euer Vertrauen. - Danke schön.
(Beifall) Klaus Böhme, KongressleitungUwe, vielen Dank. - Ich eröffne den Wahlgang und bitte um
Freischaltung des Abstimmungssystems. Dies ist gerade geschehen, das
heißt, Ihr könnt jetzt mit Euren Handsendern abstimmen. (Übertragung
der Stimmsignale) Uwe FoullongLiebe Kolleginnen und Kollegen, ich nehme die Wahl an, bedanke mich
für das Vertrauen und freue mich auf die weitere Zusammenarbeit. Vielen
Dank. (Beifall) Klaus Böhme, KongressleitungVon uns ein herzlicher Glückwunsch, Uwe. - Wir kommen zur Wahl eines
Vertreters der Fachbereiche 2 und 11 im Bundesvorstand. Nominiert ist
der Kollege Erhard Ott. (Vereinzelt Beifall) Erhard, Dein Part. Erhard OttLiebe Kolleginnen und Kollegen, ich stehe hier für die Kooperation der Fachbereiche Ver- und Entsorgung und Verkehr. Das ist aus meiner Sicht nicht nur eine Frage der Straffung der Führungsorganisation in ver.di, sondern es ist auch eine Frage der Auseinandersetzung gegen Liberalisierung, Marktöffnung und ungehemmten Wettbewerb. All die Branchen und Sparten, mit denen wir uns beschäftigen und in denen wir die Interessen der Kolleginnen und Kollegen vertreten, sind Maßnahmen insbesondere aus Brüssel ausgesetzt. Ich meine, es ist eine zentrale Aufgabe, dass wir unsere Handlungsfähigkeit auf der europäischen Ebene, die wir in den letzten Jahren schon sehr nachhaltig bewiesen haben - ich denke an Port Package, an Dienstleistungsrichtlinie und andere Themen auf der europäischen Ebene - weiter verbessern und das europäische Thema zu einem zentralen Thema unserer Politik in ver.di machen. Das ist der erste Punkt. Das geht gleichzeitig einher mit Auseinandersetzungen um die Rettung und Verteidigung von Arbeitsplätzen zu vernünftigen Bedingungen. Wir erleben es gerade im Fachbereich 2, dass die Entsorgungswirtschaft sich in einem unerträglichen Unterbietungswettbewerb befindet und wir nach mühseligen Gesprächen jetzt auf dem Weg zu einem tariflichen Mindestlohn sind, um hier zu Ergebnissen zu kommen, damit den Turnschuhfirmen Einhalt geboten wird. Aber ich sage von dieser Stelle aus auch den Arbeitgebern, dass sie sich nicht einbilden sollen, wir würden die tariflichen Einstiegslöhne aus dem kommunalen und privaten Bereich untertunneln mit Mindestlöhnen, die darunter liegen. Das werden wir nicht machen. (Beifall) Einen dritten Punkt möchte ich ansprechen, liebe Kolleginnen und Kollegen, weil ich glaube, dass es dabei um die entscheidende Frage der nächsten Jahre geht, um die Mitgliederentwicklung. Wir haben uns vorgenommen, in beiden Fachbereichen zu versuchen, den Trend umzukehren. Ich hoffe, wir schaffen das. Ein besonderes Anliegen ist für mich in dem Zusammenhang, dass wir
die im Fachbereich 2 entwickelte Jugendarbeit in beiden Fachbereichen
voranbringen und auch in den Fachbereichen dafür sorgen, dass wir mehr
aktive Kolleginnen und Kollegen aus der Jugend bekommen. Das ist für
mich ein zentrales Anliegen, und dafür bitte ich um Euer Votum.
(Beifall) Klaus Böhme, KongressleitungErhard, vielen Dank. - Ich eröffne den Wahlgang. Das System ist
freigeschaltet. Ihr könnt also jetzt Eure Stimme abgeben. (Übertragung
der Stimmsignale) - Der Wahlgang ist geschlossen. Wir warten auf das
Ergebnis. - Das Wahlergebnis liegt vor. Abgegebene Stimmsignale 861,
gewertete gültige Stimmen 833. Mit Ja gestimmt haben 715 Delegierte,
(Beifall) Nein-Stimmen 118, Enthaltungen 28. Erhard Ott, BundesvorstandJa, liebe Kolleginnen und Kollegen, das ist eine Herausforderung für
mich. Ich nehme die Wahl selbstverständlich gern an und freue mich auf
die Zusammenarbeit mit Euch. - Danke schön. (Starker Beifall) Klaus Böhme, KongressleitungErhard, herzlichen Glückwunsch zu Deiner Wahl. Ellen Paschke, BundesvorstandLiebe Kolleginnen und Kollegen, ich hatte ja heute Morgen schon mal die Gelegenheit, zu Euch zu sprechen. Ich möchte aber noch einmal ein Thema ansprechen, das mir sehr am Herzen liegt: die Gesundheitspolitik. Ihr alle wisst, dass am 1. April das Wettbewerbsstärkungsgesetz in Kraft getreten ist und dass dieses Wettbewerbsstärkungsgesetz eine Teilprivatisierung vorsieht. Bundestagsabgeordnete haben bereits vor Inkrafttreten dieses Gesetzes gesagt, dass es nur eine kurze Halbwertszeit haben wird. Das heißt, es kommt nach der Bundestagswahl 2009 mit Sicherheit wieder auf die Tagesordnung, und ich weiß, dass die Lobbyisten der großen Klinikketten unterwegs sind, um ihre große Vision zu verwirklichen, nämlich in der Bundesrepublik nur eine Grundversorgung zu haben - und alles andere können sich die Reichen dazukaufen. Das, liebe Kolleginnen und Kollegen, müssen wir verhindern. (Lebhafter Beifall) Wir sind im Fachbereich 3 für die Gesundheit zuständig. Manchmal habe ich gedacht, wir werden auch von vielen Mitgliedern in ver.di allein gelassen. Ich weiß, dass wir, wenn es soweit ist, dass das Gesetz scharf geschaltet werden soll, die geballte Kraft von ver.di brauchen. Ihr werdet mitziehen, denn Gesundheit ist ein Menschenrecht und darf nicht zur Ware werden in dieser Bundesrepublik. (Starker Beifall) Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir haben in unserem Fachbereich genauso viele Probleme wie in allen anderen Fachbereichen auch. Wir sind aber gut aufgestellt. Wir haben in den letzten vier Jahren wunderbar zusammengearbeitet. Und wenn ich „wir“ sage, dann meine ich meine ehrenamtlichen und hauptamtlichen Kolleginnen und Kollegen. Und ganz unbescheiden sage ich: Ich habe auch einiges dazu beigetragen. (Lebhafter Beifall) Damit ich das fortsetzen kann, liebe Kolleginnen und Kollegen, bitte
ich um Euer Vertrauen und bitte ich um Eure Stimme. - Danke schön.
(Starker Beifall) Klaus Böhme, KongressleitungEllen, vielen Dank. Ellen Paschke, BundesvorstandIch nehme die Wahl an. Ich bedanke mich bei Euch, liebe Kolleginnen
und Kollegen, und freue mich auf die weitere Zusammenarbeit. Klaus Böhme, KongressleitungEllen, auch Dir gilt unser herzlicher Glückwunsch. Wir kommen zur
Wahl einer Vertreterin des Fachbereichs 4 in den Bundesvorstand.
Nominiert ist die Kollegin Isolde Kunkel-Weber. Isolde, Du hast das
Wort. Isolde Kunkel-Weber, BundesvorstandLiebe Kolleginnen, liebe Kollegen, wir haben im Fachbereich Sozialversicherung vier Fachgruppen: die Fachgruppen Gesetzliche Krankenkassen, Rentenversicherung, Gesetzliche Unfallversicherung/landwirtschaftliche Sozialversicherungsträger und Bundesagentur für Arbeit. Seit der ver.di-Gründung stehen wir mit allen Fachgruppen immer im Brennpunkt der sozialpolitischen Debatten. Eine Reform jagt die andere. Immer sind die Arbeits- und Einkommensbedingungen der Beschäftigten der Sozialversicherungsträger betroffen. Natürlich kämpfen wir dafür, die Interessen der Beschäftigten der Sozialversicherungsträger zu vertreten. Natürlich kämpfen wir dafür, ihre Arbeitsplätze zu erhalten und ihre Tarifstandards zu erhalten. Wir kämpfen aber auch für mehr. Wir kämpfen auch für den Erhalt der sozialen Sicherungssysteme als solche, weil wir glauben: Sie sind die Säulen dieses Sozialstaats und damit Garanten für den sozialen Frieden in diesem Land. Deswegen werden wir in den nächsten Jahren weiter dafür kämpfen, dass diese Systeme erhalten bleiben und mit ihnen die Interessen der Beschäftigten geschützt werden. (Beifall) Kolleginnen und Kollegen, ich bin seit dem letzten Kongress in ver.di auch für Personal zuständig. Es war und ist eine Herausforderung, einerseits mit dazu beizutragen, dass wir wichtige Schritte in der Haushalts- und Personalkostenkonsolidierung gegangen sind, andererseits mit dazu beizutragen, dass wir gut qualifiziertes und engagiertes Personal haben, dass wir die Arbeitsfähigkeit unserer Einheiten sicherstellen, dass wir uns verjüngen, dass wir einen sicheren Wissenstransfer organisieren. Das ist ein Spannungsfeld. In diesem Spannungsfeld haben wir erste wichtige Schritte zur Integration auch der Einkommens- und Arbeitsbedingungen der Beschäftigten von ver.di erreicht. Weitere Herausforderungen stehen vor uns. Denen möchte ich mich
gerne stellen. Ich bitte dafür um Euer Vertrauen. (Beifall) Klaus Böhme, KongressleitungDanke, Isolde. Ich eröffne den Wahlgang. Das System ist
freigeschaltet. Ihr könnt jetzt abstimmen. (Übertragung der
Stimmsignale) - Der Wahlvorgang ist geschlossen. Wir erwarten in Kürze
das Ergebnis. - Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen, ich gebe das
Wahlergebnis bekannt. Abgegebene Stimmsignale 869, gewertete gültige
Stimmen 828. Mit Ja haben 491 Delegierte gestimmt, (Beifall)
Nein-Stimmen 337, Enthaltungen 41. Isolde, ich frage Dich: Nimmst Du
die Wahl an? Isolde Kunkel-Weber, BundesvorstandIch nehme die Wahl an, Kolleginnen und Kollegen. Ich danke Euch, und
ich lasse mich nicht entmutigen, den schwierigen Weg weiterzugehen.
(Beifall) Klaus Böhme, KongressleitungIsolde, auch Dir herzliche Gratulation zu Deiner Wahl. Liebe
Kolleginnen, liebe Kollegen, wir kommen zur Wahl einer Vertreterin der
Fachbereiche 5 und 13 im Bundesvorstand. Nominiert ist die Kollegin
Petra Gerstenkorn. Petra, Du hast das Wort. Petra Gerstenkorn, BundesvorstandLiebe Kolleginnen, liebe Kollegen, die Delegierten der Bundesfachbereichskonferenzen Besondere Dienstleistungen und Bildung, Wissenschaft und Forschung haben mich für den Bundesvorstand nominiert. Das ist zunächst einmal eine gemeinsame Nominierung. Nun sind wir aber schon nach wenigen Monaten auf dem Weg zu einer Kooperation. Es gibt einen ersten Vereinbarungsentwurf zwischen den Präsidien. Das ist eine Kooperation, die selbst für ver.di, wo wir doch vielfältig, bunt und - wie hieß es doch vorgestern? - eigensinnig sind, ungewöhnlich ist, zumindest auf den ersten Blick. Auf den zweiten Blick - das haben wir jetzt festgestellt - gibt es viele Verbindungslinien in diesen beiden Fachbereichen. Es gibt prekäre Beschäftigungsverhältnisse in sehr unterschiedlichen Ausprägungen: auf der einen Seite im Bereich der Bewachung, im Bereich der Friseurinnen und Friseure und im Fachbereich 5 bei studentischen Beschäftigten, bei Honorarkräften in der Weiterbildung und bei zeitlich befristeten Arbeitsverhältnissen im Ausbildungsbereich. Wir sind entschlossen, in diesen beiden Fachbereichen diese
Gemeinsamkeiten zu suchen, diese Gemeinsamkeiten weiterzuentwickeln und
diese sehr ungewöhnliche Kooperation zu gestalten. Ich möchte das gerne
tun, gemeinsam mit meinen hauptamtlichen und ehrenamtlichen Kolleginnen
und Kollegen, und dafür bitte ich um Euer Vertrauen und um Eure Stimme.
(Beifall) Klaus Böhme, KongressleitungPetra, vielen Dank. Ich eröffne den Wahlgang. Das System ist
freigeschaltet. Ihr könnt Eure Stimme jetzt abgeben. (Übertragung der
Stimmsignale) - Der Wahlgang ist geschlossen. Wir warten auf das
Ergebnis. - Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen, ich gebe das
Wahlergebnis bekannt. Abgegebene Stimmsignale 863, gewertete gültige
Stimmen 830. Ja-Stimmen 712 (Beifall), Nein-Stimmen 118, Enthaltungen
33. - Petra, nimmst Du die Wahl an? Petra Gerstenkorn, BundesvorstandDa will ich denn jetzt mal sagen im schönsten Hamburgisch, das ich
überhaupt kann: Das sei mol gar keine Frage. Das nehme ich gerne an.
Vielen, vielen Dank. Ich freue mich auf die weitere Zusammenarbeit mit
Euch. - Danke. (Beifall) Klaus Böhme, KongressleitungPetra, herzlichen Glückwunsch auch Dir. Achim MeerkampDie Kooperation der beiden Fachbereiche Bund, Länder und Gemeinden ist mutig, weil sie die Auswirkung hat, liebe Kolleginnen und Kollegen, nicht nur Verantwortung für zwei Fachbereiche zu bekommen, sondern auch für die Besoldungs- und Tarifpolitik im öffentlichen Sektor. Sie ist aber richtig und konsequent, denn es geht erstens einmal um die Sicherung, Weiterentwicklung des öffentlichen Sektors und zum Zweiten um die Gleichheit der Beamten und der Tarifpolitik in diesem Lande. (Beifall) Wieso sage ich das? Wir Gewerkschaften streiten dafür, dass in diesem Staate die Lebensbedingungen gleich sind, wir alle über qualifizierte Dienstleistung verfügen können und die Bezahlung sich nicht nach der Wirtschaftskraft des Bundes, der Länder oder der Gemeinden richten sollte. (Beifall) Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen, ich fühle mich für diese Aufgabe
qualifiziert, hoch motiviert, und, Ihr seht das, ich bin topfit.
(Heiterkeit, Beifall) Klaus Böhme, KongressleitungVielen Dank, Achim. Ich eröffne den Wahlgang. Das System ist
freigeschaltet. Ihr könnt Eure Stimme abgeben. (Übertragung der
Stimmsignale) - Der Wahlgang ist geschlossen. In Kürze haben wir das
Ergebnis. - Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen, ich gebe das
Wahlergebnis bekannt: Abgegebene Stimmsignale 862, gewertete gültige
Stimmen 843, Ja-Stimmen 759, (Großer Jubel - Beifall) Nein-Stimmen 84,
Enthaltungen 19. Achim, nimmst Du die Wahl an? Achim MeerkampWas für eine Frage. Danke für das Vertrauen. Ich arbeite in den
nächsten vier Jahren gerne für Euch. Viel Glück. (Starker
Beifall) Klaus Böhme, KongressleitungAchim, auch Dir gilt für Deine Wahl unser Glückwunsch. Lothar SchröderKolleginnen und Kollegen, die Themen, an denen ich bisher gearbeitet habe, lassen sich in drei Überschriften zusammenfassen. Es sind drei Themenfelder, die ich beschreiben würde mit Widerstand, mit neuen Wegen für sozialen Fortschritt und mit sozialer Gerechtigkeit. Was wir unter Widerstand verstanden haben, haben wir im Arbeitskampf bei der Telekom bewiesen. Widerstand hat für mich aber auch damit zu tun, sich nicht nur entgegenzustellen, sondern auch wieder etwas zurückzudrehen, wenn es an der Zeit ist. Deswegen geht es jetzt darum, die Tarifauseinandersetzung 2009 vorzubereiten, um uns zurückzuholen, was man uns genommen hat, Kolleginnen und Kollegen. Daran möchte ich gerne arbeiten. (Beifall) Ich möchte aber auch gerne daran arbeiten, neue Wege zu gehen, sozialen Fortschritt zu organisieren. Ich glaube, dass wir es in unserem Land dringend nötig haben, das Thema „Gute Arbeit“ auf die politische Tagesordnung zu setzen. Wenn wir feststellen, dass in diesem Land nur die Hälfte der Menschen sagt, ja, diese Arbeitsdichte werde ich bis zum Ende meines Berufslebens durchhalten, dann muss uns dies aufschrecken, Kolleginnen und Kollegen, und dann müssen wir anfangen, dieses Thema auf die politische Tagesordnung zu setzen, um die Definitionsgewalt über das Thema „Gute Arbeit“ wieder zurückzugewinnen. (Leichter Beifall) Ich glaube, Kolleginnen und Kollegen, dass wir auch gut daran tun, beim Thema „Soziale Gerechtigkeit“ neue Aspekte zu erarbeiten, wie Uwe das vorhin angesprochen hat. Es darf in diesem Land keine Möglichkeit geben, betriebsbedingte Beendigungskündigungen auszusprechen, wenn die Unternehmen gute Gewinne schreiben. Es lohnt sich, eine Debatte darüber anzuzetteln. Wir sollten aber auch eine Debatte darüber beginnen, dass es ein Unding ist, dass jene, die uns die Schwierigkeiten in den Betrieben machen, mit Einkommen nach Hause gehen, die einem die Schamesröte ins Gesicht treiben. (Beifall) Ich würde mir eine Debatte darüber wünschen, Kolleginnen und Kollegen, dass man Managergehälter an ein Vielfaches des Mindestlohnes bindet. Allein die Debatte darüber, wie groß dieses Vielfache ist, könnte normative Wirkung entfalten. (Beifall) Daran sollten wir arbeiten. Daran möchte auch ich arbeiten und dafür
bitte ich um Euer Vertrauen. (Beifall) Klaus Böhme, Kongressleitung Vielen Dank, Lothar. Ich eröffne den Wahlgang. Das Wahlsystem ist
freigeschaltet. Ihr könnt jetzt abstimmen. (Übertragung der
Stimmsignale) - Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen, der Wahlgang ist
geschlossen. - Ich gebe nun das Wahlergebnis bekannt: Abgegebene
Stimmsignale 877, gewertete gültige Stimmen 848. Ja-Stimmen 700,
(Beifall), Nein-Stimmen 148, Enthaltungen 29. Lothar, nimmst Du die
Wahl an? Lothar SchröderVielen Dank. Ich freue mich über Euer Vertrauen und nehme die Wahl
an. Ich wünsche uns eine gute Zusammenarbeit, auf dass es weitergeht. -
Danke. (Beifall) Klaus Böhme, KongressleitungLothar, herzlichen Glückwunsch auch Dir. Sieglinde FrießLiebe Kolleginnen und Kollegen, als ich heute früh aufgewacht bin,
war ich natürlich zunächst sehr aufgeregt, war aber später dann doch
sehr verärgert. Ich hatte nämlich die Zeitung aufgeschlagen. Als ich in
der Zeitung ein Zitat von Müntefering las, fühlte ich mich richtig
verarscht. Am Sonntag saßen wir noch hier und haben seinem Redebeitrag
zugehört. Ich habe mitgeklatscht, weil ich gedacht habe, es entwickelt
sich politisch ein bisschen wieder in unsere Richtung. Aber heute muss
ich in der „Welt“ lesen, dass er zur Agenda 2010 und zu Hartz IV sagt -
Zitat -: „Meiner Partei empfehle ich, den Weg weiterzumachen. Der ist
sehr erfolgreich.“ Ich trete offensiv für weitere Arbeitszeitverkürzungen ein. Wir
müssen es schaffen, auch denen, die sich mittlerweile gar nicht mehr
arbeitslos melden, den vielen Frauen, neue Arbeitsplätze zu
organisieren. Wir müssen in der Organisation wieder darüber
diskutieren, wie wir das Thema Arbeitszeitverkürzung stärker in die
Agenda nehmen. (Beifall) Jetzt zu den fünf Punkten. Ich kann das nur in Schlaglichtern
machen. Der erste Punkt: Unsere Handlungs- und Durchsetzungskraft ist
nur durch eine starke Präsenz in den Betrieben und Dienststellen
erreichbar. Deswegen müssen wir auch in der Bildungsarbeit diese
Präsens ausbauen, die Kolleginnen und Kollegen stärker beteiligen und
die Arbeit noch stärker vernetzen. Wir müssen die Bildungspolitik auf
die Anforderungen der Vertrauensleute und Betriebsgruppen
ausrichten. Ein großes Interesse von mir ist natürlich, die Vielfalt, die wir
haben, besser abzustimmen und die Bildungsstätten als wichtigen Hort
für die Identifikation unserer Mitglieder in der Organisation zu
erhalten. (Beifall) Klaus Böhme, KongressleitungSieglinde, vielen Dank für Deine Ausführungen. Bernhard Pfitzner, 796Kolleginnen und Kollegen, es fällt mir etwas schwer, weil ich dieses
Wahlergebnis nicht erwartet hatte, und ich habe große Befürchtungen für
den nächsten Wahlgang. Ich möchte etwas sagen. Ich hatte mich vorher
gemeldet, weil ich einen Beitrag, der hier im Raum stand, unerträglich
fand. (Vereinzelt Beifall) Zu sagen, man habe hier jemanden von der
Straße geholt, Kolleginnen und Kollegen, ist unter unserem Niveau.
(Beifall) Ich bin - das sage ich, um überhaupt kein Missverständnis
aufkommen zu lassen - kein CDU-Mitglied, kein CDU-Wähler, kein
CDU-Anhänger, sondern bekennender Gegner der CDU. (Vereinzelt Beifall)
Aber die Auseinandersetzung in einer Einheitsgewerkschaft hat auf der
Grundlage unserer gewerkschaftlichen Position zu erfolgen und nicht mit
einem emotionalen Anknüpfen an Ressentiments, wobei man nicht einmal
zur Kenntnis nimmt, welche Position diese Kollegin vertritt.
(Beifall) Klaus Böhme, KongressleitungVielen Dank, Bernhard. - Das Wort hat jetzt die Kollegin Brigitte
Buciek mit der Delegiertennummer 647. Brigitte Buciek, 647Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich muss sagen: Der erste
Redebeitrag zur Wahl von Martina Stabel-Franz hat auch mich sehr
betroffen gemacht. Ich meine, so sollten wir nicht miteinander umgehen.
(Leichter Beifall) Ich meine auch, dass Martina das persönlich nicht
verdient hat. Der Gewerkschaftsrat hat sie nominiert, und das ganz
sicherlich aus gutem Grund. Ich war bei ihrer persönlichen Vorstellung
in Baden-Württemberg, und ich muss sagen: Ich habe sie sehr authentisch
erlebt. Obwohl ich jetzt einmal für mich sagen möchte: „Mein Herz
schlägt links“, meine ich, dass sie eine ganze Reihe von Kompetenzen
und Qualifikationen und durchaus wertvolle Erfahrungen mitbringt. Bei
dem, was Du, Martina, wie ich zumindest Deinem Lebenslauf entnehmen
konnte, im Bereich sozialer Themen alles schon geleistet hast, kann ich
nur zu dem Schluss kommen, dass Dein Herz eigentlich an keinem anderen
Fleck schlagen kann. Klaus Böhme, KongressleitungVielen Dank, Brigitte. - Ich hatte deutlich gemacht: Die Kollegin
Martina Stabel-Franz ist nominiert. Gibt es dazu Wortmeldungen? - Der
Kollege Günter Roggenkamp mit der Delegiertennummer 644 hat das
Wort. Günter Roggenkamp, 644Ich denke, die Diskussion über die Kandidatin führen wir jetzt an
der falschen Stelle. Wir hätten die Diskussion zu den einzelnen
Kandidaten auch vorher führen können. (Beifall) Das haben wir nicht
gemacht, also diskutieren wir jetzt darüber. Ich verurteile auch, wenn
gesagt wird: „Wir nehmen jemand von der Straße.“ Das ist ganz klar.
Solch eine Diskussion wird ja sehr schnell emotional, aber ich möchte
sachlich etwas erfahren. Ich möchte gern von der Kollegin wissen, weil
ich gehört habe, dass sie für Sozialpolitik zuständig sein soll, wie
ihre sozialpolitischen Vorstellungen aussehen. Ich denke, man kann in
einer solchen Diskussion verlangen, dass sie das einmal kurz darstellt.
- Danke. (Leichter Beifall) Klaus Böhme, KongressleitungUns liegt eine weitere Wortmeldung vor. Die Kollegin Gitta
Süß-Slania mit den Delegiertennummer 688 hat das Wort. Gitta Süß-Slania, 688Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen, als ich eben hierher gegangen
bin, sagte ein Kollege: Siehst Du, die Debatte erfolgt zu spät, und
deshalb geraten ein paar Dinge durcheinander. Ich will mir erlauben,
einige wenige Sätze zu dem zu sagen, was eben war, und zu dem, was vor
uns steht. Klaus Böhme, KongressleitungVielen Dank, Gitta. Martina Stabel-FranzKolleginnen und Kollegen, es war gerade die Rede von Breite. Nach
der Diskussion soeben muss ich dann doch in der Vorstellung etwas
breiter werden, um denen, die ich in der letzten Woche noch nicht
getroffen habe, doch einen Einblick über mich zu geben. Erstens. Deregulierung und Aushöhlung des Arbeitsrechts, Tarifflucht, Freigabe von Leiharbeit und Hartz IV haben die Schere zwischen Arm und Reich immer größer werden lassen und eine Lohnspreizung in unerträglicher Größenordnung entstehen lassen. Gerade deshalb ist die Einführung von Mindestlöhnen eine entscheidende Frage für die Zukunft Deutschlands. Ich bin hier sehr stolz auf die ver.di-Politik, und Ihr könnt sicher sein, dass ich mich weiterhin überall dort, wo ich Einfluss habe, für die Einführung von Mindestlöhnen stark mache. Zweitens. Hartz IV ist für viele und insbesondere auch gerade für junge Menschen die Armutsfalle schlechthin. Wir müssen es erreichen, die Leistungen wieder anzuheben. Hierzu haben wir gute Anträge auf unserem Bundeskongress. Drittens Qualifizierung: In Würde leben und arbeiten können heißt,
allen arbeitslosen Menschen unabhängig vom Kundenstatus bei der
Arbeitsagentur den Zugang zu Qualifizierungsmaßnahmen zu ermöglichen.
Die geradezu lächerlich geringe Anzahl an Weiterbildungsmaßnahmen in
diesem Bereich steht in krassem Widerspruch zu der immer wieder
politisch erhobenen Forderung nach lebenslangem Lernen, ebenso wie die
Ausgrenzung von Frauen aus diesen Leistungen. (Beifall) Derzeit beziehen 1,3 Prozent der Rentner und Rentnerinnen
Sozialhilfe. Uns liegt auf diesem Kongress ein wirklich hervorragender
und guter Antrag vor, um hier die Weichen für die Zukunft richtig zu
stellen. Auch wenn es gestern schon erwähnt wurde und von Christian
Zahn heute Morgen noch einmal gesagt wurde: ver.di hat mit dem
Rentenangleichungskonzept Ost als einzige Gewerkschaft in dieser Frage
gehandelt. Hierfür müssen wir allerdings jetzt innerhalb der
DGB-Gewerkschaften werben und das dann gemeinsam auf den Weg
bringen. Klaus Böhme, KongressleitungMartina, vielen Dank für Deine Ausführungen. Ich eröffne den
Wahlgang. Das System ist freigeschaltet. Ich bitte Euch, jetzt
abzustimmen. (Übertragung der Stimmsignale) - Der Wahlgang ist
geschlossen. Wir warten auf das Ergebnis. - Liebe Kolleginnen, liebe
Kollegen, ich gebe das Ergebnis dieser Wahl bekannt. Abgegebene
Stimmsignale 879, gewertete gültige Stimmen 826. Ja-Stimmen 355,
Nein-Stimmen 471, Enthaltungen 53. Damit hat auch dieser Wahlvorschlag
keine Mehrheit gefunden. Klaus Böhme, KongressleitungLiebe Kolleginnen, liebe Kollegen, die Pause hat nun doch etwas
länger gedauert. Wir setzen den Kongress nun fort. Wir kommen zu Tagesordnungspunkt 12: Wahl der Mitglieder des
Kontroll- und Beschwerdeausschusses. An dieser Stelle der Hinweis -
lasst mich eben meinen Satz zu Ende sprechen -, wir brauchen für die
weiteren Wahlen den Handsender nicht mehr. Doris Schmidt, 27Ich stelle den Geschäftsordnungsantrag, den Kongress darüber
abstimmen zu lassen, ob diese zwei Mandate vom Kongress noch besetzt
werden müssen. (Unruhe - Zuruf: Natürlich!) Klaus Böhme, KongressleitungGibt es Gegenrede? - Formale Gegenrede. Ich stelle den Geschäftsordnungsantrag nun zur Abstimmung. Wer ihm entsprechen möchte, den bitte ich um das Kartenzeichen. - Danke. Gegenstimmen? - Vielen Dank. Gibt es Enthaltungen? - Bei einzelnen Enthaltungen und der erforderlichen Zweidrittelmehrheit von Nein-Stimmen ist der Geschäftsordnungsantrag abgelehnt. (Leichter Beifall) Ich versuche nun zum zweiten Mal, den Tagesordnungspunkt 12
aufzurufen: Wahl der Mitglieder des Kontroll- und
Beschwerdeausschusses. Ich rufe auf den Tagesordnungspunkt 13: Wahl der Mitglieder der
Revisionskommission für die Bundesebene. Wir kommen zum Tagesordnungspunkt 14: Wahl des/der Beauftragten für
Kunst und Kultur. Nominiert ist die Kollegin Regine Möbius aus Sachsen,
Sachsen-Anhalt, Thüringen. Wir kommen zum TOP 15: Wahl des/der Vorsitzenden und des/der stellv.
Vorsitzenden der Bundeskommission Freie Mitarbeiter/innen.
Vorsitzende/Vorsitzender und Stellvertreterin/Stellvertreter werden
nach § 65 Abs. 1 auf Vorschlag der Bundeskommission der Freien vom
Bundeskongress gewählt. Die Wahlvorschläge liegen Euch im
Kongressordner 1 im Register „Kongressablauf/Wahlvorschläge“ auf Seite
85 vor. Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen, bevor wir für heute diesen doch sehr arbeitsreichen und langen Tag des Kongresses beenden können, noch ein paar weitere Hinweise. Die Konstituierung der Ausschüsse des Gewerkschaftsrates - Personalausschuss sowie Haushalts- und Finanzausschuss - findet unmittelbar nach Kongressende im Seminarraum 12 im Kongress-Center auf der Ebene 2 statt. Wir erinnern Euch: Bitte gebt gleich die Handsender an den Stellen
zurück, wo Ihr sie heute Morgen in Empfang genommen habt. Dafür müsst
Ihr wieder Eure Stimmkarte vorzeigen. Den gleichen Dank möchten wir gerne an die Mitarbeiter/innen der
Firma Tech Systems weitergeben, weil das im Hintergrund alles
hervorragend gemanagt worden ist. Auch dafür ein herzliches Dankeschön.
(Beifall) |








