(Fortsetzung des Kongresses: 19.23 Uhr)


Thomas Koczelnik, Kongressleitung

Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich darf den Bundeskongress gemeinsam mit Euch fortsetzen und darf Euch zunächst auf eine Fundsache hinweisen. Wir haben einen Ring mit einem ovalen Türkis darin gefunden. Wer ihn vermisst, kann ihn gerne hier abholen.
Außerdem möchten wir in den heutigen Abend mit einer sehr guten Nachricht einsteigen. Dazu hat Margret Mönig-Raane das Wort.

Margret Mönig-Raane, Stellvertretende ver.di-Vorsitzende

Liebe Kolleginnen und Kollegen, Ihr alle kennt unsere Lidl-Kampagne und habt draußen auch den Stand dazu gegeben. Ihr habt mitbekommen, wie Kolleginnen und Kollegen, die versucht haben, einen Betriebsrat zu wählen, unter fadenscheinigen Vorwürfen rausgeflogen sind. Einem Betriebsrat hat man sogar, damit man ihn los wurde, die ganze Filiale geschlossen. Deswegen hatten und haben Kolleginnen und Kollegen nach wie vor ganz große Angst, Betriebsräte zu wählen.
Nun gab es aber in Stuttgart-Feuerbach eine Betriebsratswahl. Die Kolleginnen haben Euch geschrieben. Das ist ein kurzer Brief, den ich jetzt gerne vorlesen möchte: „Grußadresse an den ver.di-Kongress. Die soeben gewählten Lidl-Betriebsräte grüßen die Delegierten des 2. Kongresses von ver.di.“ (Beifall) „Heute, Freitag, den 5. Oktober, wurden die Stimmen ausgezählt. Ab heute besitzt die Lidl-Filiale in Stuttgart-Feuerbach einen dreiköpfigen Betriebsrat.“ (Starker Beifall) „Die Zeit der laufenden Betriebsratswahlen war nicht leicht für uns. Aber viele Kolleginnen und Kollegen in der Filiale haben dem Druck von Lidl nicht nachgegeben und haben selbstbewusst von ihrem demokratischen Recht Gebrauch gemacht. Die Lidl-Kampagne von ver.di hat uns in dieser Situation den Rücken gestärkt und das Gefühl der Unterstützung gegeben. Nun werden wir endlich die schlechten Arbeitsbedingungen selber verändern können. Wir danken den Delegierten des Gewerkschaftskongresses und wünschen viel Erfolg. Der Betriebsrat“ - Herzlichen Dank im Namen der Kolleginnen und Kollegen! (Starker Beifall)

Thomas Koczelnik, Kongressleitung

Liebe Kolleginnen und Kollegen, das sind Erfolge, die wir gemeinsam erreicht haben. In dem Sinne steigen wir wieder in die Antragsberatung ein, um unsere Grundlagen weiter zu verbessern.
Ich darf aufrufen den Antrag B28. Hierzu liegt uns eine Wortmeldung vor. Das Wort hat der Kollege Andreas Joos mit der Delegiertennummer 282.

Andreas Joos, 282

Ich will noch einmal den Antrag „Abschaffung 1-Euro-Job“ aufgreifen, der über die Bezirkskonferenz Cottbus eingereicht worden ist und nahezu wortgleich auch mit dem Antrag aus Hessen und zahlreichen anderen Anträgen ist, die auf diesem Kongress gestellt worden sind.
1-Euro-Jobs vernichten Arbeitsplätze. Untersuchungen haben ergeben, dass ein Drittel von regulären Arbeitsplätzen über 1-Euro-Jobs eingespart werden. Obwohl wir jetzt in Paragraf 16 Abschnitt 1 SGB II freie Fahrt gegeben haben, sollten wir hier unbedingt, um hier ein Zeichen zu setzen, gegen 1-Euro-Jobs stimmen, auch wenn das nicht - schön wäre es ja gewesen - über einen ver.di-Beschluss zur neuen Gesetzeslage führen würde. (Leichter Beifall)

Thomas Koczelnik, Kongressleitung

Recht herzlichen Dank, Andreas. Ich frage die Antragskommission, ob sie das Wort wünscht.

Sprecher der Antragskommission

Nein.

Thomas Koczelnik, Kongressleitung

Dann kommen wir zur Abstimmung über die Empfehlung der Antragskommission. Sie lautet: Annahme. Wer der Empfehlung der Antragskommission folgen möchte, den bitte ich um das Kartenzeichen. - Danke schön. Gegenstimmen? - Einzelne. Unsere Bitte ist, bei der Abstimmung die Delegiertenkarten zu benutzen, damit wir Euer Stimmverhalten deutlich erkennen können. Enthaltungen? - Keine Enthaltungen. Damit wurde der Empfehlung der Antragskommission gefolgt.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich hatte im ersten Untersachgebiet des Antragsblocks B vergessen, über die restlichen Anträge en bloc abzustimmen. Dies wollen wir jetzt nachholen. Zu Eurer Sicherheit wird das Ganze auf einem Chart eingeblendet.
Wir stimmen nunmehr über die Empfehlung der Antragskommission ab bezüglich der Antragsempfehlungen zu den Anträgen B2 bis B10. Wer hier den Empfehlungen der Antragskommission folgen möchte, den bitte ich um das Kartenzeichen. - Danke schön. Gegenstimmen? - Einzelne Gegenstimmen. Enthaltungen? - Bei einzelnen Gegenstimmen wurde dem Ganzen gefolgt.

Ich darf dann zur Abstimmung über den Block B - Arbeitsgelegenheiten - kommen. Hier sind in der Einzelabstimmung aufgerufen die Anträge B29 bis B35. Wortmeldungen dazu kann es nicht geben, weil wir die schon vorliegen hätten. Deshalb kommen wir zur Abstimmung. Wer den Empfehlungen der Antragskommission folgen möchte, den bitte ich um das Kartenzeichen. - Danke schön. Gegenstimmen? - Enthaltungen? - Bei einzelnen Gegenstimmen und keinen Enthaltungen sind wir den Empfehlungen der Antragskommission gefolgt.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir haben noch einen Gast bekommen, den wir hier ganz herzlich begrüßen möchten. Die Kollegin Annie Geron ist die Generalsekretärin des philippinischen Gewerkschaftsbundes unabhängiger Gewerkschaften im Öffentlichen Dienst. (Beifall)
Der Gewerkschaftsrat hatte im November 2006 eine Solidaritätsadresse gegen Bedrohung, Repression und politische Morde von Gewerkschafterinnen und Gewerkschaftern verabschiedet und der philippinischen Botschaft zustellen lassen. Ebenso wurde auch an die Regierung der Philippinen direkt ein Protestbrief im Namen aller ver.di-Mitglieder zugestellt. Annie wird Euch nun berichten, wie ihre derzeitige Situation aussieht. - Wir freuen uns sehr, dass Du da bist. Du hast das Wort. (Beifall)

Annie Geron, Generalsekretärin der philippinischen Gewerkschaft PSLINK

(Text der Übersetzung) Kollege und Präsident Frank Bsirske und Maggi, Schwestern und Brüder, meine wärmsten Solidaritätsgrüße und besten Wünsche an alle in dieser Gewerkschaft gehen an Euch, und zwar im Namen der Public Services Labor Independent Confederation PSLINK.
Ich möchte sagen, dass ich sehr geehrt bin, hier zum zweiten Bundeskongress eingeladen zu sein, wobei ich erkenne, dass ver.di eine sehr große, unabhängige und demokratische Gewerkschaft und einer der stärksten Pfeiler der PSI ist.
Das Klima hier ist ein bisschen kalt für eine Person, die wie ich aus den tropischen Philippinen kommt, aber die generöse Gastfreundschaft und die Freundlichkeit wärmen mein Herz und meinen Geist. (Beifall)
Der Kollege hat ja schon erklärt, was sich in der Vergangenheit in meinem Leben und auf den Philippinen zugetragen hatte. Es ist eben leider so, dass auf den Philippinen die Gewerkschafter, die Sozialaktivisten, die Journalisten und die Studenten von reaktionären Kräften angegriffen und häufig auch umgebracht werden.
Im letzten Jahr im Oktober schickte ver.di eine Solidaritätsadresse, um mich und meine Gewerkschaft zu unterstützen, die wir alle unvorstellbaren Verfolgungs- und Einschüchterungskampagnen unterworfen gewesen waren, und zwar durch den Generaldirektor der Berufsförderungsbehörde, bei der ich seit 30 Jahren als Beamtin arbeite.
Diese Situation entstand, nachdem ich eine Korruptionsanklage gegen meinen Arbeitgeber lanciert hatte. ver.di und PSI schickten eine Mission auf die Philippinen und erließen einen Aufruf, um uns zu unterstützen und diese schrecklichen Verletzungen gegen Gewerkschaften und Menschenrechte auf den Philippinen zu beenden. (Beifall)
Wir auf den Philippinen gehören zusammen mit den Volksorganisationen zu den progressiven und kämpferischen Gewerkschaften, die an der Spitze einer Bewegung stehen, die sich um soziale Reformen bemüht.
Ich möchte unseren tiefempfundenen Dank dafür zum Ausdruck bringen, dass ver.di uns so viel Unterstützung hat zukommen lassen - zu einer Zeit, in der wir sie am meisten brauchten.
Wenn ich mir die Vielfalt der Mitglieder von ver.di ansehe, wenn ich die vielen Fragestellungen in Betracht ziehe, denen sich ver.di widmet und für die sich ver.di einsetzt, muss ich sagen, dass die Unterstützungskampagne für die Arbeitnehmer in einem Land, das Tausende von Meilen weg von Deutschland liegt, für uns äußerst bemerkenswert war und uns viel Kraft gegeben hat. (Beifall)
Bis zum heutigen Tage ist es so, Kolleginnen und Kollegen, dass die Menschenrechte und die Rechte der Gewerkschaften weiterhin bedroht bleiben. Wir kämpfen weiterhin für die fundamentalsten Rechte auf Bildung, auf Gesundheit, auf Schutz, auf einen Arbeitsplatz, auf die Meinungsfreiheit und das Recht, uns als Gewerkschaften zu organisieren.
Aber gleichzeitig möchte ich Ihnen auch erzählen, was aus dieser ganzen Sache geworden ist. Das ist eine gute Nachricht, die aus der internationalen Solidarität, die uns durch ver.di bekundet wurde, entstand. Am 7. September letzten Jahres hat die philippinische Civil Service Commission unsere Gewerkschaft rehabilitiert, weil Beweise gefunden wurden, dass man versucht hatte, die Gewerkschaft auseinanderzubrechen, und dass für acht Mitarbeiter meiner Behörde eine Anweisung ausgesprochen worden war, uns alle in weit entfernte Orte zu versetzen. Das wurde widerrufen. (Beifall)
Die Kommission erklärte auch meine Entlassung für unrechtsmäßig und wies meinen Arbeitgeber an, mich sofort wieder in meine alte Position in meinem Büro einzusetzen.
Ich danke ver.di aus ganzem Herzen, dass ver.di sich dafür eingesetzt hat, und dafür, dass die Solidaritätsaktionen durchgeführt wurden. Ich danke für die Solidaritätsadresse, die geschickt wurde. Ich danke auch dafür, dass eine deutsche Journalistin, die in Manila lebt, mich interviewt hat und dass meine ganze Geschichte in ihrer Zeitschrift veröffentlicht wurde. (Beifall)
Indessen geht unser Kampf immer weiter. Wir kämpfen uns sozusagen Zoll für Zoll voran in Richtung auf eine Good Governance. Wir kämpfen für soziale Gerechtigkeit und Würde für die Arbeitnehmer in unserem Land. Dieser Sieg, den ich Ihnen gerade geschildert habe, hat natürlich dazu geführt, dass unser Selbstbewusstsein gestärkt wurde und dass wir entschiedener denn je für die Rechte der Arbeitnehmer kämpfen. Wir versuchen darzustellen, dass die Gewerkschaften Alliierte, also Verbündete, sind in den Bestrebungen, für unsere arbeitende Bevölkerung ein besseres Leben zu schaffen. (Beifall)
Ob es sich nun um Kolumbien, um Burma, um Südkorea, um China oder um Simbabwe handelt - die Philippinen sind Teil der internationalen Völkergemeinschaft, und wir sitzen sozusagen in einem virtuellen globalen Glashaus, durch das man hindurchsehen kann und wo man erkennt, was vor sich geht. Insofern danke ich noch einmal ganz herzlich dafür, dass ver.di seine Stimme erhoben hat, um Druck auf die Regierung in den Philippinen auszuüben, damit die Regierung transparenter und rechenschaftspflichtiger wird. (Beifall)
Bei dem Empfang am letzten Mittwoch gab es einen Künstler, der Seifenblasen machte. Irgendwie kam mir dabei der Gedanke, dass ich doch einen Vergleich anstellen könnte zu der neoliberalen Bubble Economy, wo ursprünglich einmal versprochen war, Prosperität für alle zu schaffen - eine Wirtschaft, die fragil ist, ohne Nachhaltigkeit und die, wie gesagt, dieses Versprechen, für alle Prosperität zu erbringen, nicht erfüllt hat. (Beifall)
Wenn ich an die Bubble Economy denke, dann kommt es mir vor wie ein Kasino, wo die Arbeitnehmer ihre Würde und ihre Zukunft sozusagen im Spiel verlieren und wo es nur um Profite und um sehr enge Interessen geht. Deswegen müssen wir unsere Bestrebungen zusammenlegen, müssen dieses Spiel verbieten und müssen sehen, dass wir durch die internationale Solidarität uns den Neoliberalen entgegenstellen und die Interessen unserer Arbeitnehmer vertreten können. (Beifall)
Ich komme jetzt zum Ende meiner kleinen Rede, und ich möchte an ver.di appellieren, mit diesen Unterstützungs- und Solidaritätsaktionen fortzufahren; denn man muss all denjenigen helfen, die der Hilfe bedürfen. Internationale Solidarität ist angesagt, und wir glauben daran. Wenn einem Arbeiter etwas Schlechtes widerfährt, wenn seine Würde verletzt wird, dann ist das eine Verletzung der Würde aller Arbeitnehmer. Oder wenn es eine Ungerechtigkeit für einen Arbeitnehmer gibt, dann gibt es Ungerechtigkeiten für alle Arbeitnehmer, und dagegen müssen wir kämpfen. (Beifall)
Frank, ich möchte für diese Gelegenheit danken, hierher kommen zu können, um die Diskussion verfolgen zu können und daraus zu lernen. Vielen Dank an Frank, vielen Dank an alle. (Starker, lang anhaltender Beifall - in rhythmisches Klatschen übergehend - die Delegierten erheben sich von ihren Plätzen - Frank Bsirske überreicht Annie Geron einen Blumenstrauß)

Thomas Koczelnik, Kongressleitung

Liebe Annie, recht herzlichen Dank für Deine lieben Worte an uns. Sei Dir sicher - ich glaube, Du hast es auch an der Reaktion der Kolleginnen und Kollegen hier im Saal gemerkt -, dass wir Euch weiter unsere solidarische Unterstützung zukommen lassen, dass wir weiter an Eurer Seite stehen, dass wir gemeinsam darauf achten, dass nirgends auf dieser Welt Gewerkschaftsunterdrückung stattfinden darf. (Beifall)
An dieser Stelle auch an den ausgeschiedenen Gewerkschaftsrat ein herzlicher Dank dafür, dass er sich dieser Sache angenommen und hier im Namen aller ver.di-Kolleginnen und Kollegen und auch im Namen von uns, den Delegierten dieses Kongresses, die Solidaritätsadresse formuliert hat. Dafür von hier aus recht herzlichen Dank. (Beifall)
Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir treten dann wieder in die Antragsberatung ein. Ich darf aufrufen im Antragsblock B das Untersachgebiet Arbeitslosengeld II mit den Anträgen B36 bis B65. Zuerst rufen wir den Antrag B36 auf. Hierzu liegen uns Wortmeldungen vor. Zunächst hat die Kollegin Roswitha Ehinger, Delegiertennummer 428, das Wort.

Roswitha Ehinger, 428

Kolleginnen und Kollegen, ich hatte ja schon angekündigt, dass ich hier einen Änderungsantrag habe. Ich möchte ihn kurz vorlesen. Ich möchte gerne, dass die Zeilen 10 bis 15 wie folgt geändert werden. Nach „Erhöhung des Regelsatzes“ soll es heißen: „Sozialpolitisches Ziel ist es, die Leistungshöhe des Eckregelsatzes des Arbeitslosengeldes II (Alg II) auf 500 Euro anzuheben.“ Ich denke, dass wir uns alle hier im Saal darüber einig sind, dass eine Erhöhung dringend notwendig ist.
Da ich schon bei dem letzten Antrag eine Begründung vorgenommen habe, möchte ich jetzt nicht noch weitere Ausführungen machen. Ich denke, wir alle sind unter Zeitdruck. - Ich bitte Euch aber, meinen Antrag zu unterstützen. (Beifall)

Thomas Koczelnik, Kongressleitung

Recht herzlichen Dank, Roswitha. - Es hat nun Ilona Herrmann das Wort, Delegiertennummer 750.

Ilona Herrmann, 750

Ich habe ein Problem: Ich habe hier eine Änderung dieses großen Antrages, und es ist mir nicht möglich, Euch diese Änderung in drei Minuten vorzulesen, geschweige denn zu begründen. Deswegen bitte ich die Kongressleitung, meine Änderung vorzulesen. Sie liegt schriftlich vor, auch der Antragskommission. Sie ist auch nicht geändert. Sonst kann ich das nicht begründen. (Die Rednerin begibt sich zum Kongressleiter und spricht mit ihm)

Thomas Koczelnik, Kongressleitung

Liebe Kolleginnen und Kollegen, es wird alles recht kompliziert. Das sind mehrere Seiten. (Unruhe - Ilona Herrmann, 750: Nein, eine Seite!) - Wir haben hier zwei Seiten.
Wir sehen uns außerstande, das Verfahren so umzustricken, dass wir nunmehr die Änderungen vortragen und der Antragsteller nur noch in die Begründung geht. (Beifall) Insofern, Ilona, wenn der Antrag so gravierende Mängel hat, könntest Du aus meiner Sicht dann entweder nur die wesentlichen Änderungen hervorheben oder auf Ablehnung plädieren. Alles andere, glaube ich, ist hier nicht leistbar. - Oder als Arbeitsmaterial! Meine herzliche Bitte wäre, entsprechend zu verfahren.
Folgender Vorschlag: Du denkst kurz darüber nach. Ich ziehe die Kollegin Ursula Pingel vor, die zunächst das Wort erhält.

Ursula Pingel, 98

Ich habe das schon einmal bei dem Antrag B98 erzählt: Dieser Antrag wurde von der Bundeserwerbslosenkonferenz nicht mehr behandelt, sondern an den Bundeserwerbslosenausschuss weitergegeben. Hier sind mehrere Anträge aus verschiedenen Landesbezirken zusammengefasst worden. Ich bitte Euch, dem Votum der Antragskommission zu folgen. Hier geht es darum, dass wir im ersten Schritt 420 Euro fordern. Man kann - das habe ich heute Morgen auch schon mal gesagt - natürlich auch 500 oder 625 Euro fordern, das ist egal.
Es geht bei der Regelleistung nicht nur um Arbeitslosengeld II, sondern auch um Grundsicherung im Alter und um Sozialhilfe. Es ist hier auch ein besserer Regelsatz für Kinder vorgesehen. Daher bitte ich Euch, dem Votum der Antragskommission zu folgen. (Beifall)
Vielleicht noch ein Satz: Es geht in dem Antrag nicht nur um die Höhe, sondern auch um die Umstrukturierung der Regelsätze. Das heißt, es geht darum, ob man das jetzt als statistisches Verfahren macht. Unsere Forderung ist, dass das neu geregelt wird. Das beinhaltet auch, dass man sich mit der Frage Lohnabstandsgebot auseinandersetzt.
Das alles hier zu erläutern würde aber zu weit gehen. Ich bitte Euch einfach kurzgefasst, der Antragskommission zu folgen. (Beifall)

Thomas Koczelnik, Kongressleitung

Wir haben hier mal probiert, ein Verfahren zu finden. Ich stelle Euch erst einmal das vor, was wir hier gerade besprochen haben: Die Kollegin Herrmann sagt, vollkommen zu Recht, dass das alles hier nicht vortragbar ist. Das verstehen wir auch. (Ilona Herrmann: In fünf Minuten würde ich es schaffen!) - Aber damit würdest Du die Geschäftsordnung ändern. Außerdem hast Du derzeit nicht das Wort. (Heiterkeit - Beifall)
Wir haben gerade miteinander besprochen, dass Folgendes sinnvoll ist. Diese Änderungswünsche resultieren aus weiteren Anträgen, die dem hier behandelten Antrag zugeordnet sind. Entsprechend müsste die logische Konsequenz sein, dass Ilona Herrmann bitte begründet, warum sie meint, dass ihre Anträge nicht erledigt sind, sondern als Arbeitsmaterial zu dem Ursprungsantrag genommen werden. Dann wären die Änderungen mit drin, zwar nicht eins zu eins, aber sie könnten im weiteren Verfahren eingearbeitet werden. Es ist hier sicherlich nicht möglich, 1.008 Menschen auf einmal zu erläutern, wie sich diese Änderungen auswirken.
Ich glaube, damit kann man das ganze Verfahren etwas entzerren. Deinem Anliegen wird Rechnung getragen, und gleichzeitig werden wir uns hier nicht gemeinsam überfordern. Wir glauben, dass das der richtige Weg ist und schlagen diesen vor. (Beifall) - Euer Applaus zeigt, dass das gangbar ist.
Jetzt, Ilona, hast Du das Wort.

Ilona Herrmann, 750

Mein Änderungsantrag bezieht sich darauf, dass der Antrag B56 aus Baden-Württemberg für erledigt erklärt wird. Ich hätte jetzt eigentlich gern die Änderungen eingebaut, damit er dann wirklich erledigt ist. Wenn der Antrag jetzt Arbeitsmaterial wird - und das ist mein Antrag -, so folgt jetzt meine Begründung.
Meine Begründung beginnt zuallererst mit meinem Dank an ver.di, dass ich in der dritten Instanz mit meiner Verfassungskonformitätsklage gegen die Höhe des Regelsatzes von ver.di Rechtsschutz bekomme, also auch von der Bundesebene, denn ich bin mittlerweile schon am Bundessozialgericht mit einer Verfassungsbeschwerde.
Auf diesem juristischen Wege gehen wir diese Einkommensverbraucherstatistik an, und zwar nicht so, wie es der Paritätische Wohlfahrtsverband tut, sondern so wie es Universitäten und Forschungsinstitute tun. Das heißt, wir begründen juristisch, dass dieser Regelsatz bei mindestens 500 Euro liegen muss. Das machen im Übrigen alle, die die Verfassungskonformitätsklage laufen haben, auch die Privatklägerin aus Baden-Württemberg, die mittlerweile beim Verfassungsgericht ist.
Die Gewerkschaft macht sich unglaubwürdig, wenn sie auf der einen Seite juristisch so argumentiert, aber das dann politisch in dem, was die Zielsetzungen sind, was wir verändern wollen, nicht tut, sondern sagt, sie orientiert sich am Paritätischen Wohlfahrtsverband, der im Übrigen den Absatz der Mangelernährung, der in diesen EVS, den Einkommens- und Verbrauchsstichproben, drin ist, noch gar nicht kritisiert hat. Hinzu kommt, dass der Paritätische Wohlfahrtsverband diese Forderung von 420 Euro seit drei Jahren erhebt. In dieser Zeit sind die Stromkosten hoch gegangen, ist die Mehrwertsteuer um drei Prozent erhöht worden, sind die Lebenshaltungskosten hoch gegangen, und es steht uns - die meisten werden es schon bekommen haben - eine Erhöhung der Gaspreise bevor. Das heißt, sogar aus der Logik der Forderung des Paritätischen Wohlfahrtsverbands müsste er nach drei Jahren schon bei 500 Euro sein.
Mehr kann ich Euch jetzt wohl nicht begründen. Bitte unseren Antrag zumindest als Arbeitsmaterial zu diesem Antrag hinzufügen. Besser fände ich es natürlich - Roswitha hat es ja auch schon ausgeführt -, ich könnte Euch davon überzeugen, dass der Regelsatz mindestens 500 Euro betragen muss, armutsfest, nicht existenzsichernd. (Beifall)

Thomas Koczelnik, Kongressleitung

Danke schön. Ich denke, so haben wir ein gutes Verfahren gefunden. Die Antragskommission braucht etwas Zeit.

Sprecher der Antragskommission

Entschuldigung für die kurze Unterbrechung. Wir ändern unsere Empfehlung dahin gehend ab, dass wir in Zeile 25 formulieren: besserer Regelsatz für Kinder und Jugendliche. Im Weiteren bleiben wir bei unserer Empfehlung, auch mit dem Hinweis darauf, dass wir gestern im Antrag B98 mit überwältigender Mehrheit die Summe 420 Euro festgelegt haben. Wir denken, es wäre nicht gut, wenn ver.di hier mit zwei Zahlen operierte. (Vereinzelt Beifall)

Thomas Koczelnik, Kongressleitung

Recht herzlichen Dank. Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich rufe dann den Antrag B36 und die durch ihn als erledigt zu betrachtenden Anträge B55 bis B59 mit der geänderten Empfehlung der Antragskommission auf. Wer der geänderten Empfehlung der Antragskommission folgen möchte, den bitte ich um das Kartenzeichen. - Gegenstimmen? - Einzelne. Enthaltungen? - Einzelne Enthaltungen.
Es wird mir signalisiert, es gebe einen Geschäftsordnungsantrag. Ich sehe keinen. Es wird gesagt, da habe jemand mit zwei Händen abgestimmt. Wir haben die herzliche Bitte, nur mit einer Hand abzustimmen. Alles andere müssen wir als Geschäftsordnungsantrag werten. Das führt zu Verzögerungen. Zeit aber ist etwas, was wir nicht haben.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich darf dann den Antrag B63 aufrufen. Hierzu haben wir eine Wortmeldung. Das Wort hat die Kollegin Christine Saurer mit der Delegiertennummer 411.

Christine Saurer, 411

Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir wollen mit den Anträgen B60 und B63 bessere wirtschaftliche Bedingungen für Menschen schaffen, die in diesem System die Arschkarte gezogen haben, die wirtschaftliche Arschkarte. Das sind Alleinerziehende und deren Kinder sowie Jugendliche, die bis zum Alter von 25 Jahren zur Bedarfsgemeinschaft der Eltern zählen. Es wird generell davon gesprochen, dass die wirtschaftlichen Bedingungen für die Erwerbslosen immer weiter verschlechtert werden. Darüber haben wir in dieser Woche ja sehr oft diskutiert.
Im Antrag B63 heißt es: Hartz IV muss weg. Bis dies erreicht ist, fordern wir: keine Verschlechterung der Existenzbedingungen der Erwerbslosen. Wir als ver.di müssen verstärkt Gegenwehr und Druck ausüben. Beide Anträge und die in ihnen erwähnten Menschen haben es verdient, gleichwertig behandelt zu werden. Bei der einen Gruppe kann man es nicht als Antrag verabschieden, während man den Antrag hinsichtlich der anderen Gruppe als Arbeitsmaterial beschließt. Deshalb meine Bitte: Nehmt den Antrag B63 an. Lehnt die Empfehlung der Antragskommission ab, nehmt unseren Antrag an und beschließt ihn nicht nur als Arbeitsmaterial. - Ich danke für Eure Unterstützung. (Beifall)

Thomas Koczelnik, Kongressleitung

Danke schön, Christine. Das Wort hat die Antragskommission, die etwas Zeit braucht.
In der Zwischenzeit kann ich eine Ansage machen. Kolleginnen und Kollegen, im Internet läuft zurzeit unter www.tagesschau.de eine Umfrage mit der Fragestellung: Wo werden Ihre Interessen besser vertreten, in großen oder in kleinen Gewerkschaften? Das zu Eurer Information. Die Adresse habe ich angesagt.

Sprecher der Antragskommission

Die Antragskommission bleibt bei ihrer Empfehlung.

Thomas Koczelnik, Kongressleitung

Die Antragskommission bleibt bei der Empfehlung. Wer der Empfehlung der Antragskommission folgen möchte, den bitte ich um das Kartenzeichen. - Es wurde hier vorn noch einmal gefragt, um welche Antragsnummer es sich handelt. Ich darf nochmals sagen: Wir haben derzeit den Antrag B63 aufgerufen. Wer der Empfehlung der Antragskommission folgen möchte, den bitte ich um das Kartenzeichen. - Gegenstimmen? - Enthaltungen? - Das Erste war die Mehrheit.
Ich rufe dann aus diesem Untersachgebiet zur gemeinsamen Abstimmung auf: die Anträge B37 bis B54, die Anträge B60 bis B62 und die Anträge B64 und B65. Wir stimmen über die Empfehlungen der Antragskommission ab. Wer den Empfehlungen der Antragskommission folgen möchte, den bitte ich um das Kartenzeichen. - Gegenstimmen? - Enthaltungen? - Bei einzelnen Gegenstimmen und einzelnen Enthaltungen wurde den Empfehlungen der Antragskommission gefolgt.
Ich darf dann aus dem Untersachgebiet Arbeits- und Sozialverwaltung/-Arbeitslosengeld alle dort vorhandenen Anträge zur En-bloc-Abstimmung aufrufen. Dies sind die Anträge B66 bis B77 sowie die Anträge B78 bis B80, die sich unter dem Sachgebiet „Diverse Themen“ befinden. Wer hier der Empfehlung der Antragskommission folgen möchte, den bitte ich um das Kartenzeichen. - Danke schön. Gegenstimmen? - Einzelne. Enthaltungen? - Einzelne Enthaltungen, einzelne Gegenstimmen.
Im Untersachgebiet „Beschäftigungssicherung“ darf ich den Initiativantrag 7 aufrufen. Er wird von der Antragskommission zur Annahme empfohlen. Wortmeldungen liegen nicht vor. Wer diesem Antrag folgen möchte, den bitte ich um das Kartenzeichen. - Danke schön. Gegenstimmen? - Einzelne. Enthaltungen? - Einzelne Enthaltungen. Bei einzelnen Gegenstimmen und einzelnen Enthaltungen wurde diesem Initiativantrag der Kollegin Pingel gefolgt.
Der Initiativantrag 8 der Kollegin Eberle ist mit Annahme als Arbeitsmaterial zum vorherigen Initiativantrag versehen. Es liegen keine Wortmeldungen vor. Wer der Empfehlung der Antragskommission folgen möchte, den bitte ich um das Kartenzeichen. - Danke schön. Gegenstimmen? - Enthaltungen? - Bei einzelnen Gegenstimmen wurde ohne Enthaltung dem Ganzen zugestimmt.
Ich darf dann die Anträge aus dem gleichen Block, B81 und B82 zur Abstimmung aufrufen. Das ist das Untersachgebiet „Beschäftigungssicherung“, und alle Anträge aus dem Untersachgebiet „Existenzsichernde Grundsicherung, Lebenssicherungsgeld“, nämlich die Anträge B98 bis B107. Wer hier der Empfehlung der Antragskommission folgen möchte, den bitte ich um das Kartenzeichen. - Danke schön. Gegenstimmen? - Enthaltungen? - Bei einzelnen Gegenstimmen und einzelnen Enthaltungen wurde den Empfehlungen der Antragskommission gefolgt.
Wir haben damit das Sachgebiet B „Beschäftigungs- und Arbeitsmarktpolitik“ abgeschlossen und alle Anträge behandelt. (Beifall)
Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir werden als Nächstes das Sachgebiet H aufrufen. Bevor wir in die Antragsberatung zu diesem Sachgebiet einsteigen, möchten wir Euch in unserer gemeinsamen Verantwortung für die Inhalte und für die verbliebene Kongresszeit einige Vorschläge unterbreiten. Wir sind unterdessen in der Analyse dazu gekommen, dass wir vermutlich Probleme kriegen werden, alle Anträge hier auf dem Kongress zu beraten. (Unruhe)
Wir wollen, um möglichst viele Anträge beraten zu können, weil ich glaube, das ist unser gemeinsamer Anspruch und unser Selbstverständnis als Delegierte hier auf diesem Kongress, heute etwas später diesen Kongress beenden und schlagen Euch eine Schlusszeit von 23.00 Uhr vor. Wir möchten also den Kongress entgegen der ausgedruckten Zeit von 22.00 Uhr hier bis auf 23.00 Uhr verlängern. - Ich habe den Geschäftsordnungsantrag gesehen, möchte Euch nur noch einmal darstellen, dass wir erhebliche Zeitprobleme haben. Ich bin noch nicht in der Darstellung fertig, wie wir Euch weitere Maßnahmen vorschlagen wollen, um hier zu einer Entzerrung zu kommen. - Wenn der Geschäftsordnungsantrag ausschließlich die Zeit betrifft, hast Du das Wort.

Friedhelm Schutt, 317

Liebe Kolleginnen und Kollegen, es ist natürlich eine missliche Situation für uns alle, dass wir eine Zeitverzögerung haben. In wesentlichen Teilen - das bitte ich nicht als Schuldzuweisung zu verstehen - ist das ja durch eine gewisse Situation und den Beratungsbedarf entstanden. Ich bitte Euch aber auch im Einzelnen auf die Kolleginnen und Kollegen - Frank und Margret Mönig-Raane gehören auch dazu -, die heute teilweise um 1.45 Uhr aufgestanden sind, die kaum noch die Äuglein aufhalten können, Rücksicht zu nehmen. Ich bitte, da einen anderen Weg zu suchen. - Danke. (Beifall)

Thomas Koczelnik, Kongressleitung

Danke schön. Möchte jemand dagegen sprechen?

Michael Regel, 801

Hallo, liebe Kolleginnen und Kollegen. Das ist mein erster Bundeskongress hier. Ich bin mit der Hoffnung hierher gefahren, dass wir eine zukunftsorientierte Mitgliederpolitik machen. Das ist unser Job. Deswegen sind wir hergeschickt worden aus Bezirken, Landesfachbereichen, Landesbezirken oder sonst wo. Ich finde es sehr schade, dass die Antragsberatung meiner persönlichen Meinung nach viel zu kurz kommt. Überall hat man sich Gedanken gemacht. Die Anträge sind für die Mitglieder wichtig. Sie kommen ja aus der Mitgliedschaft und sollen entsprechend behandelt werden.
Auf der Bundesjugendkonferenz haben wir an einem Tag 17 Stunden Antragsberatung gemacht, haben bis 3 Uhr nachts gesessen, weil es einfach wichtig war, dass unsere Anträge durchkommen. Den Anspruch sollten wir hier auch haben. Deswegen sollten wir auf jeden Fall deutlich länger machen. - Danke schön. (Unruhe - Leichter Beifall)

Thomas Koczelnik, Kongressleitung

Kolleginnen und Kollegen, zu Eurer Beruhigung. Auch hier im Haus arbeiten Beschäftigte, die Anspruch auf ihren Feierabend haben. Insofern ist 23.00 Uhr mit dem Haus abgestimmt. Länger können wir nicht machen, auch wenn wir das vielleicht aus politischen Gründen wollten.
23.00 Uhr war der Vorschlag. Dagegen hat es einen Geschäftsordnungsantrag gegeben. Das heißt, wenn Ihr diesem folgen möchtet, worüber ich zuerst abstimmen lasse, würde das bedeuten, dass wir das Ende wie bisher ausgedruckt auf 22.00 Uhr festlegen.
Wer diesem Geschäftsordnungsantrag folgen möchte, den bitte ich um das Kartenzeichen. - Danke schön. Wer ihm nicht folgen möchte, den bitte ich jetzt um das Kartenzeichen. - Danke schön. Enthaltungen? - Das Zweite war die deutliche Mehrheit. Ich bitte auch die Kolleginnen und Kollegen, die anders abgestimmt haben, um Verständnis - wir werden also bis 23.00 Uhr heute den Kongress hier fortsetzen.
Damit haben wir eine Zeitfrage geklärt. Wir möchten noch ein paar Verfahrensfragen klären. Wir haben das deutliche Signal, dass es hier auf dem Kongress recht wichtig erscheint, dass wir den Antragsblock H beraten. Deshalb haben wir ihn jetzt aufgerufen. Wir wollen in einer Kommission, die wir noch einrichten werden aus Mitgliedern der Kongressleitung, der Antragskommission, dem Bundesvorstandsmitglied Gerd Herzberg, der hier für die Organisation im Bundesvorstand zuständig ist, und Gewerkschaftsratsmitgliedern, Empfehlungen für die Reihenfolge des weiteren Ablaufs erarbeiten, nachdem wir heute Abend hier in diesem Raum Schluss gemacht haben, damit wir dann möglichst die Interessen hier noch alle treffen und möglichst viele Anträge abarbeiten, zu denen uns entsprechende Wortmeldungen vorliegen. Wir werden Euch dann morgen früh diesen Verfahrensvorschlag unterbreiten und hier im Kongress zur Abstimmung bringen.
Wir hoffen, dass Ihr mit diesem Vorschlag einverstanden seid. Wir haben ein gleiches Verfahren auf dem letzten ver.di-Bundeskongress durchgeführt und damit ganz gute Erfahrungen gemacht.
Wir haben außerdem die herzliche Bitte, die schon einmal von Delegierten geäußert wurde und die hier aus unserer Sicht die Antragsberatung beschleunigen kann. Dass tatsächlich zum einen nur zu Anträgen gesprochen wird, wenn man etwas verändern möchte, nicht wenn man etwas unterstützen möchte. (Beifall) Zum Zweiten haben wir die herzliche Bitte, wenn alle Argumente schon einmal genannt worden sind, dass sie nicht noch einmal in einer Gegenrede ein zweites Mal in die Diskussion eingebracht werden.
Es geht am Ende ja nicht darum, dass man den einen Redner oder die eine Rednerin, die zuvor die anderen Argumente gebracht hat, überzeugen will, sondern dass die Argumente hierzu führen, hier im Kongress ein Meinungsbild herzustellen, welches am Ende die Mehrheitsverhältnisse sind. Deshalb glauben wir, dass es im Normalfall mit einem Wortbeitrag zum Antrag getan sein müsste. - Das wären unsere herzlichen Bitten.
Wer vor dem Hintergrund seine Wortmeldungen zurückziehen möchte, würde uns allen hier sicherlich helfen und mit dafür sorgen, dass wir an den Stellen diskutieren können, wo wir noch kritisch miteinander eine gemeinsame Richtung bestimmen müssen. Ich glaube, dies ist es wert, dass wir uns auf diese Dinge konzentrieren und uns nicht noch einmal die Dinge anschauen, bei denen wir eh auf Annahme plädieren und offensichtlich bereits eine Mehrheitsmeinung haben. - So weit unsere Verfahrensvorschläge von Seiten der Kongressleitung.
Es ergibt sich kein offener Widerspruch. Dann darf ich jetzt den Antragsblock H aufrufen und hieraus zuerst den Antrag H1, der sich mit der Organisationspolitik beschäftigt. Wir kommen deshalb zuallererst zu dem Untersachgebiet „Organisationspolitik - Organisationsentwicklung“. Zu dem Antrag H1 liegen uns Wortmeldungen vor. Die erste Wortmeldung ist von der Kollegin Elisabeth Adam mit der Delegiertennummer 754.

Elisabeth Adam, 754

Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich möchte einige kritische Anmerkungen machen zu der gesamten Organisationsentwicklung und zu den Anträgen, die dazu folgen. Ich will alles dieses aber jetzt zusammenfassen mit meiner Wortmeldung zu dem Antrag H1.
Mit dem Antrag H1 hat der Gewerkschaftsrat unsere Aufmerksamkeit auf die Organisationsstruktur gerichtet mit der Frage: Passen denn die Strukturen noch, haben die sich bewährt? Da stimme ich dem Gewerkschaftsrat zu: Ja, die Matrix hat sich bewährt. Wir können weder auf die Ebenenstruktur noch auf die Fachbereiche verzichten. Wir dürfen aber auch nicht das eine auf Kosten der anderen verändern, wie das in den später folgenden Anträgen zum Teil gewünscht wird.
Für uns im Bereich Medien und speziell für uns im Bereich öffentlich-rechtlicher Rundfunk gilt dieses: Wir brauchen die Fachlichkeit, wir brauchen die zielgruppenorientierte Ansprache. Wir im Bereich öffentlich-rechtlicher Rundfunk haben keine Flächentarifverträge, wir haben lauter Haustarifverträge und das sind nicht nur die zwölf der Landesrundfunkanstalten, das ist eine ganze Latte mehr.
Wir haben deshalb einen riesigen Koordinationsbedarf schon allein bei Tarifabsprachen, aber auch bei anderen Themen. Das muss koordiniert werden, da brauchen wir die Fachbereichsstruktur. Wir haben unsere ehrenamtlichen Gremien so aufgestellt und so ausgerichtet, dass wir schnelle Kontakte haben und so etwas auch schnell koordinieren können. Wir brauchen dazu die Fachbereichsstruktur und die Fachgruppenstruktur und die Hauptamtlichenunterstützung.
Im Medienbereich gibt es aber noch mehr. Im Medienbereich findet die Rundfunk- und Medienpolitik statt, dort findet auch die geplante journalistische Qualitätsoffensive statt. Wir brauchen dort auch die hauptamtlichen Spezialisten, zum Beispiel die Mediensekretäre auf der Landesfachbereichsebene, zum Beispiel die im Medien- und Urheberrecht spezialisierten Journalisten, die nicht nur die Journalisten brauchen, sondern auch die Schriftsteller und die Musiker, die in anderen Fachbereichen organisiert sind. Wir haben auch noch die Drucker und die Bühnenarbeiter und die Ingenieure aus der Industrie und aus dem Rundfunk. Wir haben auch die Filmschaffenden und die Schauspieler. Wir brauchen eigentlich mehr Fachlichkeit als weniger, vor allem wegen der Konkurrenzorganisation bei uns im Deutschen Journalistenverband, der bei uns - wie in anderen Fachbereichen andere berufsständische Organisationen - versucht, mit Fachlichkeit zu punkten. Dem müssen wir etwas entgegensetzen können. Mit dem Fachbereich können wir das auch. Die Mitglieder suchen auch eine fachliche Heimat in der Gewerkschaft. Diese möchten wir ihnen auch bieten.
Gerade kreative Menschen haben Angst vor dem großen grauen Moloch. Der wird von vielen manchmal auch in ver.di gesehen. Wenn sie sich aber in Fachbereichen und in der Fachgruppe organisiert haben und sich dort eine Heimat geschaffen haben, dann sind sie auch bereit, darüber hinaus zu gucken und weiter zu gehen.
Wir sind deshalb der Meinung, die Matrixstruktur, in der sowohl die Ebene als auch die Fachbereiche ihren Platz haben, bietet uns erst die Möglichkeit, den Gründungsslogan von ver.di weiter mit Leben zu erfüllen. Der Gründungsslogan hieß: „ver.di - aufregend bunt, beruhigend stark!“ Das sollten wir weiterentwickeln. (Beifall)

Thomas Koczelnik, Kongressleitung

Danke schön, Elisabeth. Jetzt hat das Wort der Kollege Adolf Brunetzky mit der Delegiertennummer 366 das Wort.

Adolf Brunetzky, 366

Kolleginnen und Kollegen, ich mache es aufgrund der sehr fortgeschritten Zeit relativ kurz.
Der Antrag H1 ist sehr umfangreich. Wenn man die soziologischen Worte übersetzt, dann versteht man den auch irgendwann. Aufgrund seines großen Umfangs müssen wir allerdings auch einiges hinzufügen. Zum Schluss wird nämlich gesagt, es müsse geprüft werden. Ich fürchte, wenn wir nur bei der Aufforderung bleiben, es müsse geprüft werden, dann kann es einem so gehen, wie es einst Karl Valentin gesagt hat: „Mögen täten wir schon wollen, aber dürfen haben wir uns nicht getraut.“
Aus diesem Grund schlage ich folgenden Zusatz vor: „Der Bundesvorstand wird beauftragt, über die Prüfungen bis 31.12.2008 dem Gewerkschaftsrat zu berichten und Änderungsvorschläge zu unterbreiten.“ Ich bin der Meinung, dass solche Vorgaben gemacht werden müssen, damit wir zu besseren Ergebnissen kommen. - Danke. (Beifall)

Bernt Kamin-Seggewies, Kongressleitung

Danke schön, Adolf. Nun hat das Wort Klaus Hebert-Okon mit der Delegiertennummer 781.

Klaus Hebert-Okon, 781

Liebe Kolleginnen und Kollegen, Organisationspolitik ist eine schwierige Diskussion. Trotzdem habe ich an dieser Stelle - der Antragsteller ist der Gewerkschaftsrat - eine Frage an den Gewerkschaftsrat. Mir fehlt in dem Antrag etwas, das ist die Weiterentwicklung der Ebenen. Wir haben hier vielfach schon eine Diskussion in der Richtung gehabt, in der es auch darum ging, dass die Verklammerung zwischen den Fachbereichen stattfindet, das heißt dass fachbereichsübergreifend gearbeitet wird in der Hinsicht, dass dann, wenn es in einem Fachbereich ein Problem gibt, andere natürlich stützen mussten, sodass einer den anderen stützt. Hier ist die Frage: Wie soll das in der Beziehung der Ebenen weiterentwickelt werden? Wir haben darüber schon diskutiert. Wer kann diese Verklammerung denn eigentlich leisten, wenn nicht die Ebenen. Sonst müsste sich ja jeder Fachbereich andere Fachbereiche suchen. Im Grunde haben wir ja in den Ebenen, in den Bezirksvorständen alle Fachbereiche vertreten. Ich meine, es muss zumindest in der Richtung diskutiert werden, wer denn die Klammer über die Fachbereiche vor Ort herstellt. Wenn wir das nicht erreichen, werden wir auch diese gemeinsamen Politik nicht erreichen. Deshalb müssen wir darüber diskutieren, damit wir von der Vereinzelung wegkommen. Wir sind eine Organisation und nur wenn wir gemeinsam agieren, sind wir stark. Das fehlt mir in dem ganze Antrag. - Danke schön. (Leichter Beifall)

Thomas Koczelnik, Kongressleitung

Danke schön, Klaus. Du hattest eine Frage an den Gewerkschaftsrat gestellt. Ich schaue in Richtung Präsidium des Gewerkschaftsrats, ob darauf jetzt geantwortet werden soll. - Ja, wir sind am Ende der Wortmeldeliste hierzu. Deshalb wird das nichts mit dem Sammeln, Timo.

Thomas Koczelnik, Kongressleitung

Für den Gewerkschaftsrat wird die Kollegin Anita Liebholz antworten.

Anita Liebholz, Gewerkschaftsrat

Liebe Kolleginnen und Kollegen, ursprünglich ging dieser Antrag davon aus, dass wir insbesondere bei dem Themenkomplex der Mitgliedergewinnung, Mitgliederhaltung und Mitgliederrückgewinnung ansetzen. Weil das ein sehr komplexes Verfahren ist, ist es unter dem Stichwort Organisationsentwicklungen erweitert worden. Die Teile, die das Thema Tarif-, Branchen- und Strukturpolitik, also eher die Fachbereiche, angehen, sind ergänzt worden. Das heißt, die speziellen Sachen sind das, was Ihr unter dem Stichwort Fachbereiche, Branchen- und Tarifpolitik findet. Die anderen Themen sind all das, was auf der Ebene verknüpft wird, insbesondere wie wir den Aufbau und den Ablauf der Organisation optimieren, also das, was ab Seite 11 kommt. Das wäre das, was die Verknüpfung darstellt und somit die Fragen behandelt, die auf der Ebene vor sich gehen, weil dort die Gesamtorganisation zusammengefasst wird.
Ich hoffe, das war klar. (Heiterkeit)

Thomas Koczelnik, Kongressleitung

Danke, Anita, für die Beantwortung. - Wir haben jetzt noch eine weitere Wortmeldung. Das Wort hat der Kollege Thomas Böhm, Delegiertennummer 424.

Thomas Böhm, 424

Kolleginnen und Kollegen, der Antrag H1 sagt ja im Prinzip: Die Matrix hat sich im Grundsatz bewährt. Es gibt aber Optimierungsbedarf. Die Entscheidung über diesen Optimierungsbedarf fällen wir nicht hier - es sind Einzelentscheidungen auf dem Kongress -, sondern in Form eines Entwicklungsprozesses, den wir anschließend machen. Damit kann ich leben. (Vereinzelter Beifall)
Ich sehe diesen Optimierungsbedarf in Bezug auf die Richtung zu versuchen, mehr Ressourcen in die unteren Ebenen, mehr Möglichkeiten in die unteren und mitgliedernahen Ebenen zu kriegen, sehr stark. Und ich sehe einen ganz erheblichen Optimierungsbedarf auch in der Richtung eines fachbereichsübergreifenden einheitlichen Vorgehens. Wie gesagt, wenn das der Konsens ist, ist das gut.
Jetzt stelle ich aber fest, dass die Antragskommission die Anträge, die in verschiedene Richtungen tendieren, unterschiedlich bewertet hat. Sie hat die Anträge, die in die Richtung Stärkung der Fachbereiche und Rücknahme von Vereinheitlichungstendenzen - siehe Verwaltungsangestellte - gehen, zur Annahme als Material gewertet. Die Anträge, die in die Richtung gehen, mehr Einheitlichkeit herzustellen und mehr Ressourcen nach unten zu geben, sind mit Ablehnung gekennzeichnet worden. Das kann ich, ehrlich gesagt, nicht verstehen. Ich halte das auch nicht für fair. Denn wenn wir einen offenen Prozess machen und in aller Ruhe ausdiskutieren wollen, wie wir das optimieren können, kann man nicht einen Teil der Anträge mit Ablehnung und den anderen Teil mit Annahme kennzeichnen.
Insofern ist es meine dringende Bitte an die Antragskommission, entsprechend der Intention des Antrags B1 eben auch alle Anträge mit „als Material“ zu kennzeichnen. - Vielen Dank. (Beifall)

Thomas Koczelnik, Kongressleitung

Danke schön, Thomas. - Wir haben keine weiteren Wortmeldungen.
Ich darf zunächst den gewechselten Sprecher der Antragskommission herzlich begrüßen. Der Kollege Schneider hat das Wort.

Sprecher der Antragskommission

Erst einmal einen wunderschönen guten Abend. - Zu dem Antrag, den wir in der Antragskommission natürlich als den umfassenden Leitantrag gesehen haben, haben wir eine entsprechende Empfehlung ausgesprochen. Es gibt einen Änderungsantrag dazu. Ich weiß nicht, ob er zwischenzeitlich bei der Kongressleitung angekommen ist. Der Kollege hatte ihn ja gestellt.

Thomas Koczelnik, Kongressleitung

Ich bin beim Antrag H1.

Sprecher der Antragskommission

Da bin ich auch. (Heiterkeit)

Thomas Koczelnik, Kongressleitung

Schön.

Sprecher der Antragskommission

Wir haben diesen Antrag zur Annahme empfohlen, und wir bleiben bei Annahme.

Thomas Koczelnik, Kongressleitung

Das wollte ich hören. Recht herzlichen Dank dafür.
Wir kommen zur Abstimmung über die Empfehlung der Antragskommission. Wer der Empfehlung der Antragskommission folgen möchte, den bitte ich um das Kartenzeichen. - Danke schön. Gegenstimmen? - Einige. Stimmenthaltungen? - Einzelne Enthaltungen.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir sind gerade gebeten worden, das Verfahren etwas zu verdeutlichen. Ich scheine das nicht klar genug ausgedrückt zu haben. Wir möchten heute noch den Antragsblock H behandeln. Wir wollen heute Abend in dieser Kommission, die ich vorhin dargestellt habe, darüber entscheiden, welche Antragsblöcke in welcher Reihenfolge danach aufgerufen werden. Das wird morgen früh hier in den Kongress eingebracht und zur Abstimmung gebracht werden.
Im Antragsblock H - ich bitte die Technik, das vorbereitete Chart einzuspielen; den GO-Antrag habe ich gesehen - sind die rot gekennzeichneten Anträge zur Einzelberatung herausgezogen, damit Ihr jetzt schon einen Überblick habt und nicht erst nach der Abstimmung. Dies ist allerdings nur der Bereich des Untersachgebietes Organisationspolitik und Organisationsentwicklung. - Ihr seht bereits das nächste Chart, sodass wir Euch nach und nach den Überblick geben. (Die Charts werden schnell nacheinander eingeblendet - Zurufe: Bitte nicht so schnell!) - Ich habe die Bitte an die Technik, dies langsamer zu tun. (Zuruf: Noch einmal zurück!) - Das war zurück, genau. Noch eins zurück bitte.
Ich lese sie einfach parallel vor. Dann können sie mitgeschrieben werden. H1, H6, H8, H10, H25, H30, H33, H42, H47. Als Nächstes H72 auf dem nächsten Chart - auf dem nächsten Chart. (Heiterkeit - Das Chart erscheint zunächst nicht) H72, danke schön. Der nächste Antrag ist H81, dann H87, H93 und H96, H102, H112 und H120, dann H129 und H140, Antrag H144, den Antrag H148 sowie den folgenden Antrag H149. Die nächsten herausgezogenen Anträge sind H170 sowie H 171, H178, H186 und H188.
Nachdem wir das klargestellt haben, kommen wir jetzt zum ersten GO-Antrag an Saalmikrofon 2. Danach haben wir einen weiteren Antrag am Saalmikrofon 1. Allerdings werde ich erst die Gegenrede zum GO-Antrag an Saalmikrofon 2 zulassen. - Saalmikrofon 2, bitte.

Klaus Böhm, 489

Klaus Böhm aus Hamburg, Senior. - Es ist sicherlich keine Gegenrede erforderlich. Ich habe im Ohr, dass zum letzten Antrag ein Änderungsantrag gestellt war. Der wurde auch von der Antragskommission erwähnt, und ich weiß jetzt nicht, ob wir den mit hereingenommen haben oder nicht. Es geht um einen Ergänzungsantrag zum vorher abgestimmten Antrag.

Thomas Koczelnik, Kongressleitung

Okay, das können wir ohne Probleme beantworten. Die Antragskommission hat ihre Empfehlung nicht verändert. Das heißt, sie hat ihn nicht mit aufgenommen.

Klaus Böhm, 489

Darf ich nachhaken? - Warum ist denn nicht über den Änderungsantrag gesondert abgestimmt worden.

Thomas Koczelnik, Kongressleitung

Weil wir uns auf ein Verfahren geeinigt haben, welches lautet: Wir stimmen zuerst immer über die Empfehlung der Antragskommission ab, und erst wenn der Empfehlung der Antragskommission nicht gefolgt wird, stimmen wir als nächstes über den Änderungsantrag und danach über den Ursprungsantrag ab. Dies haben wir mündlich erläutert, und zur Unterstützung haben wir die Erläuterungen auch noch auf den Videoleinwänden dargestellt, in der Auslegung unserer Geschäfts- und Wahlordnung. - So viel zur Erläuterung.
Jetzt habe ich einen weiteren Geschäftsordnungsantrag am Saalmikrofon 1.

Horst Steiner, Gewerkschaftsrat

Ich habe einen Wortmeldezettel abgegeben zum Antrag H114 und habe mich jetzt gewundert, dass der Antrag nicht zur Aussprache gestellt wird.

Thomas Koczelnik, Kongressleitung

Lieber Horst, es tut mir leid. Auch wenn wir schon sehr lange Gewerkschaftsarbeit zusammen machen - das war erstens zu spät, dann auch noch zu einem falschen Antrag, und später hast Du es nochmals geändert. Nach unseren Regularien konnten wir diesen Antrag nicht mehr herausziehen - es sei denn, der Kongress würde Dir jetzt eine Ausnahmegenehmigung geben wollen. (Vereinzelt Beifall) - Ich würde sagen, das war nicht der Fall.
Kolleginnen und Kollegen, wir hoffen, dass wir damit etwas Transparenz in das weitere Verfahren haben bringen können, weil uns das Signal gegeben wurde, dass es sonst nicht gut nachvollziehbar wäre. Das wollen wir natürlich nicht.
Ich darf dann den nächsten herausgezogenen Antrag H6 aufrufen. Hierzu hat das Wort der Kollege Ralf Nix mit der Delegiertennummer 287.

Ralf Nix, 287

Liebe Kolleginnen und Kollegen, der Antrag H6 bezieht sich auf das, was wir die ganze Zeit schon diskutieren: Mitgliederschwund, Verlust von Beitragseinnahmen. Das alles haben wir heute und in den letzten Tagen hier diskutiert und ist Euch allen auch aus der Praxis schon bekannt. Wir aus Hessen haben eine Initiative gefordert, eine Kampagne aufzulegen, die sich genau und gezielt mit diesem Problem beschäftigt, weil wir wissen: Es stehen Tarifrunden an, es laufen Tarifrunden, und jedes Mitglied mehr hilft uns in der Durchsetzungsfähigkeit.
Der Antrag ist zur Annahme als Arbeitsmaterial und Weiterleitung an den Bundesvorstand empfohlen. Uns geht es darum, dass der Antrag in der ursprünglichen Form angenommen wird, weil wir uns sicher sind, dass die Kolleginnen und Kollegen im Bundesvorstand sehr wohl über die Probleme Bescheid wissen. Wir wollen schnellstmöglich eine Kampagne dazu starten, weil es uns wichtig ist, dass wir hier und heute, am besten schon gestern, anfangen, den Mitgliederschwund aufzuhalten, um unsere Durchsetzungsfähigkeit zu erhalten, zu stärken und nach vorne zu kommen. Das ist uns wichtig. Deshalb bitten wir Euch, der Empfehlung der Antragskommission nicht zu folgen, sondern den Antrag anzunehmen, damit wir gleich anfangen und konkret in die Planung einer Kampagne einsteigen können. - Danke. (Leichter Beifall)

Thomas Koczelnik, Kongressleitung

Danke schön, Ralf. - Ich habe keine weiteren Wortmeldungen, schaue zur Antragskommission. - Das Wort hat der Sprecher der Antragskommission.

Sprecher der Antragskommission

Kolleginnen und Kollegen, wir haben diesen Antrag natürlich gesehen, und wir haben auch festgestellt, dass er fundierte Aussagen zur Vertrauensleutearbeit macht. Wir haben aber auch gesehen, dass er natürlich finanzielle Auswirkungen haben wird, und aus dem Grunde haben wir die Empfehlung gegeben, ihn an den Bundesvorstand zu geben. Wir bleiben letzten Endes natürlich auch bei dieser Empfehlung.

Thomas Koczelnik, Kongressleitung

Danke schön. - Damit kommen wir zur Abstimmung über die Empfehlung der Antragskommission. Wer dieser Empfehlung folgen möchte, den bitte ich um das Kartenzeichen. - Gegenstimmen? - Deutliche Minderheit. Enthaltungen? - Bei zahlreichen Gegenstimmen und einzelnen Enthaltungen wurde der Empfehlung der Antragskommission gefolgt.
Ich darf dann den nächsten Antrag aufrufen, der zur Einzelberatung herausgezogen worden ist. Es ist der Antrag H8. Das Wort hat die Delegierte mit Delegiertennummer 210, Nicola Seggewies.

Nicola Seggewies, 210

Als ich die Ordner mit 1.300 Anträgen bekommen habe, bin ich erst einmal angefangen, mir die Überschriften durchzulesen. Ich denke, das haben viele von Euch so gemacht. Ich bin dann auf den Antrag H 8 gestoßen - Stärkung der ver.di-Matrixorganisation. Da habe ich gedacht: Ja, interessant, lies mal weiter, was so in dem Antrag steht. - Beim Durchlesen sind mir dann aber Zweifel an der Richtigkeit der Überschrift gekommen. Geht es in diesem Antrag wirklich um die Stärkung der Matrix? Ich finde, in einigen Teilen nicht.
In den Zeilen 57 bis 75 - Ihr könnt es Euch ansehen - wird ein Teil der Matrix aufgelöst und aufgehoben. Dieser Abschnitt steht meines Erachtens auch im Gegensatz zu den Zeilen 51 bis 55, die ich Euch gern einmal vorlesen möchte: „Bei der Lösung solcher Konflikte muss in der Matrixorganisation eine gemeinsame Verständigung zwischen Ebene und Fachbereichen erfolgen. Hierzu bedarf es festgelegter Strukturen bei Kommunikation und Konfliktlösung.“
Ich meine, in diesen Zeilen wird die Gesamtverantwortung der Matrix, die aus Fachbereichen und aus Ebenen besteht, richtig beschrieben. In den Zeilen 57 bis 75 wird diese Gesamtverantwortung jedoch aufgehoben, und die häufig wichtigen Steuerungsmöglichkeiten von Bezirken und Landesbezirken werden aufgehoben. Ich stelle deshalb den Antrag, die Zeilen 57 bis 75 zur Ablehnung zu empfehlen und für den Rest des Antrags, der schon auch Matrix beschreibt, es bei der Empfehlung der Antragskommission zu belassen. - Danke schön. (Leichter Beifall)

Thomas Koczelnik, Kongressleitung

Nicola, liegt, das was Du gerade hier vorgetragen hast, der Antragskommission vor? - Noch nicht. An dieser Stelle deshalb nochmals die herzliche Bitte, hier entsprechend tätig zu werden, damit die Antragskommission sich gut vorbereiten kann.
Ebenfalls zu diesem Antrag hat jetzt der Kollege Ulli Schauen vom Gewerkschaftsrat das Wort.

Ullrich Schauen, Gewerkschaftsrat

Dieser Antrag enthält die Formulierung, dass die Tendenz eingeführt werden soll, Budgets von der Ebene zu den Fachbereichen umzuschichten. Das kann vielleicht im Einzelfall richtig sein, aber ich möchte darum bitten, das so nicht zu beschließen, sondern es allenfalls als Arbeitsmaterial weiterzuleiten, wie es auch die Antragskommission vorgesehen hat. Ich müsst auch im Blick haben, dass es Aufgaben der Ebenen sind, die sehr notwendig sind und die sehr mitgliedernah sind. Zum Beispiel sagt man in meinem Bereich mit 30.000 Selbstständigen innerhalb von ver.di, das sei eine Fachbereichsaufgabe, im Fachbereich 8 seien es doch 92 Prozent und die sollten sich doch darum kümmern. Man vergisst dabei, dass es eine Zukunftsaufgabe ist, die auch für andere Fachbereiche entwickelt werden muss. Das schaffen die Fachbereiche selbst teilweise nicht. Sie haben es auch nicht im Blick, weil eben die Mitgliederzahlen in diesen Fachbereichen bisher noch klein sind oder weil die Mitglieder in der Mitgliederdatenbank noch nicht richtig aufgeschlüsselt sind, beispielsweise die freien IT-Techniker, die freien Hebammen und wer auch immer.
Hinzu kommt, dass das in den Ursprungsgewerkschaften von ver.di so nicht üblich war, weil Selbstständigkeit als ein Ausschlussgrund gesehen wurde, und so weiter, und so weiter. Das heißt, für solche Weiterentwicklungen der Selbstständigenarbeit, die als Zukunftsaufgabe von ver.di dringend notwendig sind, müssen sich die Ebenen, die Landesbezirke, die Bundesebene und auch ver.di in den Bezirken dazu bereit finden, das als Zukunftsaufgabe zu entwickeln, und sie brauchen dazu auch Ressourcen.
Deswegen finde ich diesen einen Satz hier und auch die Tendenz, die in vielen der anderen Beiträge zum Bereich H festzustellen ist, nicht richtig: betriebsnah ist immer gut, Bund ist immer schlecht. Wo bleibt denn das Geld, wenn es in den Bund geht, und wo bleibt das Geld, wenn es in die Ebene geht? Diese allgemeine Aussage finde ich nicht richtig. (Leichter Beifall) Auch da passiert sehr viel Mitgliedernahes. Das sieht man halt, wenn man im Bezirk oder in dem Fachbereich regional tätig ist, nur nicht so schnell. Das gehört entwickelt.
Deswegen: Alles das, was in diesen Anträgen steht, widerspricht ein bisschen diesem Prozesshaften, was in dem Antrag H1 richtigerweise vorgesehen ist: dass man darüber in der nächsten Zeit noch redet. Es sollte deswegen wirklich nur als Arbeitsmaterial, wie es die Antragskommission gesagt hat, weitergeleitet werden, damit man weiter darüber sprechen kann. (Beifall)

Thomas Koczelnik, Kongressleitung

Danke schön, Uli. - Ich habe noch eine Wortmeldung, wie ich gerade sehe: der Kollege Lorenz Mueller-Morenius.

Lorenz Mueller-Morenius, 777

Liebe Kolleginnen und Kollegen, Nicola hat hier eben einen Änderungsantrag gestellt, der, so sagt sie, Klarheit schaffen soll. Ich finde, das, was hier steht, schafft Klarheit, (leichter Beifall) nämlich die Aussage, dass, wer in einem Fachbereich integriert ist und fachlich bezogen arbeitet, auch von den Leuten, die in diesem ver.di-Fachbereich arbeiten, kontrolliert wird. Das heißt, dass die fachliche Kompetenz senkrecht im Fachbereich bestehen bleibt. Das steht hier drin, das würde die Matrix klären, und das wäre meiner Ansicht auch logisch.
Deshalb plädiere ich dafür, den Änderungsantrag von Nicola nicht anzunehmen, sondern so zu verfahren, wie es hier die Antragskommission vorschlägt. - Danke schön. (Beifall)

Thomas Koczelnik, Kongressleitung
Danke, Lorenz. - Es hat nunmehr Gerd Herzberg das Wort.

Gerd Herzberg, Stellvertretender ver.di-Vorsitzender

Kolleginnen und Kollegen, ich möchte auf den Antrag H1 zurückkommen.
Ihr habt in den ersten Wortmeldungen nachgefragt: Wie wollen wir eigentlich versuchen, zu einer Klammer zu kommen? Ich möchte hier auf eine Begrifflichkeit hinweisen: Im Antrag H1 ist im hinteren Teil die Frage nach der Steuerung der Organisation aufgeworfen worden. Steuerungsfähigkeit soll hergestellt werden. Das, Kolleginnen und Kollegen, bezieht sich, wenn Ihr nachlest, darauf, wie wir über Ebene und Fachbereiche unsere Organisation steuern. Das heißt, wir wollen versuchen, die Klammer darüber herzustellen, dass wir Regularien finden auf der Grundlage unserer Matrix, wie wir über Ebene und Fachbereiche die Organisation steuern für alle operativen Fragen, für alle Fragen der Zusammenarbeit.
Das bedeutet, dass die Vielzahl der folgenden Anträge - wie der jetzt aufgerufene, aber ich nehme auch Bezug auf die Anträge H9 oder H10 - nur als Arbeitsmaterial zugeordnet werden können, weil hier in diesen Anträgen eine Vielzahl von Einzelfragen aufgeworfen worden ist, die man in die Diskussion zur Umsetzung und Schaffung von Steuerungsfähigkeit nur einbeziehen kann. Aber ich finde dort auch eine Reihe von Positionen, die wir uns als Bundesvorstand so nicht zu eigen machen. Wenn Ihr dort zum Beispiel die Fragen zu den Verwaltungsangestellten seht, dann muss es bei der Regelung, die wir geschaffen haben, bleiben, das heißt Ebene und Fachbereiche gemeinsam. So etwas darf man nicht zurücknehmen. (Starker Beifall)
Kolleginnen und Kollegen, ich erwähne das nur als ein Beispiel. Daher, denke ich, sollten wir hier die vorgeschlagene Änderung nicht aufnehmen, sondern bei dem Vorschlag als Arbeitsmaterial bleiben. Es werden dann in dem vor uns liegenden Prozess alle diese Anregungen aufgenommen - aber das alles unter der Überschrift: Wie schaffen wir es, die Steuerungsfähigkeit unserer Organisation deutlich zu verbessern? Darum geht es. - Ich danke Euch. (Starker Beifall) 

Thomas Koczelnik, Kongressleitung

Danke schön, Gerd. - Ich habe keine weiteren Wortmeldungen. Die Antragskommission hat das Wort.

Sprecher der Antragskommission

Kolleginnen und Kollegen, natürlich haben wir uns bei der Beratung auch die einzelnen Anträge angeschaut, und wir sind der Meinung, dass der Antrag H1 sehr fundiert ist. Und um allen Gesichtspunkten gerecht zu werden, haben wir die Anträge alle als Material zugeordnet, damit sie dort mit bearbeitet werden.
Vielleicht sollte noch eine kurze Anmerkung zu der Frage von Materialanträgen gemacht werden. Ich denke, sie werden genauso intensiv bearbeitet werden wie auch die normalen Annahmeanträge.
Wir bleiben also bei unserer Empfehlung.

Thomas Koczelnik, Kongressleitung

Recht herzlichen Dank. - Wir kommen dann zur Abstimmung über die Empfehlung der Antragskommission. Wer der Empfehlung folgen möchte, den bitte ich um das Kartenzeichen. - Gegenstimmen? - Einzelne Gegenstimmen. Enthaltungen? - Einzelne Enthaltungen. Damit wurde der Empfehlung der Antragskommission gefolgt.
Ich rufe den Antrag H10 auf. Hierzu hat die Kollegin Heike Schakulat mit der Delegiertennummer 134 das Wort.

Heike Schakulat, 134

Ich ziehe zurück, weil dazu gerade alles gesagt wurde. (Beifall)

Thomas Koczelnik, Kongressleitung

Recht herzlichen Dank, Heike.
Damit wir nicht durcheinanderkommen, bringen wir diesen Antrag dennoch in die Einzelabstimmung. - Wer der Empfehlung der Antragskommission folgen möchte, den bitte ich um das Kartenzeichen. - Gegenstimmen? - Keine. Enthaltungen? - Ebenfalls keine. Damit wurde der Empfehlung der Antragskommission einstimmig gefolgt.
Ich darf dann den Antrag H25 aufrufen. Hierzu erhält die Kollegin Nicola Seggewies mit der Delegiertennummer 210 das Wort.

Nicola Seggewies, 210

Ich denke und hoffe, Ihr habt das alle bekommen: Zu dem Antrag H25 gibt es einen Änderungsantrag. In den letzten drei Tagen ist der Antrag H25 hier sehr breit in seiner Ursprungsfassung diskutiert worden. Ich denke, Ihr alle habt irgendwo ein wenig von der Diskussion mitgekriegt. Es sind dann ganz unterschiedliche Rückmeldungen an NRW gekommen. Wir haben uns deshalb überlegt, einen Kompromissvorschlag zu erarbeiten, den Ihr jetzt hier als Änderungsantrag vorliegen habt. Ich bitte Euch um die Annahme diese Antrags. Und ich finde - ich habe heute Geburtstag -, einen Gefallen könnt Ihr mir doch heute erfüllen. (Heiterkeit - Beifall)

Thomas Koczelnik, Kongressleitung

Danke schön. - Hans-Jürgen Kummetat mit der Delegiertennummer 515 hat jetzt das Wort. 

Hans-Jürgen Kummetat, 515

Liebe Kolleginnen und Kollegen, aus Sicht des Fachbereichs 1 würden wir diesen Kompromissvorschlag hier unterstützen wollen. (Beifall)

Thomas Koczelnik, Kongressleitung

Danke schön, Hans-Jürgen. - Jetzt hat die Kollegin Gabriele Landen mit der Delegiertennummer 639 das Wort.

Gabriele Landen, 639

Ich bin aus dem Fachbereich 13 und ziehe ebenfalls mein Wort zurück. (Beifall)

Thomas Koczelnik, Kongressleitung

Okay, danke schön. - Jetzt die Kollegin Beatrix Klein mit der Delegiertennummer 659.

Beatrix Klein, 659

Auch meine Wortmeldung hatte sich durch den Änderungsantrag erledigt.

Thomas Koczelnik, Kongressleitung

Das ist sehr schön. Herzlichen Dank dafür. - Der Kollege Bernd Losch mit der Delegiertennummer 101 hat das Wort.

Bernd Losch, 901

Ich schließe mich dem Änderungsantrag in dieser Form an.

Thomas Koczelnik, Kongressleitung

Auch das ist sehr schön. Der Appell von Nicola scheint zu wirken. Das Wort hat jetzt die Kollegin Anita Liebholz mit der Delegiertennummer 273.

Anita Liebholz, 273

Kolleginnen und Kollegen, leider schließe ich mich nicht an, weil ich Euren Blick auf einen Punkt richten muss, der, wie ich glaube, in der bisherigen Diskussion keine Rolle gespielt hat. Ich möchte Euren Blick gern auf den letzten Absatz richten. Da wird festgestellt, dass Bundesvorstand und Gewerkschaftsrat eine verbindliche Zeitschiene festlegen und dem Gewerkschaftsrat regelmäßig über den Prozess zu berichten ist. Ich sehe vor dem Hintergrund dessen, was da diskutiert wird, unter anderem auch Koordinierungsbedarf vonseiten des Gewerkschaftsrats. Insofern reicht es mir nicht aus, wenn wir als Gewerkschaftsrat nur über einen Bericht eingebunden werden, sondern es müsste in irgendeiner Form eine Beteiligung erfolgen, damit die Ehrenamtlichen auch an dieser Stelle in den Prozess einbezogen sind.
Um die Sache zu vereinfachen, habe ich mir gedacht, wir nehmen einen Satz, der schon im Antrag H1 steht, nämlich dass wir sagen, dass der Bundesvorstand beauftragt wird, gemeinsam mit dem Gewerkschaftsrat die erforderlichen Konzepte und Arbeitsvorhaben in diesem Zusammenhang zu entwickeln. Dann sind wir, meine ich, in den Prozess einbezogen. Zumindest ich wäre dann zufrieden. - Danke. (Beifall)

Thomas Koczelnik, Kongressleitung

Danke schön, Anita. Liegt der Änderungsantrag der Antragskommission vor? - Ja. Als nächste Rednerin die Kollegin Susanne Treptow mit der Delegiertennummer 794.

Susanne Treptow, 794

Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich begrüße diesen Änderungsantrag. Ich hatte mich hinsichtlich des ursprünglichen Antrags vorbereitet. Ich will Euch sagen, warum ich die positive Entwicklung hier noch einmal würdigen will. Ich verstehe es so, dass die 13 Fachbereiche den Prozess gestalten. Nur sie sind betroffen, also müssen sie den Prozess gestalten. Wenn das systematisch erfolgt, kann es auch etwas werden. Die betroffenen Gremien müssen über Kooperation und Fusion beschließen. Nur dann können wir auf dem nächsten Bundeskongress darüber befinden.
Dass wir eine mitgliedernahe Fachbereichsarbeit durch die Freisetzung von Synergien haben, finde ich auch klasse. Ich komme aus dem Fachbereich 9. Wir stehen auch für die vierte Ebene. Wenn wir ein Bundesvorstandsmitglied weniger haben und die Mittel stattdessen in die vierte Ebene fließen, finde ich das super klasse. (Beifall)
Im nächsten Absatz, in dem steht, dass weitere Vorschläge zur Verkleinerung des Vorstands zu entwickeln sind, fehlen mir ein Stück weit die beiden neuen Ressorts, die wir in die weiteren Entwicklungen und Überlegungen einbinden müssen. Das ersieht man hier so nicht, aber davon gehe ich aus. Ich finde es positiv, dass wir einen Prozess in Gang setzen. Die Erfahrungen aus den Fachbereichen, die jetzt mit einem Mitglied im Bundesvorstand vertreten sind, können mit einfließen, denn diese Erfahrungen hatten wir bislang ja noch nicht zur Verfügung. Ich bin super gespannt darauf, wie man sich im Bundesvorstand verhält, wenn es unterschiedliche Entscheidungen gibt. Ich kenne für den Konfliktfall den Losentscheid. Aber das werden wir dann hören.
Ich finde es gut, dass Bundesvorstand und Gewerkschaftsrat eine Zeitschiene vorgeben, damit dieser Prozess auch wirklich in Gang kommt. Das ist gut. Das Monitoring ist sowieso wichtig, damit immer eine Institution vorhanden ist, die sehen kann, ob sich etwas entwickelt. - Danke schön fürs Zuhören. (Beifall)

Thomas Koczelnik, Kongressleitung

Danke schön, Susanne. Wir haben eine weitere Wortmeldung. Das Wort hat der Kollege Lorenz Mueller-Morenius.

Lorenz Mueller-Morenius, 777

Liebe Kolleginnen und Kollegen, der Kollege Sommer hat in seinem Grußwort an diesen Kongress gesagt: Ihr werdet vor allen Dingen über Strukturen reden. Bis heute Abend habe ich geglaubt, er irrt sich. Aber jetzt merke ich: So kommt es.
Machen wir uns nichts vor: Der Antrag 25 geht an die Matrix. Dort wird gesagt: Überprüft die Matrix. Das muss klar sein in einer Zeit, in der gerade individuelle und kleine Gewerkschaftsgruppierungen, Organisations- und Berufsgruppierungen, die eine einzelne Berufsgruppe im Namen führen, großen Zulauf haben. Wir müssen uns wirklich fragen, Kolleginnen und Kollegen, ob wir mit einer Veränderung zu einem großen ver.di-Block, die hier tendenziell angesprochen wird, wirklich das erreichen, was alle, die an der Matrix rütteln, als Begründung anführen. Sie sagen: Die Mitglieder- und die Finanzentwicklung führen uns dazu, an die Matrix zu gehen.
Ich sage Euch - deshalb kann ich höchstens einer Verabschiedung als Material zustimmen -: Diese Veränderung der ver.di hin zu einer Großorganisation kann man nur einmal machen. Diejenigen, die das tun wollen, müssen garantieren, dass dann zu 100 Prozent unsere Probleme im Mitglieder- und Finanzbereich geregelt sind. Wenn sie das nicht können, dann sollen sie bitte erst noch einmal in die Diskussion mit denjenigen eintreten, die es anders sehen. Ich sehe es anders. - Danke schön. (Beifall)

Thomas Koczelnik, Kongressleitung

Danke schön, Lorenz. Als nächster Redner hat der Kollege Rolf Wiegand mit der Delegiertennummer 547 das Wort.

Rolf Wiegand, 547

Kolleginnen und Kollegen, ich möchte einen Vorschlag zu dem Änderungsantrag machen. Im ersten Satz heißt es, dass ein verbindlicher Organisationsentwicklungsprozess zur Überprüfung von Struktur und Anzahl der zukünftigen Fachbereiche durchgeführt wird. Überprüfen kann ich nur die aktuellen Fachbereichsstrukturen. Um es sinnvoll zu machen, lautet mein Vorschlag, das Wort „zukünftig“ zu streichen. Ansonsten unterstütze ich diesen Änderungsantrag. (Vereinzelt Beifall)

Thomas Koczelnik, Kongressleitung

Danke schön. Es hat jetzt das Wort der Kollege Dieter Schäfer mit der Teilnehmernummer 33. Er kommt vom Gewerkschaftsrat.

Dieter Schäfer, 33

Liebe Kolleginnen und liebe Kollegen, vielleicht ist es manchem aufgefallen: Es ist etwas Besonderes passiert. Es hat sozusagen Irritationen um einen Antrag gegeben. Es hat dazu Debatten gegeben. Dann hat es dazu Diskussionen, Kompromisse und eine Verständigung zwischen Menschen, die an ganz verschiedenen Stellen der Organisation arbeiten, gegeben. Diese Menschen - Nicola und Hans-Jürgen Kummetat - haben sich zu Beginn der Debatte geäußert. Das war klasse, weil dies die Arbeitsfähigkeit dieses Kongresses unterstützt. Ich glaube, darauf sollten wir schauen. Dass die Matrix als Basis der Organisation Bestand hat, wird aus einer Reihe von weiteren Anträgen deutlich. Deshalb bitte ich, dem Änderungsantrag meiner Kollegin Anita Liebholz und dem Vorschlag der beiden Redner zu Beginn zuzustimmen. - Danke. (Beifall)

Thomas Koczelnik, Kongressleitung

Danke schön, Dieter. Das Wort hat jetzt die Kollegin Heidrun Abel, Delegiertennummer 178.

Heidrun Abel, 178

Liebe Kollegen und Kolleginnen, wir haben in Nordrhein-Westfalen und in den Fachbereichen intensive Diskussionen über den Antrag H25 geführt. Ich komme aus dem Fachbereich 8. Ich wollte nur sagen, dass auch wir uns diesem Änderungsvorschlag anschließen. (Beifall) Ich denke, dass wir auch mit dem Änderungsantrag der Kollegin aus dem Gewerkschaftsrat, den wir als Klarstellung ansehen, gut leben können. - Danke schön. (Beifall)

Thomas Koczelnik, Kongressleitung

Danke schön, Heidrun. Jetzt hat das Wort Hans-Jürgen Kummetat mit der Delegiertennummer 515.

Hans-Jürgen Kummetat, 515

Ja, liebe Kolleginnen und Kollegen, ich dachte, ich muss nicht in die Bütt gehen, aber es ist mir wichtig, eine Botschaft auch aus unserem Fachbereich dem Kongress zu übermitteln. Matrix, das sage ich bewusst als Vorsitzender eines Fachbereichs, heißt nicht nur, die Interessen des Fachbereichs im Auge zu haben, sondern auch der Ebene. Dieser Antrag, liebe Kolleginnen und Kollegen, ist kein Antrag gegen die Matrix, sondern ein Antrag für die Matrix. Es ist hier gelungen, Ebene und Fachbereich bei einem sehr kritischen Antrag zusammenzubringen. Das ist ein Vorbild für die Arbeit, die wir hier auf dem Kongress hier geleistet haben. (Leichter Beifall)
Insofern möchte ich mich ganz herzlich bei allen Kolleginnen und Kollegen bedanken, die an diesem Kompromiss mitgewirkt haben. Im Interesse unserer Matrix möchte ich Euch bitten, diesem Änderungsantrag, so wie er eingereicht worden ist, zuzustimmen, denn wir sind dann insgesamt auf einem guten Weg. - Herzlichen Dank. (Beifall)

Thomas Koczelnik, Kongressleitung

Danke, Hans-Jürgen. Jetzt spricht Monika Brandl, Teilnehmernummer 62.

Monika Brandl, Vorsitzende des Gewerkschaftsrats

Ich wollte die Befürchtungen von dem Kollegen Lorenz etwas entschärfen. Kolleginnen und Kollegen, wir sind hier in unserer Gewerkschaft ver.di. Wir haben Fachbereiche, wir haben Ebenen. Es geht doch nicht darum, irgendetwas von den beiden abzuschaffen, sondern zu schauen, wie wir es noch besser machen können. Wir sind eine atmende Organisation. Von daher ist doch klar, dass das, was wir hier an Vorgaben haben, atmen muss, dass wir das eine oder andere verändern in den Inhalten, aber nicht mit der Zielsetzung, die Matrix abzuschaffen. Von daher sind wir es uns doch selber schuldig, dass wir da vorangehen und das, was noch besser gemacht werden kann, verbessern, damit wir besser arbeiten können und uns dadurch auch leichter tun. Das wollte ich noch sagen zur Klarstellung. Hier ist wichtig, dass nicht irgendetwas abgeschafft, sondern verbessert wird. - Danke. (Beifall)

Thomas Koczelnik, Kongressleitung

Die Antragskommission hat uns signalisiert, dass sie einen Beratungsbedarf von drei bis fünf Minuten benötigt. Den räumen wir ihr gerne ein.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir haben uns umentschieden. Wir denken, damit die Antragskommission etwas mehr Zeit bekommt, machen wir eine Pause von einer Viertelstunde und setzen den Kongress dann um 21.30 Uhr gemeinsam fort

(Unterbrechung des Kongresses: 21.15 Uhr)