(Fortsetzung des Kongresses: 21.33 Uhr)

Thomas Koczelnik, Kongressleitung

Ich darf unseren Kongress fortsetzen. Ich wurde in der Pause darauf angesprochen, dass es eine weitere Möglichkeit gäbe, etwas Zeit einzusparen, ohne dass Redebeiträge zu kurz kommen, indem man nämlich Wegezeiten nach REFA einspart und mehr als bisher die Saalmikrofone nutzt. Das ist eine Anregung an die Delegierten, die ich gerne an Euch weitergebe.
Jetzt hat sich die Antragskommission beraten und wird und das Ergebnis ihrer Beratung mitteilen.

Sprecher der Antragskommission

ver.di ist spannend und macht Arbeit. Die Antragskommission hat diesen Änderungsantrag beraten. Wir schlagen dem Kongress nun folgende Änderung des Änderungsantrags vor. In dem ersten Absatz würden wir das Wort „zukünftige“ gestrichen haben wollen, weil es hierdurch möglicherweise auch wieder zu Irritationen kommen könnte. Ansonsten empfehlen wir Annahme dieses Änderungsantrags, möchten aber auch gleichzeitig darauf hinweisen, dass der Bundesvorstand erklärte hat, dass er den Gewerkschaftsrat rechtzeitig, zügig und jederzeit über die Absichten, die dort bestehen, zu informieren und ihn auch einzubinden. (Leichter Beifall) - Das soll es dann auch schon sein.

Thomas Koczelnik, Kongressleitung

Danke schön für die Darstellung Eurer Empfehlung. Ich rufe dann auf zur Abstimmung über die Empfehlung der Antragskommission zum H25. Wer dieser Empfehlung folgen möchte, den - - Dort gibt es einen Geschäftsordnungsantrag.

Ein Delegierter

Dies ist nicht unbedingt ein Geschäftsordnungsantrag, dient aber vielleicht der Klarstellung: Empfehlt Ihr nun Annahme des Änderungsantrags oder empfehlt Ihr Annahme des Antrags mit Änderungen? Das ist ja ein Unterschied. Vorher war der Antrag ja nur als Arbeitsmaterial gedacht. Die Kollegin aus NRW hat Annahme beantragt.

Thomas Koczelnik, Kongressleitung

Der Sprecher der Antragskommission hat zur Klarstellung das Wort.

Sprecher der Antragskommission

Wir empfehlen diesen Antrag zur Annahme mit der Änderung, das Wort „zukünftige“ in der zweiten Zeile zu streichen. (Leichter Beifall)

Thomas Koczelnik, Kongressleitung

Das heißt also, der Änderungsantrag ist an einem Punkt verändert worden und anschließend ist er zur Annahme vorgeschlagen worden mit der Erklärung, die die Antragskommission gerade gegeben hat. Ich denke, das ist so klargestellt.

Dann probiere ich es noch einmal. Ich rufe dieses, was ich gerade gesagt habe, zur Abstimmung auf. Wer dem folgen möchte, den bitte ich um das Kartenzeichen. - Danke schön. Gegenstimmen? - Das Erste ist bei Weitem die Mehrheit. Enthaltungen? - Einzelne Enthaltungen. Somit wurde der Empfehlung der Antragskommission mit großer Mehrheit gefolgt. (Beifall)

Ich darf nun aufrufen den Antrag H30. Dazu erhält das Wort der Kollege Bernhard Pfitzner mit der Delegiertennummer 796.

Bernhard Pfitzner, 796

Ich habe die Bitte an die Antragskommission, zu prüfen, ob sie ihre Empfehlung in „Annahme“ ändern kann. Ich möchte das begründen:
Die Teile I. und II. des Antrags H30 sind in anderer Form, nämlich in Form des Antrags A1 und H26 zur Annahmen empfohlen worden. Dieser H30 hat aber einen weiteren Bereich zum Inhalt, nämlich den Bereich III.: Stärkung der Streitkultur - Stärkung des gegenseitigen Verständnisses von Ebene und Fachbereichen.

Unter der Begründung zu diesem Antrag wird hervorgehoben, dass organisationspolitische Maßnahmen zwar ausgesprochen wichtig sind, aber dann nicht viel weiterhelfen, wenn wir nicht gleichzeitig die Streitkultur in unserer Organisation erhöhen, um das gegenseitige Verständnis von Fachbereichen und Ebenen zu stärken.

Ich glaube, wir haben auf dieses Kongress auch gesehen, dass wir in der Frage der Streitkultur noch eine ganze Menge Verbesserungspotenzial haben. Ich würde uns wünschen, dass wir dieses Verbesserungspotenzial ausschöpfen, denn dieser Antrag, obwohl er zugegebenermaßen eine gewisse Lyrik enthält, soll eine Bezugsgrundlage schaffen, um diese Streitkultur in ver.di weiter zu stärken. Deswegen meine Bitte an die Antragskommission, ihre Beschlussempfehlung daraufhin zu überprüfen, ob sie Annahme empfehlen kann. - Danke. (Leichter Beifall)

Thomas Koczelnik, Kongressleitung

Danke schön, Bernhard. Weitere Wortmeldungen liegen mir nicht vor. Ich schaue deshalb zur Antragskommission. - Sie benötigt einen kurzen Augenblick.

Sprecher der Antragskommission

Kolleginnen und Kollegen, die Antragskommission bleibt bei ihrem Vorschlag, den Antrag als Arbeitsmaterial dem Antrag H1 zuzuordnen.

Thomas Koczelnik, Kongressleitung

Danke schön dafür. Ich komme dann zur Abstimmung über die Empfehlung der Antragskommission. Wer ihr folgen möchte, den bitte ich um das Kartenzeichen. - Danke schön. Gegenstimmen? - Das Erste ist die deutliche Mehrheit. Enthaltungen? - Bei einigen Gegenstimmen wurde dieser Empfehlung gefolgt.
Ich darf dann aufrufen den Antrag H33. Hierzu erhält nach dem Sprecher der Antragskommission der Kollege Josef Filippek das Wort. Zunächst hat also das Wort die Antragskommission.

Sprecher der Antragskommission

Die Antragsteller berücksichtigen die nach wie vor sehr unterschiedliche Größe der Bezirke unseres Erachtens nicht genügend. Zudem ist in einigen Fachbereichen - inzwischen praktiziert - eine bezirksübergreifende Aufstellung mit den Zielen des Antragsbegehrens unvereinbar. Das ist unsere Auffassung dazu. Aus dem Grunde haben wir die Ablehnung empfohlen.

Thomas Koczelnik, Kongressleitung

Danke schön. Jetzt hat das Wort der Kollege Josef Filippek. - Ich höre, die Wortmeldung entfällt. Somit hat die Kollegin Christiane Müller, Delegiertennummer 738, das Wort.

Christiane Müller, 738

Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich bitte Euch, der Empfehlung der Antragskommission nicht zu folgen und stattdessen diesen Antrag mit der Änderung des letzten Satzes, der sollte nämlich entfallen, als Material zur Weiterleitung an den Bundesvorstand anzunehmen.

Hintergrund dieses Antrages ist, dass besonders die Bezirke, die große Flächen abdecken, sehr häufig Probleme damit haben, dass die Fachbereiche sich abbilden. Das hat zur Folge, dass natürlich die finanzielle Ausstattung leidet. Aber für noch viel problematischer halte ich, dass auch die personelle Ausstattung ganz erheblich darunter leidet.

Wir müssen uns hier darüber unterhalten, ob es nicht für solche Situationen eine Mindestausstattung geben muss. Das können wir natürlich nicht auf dem Kongress, das ist mir klar. Deswegen möchte ich gerne, dass das als Material an den Bundesvorstand angenommen und berücksichtigt wird, genau wie die anderen Organisationsentwicklungsmaßnahmen, die von Euch schon so weit angeregt worden sind. - Herzlichen Dank.

Thomas Koczelnik, Kongressleitung

Danke schön, Christiane. - Ich habe keine weiteren Wortmeldungen und schaue zur Antragskommission.

Sprecher der Antragskommission

Die Antragskommission bleibt bei ihrem Votum. (Beifall)

Thomas Koczelnik, Kongressleitung

Danke schön. - Wir kommen damit zur Abstimmung über die Empfehlung der Antragskommission. Wer dieser folgen möchte, den bitte ich um das Kartenzeichen. - Danke schön. Gegenstimmen? - Das Erste war die deutliche Mehrheit. Enthaltungen? - Bei Gegenstimmen und wenigen Enthaltungen wurde der Empfehlung der Antragskommission gefolgt.

Ich darf den Antrag H42 aufrufen. Hierzu zunächst der Sprecher der Antragskommission.

Sprecher der Antragskommission

Kolleginnen und Kollegen, Beschlüsse zu den einzelnen Fachbereichen sollte der Kongress nach unserer Auffassung nicht fassen. Das sollten die Fachbereiche selbst regeln. Deswegen haben wir die Empfehlung auf Nichtbefassung gegeben. (Beifall)

Thomas Koczelnik, Kongressleitung

Danke schön. - Gabi.

Gabriele Landen, 986

Durch Annahme des geänderten H25 ziehe ich die Wortmeldung zurück.

Thomas Koczelnik, Kongressleitung

Dafür recht herzlichen Dank. - Wir kommen zur Abstimmung über die Empfehlung der Antragskommission. Wer ihr folgen möchte, den bitte ich um das Kartenzeichen. - Danke schön. Gegenstimmen? - Ich sehe keine. Enthaltungen? - Vereinzelte Enthaltungen. Insofern ist der Empfehlung einstimmig gefolgt.

Ich darf den Antrag H47 aufrufen, der in die Einzelberatung gegangen ist. Hierzu erhält der Kollege Böhme mit der Delegiertennummer 977 das Wort.

Jean Böhme, 977

Bei dem 47er geht es um das Mitgliederhalten und um die Rückgewinnung. Ich selber betreue als Rückholbeauftragter fast alle Fachbereiche im Süden von München. Für uns als Gewerkschaft muss es doch wichtig sein, die Gründe zu erfahren, warum uns so viele Kolleginnen und Kollegen verlassen. Jeder Austritt bedeutet doch eine Schwächung unserer Organisation und somit unsere eigene Schwächung.

Ich stelle deshalb den Antrag, der Empfehlung der Antragskommission nicht zu folgen, sondern den Antrag so, wie er ist, anzunehmen. - Danke schön. (Beifall)

Thomas Koczelnik, Kongressleitung

Vielen Dank, Kollege. Es hat jetzt die Kollegin Berta Mairhofer mit der Delegiertennummer 861 das Wort.

Berta Mairhofer, 861

Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen, ich bitte Euch, dem Antrag für das ehrenamtliche Rückholteam zuzustimmen. Die Antragskommission bitte ich insbesondere, die Änderung der Empfehlung anzunehmen und den Antrag anzunehmen. Ich bitte sehr darum.

Meine Begründung dazu: Die Mitgliedergewinnung zieht sich auf dem Kongress wie ein roter Faden durch die gesamten Verhandlungen. Das Wichtigste ist, Mitglieder zu werben, Mitglieder zu halten und Mitglieder zurückzugewinnen.
Ich bin seit Anfang 2004 in ehrenamtlichen Rückholgremien in München und bearbeite Austritte aus verschiedenen Fachbereichen. Meine Rückholquote ist unterschiedlich; denn der Großteil der Austritte bezieht sich auf finanzielle Schwierigkeiten. Aber die Reaktion auf meinen Anruf ist immer positiv. Deshalb nochmals die Bitte, dem Antrag mit Annahme zuzustimmen. - Danke für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall)

Thomas Koczelnik, Kongressleitung

Danke schön, Berta. - Es hat als Nächster Frank Werneke das Wort.

Frank Werneke, Stellvertretender ver.di-Vorsitzender

Liebe Kolleginnen und Kollegen, die Entwicklung der Mitgliederrückholarbeit ist eine der echten Erfolgsgeschichten, die wir in den letzten Monaten zu verfolgen haben. Es gibt Teams, die arbeiten richtig gut. Insofern hätte ich überhaupt gar kein Problem damit, wenn die Antragskommission diesen Antrag nicht nur als Material empfiehlt, sondern zur Annahme.

Bevor Ihr klatscht, will ich jedoch auf eine Klinke hinweisen, auf die ich aus Sicht des Bundesvorstandes hinweisen muss, wo es aus meiner Sicht nicht möglich ist, das hier zu beschließen, weil es ein Eingriff in die Finanzverteilung von ver.di wäre, sondern das kann man aus meiner Sicht nur als Material beschließen.
Das sind die Zeilen 14 und 15, wo nämlich die Finanzierungsgrundlage für die Rückholarbeit auf die Bundesebene verlagert wird. Ich glaube, das geht nicht im Rahmen dieser Beschlussfassung. Mit der Streichung der Zeilen 14 und 15 ist es aus meiner Sicht aber sehr wohl denkbar. Ich würde es ausdrücklich begrüßen, wenn dieser Antrag zur Annahme empfohlen wird. (Beifall)

Sprecher der Antragskommission

Kolleginnen und Kollegen, wir haben uns per Blickkontakt verständigt und können uns vorstellen, dass wir diese beiden Zeilen aus dem Antrag nehmen und die Annahme empfehlen. (Beifall)

Thomas Koczelnik, Kongressleitung

Recht herzlichen Dank. - Kolleginnen und Kollegen, ihr habt die geänderte Empfehlung der Antragskommission zu diesem Antrag gehört: Streichung der Zeilen 14 und 15 und Annahme mit Änderung. Wer diesem Vorgehen folgen möchte, den bitte ich um das Kartenzeichen. - Danke schön. Gegenstimmen? - Danke. Enthaltungen? - Bei wenigen Gegenstimmen und einzelnen Enthaltungen wurde der geänderten Empfehlung der Antragskommission gefolgt.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir haben damit das erste Untersachgebiet im Antragsblock H abgearbeitet. Wir kommen jetzt zur Abstimmung über die verbliebenen Anträge. Wenn die Technik das darstellen könnte, wäre es sehr schön. Ich weiß nicht, ob es klappt.

Wir stimmen ab über die Empfehlungen der Antragskommission zu den Anträgen H2 bis H5, H7, H9, H11 bis H24, H26 bis H29, H31 und H32, H34 bis H41, H43 bis H46 sowie H48 und H49. Wer den Empfehlungen der Antragskommission folgen möchte, den bitte ich um das Kartenzeichen. - Danke schön. Gegenstimmen? - Keine. Enthaltungen? - Einzelne. Bei einzelnen Enthaltungen wurde ohne Gegenstimmen der Empfehlung der Antragskommission gefolgt. Recht herzlichen Dank an die Technik, dass dies visualisiert werden konnte.

Ich darf dann das komplette nächste Untersachgebiet aufrufen: Organisationspolitik - 4. Ebene. Es sind die Anträge H50 bis H71, wie Ihr es auch auf dem Chart seht. Da uns hierzu keine Wortmeldungen vorliegen, bedeutet es, dass wir en bloc den Empfehlungen der Antragskommission folgen können. Wer dies tun möchte, den bitte ich um ein Zeichen mit der Stimmkarte. - Gegenstimmen? - Einige. Enthaltungen? - Auch einige. Bei einigen Gegenstimmen und einigen Enthaltungen wurde den Empfehlungen der Antragskommission gefolgt.

Ich darf dann das Untersachgebiet Organisationsstrukturen - Gremiengröße aufrufen. Dies sind die Anträge H72 bis H75. Aus diesem Untersachgebiet ist der Antrag H72 in der Einzelberatung.

Bevor der Kollege Dieter Schäfer zu uns spricht, erhält zunächst der Sprecher der Antragskommission das Wort.

Sprecher der Antragskommission

Kolleginnen und Kollegen, auch wir als Antragskommission haben natürlich die Stimmung auf dem Kongress wahrgenommen. Gerade bei diesem Antrag haben wir erkannt, dass ein großes Bedürfnis besteht, hier wirklich in einen Diskussionsprozess zu kommen. Deshalb haben wir unsere Empfehlung dahingehend verändert, dass wir nun sagen: Annahme als Arbeitsmaterial an den Gewerkschaftsrat. (Leichter Beifall)

Thomas Koczelnik, Kongressleitung

Danke schön für die Darstellung der geänderten Empfehlung. - Dieter Schäfer hat nun das Wort. (Zuruf: Die Wortmeldung hat sich erledigt!) - Das ist sehr schön. Dieter hat seine Wortmeldung zurückgezogen.

Damit kommen wir zur Abstimmung über die geänderte Empfehlung der Antragskommission. Wer der folgen möchte, den bitte ich um das Kartenzeichen. - Gegenstimmen? - Einige Gegenstimmen. Enthaltungen? - Einzelne Enthaltungen. Bei einigen Gegenstimmen und einzelnen Enthaltungen wurde der Empfehlung der Antragskommission gefolgt.

Für die Anträge H73 bis H75 liegen keine Wortmeldungen vor. Wir werden sie deshalb en bloc abstimmen. Wer den Empfehlungen der Antragskommission folgen möchte, den bitte ich um das Kartenzeichen. - Gegenstimmen? - Keine. Enthaltungen? Einzelne Enthaltungen. Bei einzelnen Enthaltungen wurde den Empfehlungen der Antragskommission gefolgt.

Das gesamte nächste Untersachgebiet - Organisationsstrukturen - Wahlmandate - kann ich komplett aufrufen. Es sind die Anträge H75 bis H80. Es liegen keine Wortmeldungen vor. Wer den Empfehlungen der Antragskommission folgen möchte, den bitte ich um das Kartenzeichen. - Gegenstimmen? - Keine. Enthaltungen? - Einzelne Enthaltungen. Bei einzelnen Enthaltungen sind wir den Empfehlungen der Antragskommission gefolgt.

Ich rufe nun auf das Untersachgebiet Organisationsstrukturen - Vorstände. Es sind die Anträge H81 bis H84. Der Antrag H81 ist in die Einzelberatung gezogen. Es macht sich bitte bereit der Kollege Carsten Schlepper. Jedoch hat zunächst der Sprecher der Antragskommission das Wort.

Sprecher der Antragskommission

Einen kleinen Moment bitte. Wir hatten hier gerade eine Diskussion. - Thomas, sag bitte noch einmal, um welchen Antrag es geht. Antrag H81?

Thomas Koczelnik, Kongressleitung

Es geht um die Begründung für Eure Empfehlung zu Antrag H81.

Sprecher der Antragskommission

Ich bitte darum, nicht währen der Beratung an unseren Tisch zu kommen und mit uns Gespräche zu führen. Das ist problematisch.

Wir haben Ablehnung empfohlen, weil wir der Meinung sind, dass die Antragsteller verkennen, dass neben den Landesfachbereichsvorsitzenden bereits auch die Bezirksvorsitzenden inklusive Stellvertreter von den entsprechenden Konferenzen gewählt werden. Es ist wenig sinnvoll, die Vorsitzenden der Landesbezirksvorstände und die Vorsitzende oder den Vorsitzenden des Gewerkschaftsrats direkt von den jeweiligen Konferenzen wählen zu lassen, da hier jeweils die hauptamtlichen Wahlangestellten bereits gewählt werden. Es besteht die Gefahr einer unfruchtbaren Wahlkonkurrenz, deren organisationspolitischer Ertrag im Fall der Vorsitzenden der Bundesfachbereichsvorstände eher gering ist.

Thomas Koczelnik, Kongressleitung

Danke schön. - Jetzt folgt der Kollege Carsten Schlepper, Delegiertennummer 44.

Carsten Schlepper, 44

Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen, ich spreche im Auftrag meiner Delegation des Landesbezirks Niedersachsen/Bremen. Ich denke, etwa Mitte dieser Woche, als wir Probleme hatten bei der Wahl des Bundesvorstands, hätte man diesen Kongress durchaus auch unter das Motto stellen können: Wer die Wahl hat, die Qual. - Meinen kleinen Beitrag möchte ich unter ein erweitertes Motto stellen: Wer keine Wahl hat, hat vielleicht eine größere Qual.

Was ich damit meine, will ich am Beispiel der Wahl der Vorsitzenden des Gewerkschaftsrats deutlich machen, wobei ich das natürlich nicht persönlich meine. Ein entsprechendes Beispiel könnte ich genauso gut auf Landesbezirksebene darlegen. Ich denke, eine Wahl dient ja auch dazu, denjenigen, der sich zur Wahl stellt, zu stärken, sodass er im Grunde einen Rückhalt hat für die nächsten vier Jahre. Ich frage mich: Stärkt es zum Beispiel die Vorsitzende des Gewerkschaftsrats wirklich, wenn wir hier auf dem Kongress erst einmal den gesamten Gewerkschaftsrat wählen und sich der Gewerkschaftsrat dann anschließend zur Wahl ihres oder ihrer Vorsitzenden ins Hinterzimmer begibt und dort die Wahl vornimmt? So haben wir das im Grunde auch schon vor vier Jahren erlebt haben. Die Bekanntgabe des Wahlergebnisses findet dann erst statt, wenn der Kongress den Bundesvorsitzenden gewählt hat. Ich habe durchaus Verständnis für bestimmte Rituale, um etwas deutlich zu machen, aber ich glaube, dass wir das nicht brauchen, vor allen Dingen dann nicht, wenn mehrere Stunden zwischen beiden Wahlgängen liegen.

Für mich gibt dieser Antrag des Bezirksvorstands eine klare Antwort auch zur Stärkung des ehrenamtlichen Vorsitzenden. Welche bessere Stärkung gibt es als durch eine direkte demokratische Wahl durch alle Delegierten, liebe Kolleginnen und Kollegen? (Leichter Beifall) Eine Wahl bedeutet für die Wähler immer, Vertrauen zu schenken, und für die zu Wählenden bedeutet es, Verantwortung zu übernehmen. Wer von allen gewählt wird, fühlt sich auch verantwortlich für die Anliegen aller Delegierten und nicht nur für die des Gremiums, dem man vorsitzt. Die Wahlen zum Bundesvorstand haben für mich gezeigt, dass wir diese Gesamtverantwortung brauchen.

Mit Blick zur Antragskommission sage ich: Es geht hier nicht darum, irgendwelche Gegensätze aufzumachen. Es geht eher um das Gegenteil, nämlich zusammenzuführen und möglichst auch Demokratie und Präsenz herzustellen. Damit haben wir - das wurde richtig gesagt - ja schon bei der Wahl der Bezirksvorsitzenden gute Erfahrungen gemacht, und eine gute Praxis in den Bezirken sollte man auch in den höheren Ebenen durchführen. - Danke. (Leichter Beifall)

Thomas Koczelnik, Kongressleitung

Danke schön, Carsten. - Das Wort hat der Kollege Frank Werneke.

Frank Werneke, stellvertretender ver.di-Vorsitzender

Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich habe mich noch einmal zu Wort gemeldet, weil hier ja eine Fragestellung grundsätzlicher Art aufgeworfen wird. Der Antrag ist so, wie er vorliegt, an einer Stelle unpräzise, weil dort bestimmte Wahlen gefordert werden, die die Satzung bereits vorsieht. Aber der weiterführende Gedanke ist ja, ein Satzungskonstrukt, das wir derzeit in ver.di haben, dass es nämlich auf einer Ebene immer nur eine Wahlfunktion gibt, aufzulösen und doppelte Wahlfunktionen nebeneinander zu stellen. Ich mache das mal an dem von Dir gewählten Beispiel der Vorsitzenden des Gewerkschaftsrats deutlich. Die Vorsitzende des Gewerkschaftsrats ist die Vorsitzende des Gewerkschaftsrats, und von daher muss auch der Gewerkschaftsrat sie wählen. (Beifall)

Es wäre einigermaßen unlogisch, diese Wahl durch den Bundeskongress durchführen zu lassen. Denn dann wäre sie Vorsitzende der Organisation. (Beifall)

Man kann ja darüber nachdenken, und es gibt Organisationen, die andere Organisationsmodelle haben, wo es ehrenamtliche Vorsitzende gibt und dann eben an der Spitze Bundesgeschäftsführerinnen und Bundesgeschäftsführer stehen. Ein paar Konkurrenzorganisationen, die wir im Medienbereich haben, sind so organisiert. Das kann man so machen, aber das ist eine ganz andere Anlage von Organisation als die, wie wir sie bei ver.di gegründet haben. Von daher glaube ich nicht, dass man, ohne das wirklich zu durchleuchten, einen solchen Weg gehen kann.

Ich empfehle doch, hier der Linie, wie sie die Antragskommission vorgegeben hat, zu folgen und keine Parallelität von Wahlfunktionen zu schaffen, sondern Klarheit und damit auch das Nebeneinander und die Vernetzung von Funktionen deutlich zu machen. (Beifall)

Thomas Koczelnik, Kongressleitung

Danke schön, Frank. - Jetzt hat die Antragskommission das Wort.

Sprecher der Antragskommission

Die Antragskommission bleibt bei ihrem Votum.

Thomas Koczelnik, Kongressleitung

Danke schön. - Wir kommen dann zur Abstimmung über die Empfehlung der Antragskommission. Wer dieser folgen möchte, den bitte ich um das Kartenzeichen. - Gegenstimmen? - Enthaltungen? - Bei Gegenstimmen und vereinzelten Enthaltungen wurde der Empfehlung der Antragskommission gefolgt.
Ich darf dann die Anträge H82 bis H84 aufrufen. Hierzu liegen keine Wortmeldungen vor. - Entschuldige! Ein Geschäftsordnungsantrag.

Wolfgang Hoepfner, 433

Es tut mir Leid, dass der jetzt hinterher kommt, aber wir sind um diese Zeit auch ein bisschen langsam.

Wir haben gerade den Antrag H50 en bloc beschlossen. Aber das ist eine Satzungsergänzung, und dann sollte er doch eine qualifizierte Mehrheit haben. Oder liegen wir, die wir das hier diskutiert haben, alle falsch?

Thomas Koczelnik, Kongressleitung

Recht herzlichen Dank. Alles klar! Ich hatte eine Vorlage, wo ich mir das markiert hatte. Leider habe ich unterdessen eine andere Vorlage; deshalb ist mir der Fehler passiert. Du hast natürlich recht.

Ich denke, wir können das Ganze ziemlich einfach heilen, indem wir jetzt den Antrag H50 noch einmal in die Einzelberatung ziehen, um feststellen zu können, dass hierfür tatsächlich die erforderliche satzungsändernde Mehrheit von zwei Dritteln vorhanden ist. Ich meinte, das vorhin zwar auch gesehen zu haben, aber sicherheitshalber machen wir das extra für diesen Antrag.

Die Empfehlung der Antragskommission lautet Annahme. Es liegen keine Wortmeldungen vor. Wer dieser Empfehlung folgen möchte, den bitte ich um das Kartenzeichen. - Gegenstimmen? - Enthaltungen? - Bei einzelnen Gegenstimmen und einzelnen Enthaltungen wurde mit deutlicher Zweidrittelmehrheit der Empfehlung der Antragskommission gefolgt. Ich bitte zu entschuldigen, dass wir das wiederholen mussten.

Ich rufe jetzt - ich habe mich noch mal vergewissert, dass ich an der richtigen Stelle bin - die Anträge H82 bis H84 auf, und zwar hier die En-bloc-Abstimmung. Wer den Empfehlungen der Antragskommission folgen möchte, den bitte ich um das Kartenzeichen. - Gegenstimmen? - Stimmenthaltungen? - Bei einigen Gegenstimmen und einigen Stimmenthaltungen wurde den Empfehlungen der Antragskommission zu diesen Anträgen gefolgt.

Dann rufe ich das Untersachgebiet Organisationsstrukturen und fachbereichsübergreifende Ortsvereine auf. Dies sind die Anträge H85 und H86. Hierzu haben wir keine Wortmeldungen vorliegen. Entsprechend können wir en bloc abstimmen. Wer den Empfehlung der Antragskommission folgen möchte, den bitte ich um das Kartenzeichen. - Gegenstimmen? - Keine. Enthaltungen? - Einzelne Enthaltungen, keine Gegenstimmen. Den Empfehlung der Antragskommission wurde so gefolgt. 

Ich rufe das Untersachgebiet Organisationstrukturen - Wahlperioden auf, dort die Anträge H87, H88 und H89. Dazu erhält der Kollege Uwe Januszewski mit der Delegiertennummer 115 das Wort.

Uwe Januszewski, 115

Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich war etwas verwundert, dass wir eine so gravierende Satzungsänderung im Block H haben. (Beifall) Denn die Satzungsänderung bei Annahme, durch die Antragskommission empfohlen, bedeutet, dass wir nur noch alle fünf Jahre zu solchen Bundeskonferenzen, aber auch zu Bezirks-, Landesbezirks-, Fachbereichskonferenzen und Gruppenkonferenzen kommen. Das halte ich persönlich für falsch. Denn ver.di ist eine atmende, eine lebende Organisation. ver.di soll eine junge Organisation sein, und ich denke, wenn man Jugend einbinden will, kann man nicht nur alle fünf Jahre eine Konferenz machen. (Beifall)

Ich möchte darüber hinaus auch nicht, dass alle ehrenamtlichen Funktionäre sich per Perspektive schon für fünf Jahre verpflichten müssen. Ich denke deshalb, wir sollten bei dem bisherigen Wahlrhythmus bleiben. Vier Jahre sind aus meiner Sicht ausreichend, und ich kann einem Jugendlichen, der mit zwanzig eintritt, kaum erklären, dass er als Jugendlicher nur einmal die Chance hat, auf einen Bundeskongress zu fahren, weil wir nur alle fünf Jahre einen Kongress machen. (Lebhafter Beifall)

Ich bitte deshalb, die vorgeschlagene Änderung und auch den Antrag insgesamt abzulehnen. - Vielen Dank. (Beifall)

Thomas Koczelnik, Kongressleitung

Danke schön, Uwe. Vielleicht nur zur Aufklärung, warum auch einige Satzungsänderungen in der Organisationspolitik sind. Wir glaubten in der Zuordnung der Anträge, dass es sinnvoll ist, sie vor allem dort hinzulegen, wo sie auch in einem Zusammenhang diskutiert werden. Deshalb haben wir nicht alle satzungsändernden Anträge in einem Block zusammengefasst. Das einfach zur Erläuterung. Das ist allerdings auch kein neues Verfahren. Wenn wir es zukünftig ändern sollten, müsste so etwas entsprechend über die Landesbezirke bitte in Richtung des Bundesvorstands eingebracht werden.

Jetzt hat als Nächste die Kollegin Hübenbecker mit der Delegiertennummer 304 das Wort.

Monika Hübenbecker, 304

Hallo, Kolleginnen und Kollegen, auch ich spreche mich gegen diesen Antrag aus. Warum? - Wir sollten nicht alles nur rein aus Kostengründen verändern wollen. (Beifall) Die Organisationswahlen sind für uns ein demokratisches Mittel, nach einer Wahlperiode rechtzeitig Verbesserungen vornehmen zu können. Kurze Wahlperioden garantieren den Einfluss der Basis auf das weitere Geschehen in unserer Organisation. (Beifall)

Unser Verständnis von Basisdemokratie nur der derzeitigen Haushaltslage zu opfern ist zu kurz gesprungen. Wegweisende Beschlüsse wie zum Beispiel zur Programmdiskussion oder etwa die Organisationsentwicklung und deren Verabschiedung dürfen nicht hinausgezögert werden. Hier können und wollen wir nicht Jahre zuwarten, bis wir diese endlich abgeschlossen haben.

Wenn es andere Gründe - außer dem Verweis auf die BR-Wahlen - in den weiteren Anträgen geben sollte, kann sicherlich neu darüber nachgedacht werden. Aber in der jetzigen Situation bitte ich Euch, der Empfehlung der Antragskommission nicht zuzustimmen. - Vielen Dank. (Beifall)

Thomas Koczelnik, Kongressleitung

Danke schön, Monika. - Jetzt hat die Kollegin Hanne Walz mit der Delegiertennummer 871 das Wort. 

Hanne Walz, 871

Ich bitte Euch, der Empfehlung der Antragskommission zu folgen, und zwar bei weitem nicht wegen eines Vorrangs der finanziellen Gründe.

Für uns hat ganz einfach der personelle und zeitliche Einsatz Vorrang, denn wie sagt man so schön: Nach der Wahl ist vor der Wahl. Wir sind, wenn wir nach Hause kommen, eigentlich fast schon wieder so weit, dass wir uns mit dem nächsten Kongress auseinandersetzen. (Zurufe) - Ich habe gesagt: fast. Ihr alle wisst, wie viel Zeit und wie viel Arbeitskraft es bindet, nicht nur bei den Hauptamtlichen, sondern auch bei den Ehrenamtlichen.

Wir haben uns in den letzten Tagen sehr häufig über Mitgliederwerbung, Mitgliederbetreuung und so weiter unterhalten. Das hat sich wie ein roter Faden durch unsere Diskussionen gezogen. Ich denke, wir könnten in der uns dann „geschenkten“ Zeit genau diesen Aufgaben widmen. Wir könnten verstärkt unsere Mitgliederbetreuung wahrnehmen.

Ich denke, es spräche nicht gegen demokratische Prinzipien, sondern eine Wahlperiode von fünf Jahren entspricht, glaube ich, genau der Demokratie. Deshalb müssen wir uns überlegen, wie wir - nicht nur wir Ehrenamtlichen, sondern auch die Hauptamtlichen - mit unserer Zeit umgehen. Deshalb sollten wir die Wahlperiode auf fünf Jahre ausdehnen. Dass damit auch ein positiver finanzieller Nebeneffekt verbunden ist, kann man natürlich auch noch annehmen. Deshalb bitte ich Euch, der Empfehlung der Antragskommission zu folgen. (Beifall)

Thomas Koczelnik, Kongressleitung

Danke schön, Hanne. Das Wort hat jetzt die Kollegin Jaana Heider mit der Delegiertennummer 605.

Jaana Heider, 605

Liebe Kolleginnen und Kollegen, dieser Antrag ist aus Sicht der Jugend, um ehrlich zu sein, richtig Scheiße. (Beifall) Fünf Jahre würden unsere komplette Jugendstruktur kaputtmachen. Das müssen wir verhindern. Wir müssen hier ein ganz wichtiges Zeichen setzen. (Beifall)

Es ist tausendmal gesagt worden, die Jugend ist wichtig, die Jugend ist wichtig, die Jugend ist noch viel, viel wichtiger, weil es die Mitglieder der Zukunft sind. Die Gewerkschaft ist wahnsinnig überaltert. Das sehen wir alle selber. (Beifall - Zurufe) - Ich stelle mich auf jeden Fall solidarisch mit allen Seniorinnen und Senioren. (Heiterkeit - Beifall) Das sind genau die, die immer für uns als Jugend in die Bütt gehen. Das muss man auch einmal sagen. Das ist ganz toll. (Beifall)

Fünf Jahre würden bedeuten, dass man sich wesentlich von der Basisdemokratie entfernt. Fünf Jahre sind eine lange Zeit. Wir können diese relativ kurze Spanne von vier Jahren gut nutzen, um uns ständig selber bestätigen zu lassen, damit die Basis sagen kann: Ihr macht da Scheiße. Dann müssen Konsequenzen gezogen werden. Ich bitte Euch hier um ein deutliches Votum in erster Linie für die Jugend und zum Zweiten für die Basisdemokratie. - Danke schön. (Beifall)

Thomas Koczelnik, Kongressleitung

Danke schön, Jaana. Als Nächste hat das Wort die Kollegin Ute Hehring mit der Delegiertennummer 332.

Ute Hehring, 332

Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir haben heute aus fernen Ländern Berichte über die Gewerkschaftsarbeit gehört. Wir sehen selbst, wie schnell die gesellschaftliche Entwicklung voranschreitet. Ich halte es gesellschaftspolitisch und gewerkschaftspolitisch gesehen für völlig verfehlt, einen Zeitraum von fünf Jahren zu wählen. Wir müssen reagieren können. (Beifall) Da sind fünf Jahre nicht hilfreich, denn wir korrigieren hier gewerkschaftliche und politische Programme. Wir müssen neue Möglichkeiten der Gewerkschaftsarbeit definieren. Das geht nicht, indem wir uns fünf Jahre auf unseren Hintern setzen. Danke. (Beifall)

Thomas Koczelnik, Kongressleitung

Danke schön. Zwischendurch hat das Sprecherteam der Antragskommission gewechselt. Es wurde signalisiert, dass die Antragskommission Zeit braucht. Bitte, Ihr habt sie. - Jetzt hat die Sprecherin der Antragskommission, die Kollegin Brigitte Buciek, das Wort.

Sprecherin der Antragskommission

Liebe Kolleginnen und Kollegen, es war uns bewusst, dass genau dieser Antrag auf diesem Kongress zu einer längeren Debatte führen würde. So ist es auch eingetreten. Auch wir hatten hierzu in der Antragskommission eine sehr lange Debatte. Wir mussten uns im Anschluss an unsere eigene Diskussion entscheiden, ob wir für die Annahme oder die Ablehnung sind. Es gibt für diesen Antrag sowohl Pro- als auch Kontraargumente. Das bisher bei vergleichbaren Anträgen greifende Gegenargument, dass bei längeren Wahlperioden gewissermaßen ein Verlust an innergewerkschaftlicher Demokratie eintritt, gilt auch weiterhin. Allerdings ist angesichts der komplexen Organisationsarchitektur von ver.di und schrumpfenden Ressourcen das Antragsbegehren nicht mehr vollständig von der Hand zu weisen. Der personelle und zeitliche Einsatz wurden bereits genannt.

Wir können jetzt bei Euch eine Tendenz erkennen, dass der Antrag eher abgelehnt wird. (Beifall) Vor diesem Hintergrund lautet unsere Empfehlung Ablehnung. Ich möchte aber hinzufügen, dass wir, wenn dieser Antrag abgelehnt wird, die nachfolgenden Anträge gesondert aufrufen müssen, weil sie dann durch diesen Antrag nicht mehr erledigt sind. Unsere Empfehlung lautet also Ablehnung. (Beifall)

Thomas Koczelnik, Kongressleitung

Danke schön, auch für den zusätzlichen Hinweis. Unterdessen gibt es die Empfehlung auf Ablehnung. Insofern muss keine satzungsändernde Mehrheit mehr hergestellt werden. Wer der Empfehlung der Antragskommission folgen möchte, den bitte ich um das Kartenzeichen. - Gegenstimmen? - Einzelne Gegenstimmen. Enthaltungen? - Vereinzelte Enthaltungen. Insofern wurde der veränderten Empfehlung der Antragskommission gefolgt.

Ich rufe jetzt den Antrag H88 auf und nehme ihn zusätzlich in die Einzelberatung. Zu diesem Antrag gibt es keine Wortmeldung. Es gibt aber leider auch keine Empfehlung der Antragskommission mehr.

Sprecherin der Antragskommission

Wir haben bisher noch keine Empfehlung ausgesprochen. Wenn wir eine Empfehlung aussprechen müssen, dann müssen wir noch einmal zwei Minuten für uns in Anspruch nehmen.

Thomas Koczelnik, Kongressleitung

Gut. - Es gibt eine Empfehlung der Antragskommission.

Sprecherin der Antragskommission

Die Empfehlung lautet Ablehnung.

Thomas Koczelnik, Kongressleitung

Ich sehe keine Wortmeldung, keinen der nach vorne stürmt. - Doch. Es gibt jetzt eine Wortmeldung dazu vom Kollegen Bernd Schuster mit der Delegiertennummer 230.

Bernd Schuster, 230

Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen, ich möchte an dieser Stelle darauf hinweisen, dass der Zusammenfall von Betriebs- und Personalratswahlen mit den Organisationswahlen in ver.di gerade für Flächenbezirke mit einer extrem schwachen personellen Ausstattung zu enormen Belastungen führt. Das ist nahezu nicht zu leisten. Deshalb bitte ich Euch dringend, der Empfehlung der Antragskommission nicht zu folgen und dem Antrag zuzustimmen. - Danke.

Thomas Koczelnik, Kongressleitung

Recht herzlichen Dank. Ich habe keine weitere Wortmeldung dazu. Das heißt also, es erhält noch einmal die Sprecherin der Antragskommission das Wort.

Sprecherin der Antragskommission

Die Antragskommission bleibt bei ihrer Empfehlung.

Thomas Koczelnik, Kongressleitung

Danke schön. Wir stimmen dann über die Empfehlung der Antragskommission ab. Wer ihr folgen möchte, den bitte ich um das Kartenzeichen. - Danke. Gegenstimmen? - Einzelne Gegenstimmen. Enthaltungen? - Einzelne Enthaltungen. Bei einzelnen Gegenstimmen und einzelnen Enthaltungen wurde der geänderten Empfehlung der Antragskommission gefolgt.

Ich rufe dann auf Antrag H89. Auch hierzu hat die Antragskommission ihre Beschlussempfehlung zurückgezogen. Sie erhält das Wort.

Sprecherin der Antragskommission

Auch hier empfiehlt die Antragskommission Ablehnung.

Thomas Koczelnik, Kongressleitung

Danke schön. Es gibt keine Wortmeldung. Dann kommen wir auch hierüber zur Abstimmung. Wer dieser Empfehlung folgen möchte, den bitte ich um das Kartenzeichen. - Danke. Gegenstimmen? - Einzelne Gegenstimmen. Enthaltungen? - Einzelne Enthaltungen.

Ich rufe aus diesem Untersachgebiet noch den Antrag H90 auf, Wahl der Jugendgremien. Hierzu haben wir keine Wortmeldung vorliegen, sodass wir unmittelbar in die Abstimmung über die Empfehlung der Antragskommission kommen können. Wer der Empfehlung der Antragskommission folgen möchte, den bitte ich um das Kartenzeichen. - Danke schön. Gegenstimmen? - Einzelne Gegenstimmen. Stimmenthaltungen? - Auch einzelne. Der Empfehlung der Antragskommission wurde gefolgt.

Im nächsten Untersachgebiet „Organisationsstrukturen“, dort der Bereich sogenanntes Verschiedenes, das sind die Anträge H91 bis H101, ist der Antrag H93 in die Einzelberatung gezogen. Hierzu erhält der Kollege Peter Petersen mit der Delegiertennummer 654 das Wort.

Peter Petersen, 654

Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen, weil ich hier einen sehr kurzfristigen Handlungsbedarf sehe, möchte ich einmal drei Sätze zum Hintergrund unseres Antrags sagen. Zur Bedeutung der Arbeitsmarktpolitik muss ich nichts sagen. Ihre Wichtigkeit ist deutlich genug geworden. Ich denke aber, dass die bisherige Betreuung der Arbeitsmarktpolitik durch den bisherigen Bundesvorstand doch eher suboptimal gewesen ist. Das liegt unter anderem daran, dass dieses Arbeitsfeld auf verschiedene Ressorts und Fachbereiche verteilt gewesen ist. Wir haben im Fachbereich 6 das Ressort Sozialpolitik gehabt. Das hat sich zu diesem Thema relativ wenig geäußert. Wir haben im Fachbereich 5 die beiden Bereiche Berufliche Weiterbildung und Erwerbslosenpolitik. Wir haben im Fachbereich 4 die Bundesagentur für Arbeit, unter anderem auch die Fachbereichsvorsitzende Isolde Kunkel-Weber als ver.di-Vertreterin im Verwaltungsrat der BA.

Was nicht funktioniert, ist eine vernünftige Zusammenarbeit zwischen den Ressorts und Fachbereichen in dieser Frage, und es hat keine vernünftige Kommunikation gegeben, keine vernünftige Informationspolitik. Hier muss sich dringend etwas ändern. Das ist der Hintergrund zu diesem Antrag. - Danke schön. (Vereinzelt Beifall)

Thomas Koczelnik, Kongressleitung

Danke schön. Ein Änderungsantrag oder etwas, was gegen die Empfehlung der Antragskommission spricht, wurde nicht vorgetragen. Wünscht die Antragskommission dennoch das Wort? - Nein. Dann kommen wir unmittelbar in die Abstimmung. Wer der Empfehlung der Antragskommission folgen möchte, den bitte ich um das Kartenzeichen. - Danke schön. Gegenstimmen? - Einzelne Gegenstimmen. Stimmenthaltungen? - Einzelne Stimmenthaltungen.

Ich rufe dann auf den Antrag H96, der in die Einzelberatung gezogen wurde. Hier hat zunächst der Kollege Ulrich Schrieber mit der Delegiertennummer 348 das Wort.

Ulrich Schrieber, 348

Ich bin von Kollegen gebeten worden, hier zu sprechen, die derzeit in einem Call-Center im hier auch erwähnten Betrieb Walter Services beschäftigt und über einen Betriebsübergang dort hingekommen sind. Maximal kann das, was hier die Antragskommission empfiehlt, Annahme als Arbeitsmaterial sein. Was wir mittragen, ist das Koordinieren der tariflichen Arbeit und auch der Konditionen, um einen gewissen Level an den Tag zu legen für Call-Center. Was aber nicht sein kann, dass wir das unterstützen, was die Arbeitgeber wollen. Nämlich über alles eine Schablone legen und sagen, es gibt nur noch eine Call-Center-Branche. Das kann es nicht sein.

Wie in der Begründung richtig angeführt ist, gibt es in sehr vielen Fachbereichen Call-Center. Diese Call-Center unterliegen einer statischen, inhaltlich unterschiedlichen Tätigkeit. Was bisher in dem Fachbereich, in dem ich bin, tarifiert wurde, ist sehr, sehr stark und sehr, sehr streng an die Tätigkeiten, an die Arbeitsinhalte gebunden. Die Beschäftigten, von denen ich rede, sind hier nur zum Teil erwähnt. Das heißt, es wird hier gesagt, es gab einen Pilot in Walter Services, damals hieß es noch TeleMedien. Der Betrieb befindet sich allerdings nicht nur in Berlin. Walter Services ist eine Firma, die Call-Center-Leistungen anbietet in einer sehr großen Bandbreite, und 13 GmbHs hat, 13 einzelne Sparten. Nur ein einziger dieser Bereiche wurde tarifiert im Fachbereich 13.

Genau das hat der Arbeitgeber, die Telekom, wie hier beschrieben, genutzt, um per Betriebsübergang die Kolleginnen und Kollegen in Anwendung des Paragrafen 613a BGB dorthin zu transportieren.

Die Kolleginnen und Kollegen haben jetzt eine Höllenangst, nachdem sich der Arbeitgeber von ihnen verabschiedet hat, dass ihre bewährten Strukturen kaputtgehen, dass die existierenden Netzwerke kaputtgehen. Die Begründung, die hier steht, dass man aus dem Fachbereich13 heraus gute Beziehungen zu einem Betriebsrat und zum GBR hat, lassen diese Kolleginnen und Kollegen nicht gelten. Sie sagen, wir haben eine vierte Ebene organisiert, wir sind eingebunden in die Fachbereichsstrukturen in den Ortsvereinen. Da wollen wir auch bleiben, weil wir dort bisher eine sehr gute tarifliche Betreuung, auch betriebsrätliche Betreuung erfahren haben und weil hier auch ein sehr hohes Know-how vorhanden ist.

Die Begründung ist an mehreren Stellen, wie gesagt, hier nicht für jeden verdi-Bereich nachvollziehbar. Wir können keine Schablone darüber legen. Es gibt noch den Antrag T40. Er beschreibt das, was wichtig ist. Koordinieren, zusammenarbeiten und gegebenenfalls auch absprechen. Das ist sehr, sehr wichtig. Aber dass wir das machen, was der Arbeitgeber will, und sagen, wir können über jede Tätigkeit in den Call-Centern eine Schablone legen, das halten die Kolleginnen und Kollegen und auch wir für falsch. Das wäre ein Signal in Richtung der Arbeitgeber, eine Stärkung der Position der Arbeitgeber und eine Schwächung der Arbeitnehmerinteressen, die bisher dort sehr gut und sehr hart tariflich geregelt wurden.

Thomas Koczelnik, Kongressleitung

Uli, kommst Du bitte zum Schluss.

Ulrich Schrieber, 348

Die Erfahrung ist, dass Betriebe wie Walter Services überhaupt kein Interesse daran haben, mit ver.di zu reden. Der alte Fachbereich hat einen Überleitungstarifvertrag hingekriegt. Die erste Reaktion von Walter Services war, wir reden eigentlich überhaupt nicht. BGB 613a regelt alles abschließend.

Thomas Koczelnik, Kongressleitung

Uli, wir haben noch sieben Wortmeldungen zu diesem Thema. - Jetzt hat das Wort die Kollegin Christiane Pachulski mit der Delegiertennummer 800.

Christiane Pachulski, 800

Vom Fachbereich 9. Ich bin Betriebsrätin bei der Deutschen Telekom und möchte aus dieser Sicht zu Euch sprechen, und zwar über eine Call-Center-Struktur, die in der Führung des Fachbereichs 13 liegen würde.

Ihr wisst, die Telekom baut ständig um in größeren und kleineren Umorganisationen. Ich will jetzt mal auf eine kleinere Umorganisation eingehen, denn auch die würde hier greifen.

Anfang des Jahres hat die Telekom beschlossen, zirka 5.000 Mitarbeiter, die bisher in einer Backoffice-Tätigkeit waren, das heißt, die haben schriftliche und telefonische Kundenanliegen bearbeitet und eine Auftragsbearbeitung gemacht, unter Beibehaltung der gleichen Tätigkeit zu Call-Center-Agents zu machen. Das heißt, die Menschen machen ganz genau das Gleiche wie vorher und sind plötzlich Call-Center-Agents. Wenn wir dieser Logik folgen würden, würden diese Menschen bei gleicher Tätigkeit eine Verlagerung vom Fachbereich 9 in den Fachbereich 13 erfahren.

Kolleginnen und Kollegen, so geht das, was wir gerade gehört haben, nicht nur innerhalb des Konzerns, sondern auch über den Konzern hinaus. Aber wir wissen genauso wenig, ob nicht einiges wieder zurückkommen wird. Wir sind dann in der Situation, dass wir diese Menschen ständig hinterherschieben. Sie haben eine wunderbar funktionierende vierte Ebene mit ganz aktiven Betriebsgruppen, denn diese Menschen haben den Streik auf die Beine gestellt. Das muss uns klar sein. Die haben mit Ehrenamtlichen zusammengearbeitet, die sie kennen. (Beifall) Wenn wir das aufs Spiel setzen wollen, nur weil wir die Kolleginnen und Kollegen irgendeiner Form hinterherjagen, dann schaden wir uns damit allen.

Da erinnere ich noch einmal an Folgendes: Heute Morgen haben wir gehört, was Frank gesagt hat. Mitglieder sind für uns das Allerwichtigste. Wenn wir diesen Weg gehen, dann werden wir diese Menschen verlieren. - Ich danke Euch. (Beifall)

Thomas Koczelnik, Kongressleitung

Danke schön, Christiane. Das Wort erhält nun die Kollegin Kristina Krüger mit der Delegiertennummer 982.

Kristina Krüger, 982

Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich gehe auf die Vorrede des Kollegen ein. Er sagte, dass es dort Unterschiede gibt. Ja, das ist richtig. Der Unterschied liegt darin, dass es zum einen branchenabhängige Call-Center gibt, die sich auf eine Dienstleistung für Krankenversicherungen oder Finanzdienstleister spezialisiert haben und auch nur diesen Bereich bearbeiten und in einen großen Konzern eingebettet sind.

Es gibt noch die branchenunabhängigen Call-Center. Das sind die, die Dienstleistungen anbieten, die sich aber größtenteils in dem, was die großen Konzerne in ihren Strukturen machen, wiederfinden. Ich möchte nur ein Beispiel nennen. Ich selber bin nicht von Walter Services, komme aber aus einem deutschlandweit tätigen großen Konzern. Auch wir arbeiten für die hier angesprochenen Unternehmen wie zum Beispiel für die Telekom. Fakt ist, dass meine Kollegen diese gleiche Tätigkeit für einen Lohn von fünf oder sechs Euro die Stunde machen. Natürlich schauen wir darauf, welche Leistungen auch die Kollegen in den anderen Fachbereichen erbracht haben. Wir würden gerne gemeinsam mit Euch die Missstände in den branchenunabhängigen Call-Centern beheben. Daher bitten wir darum, dass dem Antrag „als Arbeitsmaterial“ gefolgt wird. - Vielen Dank. (Beifall)

Thomas Koczelnik, Kongressleitung

Danke schön. Nun hat das Wort die Kollegin Kornelia Dubbel vom Gewerkschaftsrat mit der Teilnehmernummer 23.

Kornelia Dubbel, Gewerkschaftsrat

Kolleginnen und Kollegen, wir sind alle sicherlich einer Meinung, dass in Sachen Call-Center, vor allem denen, von denen die Vorrednerin gerade gesprochen hat, etwas passieren muss. Aber mit dem Antrag H96 werden wir das nicht hinkriegen. Der Antrag H96 fordert die führende Rolle in der Verantwortung für die Call-Center-Branche. Wie soll das aussehen? Sollen die Call-Center im Fachbereich 9 oder 12 jetzt berichtspflichtig an 13 sein? Diese Aufgabe, die da nicht näher beschrieben ist über fachlich und inhaltlich hinwegstreckende Zuordnungen, heißt das fachliche Verantwortung in anderen Fachbereichen? Die erforderlichen Mittel über einen Fonds? - Das sind alles Dinge, die nicht dazu führen, das zu verbessern, sondern wir müssen versuchen, gemeinsam in einer Arbeitsgruppe tätig zu werden, wie das zum Beispiel im Antrag H99 auch unsere Kollegen aus der Logistikbranche vorgeschlagen haben. Über diesen Antrag werden wir ja gleich noch beraten. In diesem Sinne wäre das möglich.

Das, was im Antrag H96 steht, ist nicht die erfolgversprechende Struktur. Die sollten wir nicht beschließen. Wir organisieren im Fachbereich 9 Zigtausende Call-Center-Beschäftigte mit einem sehr hohen Organisationsgrad. In meinem Call-Center mit zum Beispiel 3.000 Mitarbeitern liegt er bei über 70 Prozent und das, obwohl wir sehr viele Teilzeitbeschäftigte haben. Diese erfolgreiche Arbeit hat dann auch den Streik sehr stark unterstützt. Aber das ist eben nur möglich mit einem hohen Organisationsgrad, der wiederum abhängig ist von sehr guten Betreuungsstrukturen, die wiederum nur mit hohem ehrenamtlichen Einsatz möglich sind.

Ich kann Euch eines sagen: Genau diese Ehrenamtlichen werden es sein, die sich nicht beliebig verschieben lassen wollen. Wenn sie schon vom Arbeitgeber verschoben werden, dann wollen sie wenigstens in der Betreuungsstabilität eine Betreuung, die sie über Jahre und Jahrzehnte aufgebaut haben und die eben einen hohen Organisationsgrad und auch die Streikbereitschaft sicherstellen. Das werden die nicht kampflos aufgeben.

Ihr habt eben schon die Sorgen der Kollegen aus den Betriebsräten gehört. Wir haben Briefe bekommen aus dem gerade verkauften Betrieb in Cottbus. Die Kollegen haben mich ausdrücklich gebeten, zu diesem Antrag H96 Stellung zu nehmen. Sie wehren sich gegen die Zerschlagung ihrer Strukturen. Ich kann Euch auch sagen warum: Es gibt erhebliche, ganz negative Erfahrungen in verschiedenen Bereichen, in denen die Zuordnungsänderungen bereits vorgenommen wurden. Das sind Fakten, die auch dem Bundesvorstand vorliegen.

Der Gewerkschaftsrat hat in seiner vorletzten Sitzung die Richtlinie beschlossen, die die Zuordnung regelt. Da gibt es also keinen Regelungsbedarf. Deswegen sollten wir dem Beispiel unserer Kollegen aus der Logistikbranche folgen und eine Arbeitsgruppe bilden.

Ich schlage der Antragskommission vor, nun vielleicht doch zu empfehlen: Arbeitsmaterial im Sinne des Antrags H99. Wenn das nicht geht, dann muss ich Euch dringend bitten, diesen Antrag abzulehnen. (Beifall) Denn es passt nicht zusammen, dass wir hier auf einem Kongress und in der gesamten Organisation von Mitgliedergewinnung sprechen und andererseits ohne Rücksicht auf Mitglieder und Ehrenamtliche die Strukturen zerschlagen. Das funktioniert nicht. - Danke schön. (Beifall)

Thomas Koczelnik, Kongressleitung

Danke schön. Jetzt hat das Wort die Kollegen Claudia Wörmann-Adam.

Claudia Wörmann-Adam, 987

Liebe Kolleginnen und Kollegen, der Fachbereich 13 ist nach dem Branchenkatalog für die branchenunabhängigen Call-Center zuständig. Wir können mit der Empfehlung der Antragskommission auf Annahme als Arbeitsmaterial zur Weiterleitung an den Gewerkschaftsrat leben, dies sage ich ausdrücklich. Auch wir haben Rückmeldungen aus den von uns betreuten Betrieben bekommen, dass es an der nötigen Koordinierung der Kolleginnen und Kollegen in der Call-Center-Branche mangelt und dass darüber unbedingt gesprochen und organisiert werden muss, wie man da eine vernünftige Zusammenarbeit hinbekommt. Deshalb werbe ich für die Annahme der Empfehlung der Antragskommission, das entsprechend an den Gewerkschaftsrat weiterzuleiten und dort über eine entsprechende Bearbeitung des Antrags zu sprechen. - Ich danke Euch. (Beifall)

Thomas Koczelnik, Kongressleitung

Danke schön, Claudia. Jetzt hat das Wort die Kollegin Christa Kokot mit der Delegiertennummer 992.

Christa Kokot, 992

Wie Ihr Euch erinnern könnt, hatte ich heute schon einmal das Wort. Da hatte ich auch meine Delegiertennummer vergessen, weil ich so aufgeregt war und es ganz kurz machen wollte. Diesmal hätte ich auch die 992 genannt. Aber nicht etwa, damit ich heute Abend noch einmal im Protokoll erscheine oder der Abend noch länger hingezogen wird, habe ich mich zu Wort gemeldet, sondern ich habe mich aus mehreren Positionen heraus zu Wort gemeldet.

Ich arbeite im Fachbereich 13 auf Bezirksebene in Magdeburg und auf Landesebene in Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen. Gleichzeitig aber bin ich eine, die als Call-Center-Agent bei Walter Services arbeitet. Ich werde Euch sagen: Es ist kein Zuckerlecken. Es ist auch nicht so, dass ich etwas dagegen hätte, dass die Vernetzung auf allen Ebenen vom Bezirk über das Land bis zum Bund stattfinden soll. Das ist völlig okay. Ich selber habe das miterlebt.

Als ich bei Tele Medien angefangen habe - bei uns heißt das übrigen Mega Magdeburg -, habe ich damit begonnen, für Tchibo zu telefonieren. Ich hätte mich also irgendwo im Handeln ansiedeln sollen. Monate später habe ich für die Auskunft telefoniert. Dann wäre die Post der richtige Bereich gewesen. Beim nächsten Mal ist es Kabel Deutschland, für die ich jetzt telefoniere. Dafür fällt mir keine Branche ein. Aber so würde man sich doch von einem Fachbereich zum anderen bewegen müssen, wenn man ordentlich betreut sein wollte.

Ich sage also: Warum sollen in 1, in 4, in 8, in 9 und 13 Call-Center angesiedelt sein, wenn man sie in einem großen Bereich - und warum nicht im Fachbereich 13 - gut zusammenführen kann?

Ich habe eben den Satz gehört: Dann sollte man einen Arbeitskreis bilden. Ich muss Euch sagen: Das hat für mich einen negativen Touch. Bei uns hieß es mal: Wenn einer nicht mehr weiterweiß, dann bildet er ‘nen Arbeitskreis. - Aber den brauchen wir nicht. (Vereinzelter Beifall)

Als Nächstes möchte ich darauf aufmerksam machen: Ich bin auch heute Nacht um eins aufgestanden. Es fällt mir weiß Gott nicht leicht, meine Augen noch offenzuhalten. Trotzdem bin ich noch so wach, dass ich unbedingt hier all das sagen möchte, was mir am Herzen liegt. Ich habe nämlich das Gefühl, man will diese Sache nicht in einem Bereich zusammenführen, weil man Angst hat, die Mitglieder gehen verloren. Ich verstehe das nicht richtig. Sie gehen doch ver.di nicht verloren. Ob sie nun in 1 oder in 4 oder in 6 oder in 13 sind: Es sind alle bei ver.di. (Beifall) Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Kollegen das in der Praxis anders sehen.

Noch viel wichtiger ist: Es haben bestimmt schon hundert Reden stattgefunden, in denen von eigenen Leuten, von unserem alten Vorstand, von dem neuen Vorstand, vom Bündnis, von Gemeinsamkeit, von Solidarität die Rede war. Warum sollen wir das denn an dieser Stelle nicht machen? Ich habe heute Morgen in Haldesleben mit an der Tür mit den Streikenden gestanden. Ich weiß, dass wir die Geringstverdienenden sind, weil wir branchenunabhängig sind.

Thomas Koczelnik, Kongressleitung

Kommst Du bitte zum Ende, Christa.

Christa Kokot, 992

Das heißt, es müssen unbedingt Tarife gemacht werden. Wenn man Tarife haben will, braucht man Masse, braucht man Kraft. Die kriegt man nun mal nicht, wenn jeder für sich alleine bröselt, sondern wenn es ein großer Ball ist. (Beifall)

Thomas Koczelnik, Kongressleitung

Christa, Deine Redezeit ist seit vierzig Sekunden abgelaufen.

Christa Kokot, 992

Ich möchte nur noch eines sagen: Man muss es nicht nur wollen, man muss es auch tun. Und mein letzter Satz ist: Es wurde heute schon gesagt, unsere Gewerkschaft atmet. Lasst uns den Atem spüren. (Beifall) Deswegen sollte das Annahme sein.

Thomas Koczelnik, Kongressleitung

Danke schön für Deinen Wortbeitrag. - Es hat jetzt die Kollegin Sabine Zabel mit der Delegiertennummer 991 das Wort.

Sabine Zabel, 991

Liebe Kolleginnen und liebe Kollegen, ich arbeite in einem Call-Center. Wir versuchen in der letzten Zeit, uns zu organisieren, stehen aber vor erheblichen Schwierigkeiten. Die Vernetzung ist sehr schwierig, weil die Kolleginnen und Kollegen schwer zu erreichen sind. Es ist eben nicht unser Interesse, irgendwelche Leute, die in Call-Centern arbeiten und die noch eine tarifliche Bindung haben, dort herauszulösen. Das ist doch das Interesse der Arbeitgeber, aber nicht unseres.

Es findet nur die Entwicklung statt, dass immer mehr herausgelöst werden, weil eigenständige Gesellschaften gebildet werden, die keiner Tarifbindung unterliegen. Wenn sie keiner mehr unterliegen, kommen sie in einen Branchenbereich, wo wir eben keinen Flächentarif haben. Wir bemühen uns darum, endlich einen zu bekommen, müssten aber dafür erst einmal eine gemeinsam Identität schaffen. Dazu ist es hilfreich, dass man einen Fachbereich hat, der für die zuständig ist, die keine Tarifbindung haben. Wenn das sonst klappt, sie in anderen Fachbereichen eingebunden sind und dort auch einen Tarif haben, dann ist doch alles in Ordnung. Aber das haben sie dann nicht mehr. Die Entwicklung findet immer mehr statt. Wir können sie nicht aufhalten. Wir haben noch keine Gegenstrategie gefunden. Es sei denn, es ist halt nicht mehr interessant für den Arbeitgeber auszulagern, weil er dort auch einen Tarif beachten muss. - Das wollte ich dazu sagen.

Ich bitte deswegen, das als Arbeitsmaterial anzunehmen. (Beifall)

Thomas Koczelnik, Kongressleitung

Danke schön, Sabine. - Es erhält jetzt die Kollegin Edith Gendrian mit der Delegiertennummer 007 das Wort. (Heiterkeit)

Edith Jendrian, 799

Um das klarzustellen: Wir kennen uns übrigens. Eigentlich müsstest Du meinen Nachnamen wissen. Ich heiße Edith Jendrian und bin stellvertretende Betriebsratsvorsitzende in einem Call-Center bei der Telekom. Ich möchte das jetzt nicht zu sehr ausdehnen, aber Connie unterstützen. Lasst uns in Ruhe diese Problematik aufarbeiten.

Wir sind übrigens bei uns in Nord mit Lübeck betroffen gewesen. Lübeck ist verkauft worden. Ich weiß, dass wir die Menschen als Betriebsrat weiterhin betreuen und dass sie bei unserer freigestellten Kollegin aus Lübeck erscheinen.
Keiner dieser betroffenen Menschen ist freiwillig zu Walter-Media gegangen - wie immer sie heißen mögen. Es sind verschiedene Namen. Alle sind gegen ihren Willen mit Betriebsübergang woanders hingekommen, weil sie sonst mit Kündigung hätten rechnen müssen. Da ist bei den betroffenen Menschen mit einem Überleitungstarifvertrag viel losgewesen. Das sind Unterschiede von 40 Prozent. Das hat natürlich alles der Arbeitgeber fabriziert.

Aber jetzt zerreißen wir die altbekannten Strukturen. Sie wissen, dass sie Jürgen Sauer, unseren Landesfachbereichsleiter, anrufen können. Sie kennen ihn seit Jahren. Plötzlich sagen wir: Deine zuständige ver.di-Kollegin oder dein ver.di-Kollege ist XY. Ich weiß nicht, wer das jetzt in Nord wäre. Wir haben mit Dir nichts mehr zu tun.

Diese Kolleginnen und Kollegen betrachten sich als Telekom-Beschäftigte. Dazu gehört natürlich, dass der Fachbereich und die zuständigen Aktiven genau die Gleichen wie die anderen Kolleginnen und Kollegen sind, die bei der Telekom arbeiten. Krass wäre es, wenn so etwas tatsächlich in der neuen Call-Center GmbH passieren würde.

Es mag Fälle bei Call-Centern geben, wo eine Veränderung - - Ich glaube im Übrigen auch nicht, dass es nur bei der Telekom so ist. Ich hoffe jetzt, dass ich nicht gerade einen Bereich zu fassen kriege, der bei 13 organisiert ist. So genau weiß ich das nicht. Aber wenn Großbetriebe eigene Call-Center haben, wollen die in der Regel in diesem Großbetrieb von dem zuständigen Fachbereich von ver.di betreut werden. Das ist überall so. (Beifall)

Hinzu kommt - und ich möchte jetzt bitte keiner hauptamtlichen Kollegin oder keinem hauptamtlichen Kollegen zu nahe treten -, dass ich auch mal sage: Wenn man unsere komplexen Probleme sieht, variable Bezahlungssysteme, die so kompliziert sind, dann lasst doch diese Fachlichkeit auch dort, wo unsere Sekretärinnen und Sekretäre sitzen, die das können und entsprechend beraten können. Es macht doch keinen Sinn, so etwas zu verändern.
Nichtsdestotrotz finde ich - um noch mal auf Connie zurückzukommen -: Lasst uns wirklich solch eine Arbeitsgruppe bilden. Ich plädiere übrigens für Ablehnung dieses Antrages. (Beifall)

Thomas Koczelnik, Kongressleitung

Edith, kommst Du bitte langsam zum Schluss.

Edith Jendrian, 799

Ich habe alles gesagt. Also Arbeitsgruppe und Ablehnung des Antrages. - Danke schön. (Beifall)

Thomas Koczelnik, Kongressleitung

Danke schön. Und entschuldige bitte, dass ich den Namen nicht sofort erkannt habe.

Es hat jetzt die Kollegin Rosemarie Dieckhoff das Wort. Die Delegiertennummer hat sie leider nicht auf den Wortmeldezettel geschrieben. Daher nennt sie sie selber.

Rosemarie Dieckhoff, 645

Guten Abend, liebe Kolleginnen, liebe Kollegen. Delegiertennummer 645. Ich möchte Euch auch bitten, diesen Antrag abzulehnen, und möchte das ganz kurz begründen.

Wir haben bei der Barmer Ersatzkasse ein eigenes Call-Center mit ca. 240 Kolleginnen. Wir haben nach langen Kämpfen dafür gesorgt, dass sie bei uns im Ersatzkassen-Tarifvertrag geblieben sind und dass wir sie bei uns in den Firmenstrukturen mit integriert haben.

Wenn wir diesem Antrag, der uns vorliegt, zustimmen würden, würden wir innerhalb unserer Betriebe Riesenprobleme kriegen. Das gilt nicht nur für die Barmer, das gilt für die AOK, das gilt für die DAK. Wir könnten unseren Kollegen nur noch schwer vermitteln, dass wir für sie nicht mehr zuständig sind, wie auch meine Vorrednerin gesagt hat. Deswegen bitte ich Euch, jetzt keinen voreiligen Beschluss zu fassen, sondern abzulehnen und noch einmal gründlich nachzudenken. (Beifall)

Thomas Koczelnik, Kongressleitung

Danke schön, Rosemarie. - Es hat der Kollege Günter Roggenkamp das Wort. (Zurufe: Hallo!) Günter, entschuldige! Ich habe vor Dir einen Antrag zur Geschäftsordnung.

Liesel Cords, 191

Ich bin Liesel Cords, Delegiertennummer 191. - Ich habe den Eindruck, wir haben jetzt wirklich alle Positionen ausgetauscht. Ich denke, wir sind bereit für eine Abstimmung. (Beifall)

Thomas Koczelnik, Kongressleitung

Der Günter zieht seine Wortmeldung zurück. Ich habe auch keine weitere Wortmeldung mehr vorliegen. - Du ziehst doch nicht zurück?
Wir kommen zur Abstimmung. - Ich muss zuerst noch fragen: Gibt es eine Gegenrede? - Günter verzichtet doch. Ich danke Dir. - Ich habe keine weiteren Wortmeldungen vorliegen und schaue in Richtung Antragskommission.

Sprecherin der Antragskommission

Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir erkennen an, dass die Trennung in der Zuständigkeit nach branchenabhängigen und branchenunabhängigen CallCentern weiterhin Sinn macht, und ändern unsere Empfehlung in Ablehnung. (Beifall)

Thomas Koczelnik, Kongressleitung

Liebe Kolleginnen und Kollegen, Ihr habt die veränderte Empfehlung der Antragskommission gehört. Wir kommen zur Abstimmung über diese veränderte Empfehlung. Wer ihr folgen möchte, den bitte ich um das Kartenzeichen. - Gegenstimmen? - Vereinzelte. Enthaltungen? Bei vereinzelten Gegenstimmen und vereinzelten Enthaltungen wurde der veränderten Empfehlung der Antragskommission gefolgt. (Leichter Beifall)

Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich darf dann die restlichen Anträge dieses Untersachgebiets aufrufen. Das sind die Anträge H91 und H92 - ich bitte, die Technik, das zu unterstützen -, H94 und 95 sowie H97 bis H101. Zu all diesen Anträgen liegen keine Wortmeldungen vor. Wer den Empfehlungen der Antragskommission folgen möchte, den bitte ich um das Kartenzeichen. Gegenstimmen? - Keine. Enthaltungen? - Ich sehe auch keine. Dann wurde den Empfehlungen einstimmig gefolgt.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich rufe auf das Untersachgebiet Mitgliedergruppen - Frauen. Das sind die Anträge H102 bis H110. Wir haben den Antrag H102 in die Einzelberatung gezogen. Das Wort dazu hat der Kollege Klaus Böhm mit der Delegiertennummer 489.

Klaus Böhm, 489

Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen, als vor vier Jahren der Seniorenausschuss in Hamburg für die Bereiche 2, 3, 6, 7 und 11 gegründet wurde, wurden in den Vorstand zwei Frauen und ein Mann gewählt. Der Mann bin ich. Vorsitzende war eine Frau. Wir waren mit der Wahl zufrieden. Wir hatten zwar unter 30 Prozent Mitgliederanteil von Frauen, aber die Wahl erfolgte nach Personen, oder besser gesagt: nach Persönlichkeiten in Einschätzung ihrer Arbeitsbereitschaft und ihres Leistungsvermögens. Ich schiebe das voran, damit Ihr mich nicht gleich in eine Schublade steckt, diese Schublade zuschiebt und die Ohren zumacht.

In „Publik“ im April stand unter der Überschrift „Die Frauen kommen“: „… müssen nach einer Übergangszeit spätestens 2007 zum 2. Bundeskongress der Gewerkschaft entsprechend ihrem Anteil die Frauen an der Mitgliedschaft in allen Leitungsgremien vertreten sein, also mindestens zur Hälfte. Das steht in der Satzung, die der Gewerkschaftsrat beschlossen hat.“ Nun dachte ich mir: Hast Du Deine Satzung nicht richtig gelesen? Ich guckte nach. Ich muss einen Fehldruck haben. Das mit der Hälfte stand nicht drin.

Im selben Artikel stand - Maggi hat es hier auch dargestellt -, dass künftig, nach diesem Kongress, fast alle Landesbezirksleitungen, wohl mit Ausnahme des Saarlandes, mit zwei Frauen und einem Mann besetzt sein werden. Wenn es denn dem Mitgliederverhältnis entspricht? Da habe ich nun allerdings meine Zweifel.
Ein gewesenes Unrecht wird durch ein neues anderes nicht aus der Welt geschafft. Sowohl im Grundgesetz als auch in der Entscheidungssammlung des Kontrollausschusses steht: „Niemand darf wegen seines Geschlechts benachteiligt werden.“ Dieses Recht auch für Männer geltend zu machen, dafür habe ich den Auftrag des LBSA Hamburg, dem zur Hälfte auch Frauen angehören, die diesem Anliegen nicht widersprochen haben. Die jetzige Praxis, liebe Kolleginnen und liebe Kollegen, haben Männer nicht verdient und Frauen nicht nötig. - Danke. (Leichter Beifall)

Thomas Koczelnik, Kongressleitung

Danke schön, Klaus. - Jetzt hat der Delegierte mit der Delegiertennummer 305 das Wort. Jung? Jürgen? Junker? Das können wir nicht lesen. Er weiß, wer gemeint ist, und sagt seinen Namen gleich am besten selber. (Der Aufgerufene kommt gemeinsam mit etwa 15 männlichen Delegierten zum Rednerpult.)

Jürgen Johann, 305

Die Kollegen, die jetzt schon um mich herum stehen, und auch die, die noch kommen, verzichten auf die Abgabe einer Wortmeldung, aber sie wollten gern, dass Ihr sie seht. (Beifall)

Manchmal, liebe Kolleginnen und Kollegen, muss man eine Organisation auf den Kopf stellen, man muss sie rütteln, man muss sie vollkommen neu erfinden, damit sie effizienter, stärker und schlagkräftiger wird. Aber manche Prinzipien sollten wir nicht ändern, zumindest nicht in den nächsten 20, 30 Jahren - und dazu gehört in ver.di die Mindestfrauenquote. (Starker Beifall)

In Anbetracht der fortgeschrittenen Zeit nur noch drei Sätze: Die Mindestfrauenquote hat die Frauen in ver.di stark gemacht. Sie hat aber auch die Männer in ver.di stark gemacht. Sie hat uns alle stärker gemacht gegen die Arbeitgeber und gegen unsere wahren Gegner. Deswegen bitten wir um Annahme, um Zustimmung zur Empfehlung der Antragskommission. Wir fordern Euch alle auf, die Mindestfrauenquote nicht nur in der Satzung zu lassen, sondern auch überall für ihre Durchsetzung zu sorgen. - Wir bedanken uns bei Euch. (Starker Beifall - Jubelrufe - zahlreiche Delegierte erheben sich von ihren Plätzen)

Thomas Koczelnik, Kongressleitung

Es ist ja kein Wunder, dass wir das nicht lesen konnten. - Lieber Johann mit Gefolge, wir danken Dir.

Es gibt einen Antrag zur Geschäftsordnung. Der Kollege wird voraussichtlich vom Saalmikrofon 2 aus sprechen.

Harald Pürzel, 391

Ich bin am Mikrofon 5. - Ich stelle den Antrag auf Schluss der Debatte. Ich denke, das war eine starke Demonstration, und wir müssen nicht mehr weiter diskutieren. (Beifall)

Thomas Koczelnik, Kongressleitung

Danke schön. - Wünscht jemand eine Gegenrede? - Bitte am Saalmikrofon 5.

Ein Delegierter

Ich stelle den Antrag, die Diskussion - es gibt ja noch ein paar Wortbeiträge, soweit ich weiß - auf morgen zu verschieben. Ich halte das Problem für ein bisschen differenzierter, als dass man es jetzt mit Klamauk beenden sollte. Deswegen meine dringende Bitte, das jetzt - es ist elf Uhr - abzubrechen und den Leuten, die noch einen Wortbeitrag haben, diesen zu ermöglichen und das morgen zu Ende zu diskutieren. Das wäre mein Antrag.

Thomas Koczelnik, Kongressleitung

Danke schön für die Gegenrede.

Wir kommen zur Abstimmung. Wer dem ersten Geschäftsordnungsantrag, jetzt zur Abstimmung zu kommen, folgen möchte, den bitte ich um das Kartenzeichen. - Gegenstimmen? - Vereinzelte Gegenstimmen. Stimmenthaltungen? - Wenige Enthaltungen. (Beifall) Hiermit ist also die Debatte zu diesem Antrag beendet.
Ich sehe in Richtung Antragskommission. - Sie möchte noch mal das Wort.

Sprecherin der Antragskommission

Die Empfehlung der Antragskommission bleibt. (Heiterkeit - Beifall)

Thomas Koczelnik, Kongressleitung

Danke schön. Dann kommen wir zur Abstimmung über die Empfehlung der Antragskommission. Wer ihr zustimmen möchte, den bitte ich um das Kartenzeichen. - Gegenstimmen? - Vereinzelte Gegenstimmen. Enthaltungen? - Äußerst vereinzelte Enthaltungen. (Beifall)

Liebe Kolleginnen und Kollegen, da dies der einzige Antrag war, der in diesem Block herausgezogen war, wollen wir die restlichen Anträge noch einmal in die En-bloc-Abstimmung holen. Es sind die Anträge H103 bis H110. Wer hier den Empfehlung der Antragskommission folgen möchte, den bitte ich um das Kartenzeichen. - Gegenstimmen? - Einzelne Gegenstimmen. Stimmenthaltungen? - Einzelne Stimmenthaltungen.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich darf mich ganz herzlich bei Euch bedanken.

Jaana Heider, 605

Nur noch ganz kurz, weil uns das ganz, ganz wichtig ist: Die Kommission, die den Vorschlag machen wird, welche Anträge morgen noch zu beraten sind, würden wir als Jugend ganz herzlich bitten, den Block N mit aufzunehmen, (Beifall) weil das nämlich der Block Bildungspolitik ist. Deshalb bitte auch für uns unbedingt noch mit aufnehmen! - Danke schön. (Beifall)

Thomas Koczelnik, Kongressleitung

Danke schön für den Hinweis. Ich habe auch noch einen Hinweis: Solltet Ihr noch den Wunsch haben, hier Fototermine zu machen, so müssen diese bis 23.15 Uhr erledigt sein, damit auch die Techniker in den wohlverdienten Feierabend kommen.

Kolleginnen und Kollegen, für Eure große Disziplin heute und für die rege Diskussion recht herzlichen Dank. Ich darf darauf hinweisen, dass sich diese Kommission, deren Namen ich auch nicht so genau weiß, sich in einer Viertelstunde im Raum der Kongressleitung treffen wird. Insofern seid dort herzlich eingeladen.

Euch allen einen schönen Abend und einen schönen Nachhauseweg. Und für die, die morgen Geburtstag haben: Genießt die knappe Stunde bis dahin! Tschüss!

Ende des 5. Kongresstages: 23.04 Uhr